Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.10.2003 - 

Vorwurf: Unfaire Geschäftspraktiken und Verstoß gegen Verbraucherschutzgesetz

Microsoft wegen Sicherheitsmängeln verklagt

MÜNCHEN (CW) - Microsoft muss sich einer gerichtlichen Untersuchung wegen Sicherheitsmängeln in seiner Software stellen. Eine Kalifornierin wirft dem Unternehmen vor, unsichere Produkte zu verbreiten, und strebt eine Sammelklage an.

Die Klägerin will Microsoft dafür zur Verantwortung ziehen, dass ihr Heimcomputer gehackt wurde und dadurch ihre persönlichen Daten wie Name, Sozialversicherungs- und Kontonummer in falsche Hände gerieten. Die Klage vor dem Superior Court in Los Angeles könnte eine Lawine ins Rollen bringen.

Der Gates-Company wird auch ein Verstoß gegen ein neues kalifornisches Verbraucherschutzgesetz zur Last gelegt. Letzteres verpflichtet Unternehmen dazu, ihre Kunden zu informieren, sobald der Schutz persönlicher Daten aufgrund von Sicherheitsmängeln in ihren Produkten nicht mehr gewährleistet ist.

Microsoft mache es für Nutzer wie die Klägerin zu schwer, ihre Systeme vor derartigen Bedrohungen zu schützen, so Dana Taschner, der Anwalt der Klägerin. Letztere sieht sich als Vertreterin aller Anwender von Microsofts Betriebssystem und strebt deshalb eine Sammelklage an. Zwar gebe der Hersteller Sicherheitswarnungen aus, allerdings seien diese meist zu kompliziert, um von Normalverbrauchern verstanden zu werden, heißt es in der Klageschrift. Im Gegenteil, sie lieferten Hackern nicht selten die nötigen Hinweise auf vergleichbare Schwachstellen, die sich für weitere Angriffe nutzen ließen. Die Anklage verspricht sich von ihrem Vorgehen, dass Microsoft zu einer besseren Informationspolitik gezwungen wird.

Als "unfaire Geschäftpraxis" werden der Gates-Company in diesem Zusammenhang auch die in den Lizenzverträgen enthaltenen Nutzungsbestimmungen ausgelegt, denen der Endverbraucher vor dem Ersteinsatz des Produkts zuzustimmen hat. Sie sind in der Softwarebranche üblich und schränken die Haftung des Herstellers für Folgen eventueller Softwareprobleme drastisch ein.

Auf diese Rechte kann sich Microsoft nach Auffassung der Klageseite aufgrund seiner Dominanz im Bereich der PC-Betriebssysteme nicht berufen. Schließlich könnten sich die Anwender nicht - anders als bei anderen Produkten - etwa von 20 verschiedenen Betriebssystemen eines herauspicken, argumentiert Taschner. Microsoft will Einspruch erheben, falls die Sammelklage zugelassen wird. "Wir haben das Thema Security und die Entwicklung sicherer Produkte zur obersten Priorität gemacht", so Firmensprecher Sean Sundwall. "Unserer Meinung nach wendet sich die Anklage an die falsche Adresse." Verursacher der Sicherheitsprobleme seien schließlich Virenschreiber oder Hacker und nicht der Softwarehersteller selbst.

In der Industrie wird der Fall mit Spannung verfolgt. In anderen Branchen, etwa dem Automotive-Sektor, fragen sich Insider schon länger, warum im Softwarebereich offensichtlich laxere Sicherheitsmaßstäbe angelegt werden. (kf)