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24.09.1993

Microsoft will Big Blue in die Enge treiben OS/2-Anwenderschaft bangt um die Kompatibilitaet zu Windows

MUENCHEN (CW) - Verunsicherung herrscht derzeit unter US- amerikanischen OS/2-Usern. Ein Cross-Licensing-Abkommen zwischen den Erzrivalen Microsoft und Big Blue, das bisher einen Quellcode- Austausch gewaehrleistet hatte, laeuft dieser Tage aus. So wird die IBM fortan einen anderen Weg finden muessen, um Kompatibilitaet von Windows-Applikationen mit ihrem Betriebssystem bieten zu koennen.

"OS/2 befindet sich in der Sackgasse", proklamierte Microsoft-Chef Bill Gates anlaesslich der Windows-NT-Vorstellung in Muen-chen und machte damit gleichzeitig Microsofts kuenftige Strategie gegen Big Blue klar. Mit der Bekanntgabe, ab sofort keinen Quell-Code neuer Windows-Versionen an IBM liefern zu wollen, will Microsoft dem OS/2-Engagement von Big Blue ein Ende bereiten.

Keine Panik-Stimmung jedoch herrscht in der IBM-Fuehrungsetage: Nach Angaben der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" entwickelt Big Blue derzeit an einer Zusatztechnologie zu OS/2, die es dem Betriebssystem ermoeglicht, Windows-Code zu verarbeiten. Somit wuerde neben der bisher an Microsoft entrichteten Gebuehr (siehe CW Nr. 38 vom 17. September 1993: "Zu hohe Gebuehren an Microsoft: IBM ueberdenkt OS/2-Politik"), auch die Abhaengigkeit vom Windows- Quellcode entfallen.

"Wir haben das Recht, jegliche Application-Programming-Interfaces (API) zu implementieren, die Microsoft auf den Markt bringt", unterstreicht Lois Dimpfel, Director im Boca Programming Center von IBM, Boca Raton, die derzeitige Entwicklungsarbeit der Armonker.

Microsoft hingegen bezeichnet diese Rechte als ungueltig. Vielmehr habe Big Blue die US-Gesetze falsch ausgelegt, unterstellen die Microsoft-Verantwortlichen. Der Ex-Partner IBM sei weder befugt, das Windows NT-API zu kopieren, noch Win32 oder etwa das API- Zusatzmodul von Win32.

Doch auch wenn IBM eine eigene Entwicklung mit rechtlicher Unterstuetzung durchsetzen koennte, waeren die technischen Huerden kaum ueberwindbar, ist sich Bob Kruger, Director of Business Development bei der Microsoft Corp. sicher. "Ohne den Quellcode wird IBM eine grosses Stueck Arbeit vor sich haben", zweifelt der Manager am IBM-Konzept. Schliesslich habe Big Blue ein ganzes Jahr benoetigt, um die OS/2-Unterstuetzung von Windows 3.1 bieten zu koennen - obwohl die Company sogar Zugriff auf den Quellcode der grafischen Benutzeroberflaeche erhalten habe.

Grosse Konfusion herrscht indes im Lager der US-amerikanischen OS/2-Entwickler. Sollte IBM nicht in der Lage sein, Kompatibilitaet zu kuenftigen Windows-Applikationen garantieren zu koennen, waere ein Rueckgriff auf fruehere Windows- oder auf OS/2-Applikationen unumgaenglich, befuerchten manche Branchen-kenner.

Optimistische OS/2-Benutzer glauben nicht daran, dass es Microsoft gelingen wird, der grossen IBM Daumenschrauben anzusetzen: Mit der kuerzlich erfolgten Akquisition von Sunselects Windows Application Binary Interface (Wabi) sei es Big Blue trotz der angekuendigten Microsoft-Politik moeglich, Windows-Applikationen unveraendert auch unter Unix ablaufen zu lassen. Ferner liesse sich durch ein Reverse-Engineering des Intel x86-Instrucion-Sets sowohl Win-dows- als auch DOS-Code auf dem in Kuerze erhaeltlichen Power PC verwenden.