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26.09.2003 - 

Windows Storage Server 2003

Microsoft will den NAS-Markt erobern

MÜNCHEN (IDG/hi) - Nach dem erfolgreichen Einstieg im unteren Marktsegment für Network-Attached-Storage-Lösungen (NAS) will sich Microsoft nun auch in der Speicheroberliga etablieren. Beim "Windows Storage Server 2003" setzt das Softwarehaus auf seine bewährte Strategie, Features, die früher Extras waren, in das Betriebssystem zu integrieren.

Auf der Suche nach neuen Märkten für sein Server-Betriebssystem versucht Microsoft verstärkt, im NAS-Highend-Segment zu punkten. Zu diesem Zweck hat der Konzern auf Basis der Windows-Server-2003-Technologie den Windows Storage Server 2003 (WSS) entwickelt, der in NAS-Umgebungen für das Fileserving zuständig ist. Für Unix-Systeme unterstützt das WSS-System das Network File System (NFS), für Windows-Rechner den Server Messenger Block (SMB) oder das Common Internet File System (CIFS). Ferner ist zudem eine Anbindung an Netware- und Appletalk-Verbünde möglich. Im Vergleich zu anderen NAS-Betriebssystemen weist der WSS zudem noch eine Besonderheit auf: die Unterstützung von Print-Services auf einer Storage-Plattform. Mit diesem Funktionsumfang will die Company den WSS als die führende Betriebssytem-Plattform im NAS-Segment etablieren.

Vom Aufschwung profitieren

Microsoft bewegt sich damit in einem Markt, der im Zuge der weltweiten IT-Krise im Jahr 2002 um fast 14 Prozent auf 1,54 Milliarden Dollar schrumpfte, aber gute Prognosen hat: Die Analysten von IDC rechnen schon in diesem Jahr im NAS-Segment mit einer leichten Erholung auf 1,77 Milliarden Dollar. Bis 2007 sollen die Umsätze mit NAS-Equipment dann auf 3,17 Milliarden Dollar klettern.

Obwohl Microsoft seine Enterprise Storage Division (ESD) erst im Januar 2002 gründete und damit spät in diesen Markt startete, eroberte sich der Neuling bereits einen ansehnlichen Marktanteil. Erste Erfolge brachte das "Microsoft Server Appliance Kit" (SAK), das später in "Windows powered NAS" umbenannt wurde. Nach Berechnungen von IDC steigerte Microsoft seinen Anteil von acht Prozent im letzten Jahr im ersten Quartal 2003 auf 41 Prozent. Nach Einschätzung von Analysten der US-amerikanischen Enterprise Storage Group (ESG) profitierte der Softwareriese dabei von dem Trend, existierende File-Server durch NAS-Systeme zu konsolidieren.

Allerdings, so schränkt IDC-Analyst Brad Nisbet ein, spielte Microsoft dabei bisher nur im unteren NAS-Segment eine signifikante Rolle, und zwar als Betriebssystem-Lieferant für diese Speicherlösungen. Mit dem Windows Storage Server 2003 in der Standard und der Enterprise Edition adressiert der Konzern nun auch die höheren Segmente wie etwa den Bereich der Rechenzentren.

Angesichts der Verbesserungen und neuen Funktionen, die Microsoft in den WSS packte, rechnen die Marktbeobachter der ESG damit, dass die Redmonder auch auf dem Midrange- und Enterprise-Level erfolgreich Fuß fassen werden. Dazu dürfte beitragen, dass Microsoft eigenen Angaben zufolge auf die Kritik der Vergangenheit reagiert und beim WSS im Vergleich zum Windows powered NAS die Performance deutlich verbessert hat. Für CIFS wird ein hundertprozentiger und für NFS immer noch ein fünfzigprozentiger Leistungszuwachs gemeldet.

Ferner wartet die für das obere Marktsegment konzipierte Enterprise Edition neben der Leistungsverbesserung mit der Möglichkeit eines Clustering von bis zu acht NAS-Maschinen auf. Während diese Neuerung nur der Highend-Version vorbehalten bleibt, halten Features wie Volume Shadow Copy Services (VSS), Virtual Disk Services (VDS), Multipath I/O (MPIO) sowie das Distributed File System in beiden WSS-Versionen Einzug.

Die Features im Detail

Mit den VSS adressiert Microsoft das Thema Datensicherheit und gibt den Anwendern die Möglichkeit, einen Schnappschuss der Daten auf einer NAS-Appliance zu erstellen. Das Besondere im Gegensatz zu anderen Backup-Methoden ist, dass Dateien auch geöffnet sein können. Dabei besteht die Möglichkeit, bis zu 64 Schnappschüsse zu erstellen, die dann eine Sicherung beziehungsweise Bestandsaufnahme der Daten zu einem definierten Zeitpunkt darstellen. In Verbindung mit anderen Applikationen lassen sich diese Momentaufnahmen nicht nur als Backup archivieren, sondern auch für Data Mining oder Data Sharing verwenden.

Für die Hardwarehersteller stellen die VSS eine deutliche Erleichterung dar. Sie müssen nämlich nicht mehr wie früher diese Funktionalität in Eigenregie in ihre Speichermaschinen implementieren, sondern brauchen nur noch ein entsprechendes Verbindungs-Tool zur VSS-API zu schreiben.

Ebenfalls als API konzipiert, sind die Virtual Disk Services - Microsofts Beitrag zu aktuellen Diskussion über die Virtualisierung von Rechenzentren und Speichernetzen. Für den Benutzer soll dieses Konzept das Speicher-Management in heterogenen Landschaften vereinfachen, indem es IT-Administratoren Funktionen zum Volume- sowie zum LUN-Management (LUN = Logic Unit Numbers) bereitstellt. Ferner können über dieses API Aufgaben wie das automatische Abrechnen der Speichernutzung realisiert werden. Darüber hinaus ist die Virtualisierung in größeren IT-Infrastrukturen von Bedeutung, wenn etwa ein NAS einem SAN als Gateway vorgeschaltet wird. In diesem Fall erlauben es die VDS, Volumes aus dem SAN mit Hilfe des Windows Storage Servers dem Benutzer zur Verfügung zu stellen. Die Anbindung an die SANs erleichtert dabei die Unterstützung von iSCSI und Fibre Channel, die das Betriebssystem von Haus aus beherrscht.

Verwandtschaft zur SAN-Welt

Eine gewisse Verwandtschaft zur SAN-Welt weist ebenfalls die neu hinzugekommene Funktion Multipath/IO auf, die mit dem dort bekannten Multipathing vergleichbar ist. Mit Hilfe der MPIO können NAS-Arrays über verschiedene Verbindungen angekoppelt werden, so dass beim Ausfall eines Übertragungspfades der Enduser weiterhin Zugriff auf die Speicher hat. Diese Funktionalität dient jedoch nicht nur zur Erhöhung der Ausfallsicherheit, sondern auch als Load-Balancing-Feature. Insgesamt erlaubt MPIO die Verwendung von bis zu 32 Zugriffspfaden.

Ein anderes, verstärkt auftretendes NAS-Problem, versucht Microsoft mit dem Distributed File System (DFS) zu adressieren: Die ursprüngliche Philosophie des NAS, also die einfache Einbindung und das Management von zusätzlichem Plattenplatz, verkehrt sich schnell in das Gegenteil, wenn wegen Kapazitätsengpässen mehrere NAS-Systeme verwendet werden müssen. Um auch hier für den Benutzer einen Datenzugriff unabhängig vom eigentlichen Speicherort zu gewährleisten, erlaubt DFS die Vergabe virtueller Namespaces. Auf diese Weise werden Dateien und Ordner unabhängig von ihrer physikalischen Lokalisierung konsolidiert.

Erste Praxiseindrücke

Insgesamt hat Microsoft, wie die Enterprise Storage Group einräumt, mit dem Windows Storage Server das NAS-Rad nicht neu erfunden. Der Konzern folgte auch beim WSS seinem bewährten Erfolgsrezept, Zusatzfunktionen, die der Anwender vorher in Form von separaten Tools zukaufen musste, in sein Betriebssystem zu integrieren. Für den Anwender besteht ein wesentlicher Fortschritt darin, dass er diese Features nun über ein einheitliches Frontend bedienen kann.

Positiv fielen in einem ersten Test der CW-Schwesterpublikation Infoworld die zahlreichen Administrations-Tools auf. Ähnlich wie bei anderen Windows-Produkten greifen dem Benutzer bei der Bewältigung dieser Aufgaben Wizards unter die Arme und erleichtern etwa die Festlegung von Netzparametern oder Routinearbeiten wie das Anlegen von Platten-Shares. Der Zugriff auf die Administrationsoberfläche erfolgt über einen Web-Browser.

Mit diesem Adminstrationskonzept ist etwa ein Systembetreuer in der Lage, ein HTTP-Share über einen Netscape-Browser, der auf einer Linux-Maschine läuft, auf dem Windows-basierten Storge Server anzulegen. Alles in allem klingt dies auf den ersten Blick vielversprechend, doch in der Praxis zeigen sich einige Inkonsistenzen des Bedienungskonzepts. Sollen beispielsweise Server Shares für Novell-Netware-Clients angelegt werden, geht dies nicht mehr via Browser, sondern nur über die Windows-eigenen Administrations-Tools. Der Zugriff auf diese Werkzeuge erfordert jedoch die Verwendung des Remote Desktop Protocols (RDP). Schwächen dieser Art offenbart die grafische Benutzeroberfläche auch beim Volume-Management.

Positiv fiel dagegen das Zusammenspiel des Speicher-Managements mit dem Active Directory auf. Die Definition von Plattenplatz für die einzelnen Benutzer lässt sich beispielsweise vereinfachen, indem auf Directory-Informationen einer Windows Domain zurückgegriffen wird, und so der Systembetreuer die User nicht einzeln anzulegen braucht. Im Alltagsbetrieb unterstützen den Administrator ferner Reports, die Informationen über die Auslastung einer NAS-Appliance liefern.

Da der WSS nur im Verbund mit entsprechender Hardware von Microsoft-Partnern erhältlich ist, interessieren besonders die Reaktionen der Hardware-Hersteller, die gemischt ausfallen. Während Firmen wie Network Appliance oder Snap Alliance an ihren eigenen Betriebssystemen festhalten, bekennen sich andere Anbieter wie Dell, Fujitsu Siemens, Hewlett-Packard, Iomega oder NEC zu Speicherlösungen auf Basis des WSS. Bei Dell sind ab 5000 Dollar die für kleinere und mittelständische Unternehmen konzipierten Systeme "Power Vault 770N" und "775N" mit dem Microsoft-System erhältlich. HP liefert sein "Storageworks NAS 2000" mit dem WSS aus. Für eine Variante mit 580 GB Plattenplatz sind hier Kosten ab 8295 Dollar einzukalkulieren.

Neue Funktionen

Enterprise Edition: Neben der Standardausführung gibt es nun eine Enterprise-Variante, die das Clustering von bis zu acht NAS-Maschinen erlaubt.

Volume Shadow Copy Services: Stellen dem Benutzer verbesserte Backup-Optionen bereit.

Virtual Disk Service: Erleichtert das Management der Speicher-Volumes.

Multipath I/O: Erhöht die Verfügbarkeit der Daten und erlaubt Load Balancing.

Distributed File System: Vereinfacht den Datenzugriff unabhängig vom physikalischen Speicherort.