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WAN-NDIS soll CAPI-Interface ersetzen

Microsoft will eigene ISDN-Schnittstelle

16.08.1996

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hatten sich die zerstrittenen Europäer endlich auf eine einheitliche Schnittstelle zwischen Applikationen und ISDN-Karten geeinigt. Letztlich behaupteten sich die Deutschen mit dem von ihnen favorisierten CAPI gegenüber dem französischen PCI-Vorschlag. Wie es jetzt scheint, können sich die Europäer nicht lange ihres Standards erfreuen, denn aus den USA drohen neue Probleme.

Desktop-Monopolist Microsoft will nämlich seine eigene WAN-NDIS-Schnittstelle als ISDN-Interface durchsetzen. Sie soll künftig die Kommunikation zwischen ISDN-Karten und den Betriebssystemen aus dem Hause Gates übernehmen. Auf den ersten Blick erscheint die Wahl dieser Schnittstelle durchaus sinnvoll, ist sie doch als einheitliches WAN-Interface für alle Kommunikationsarten von ISDN bis ATM konzipiert.

Allerdings hat das jenseits des großen Teiches favorisierte WAN-NDIS einen großen Haken - es ist nur für die Datenkommunikation definiert. Darin sehen deutsche ISDN-Hersteller eine gravierende Funktionseinschränkung, denn das europäische CAPI bietet die Integration verschiedener Telematikdienste wie Fax-, Daten- und Sprachkommunikation.

Für die Europäer gibt es, so die Gerüchteküche, zwar das Trostpflaster, daß die Gates-Company zumindest in ihren für den alten Kontinent konzipierten Betriebssystemen sowohl CAPI wie auch WAN-NDIS unterstützen will.

Doch die Hersteller für ISDN-Equipment müßten künftig zwei Treiber entwickeln, wenn sie ihre Produkte in den USA vermarkten wollen. Dort möchte der Softwaregigant seine Produkte nur mit WAN-NDIS ausliefern.

Einen ersten Vorgeschmack auf die drohenden Schwierigkeiten bietet das ISDN-Accelerator-Pack for Windows 95, das auf der NDIS-Architektur aufsetzt und sich nicht parallel mit dem CAPI-System von Windows 95 verwenden läßt. Im Gegensatz zu den gängigen ISDN-Applikationen, die dank normierter CAPI-Schnittstelle mit jeder Karte einsetzbar sind, funktioniert Microsofts Variante bisher nur mit zwei deutschen ISDN-Karten und einigen US-Modellen. Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma wäre, die NDIS-Schnittstelle auf CAPI aufzusetzen und so dem Anwender beide Interfaces bereitzustellen. Ein Mehraufwand, der unnötig wäre, wenn Microsoft CAPI weltweit implementierte.

Um die Gates-Company dazu zu bringen, würde die Berliner ISDN-Softwareschmiede Acotec, die unter anderem das ISDN-CAPI-Subsystem für Windows 95 schrieb, eine konzertierte Aktion des deutschen ISDN-Lagers begrüßen. Insider glauben, daß Microsoft mit dem NDIS-Coup weniger den technischen Fortschritt im Auge hat als vielmehr den ISDN-Vorsprung der Europäer neutralisieren will.

Eine Vermutung, die durch die deutsche Microsoft-Niederlassung in Unterschleißheim nicht unbedingt entkräftet wird. Dort betont man zwar, daß WAN-NDIS gegenüber CAPI keinen besonderen Vorteil biete, diese Schnittstelle aber den amerikanischen Herstellern das Schreiben entsprechender ISDN-Treiber erleichtern solle.

Ansonsten versicherte Microsoft, in Europa auch künftig CAPI zu unterstützen. Zudem bestehe für die europäischen Hersteller die Möglichkeit, NDIS auf CAPI aufzusetzen. Ein Schritt, der nicht unbedingt notwendig sei, da der Verzicht auf die WAN-NDIS-Schnittstelle zur Zeit keine Einschränkung mit sich bringe.