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07.11.2006

Microsoft will ERP-Systeme vermieten

Bill Gates kündigte auf der Convergence 2006 in München an, Microsoft werde über Partner neben CRM- auch ERP-Software zur Miete anbieten.

Was für das CRM-Produkt schon gilt, führt Microsoft nun ebenfalls für die ERP-Produkte ein. Über das "Microsoft Service Provider License Agreement" wird es möglich sein, Produkte wie "Dynamics NAV" und "AX" zur Miete zu nutzen. Kunden zahlen einen monatlichen Betrag, während Partnerfirmen das Hosting übernehmen. Das Programm startet Anfang 2007. Gates sprach auf der "Convergence 2006 Emea" in München. Diese Veranstaltung mit Fokus auf Unternehmenssoftware hielt der Konzern erstmals außerhalb der USA ab.

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Defizite bei Oberflächen

Nach Ansicht von Gates ist es der Branche bisher nicht gelungen, Business-Software mit Benutzeroberflächen auszustatten, die den Anwendern wirklich weiterhelfen. Dies wolle sein Unternehmen nun ändern. Neue Dynamics-Lösungen sorgten dafür, die Produktivität des einzelnen Mitarbeiters zu steigern. Vor allem soll dies offenbar durch bessere Frontends geschehen, die auf Windows Vista und Office 2007 aufsetzen. Die Anwenderschnittstelle werde sich künftig stärker an der Rolle des jeweiligen Benutzers ausrichten. Hierzu habe Microsoft über einen längeren Zeitraum das Verhalten von Mitarbeitern in Unternehmen analysiert und daraus eine Reihe von Benutzerrollen abgeleitet. "Wenn ERP-Anwender noch gelbe Zettel verwenden, passt irgendwas mit der Software nicht", so Gates. Dem Business-Softwarenutzer komme dabei auch entgegen, dass er mit Office und Windows bekannte Produkte verwenden kann.

Gates kündigte außerdem an, weiter kräftig in die Dynamics-Produktlinie zu investieren. Ein Entwicklungsziel sei, den Anpassungsaufwand zu reduzieren. "Customizing sollte auf ein Minimum begrenzt werden." Der Microsoft-Gründer stellte außerdem weitere "Live"-Dienste in Aussicht. Auch dabei handelt es sich um Mietprodukte, diese stellt jedoch der Softwarekonzern selbst bereit.

Mit den gehosteten Diensten wandte sich Microsoft bislang vor allem an private Konsumenten. Nun erweitert das Unternehmen die Angebote auf Geschäftskunden. Im nächsten Jahr soll mit "Dynamics CRM Live" zunächst in den USA eine Software-as-a-Service-Variante (SaaS) des CRM-Produkts von Microsoft auf den Markt kommen. Später werde man dieses Angebot auch in anderen Ländern ausrollen. Das Live-Angebot wird ergänzt durch weitere Web-Dienste für Collaboration, Online-Werbung und Auction-Services. Auf Grundlage von Sharepoint entsteht ein Collaboration-Service, über den zum Beispiel Geschäftspartner in Teamräumen kommunizieren und Dokumente austauschen können.

Geschäfte mit Online-Werbung

Über einen Marketing-Service soll es Nutzern von CRM Live möglich sein, aus ihrem Frontend Online-Werbung in Microsofts "Ad Center" zu platzieren und den Erfolg von Online-Werbekampagnen zu messen. Vor einigen Monaten hatten bereits die Microsoft-Konkurrenten Salesforce.com und Netsuite ähnliche Dienste für ihre CRM-Mietplattformen vorgestellt.

Der Auction-Service dient dazu, Produkte aus einer Dynamics-Applikation direkt in eine Ebay-Auktion einzustellen. Eine weitere Neuheit ist eine Online-Community ("Microsoft Dynamics Community"), über die sich Softwarenutzer austauschen können. Dabei werden Social-Networking-Konzepte verwendet, um zum Beispiel zu den Fragen eines Teilnehmers Antworten von Experten zu finden.

SAP hält wenig von Miet-ERP

Konkurrent SAP hatte auf diese Frage unlängst mitgeteilt, für ERP-Lösungen ließen sich unter anderem wegen gesetzlicher Vorgaben (Compliance) nur sehr schwer Mietangebote schnüren. Die Walldorfer haben kein mit Live vergleichbares Angebot und sehen Mietsoftware eher als Vehikel, um Kunden einen kostengünstigen und schnellen CRM-Einstieg anzubieten. Sie sollen später auf ein On-Premise-Produkt umsteigen.

Microsoft dagegen will mit Live ein neues Softwaregeschäft etablieren. Trotzdem sollen sich auch Live-Lösungen mit On-Premise-Software kombinieren lassen. Laut Hersteller ist CRM Live so gebaut, dass es mit On-Premise-ERP verknüpft werden kann. Hierzu müsse der Kunde auch nicht die neueste Version etwa von Dynamics Nav installiert haben. Ferner sei es machbar, CRM-On-Premise parallel mit den Live-Lösungen zu betreiben, um beispielsweise Niederlassungen kostengünstig mit Kunden-Management-Funktionen auszustatten. Außerdem verspricht der Konzern, dass Kunden ohne Reibungsverluste eine CRM-Live-Installation in eine On-Premise-CRM-Umgebung überführen können. Live-Programme lassen sich jedoch nicht verändern, Anwender haben also nicht die Möglichkeit, eigenen Code in die Mietumgebung einzufügen.

Generell sieht Microsoft drei Nutzungsmodelle für Dynamics-Produkte vor: das installierte Produkt ("On-Premise"), Hosting durch Partner und Live. Jedoch macht das Unternehmen deutlich, dass On-Premise das bevorzugte Modell sei.

Gezeigt wurde dem Publikum darüber hinaus, wie die zukünftigen Frontends für Microsofts Business-Software aussieht. Dem Anwender erscheint die künftige Benutzerschnittstelle von "Dynamics Nav 5.1" wie eine Portaloberfläche. Voraussetzung dafür sind neben dem ERP-System, das in dieser Fassung im Laufe des nächsten Jahres erscheint, auch Windows Vista und Office 2007.

Zu viele Upgrades

Der Anwender erhält je nach Rolle im Unternehmen Zugriff auf bestimmte Datenbereiche und Funktionen, die Grafik dargestellt werden. Ferner kann er Leistungsindikatoren, etwa die Liefergenauigkeit bei Aufträgen ansehen und Details abrufen. Ein anderer Fensterbereich präsentiert ihm seine Outlook-Inhalte. Die gesamte Bedienung erinnert an ein Office-Programm und hat wenig mit den heutigem ERP-Client gemein hat. Ein nettes Vista-Feature ist, offene Fenster wie einen Stapel Papier auf dem Bildschirm durchzublättern.

Wie viele Kunden auf diese neue Technik aufspringen ist fraglich. "Mittelständische Firmen können sich entweder ein Betriebssystem- und Office-Upgrade oder einen ERP-Release-Wechsel leisten. Beides gleichzeitig kaum", so Nigel Montgomery, Research Director bei AMR Research. Viele Nutzer von Navision verwenden noch das Release 3.70, haben also nicht einmal die aktuelle Version 4.0.

Ferner zeigte Microsoft mit dem "Sharepoint Server 2007 for Search" eine Suchmaschine für strukturierte und unstrukturierte Informationen. Anwender finden darüber Geschäftsdokumente im Office-Format, aber auch Datensätze in ERP- und CRM-Produkten von Microsoft sowie von Drittanbietern. Ferner soll eine Suche zum Beispiel nach Fachleuten möglich sein".

Die Preise für das Suchsystem beginnen bei 7000 Euro für 500000 Dokumente, wobei die Recherche in strukturierten Daten extra zu zahlen ist. Auch andere Anbieter von Business-Software wie SAP und Oracle sowie Infrastrukturspezialisten wie IBM entwickeln solche Suchmaschinen oder haben sie bereits im Angebot.

Microsoft baut an Plattform

Der Hersteller hat mit Dynamics eine Dachmarke für seine Business-Software geschaffen. Gleichzeitig steht der Begriff für eine Plattform, die mit Softwarekomponenten ausgestattet ist, auf denen CRM- und ERP-Programme laufen können. Diese Pläne erinnern an die von SAP ("Netweaver") und Oracle ("Fusion Middleware"), die ebenfalls Infrastruktur für Business-Lösungen bauen.

Bereichern will Microsoft seine Plattform um Collaboration (Sharepoint) und Business-Intelligence auf der Grundlage der Reporting Services des SQL Server 2005. Das Ziel dabei: Möglichst viele Anwender sollen Funktionen zum Beispiel zur Geschäftsdatenanalyse nutzen können, was heute oft noch - wegen der komplexen Systeme und der mangelnden Fokussierung auf den jeweiligen Nutzer - nur einigen Spezialisten im Unternehmen vorbehalten ist. (fn)