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16.08.1991 - 

Bill Gates' Company forciert den Wettbewerb mit Novell

Microsoft will mit Version 2.1 des LAN Managers Flagge zeigen

MENLO PARK (IDG) - Der durch neue Allianzen im Markt für Microsoft zunehmend rauher werdende Wind zeigt auch Auswirkungen auf den LAN-Bereich. Entgegen ursprünglichen Plänen will das Unternehmen noch in diesem Quartal die LAN-Manager-Version 2.1 freigeben. Weiterer Zwist mit IBM ist dabei vorprogrammiert: Das neue Upgrade wird unter Windows 3.1 laufen. Gleichzeitig erwägt die Gates-Company die Einstellung der Arbeiten an einem einheitlichen Interface zu Big Blues OS/2-LAN-Server.

Neben der neuen Benutzeroberfläche Windows 3.1 wird der LAN Manager 2.1 nach Angaben von Steve Ballmer, Microsofts Senior Vice President of Systems Software, Connectivity-Tools zu Novells Netware und zu Big Blues Netview enthalten. Als weitere Features stellte der Microsoft-Verantwortliche noch für dieses Jahr die Unterstützung von TCP/IP und SNMP in Aussicht. Ebenfalls vorgesehen ist die Auslieferung einer Macintosh Client-Software und eines Remote-LAN-Zuganges. Der neue LAN Server wird Unix-, OS/2- und VMS-Server unterstützen. Die neuen Features sollen in Form einzelner Softwarepakete auf den Markt kommen. Abgerundet wird das Leistungsspektrum laut Ballmer durch aktualisierte SQL- und Communications-Server.

Mit der Ankündigung des neuen Releases reagiert der Softwareriese auf Spekulationen aus Fachkreisen, die Marktakzeptanz des LAN Manager liege weit hinter der bei seiner Einführung proklamierten Zielsetzung zurück. Nach wie vor beherrscht nach übereinstimmenden Analysen der meisten Marktbeobachter Novell den LAN-Markt mit rund 65 Prozent Marktanteil, während die Mannen um Bill Gates immer noch deutlich unter der 20-Prozent-Marke liegen. Unzufriedenheit darüber räumte Ballmer gegenüber der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" ein: "Es gab im vergangenen Jahr Entwicklungen im Networking-Bereich, die wir so nicht vorhersehen konnten und die die Etablierung des LAN Managers im Markt weitaus schwieriger machten, als wir es vermutet hatten".

Mit dem verbesserten Upgrade soll nun Marktführer Novell ernsthaft Paroli geboten werden - auch oder gerade angesichts aufziehender dunkler Wolken am Horizont. Der Microsoft-Verantwortliche sprach in diesem Zusammenhang ohne Umschweife von einer großen Besorgnis, die sich im Zusammenhang mit der "Troika" IBM/Novell/Digital Research in der Redmonder Konzernzentrale breitmache.

Vor allen Dingen Novells Coup mit der Übernahme von Digital Research sei für sein Unternehmen, so Ballmer, völlig überraschend gewesen und in seinen Konsequenzen noch nicht abzusehen.

Unabhängig davon habe der Networking-Bereich oberste Priorität bei den Neuentwicklungen, und die längerfristigen Pläne gingen dabei eindeutig in die Richtung, LAN-Manager-Features künftig in die Windows-Umgebung zu implementieren um - ähnlich wie nun vermutlich Mitbewerber Novell - PC-Betriebssysteme mit Netzwerksoftware auszurüsten. Daß dies letztlich nur zu Lasten von OS/2 gehe, gab Ballmer unumwunden zu. Dabei war er offensichtlich bestrebt, weiteres Öl ins Feuer des schwelenden Konfliktes mit IBM zu gießen. Angesprochen auf die seit zwei Jahren angekündigte Entwicklung eines einheitlichen Interfaces zum OS/2-LAN-Server, der IBM-Version des LAN Managers, stellte der Microsoft-Verantwortliche lapidar fest: "Darauf brauchen die Anwender wohl nicht mehr zu warten."

Die Pläne hierfür wurden, so Ballmer, auf Eis gelegt und werden aller Voraussicht nach nicht mehr realisiert. Obwohl bereits mit der Application-Programming-Interface-Kompatibilität rund 70 Prozent des Pflichtenheftes abgedeckt sind, werden die Anwender des LAN Managers beziehungsweise des OS/2-LAN-Servers auch zukünftig mit unterschiedlichen Interfaces und Systemplattformen leben müssen. Allen enttäuschten Usern will das Unternehmen spätestens 1992 ein "Trostpflaster" anbieten und das heißt: Völlige Kompatibilität des LAN Managers zu Windows.

Nicht gerade Jubelstürme dürften in Armonk zudem Ballmers Ankündigungen auslösen, daß Migrationshilfen für OS/2 und den Presentation Manager geplant seien. OS/2-Applikationen sollen sich auf diese Weise in die neue Windows-Umgebung implementieren lassen, zusätzlich werden die neuen Tools nach Angaben von Ballmer auch Migrationswerkzeuge für OS/2 3.0 beinhalten.