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03.03.1995

Microsoft wird den Groupware-Markt erheblich verunsichern

CW: Notes ist ein erklaerungsbeduerftiges Produkt. Inwieweit wird Ihre Groupware im Markt bereits richtig eingeschaetzt?

Papows: Das hat sich sozusagen in Stufen entwickelt. Vor ein paar Jahren dachten die Leute, Notes waere nur eine huebsche E-Mail-Spielart. Innerhalb des vergangenen Jahres haben sie nicht nur verstanden, welcher Funktionsumfang in den Anwendungsentwicklungs-Werkzeugen steckt, sondern auch, welche Einsatzmoeglichkeiten Notes bietet.

CW: Wollen Sie damit andeuten, Unternehmen haetten die Verwendungsmoeglichkeiten ihrer Groupware erst nach und nach begriffen?

Papows: Richtig, und wir haben noch immer eine Menge Aufklaerungsarbeit vor uns. Heute verstehen die Anwender Notes als eine unternehmensweite Messaging-Struktur - nachdem sie eingesehen haben, dass es sich bei Messaging und Groupware nicht um getrennte Konzepte handelt.

CW: Wie lautet denn Ihre Kurzdefinition von Notes?

Papows: Eine grafische, Client-Server-basierte Entwicklungs- und Anwendungsplattform fuer eine neue Art unstrukturierter Messaging- und Groupware-Applikationen. Das ist zwar ein sprachlicher Bandwurm, aber knapper bekomme ich es nicht hin.

CW: Es sieht so aus, als sei Lotus lange Zeit ziemlich unwillig gewesen, die Kosten des Notes-Einsatzes zu reduzieren und einen Runtime-Client vorzustellen (was im vergangenen Monat dann doch geschehen ist, Anm. d. Red.).

Papows: Ja, das ist zumindest teilweise die Wahrheit. Als wir Notes Express vorstellten, habe ich bereits gesagt, dass dies fuer uns Teil einer neuen Erfahrung sei, aus der wir lernen wollten. Wir haben auf Express eine Menge Feedback bekommen, nicht wegen irgendwelcher Probleme mit dem Produkt, sondern weil die Leute damals schon einen Runtime-Client erwartet hatten - keinen eigenstaendigen, anschliessbaren Mail-Client. Am Ende haben wir uns dann entschlossen, die Sache in Angriff zu nehmen.

CW: Wann kommt denn nun Notes 4 auf den Markt?

Papows: Offiziell heisst es immer noch: Mitte des Jahres. Wir haben die Funktionen fertiggestellt und werden in einigen Wochen in den ersten Betatest gehen. Der zweite, umfangreichere soll Ende Maerz folgen. Aber Sie wissen so gut wie ich, dass solche Zeitangaben niemals ganz praezise sind.

CW: Wollen Sie der "Smartsuite"-Abteilung nicht einen guten Rat geben, wie sie in den Notes-Accounts Oberwasser bekommen koennte? Die Mehrheit Ihrer Notes-Kunden nutzt doch Microsoft- statt Lotus- Anwendungen, insbesondere das Office-Paket . . . !

Papows: Statistisch gesehen haben Sie wahrscheinlich recht, denn das Microsoft-Produkt hat den groesseren Marktanteil. Ich denke, dass die Leute, die die Suite-Entscheidungen fuer morgen treffen, sie bis zu einem gewissen Grad mit der Netzwerkfrage verknuepfen. Ueber den Einsatz vieler integrierter Pakete wurde schliesslich bereits entschieden, bevor Notes als Groupware-Standard allgemeine Anerkennung gefunden hat. In Zukunft werden sich unsere Chancen noch deutlich verbessern, da wir einen hohen Grad der Integration mit Notes erreicht haben. Aber wir werden den Markt sicher nicht auf einmal veraendern.

CW: In der Presse wurde die Rivalitaet zwischen Lotus Notes und Microsofts "Exchange" hochgespielt. Gibt es eine andere Technologie, die Sie moeglicherweise als Konkurrenz ebenso ernst nehmen wie das neue Microsoft-Produkt?

Papows: Es ist sicher in Ordnung, wenn wir sagen, dass wir Exchange ernst nehmen. Sehr viel Wettbewerb von anderen Anbietern gibt es da ja auch nicht. "Groupwise" (von Novell, Anm. d. Red.) ist immerhin ein Produkt, das bereits ausgeliefert wird, aber dabei handelt es sich im wesentlichen um File-Sharing-, nicht um Client- Server-Technik. Trotzdem: Das Produkt ist auf dem Markt, es bietet ein ordentliches Messaging-System sowie recht gute Kalender- und Zeitplanungs-Komponenten. Allerdings spueren wir bisher kaum Konkurrenz durch Novell. Microsoft hingegen wird den Groupware- Markt erheblich verunsichern - einfach weil es Microsoft ist. Also setze ich Exchange mal ganz oben auf die Liste.

Als Vice-President fuer die Communication Products Division der Lotus Development Corp. kuemmert sich Jeffrey Papows vor allem um die Vermarktung des Groupware-Produkts "Notes". Das Interview fuehrte Doug Barney, Redakteur der CW-Schwesterpublikation "Infoworld".