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26.05.1995

Microsoft zahlt 46 Millionen Dollar als Kompensation Gates laesst die Finger von Quicken-Anbieter Intuit

MUENCHEN (CW) - Bill Gates hat am vergangenen Samstag die Plaene zur Akquisition der Intuit Inc. offiziell fallengelassen. Damit ist gescheitert, was als weltweit groesste Geschaeftsuebernahme im Soft- warebereich in die DV-Geschichte eingegangen waere.

Das US-Justizministerium (DOJ) hatte Anfang Mai entschieden, es wolle die Uebernahme mit rechtlichen Mitteln bekaempfen. Anne Bingaman, beim DOJ verantwortlich fuer Antitrust-Angelegenheiten, begruendete seiner-zeit die ablehnende Haltung des Ministeriums mit der Befuerchtung, durch die Intuit-Uebernahme koenne sich Microsoft in eine dominierende Position fuer private Finanzsoftware einkaufen. Konsequenzen fuer die Konsumenten: Sie muessten in Zukunft fuer Bankensoftware hoehere Preise zahlen.

Das DOJ befuerchtete zudem, wegen der zu erwartenden Monopolstellung muesse der Anwender damit rechnen, dass sich die Innovationsge-schwindigkeit bei Bankensoftware-Produkten verlangsame.

Intuit besetzt mit seinem Finanzpaket "Quicken" in den USA ungefaehr 75 Prozent des Marktes. Microsofts Konkurrenzprodukt "Money" bringt es - rechnet man nach verkauften Kopien - lediglich auf 22 Prozent. Im Falle des Mergers waere Money in Novell-Besitz uebergegangen.

Als Erklaerung fuer den Abbruch des Microsoft-Intuit-Mergers fuehrte Gates an: "Wir arbeiten in einer schnellebigen Industrie, die mit permanenten Veraenderungen konfrontiert ist. Um unsere selbstge- steckten Ziele zu verwirklichen, konnten wir nicht warten, bis das vom DOJ angestrengte Gerichtsverfahren abgeschlossen sein wuerde."

Finanzsoftware-Programme erlebten, so Microsoft weiter, regelmaessig in der Herbst- und Weihnachtssaison einen Verkaufsboom. Ausserdem haetten beide Unternehmen neue Versionen ihrer Bankensoftware- Applikationen in Vorbereitung. Aus diesen Gruenden sehe man sich ausserstande, weiter einer Entscheidung der Gerichte zu harren.

Intuit-Chef Scott Cook aeusserte Enttaeuschung ueber Microsofts Rueck- zieher. Als das DOJ im Mai vor das kalifornische Distriktgericht zog, hatten er und Gates sich noch entschlossen gezeigt, ihre Sache durch-zukaempfen. Cook zeigte sich ueberzeugt davon, dass man vor Gericht ob-siegt haette.

Das Wirtschaftsblatt "Financial Times" schreibt zudem, Microsoft selbst habe kaum Eile gezeigt, das Verfahren zu beschleunigen. US- Distriktrichter William Orrick hatte den ersten Verhandlungstag in der Angelegenheit DOJ gegen Microsoft/Intuit auf den 26. Juni 1995 anberaumt und auf ein eiliges Procedere gedraengt. Microsofts Anwaelte jedoch, so das DOJ nach Darstellung der "Financial Times", haetten es verabsaeumt, ihre Stellungnahme zur Sache abzugeben. Auch nachdem das Distriktgericht den Justitiaren des Softwareriesen eine neue Frist zur Erwiderung eingeraeumt habe, haetten diese nicht reagiert.

Anscheinend habe Microsoft gepokert, um eine Gerichtsverhandlung zu umgehen und eine aussergerichtliche Vereinbarung zu erzielen. Die Ge-spraechspartner des DOJ haetten sich aber, so Microsoft, nicht willens oder faehig gezeigt, die Angelegenheit in einer Weise zu diskutieren, die fuer die Geschaeftsperspektiven der Gates- Company Sinn gemacht haette.

Microsoft zahlt Intuit als Kompensation 46,25 Millionen Dollar. Waere die Uebernahme in Form eines Aktientausches vollzogen worden, haette Microsoft fuer Intuit 2,3 Milliarden Dollar investiert. Urspruenglich hatte die Gates-Company 1,5 Milliarden Dollar geboten. Seit Oktober 1994 war aber der Wert der Microsoft-Aktien von knapp unter 60 auf knapp unter 90 Dollar gestiegen.