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23.02.2001 - 

Antitrust-Amt will genauere Informationen

Microsofts Beteiligung an Corel im Zwielicht

MÜNCHEN (CW) - Die Kartellbehörde des US-Justizministeriums hat detailliertere Informationen über die Beteiligung von Microsoft an Corel verlangt. Hat die Gates-Company von den Kanadiern die Aufgabe ihrer Linux-Distribution verlangt?

Ob die Bush-Regierung künftig ein wachsames Auge auf das Geschäftsgebaren von Microsoft haben wird, könnte sich am Fall Corel zeigen. Die Company von Bill Gates hatte die kanadische Firma im Oktober letzten Jahres vor dem Zusammenbruch bewahrt, indem sie sich mit 135 Millionen Dollar an Corel beteiligte. Sogleich hatten sich die Kanadier auf Microsofts .NET-Programm eingelassen und Ende Januar 2001 durchblicken lassen, nur noch Linux-Versionen ihrer Anwendungen, nicht aber länger eine eigene Distribution pflegen zu wollen.

"Wir schauen uns die Transaktion an", erklärte eine Sprecherin des Justizministeriums (Department of Justice = DoJ) und wollte außer der Frage nach den "Folgen für den Wettbewerb" keine weiteren Details nennen. Microsoft- und Corel-Sprecher stellen die Nachforschungen des DoJ als ganz normalen Vorgang dar. Der Corel-Deal hat jedoch keine Größenordnung, die nach US-Gesetzen automatisch Untersuchungen nach sich ziehen würde.

Bei Microsofts 1,1 Milliarden Dollar teurer Übernahme von Great Plains Software Inc., einem Hersteller von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware, war das der Fall. Das Prozedere erregte wenig Aufmerksamkeit, zumal Microsoft zuvor keine mit Great Plains konkurrierenden Anwendungen hatte, also lediglich das Portfolio erweiterte. Corel aber ist mit seiner "Wordperfect"-Suite für Textverarbeitung, Spreadsheets und der Grafiksoftware "Corel Draw" der einzige halbwegs relevante Konkurrent zur "Office"-Serie aus Redmond, die einen Marktanteil von 90 Prozent hat.

Die Befürchtung, durch den Corel-Deal könnte Microsoft dem Wettbewerb im Office-Markt endgültig ein Ende machen, scheint die Ende Januar, noch zu Zeiten der Regierung Clinton, eingeleitete DoJ-Untersuchung motiviert zu haben. Microsoft hat solche Absichten natürlich dementiert. Inzwischen interessiert die Kartellbehörde allerdings viel mehr, ob die Microsoft-Investition Folgen für die Linux-Politik von Corel hatte.

Die Kanadier hatten zunächst erklärt, ihre Produkte auch in Versionen für das quelloffene Betriebssystem Linux herausgeben zu wollen. Kurz darauf bestätigte Corel schrittweise Gerüchte, man wolle seine eigene Linux-Distribution samt der Entwicklungsabteilung verkaufen. Corels President und Chief Executive Officer, Derek Burney, dementierte, der Linux-Ausverkauf hänge mit der Microsoft-Beteiligung an Corel zusammen: "Die beiden Vorgänge haben nichts miteinander zu tun." Man habe einst eine eigene Distribution entwickelt, um ein Betriebssystem zu haben, auf dem Corels Anwendungen für Linux verlässlich liefen. Corel habe mit der eigenen Betriebssystem-Variante allerdings nur hohe Kosten und keinerlei Gewinne eingefahren.