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19.11.1998 - 

Fachliteratur/Monopolistische Praktiken von Bill Gates

Microsofts coole Software und eiskalte Methoden

Von Inge Steutzger* Nach eigenem Bekunden hat Wendy Goldman Rohm für ihr Microsoft-Buch mehrere Jahre lang recherchiert. Die Autorin läßt viel zum Großteil bekannte Firmengeschichte Revue passieren. Im Gegensatz zu dem Bestseller "Barbarian Led by Bill Gates" (siehe CW 35/98, Seite 64), kann das Buch keine Innenansichten der Gates-Firma bieten.

Rechtzeitig zum angelaufenen Verfahren gegen Microsoft ist die übersetzte Version des Buchs in Deutschland lanciert worden. Freilich geht es der Autorin darüber hinaus streckenweise mehr um die Privatperson Bill Gates, etwa seine Mutterbindung und seine Affären. Daß diese Form von Enthüllungsjournalismus manchmal eher skandalträchtig als sachlich-aufklärend daherkommt, ist ein Manko des Buchs, das sich auch auf seine Schreibweise auswirkt. So wurden manche "Situationen rekonstruiert aufgrund der Berichte von Teilnehmern", warnt schon das Vorwort den Leser. Das ist ein Grund für die äußerst freie Gestaltung bestimmter Passagen. Beispielsweise liest sich die Darstellung der Affäre des Chefs mit der deutschen Microsoft-Mitarbeiterin Stefanie Reichel teilweise wie ein Groschenroman ("seine Augen klebten förmlich an ihr"). Diese manchmal halbfiktional anmutende Schreibweise erschwert dem Leser auch das Überblättern unwichtiger Details.

Trotz der Vermischung von Fakten und Fiktion kann der Leser über die gemäß der Autorin "eiskalten" Geschäftspraktiken des Microsoft-Chefs, dessen Lieblingswort "cool" zu sein scheint, einiges erfahren. Dem Leser wird vorgeführt, wie Gates und seine Mannschaft in den 80er Jahren durch das unlautere Mittel der "Pro-Prozessor-Lizenz" PC-Hersteller auf Microsoft-Kurs und DR-DOS zur Strecke brachten.

Auch die Kontaktaufnahme zu IBM kommt zur Sprache. Genüßlich erwähnt die Autorin, daß die Bekanntschaft seiner Mutter mit IBM-Boß Opel die Tür zum großen Geschäft öffnete und nicht etwa Gates'' Tüchtigkeit. Doch schon das Kapitel über die IBM-Microsoft-Abmachungen zur Zukunft von OS/2 und Windows folgt den gängigen Darstellungen. Goldman Rohm beschreibt, wie Gates auf Windows setzte anstatt vereinbarungsgemäß Anwendungen für OS/2 auf den Markt zu bringen. Doch daß dabei nicht nur eiskalte Berechnung, sondern auch eine Portion Glück und Zufälle im Spiel waren, entnimmt der Leser diesem Buch nicht. Dazu muß er schon zum Insider-Buch "Barbarians Led by Bill Gates" greifen, das Microsoft statt Kalkül kontinuierliches Chaos nachsagt.

Statt dessen arbeitet die Autorin ein durchgängiges Muster heraus, nach dem "der Milliardär schon eine ganze Reihe von innovativen Firmen ausgenommen hatte". Dazu zählt auch die kleine Go Corp. Sie entwickelte einen Pen-Computer, der menschliche Handschrift erkennen kann. Gates beutete Firmeninterna von Go aus und schüchterte gleichzeitig Hersteller ein, die das Go-System in Lizenz nehmen wollten. Die Firma gibt es längst nicht mehr, und Go-Chef Jerry Kaplan hat inzwischen seine Memoiren geschrieben.

Wendy Goldman Rohm: Die Microsoft-Akte. München: Econ Verlag 1998. 393 Seiten, 48 Mark.