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10.08.2005

Microsofts IPTV - schwer zu greifen, aber vielversprechend

Neben großen TK-Anbietern hofft vor allem Microsoft, eine Generation von Stubenhockern auf die Konvergenz zwischen TV und Internet einzustimmen.

Das auf dem Internet Protocol basierende Fernsehen (IPTV) gehört derzeit zu den heißesten Themen im Kommunikationsbereich. Eine Handvoll TK-Betreiber bietet bereits eigene, meist selbst entwickelte IPTV-Services an. Die breite Öffentlichkeit verfolgt allerdings gespannt, was Microsoft gemeinsam mit einigen großen Carriern auskocht.

Microsoft-nahe Netzbetreiber wie die BT Group, Telecom Italia, SBC Communications und die indische Reliance Infocomm wollen ihr Produktportfolio um das Fernsehen anreichern - und zwar über dieselbe DSL-Verbindung, die Kunden breitbandigen Zugang zum Internet über die Telefonleitung bietet. Ziel ist es, das viel zitierte "Triple Play" aus Sprach-, Daten- und Videoservices zu ermöglichen. Ihre Argumentation: Wenn sich im Zeitalter der digitalen Datenpakete Dokumente, Bilder, Musik und sogar Telefongespräche in Bits zerlegen, durch Netze schleusen und am anderen Ende wieder zusammensetzen lassen, warum nicht auch das Fernsehen? Eine berechtigte Frage, auf die TK-Anbieter angesichts des rückläufigen traditionellen Telefongeschäfts eine Antwort suchen.

Zwar versuchten sich vor rund zehn Jahren einige große Carrier wie die Deutsche Telekom vergeblich an der Fernsehübertragung via Analogleitungen, mit der heutigen Digitaltechnik dürften die Betreiber laut Experten jedoch mehr Erfolg haben.

Entscheidend ist dabei die Qualität des digitalen Datenstroms, die IPTV den Betreibern zufolge von Video, das über das Web auf den PC übertragen wird, unterscheidet. Im Internet können Datenpakete verspätet ankommen oder auch komplett verloren gehen - ein Grund, warum Web-Video häufig ruckelt und mit niedriger Auflösung zu kämpfen hat. Im Gegensatz dazu sei IPTV auf die End-to-End-Lieferung hoher Videoqualität ausgelegt, die dem Fernsehempfang via digitales Kabel oder Satellit in nichts nachstehe.

Der französische Netzbetreiber France Télécom bietet beispielsweise seit März 2004 einen IPTV-Service über seine DSL-Leitungen an, bei dem Fernsehprogramme und Video on Demand als MPEG2-Streams über eine IP-Verbindung übertragen werden. Damit sich die Video-Streams und der gängige Internet-Verkehr nicht in die Quere kommen, werden sie auf ATM-Ebene (Asynchronous Transfer Mode) getrennt gehalten und in separaten virtuellen Kanälen, aber über dieselbe Leitung zwischen dem DSL Access Mulitiplexer (DSLAM) und dem DSL-Modem des Empfängers übertragen.

Aufgabe der IPTV-Software ist es, die wechselseitige Kommunikation heterogener Systeme sicherzustellen. In diesem Revier hofft Microsoft, seine Duftmarke zu hinterlassen: Derzeit testet etwa ein Dutzend namhafter Netzbetreiber Microsofts Softwareplattform "TV IPTV Edition".

Microsoft habe damit ein Client-Server-System geschaffen, das auf der Infrastruktur zahlreicher Anbieter laufe, so William Cooper, Principle Consultant bei dem Londoner Beratungsunternehmen Informativ.com. Entsprechend groß sei das Interesse der Carrier an einer Zusammenarbeit mit dem Softwareriesen. Immerhin habe die Gates-Company bereits den französischen TK-Riesen Alcatel davon überzeugen können, die eigenen IPTV-Pläne aufzugeben und mit ihr zu kooperieren.

Rollout mit Hindernissen

Allerdings scheint der Schritt in Richtung Internet-Fernsehen kein Kinderspiel. So musste Swisscom als einer der ersten TK-Anbieter, die die Microsoft-Plattform testen sollten, im Mai dieses Jahres den Start des kommerziellen Service aufgrund von Softwareproblemen auf 2006 verschieben. Microsoft sei noch nicht ganz so weit, kommentierte Swisscom-Sprecherin Pia Colombo. Jetzt heiße es abwarten, bis alle Knoten gelöst seien. Verzögerungen beim Rollout der Microsoft-Plattform haben auch die drei US-Carrier Bellsouth, SBS und Verizon Communications kundgetan.

Trotz der Bedenken einiger Experten insbesondere hinsichtlich der Skalierbarkeit der IPTV-Plattform bleibt Microsoft dabei, dass seine Technik Erfolg haben und die Art des Zugangs zu Fernsehen, Kinofilmen und anderen Videoinhalten verändern wird. Die IPTV-Lösung biete eine ganze Reihe verbesserter TV-Funktionen - etwa eine elegante Benutzeroberfläche, mühelose Navigation sowie eine interaktive Programmführung, wirbt Ed Graczyk, Director of Marketing bei Microsofts TV-Division. Vor einer Herausforderung stehen die TK-Anbieter in puncto Content: So gilt es, TV-Sendestationen, Filmstudios und andere Inhaltsproduzenten zur Zusammenarbeit zu bewegen. Darüber hinaus müssen ihre Offerten mit dem Angebot der Satellitenbetreiber konkurrieren können. "Die interaktiven Funktionen von IPTV klingen cool", so ein begeisterter PC-Nutzer und Fernsehkosument aus Düsseldorf. Er empfange jedoch bereits mehr als 3000 Programme kostenlos via Satellit. "Warum soll ich eine neue Technik nutzen, um dann für den Empfang von weniger Programmen zu bezahlen?" bringt er die Sachlage auf den Punkt. (kf)