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19.03.2004 - 

Anwender sehen keine Vorteile in langfristigen Softwareverträgen

Microsofts Lizenzpolitik verärgert Kunden

MÜNCHEN (ba) - Microsoft gerät zunehmend unter Druck, Kunden mit langfristigen Softwareverträgen etwas für ihr Geld zu bieten. Ansonsten ist zu erwarten, dass die Mehrzahl der auslaufenden Kontrakte nicht verlängert wird.

Severin Canisius steckt in einer Zwickmühle. Vor zwei Jahren hat der IT-Manager von Jack Wolfskin einen Upgrade-Advantage-Vertrag mit Microsoft über dessen Office-Paket abgeschlossen. Der Kontrakt sicherte dem Anwender zu, immer das neueste Release der Bürosuite einsetzen zu dürfen. Auf dieser Basis führte Canisius flächendeckend die Version Office 2003 bei dem Anbieter von Outdoor-Produkten ein.

Diese Lizenz läuft bald aus. Canisius müsste viel Geld investieren, um den Vertrag zu verlängern. Dann könnte er auch in den beiden nächsten Jahren jeweils die neuesten Releases einsetzen. Doch nach dem derzeitigen Stand ist nicht abzusehen, dass in diesem Zeitrahmen neue Office-Versionen erscheinen werden, moniert der IT-Manager. Auch die Option, eine Verlängerung zähneknirschend zu akzeptieren, um nicht ganz aus der Wartung zu fallen und beim Neueinstieg komplett neue Lizenzen kaufen zu müssen, ist problematisch. Von einer bislang hypothetischen Office-Version lasse sich derzeit nicht sagen, inwieweit sie für den Produktivbetrieb des Unternehmens sinnvoll sei. "Wir sind wirklich ein zufriedener Microsoft-Kunde", erzählt Canisius, "aber in der momentanen Situation denken wir schon einmal über Open Office oder Star Office nach."

Microsoft verspätet sich

Wie Canisius geht es derzeit den IT-Verantwortlichen in vielen Unternehmen. Microsofts Produktstrategie bietet momentan wenig Anreiz, einen längerfristigen Softwarekontrakt abzuschließen. Echte Neuerungen in Sachen Betriebssystem und Office-Paket sind frühestens 2006 mit dem Windows-XP-Nachfolger "Longhorn" zu erwarten. Experten befürchten jedoch, dass der Softwarekonzern auch diesen Termin verschieben muss. So rechnen die Gartner-Analysten Michael Silver und David Smith frühestens in der ersten Jahreshälfte 2007 mit dem neuen Microsoft-Betriebssystem. Sollten die Redmonder jedoch zusätzliche Entwicklungsressourcen in ein Zwischen-Release stecken, könnte sich der Longhorn-Erscheinungstermin sogar auf die zweite Jahreshälfte verschieben.

"Wir unternehmen gar nichts"

Für weiteren Ärger dürfte die erneute Verspätung der nächsten SQL-Server-Version, Codename "Yukon", sorgen (siehe Beitrag auf Seite 14). Ursprünglich sollte das Release bereits 2003 auf den Markt kommen. Dann verschoben die Microsoft-Verantwortlichen den Starttermin auf Anfang, später noch einmal auf Ende 2004. Nach den jüngsten Informationen aus der Firmenzentrale wird die bereits auf SQL Server 2005 umbenannte Version erst im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Gartner-Analysten rechnen eher mit der zweiten Jahreshälfte 2005.

Ein Industrieunternehmen aus Würzburg hat bereits die Konsequenzen gezogen. Die für Lizenzfragen zuständige IT-Managerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat den Enterprise-Agreement-Vertrag mit Microsoft gekündigt. Diese Lizenzform enthält automatisch eine Software-Assurance-Klausel mit jährlichen Wartungszahlungen. Grund der Kündigung sei der geringe Gegenwert für die langfristigen Verträge gewesen. Die Abwicklung sei ziemlich chaotisch verlaufen, klagt die Managerin. Nach langwierigen Verhandlungen mit ständig wechselnden Ansprechpartnern bei Microsoft wurden die Lizenzen für die eingesetzten Produkte erst nach rund einem Jahr ausgehändigt. Die jetzige Strategie laufe darauf hinaus, erst einmal gar nichts zu unternehmen. Man setze gegenwärtig die aktuellsten Versionen ein und habe daher keinen Bedarf, erläutert die Lizenzverantwortliche. "Brauchen wir Nachschub, überlegen wir im Einzelfall, wie wir am besten verfahren."

Microsoft bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung. Es sei ein Missverständnis, dass es bei Software Assurance nur um Updates gehe, wirbt Sunny Charlebois, Product Manager für das weltweite Lizenz- und Preismodell von Microsoft. So versucht das Unternehmen seit dem Herbst vergangenen Jahres, die Wartung mit zusätzlichen Dienstleistungen wie Support und Schulungen sowie dem kostenlosen Heimeinsatz von Office- und Windows-Produkten attraktiver zu machen.

Jörg Schmidt, Teamleiter Lizenzhandel mit Microsoft-Standardsoftware beim deutschen Reseller PC-Ware, bleibt skeptisch. Grundsätzlich könnten Services das Wartungsmodell zwar stützen. Allerdings habe Microsoft kein glückliches Händchen, diese Dienstleistungen im Markt zu etablieren. So fordert der Softwarekonzern von den Kunden, einen zentralen Verantwortlichen für diese Services zu benennen. "In aller Regel fühlt sich der Einkäufer einer Firma jedoch nicht dafür verantwortlich, Schulungsgutscheine zu verteilen."

Auch Gartner-Analyst Alvin Park bezweifelt, dass der zusätzliche Service die Kunden dazu veranlassen wird, ihre Wartungsverträge zu verlängern. Der wichtigste Grund, einen Software-Assurance-Kontrakt zu unterzeichnen, bleibe das Recht auf neue Versionen. Er rechne daher damit, dass ein Drittel der Kunden mit Enterprise-Agreement-Verträgen nicht verlängern wird. Nur die Hälfte der Anwender, die ihre Open- und Select-Licence-Verträge mit einer Software-Assurance-Vereinbarung erweitert haben, werde einen weiterlaufenden Wartungsvertrag unterschreiben.

Zuletzt hat auch Microsofts Finanzchef John Connors die Probleme eingeräumt. Er gehe davon aus, dass höchstens drei Viertel der Enterprise Agreements verlängert werden, verkündete der Microsoft-Manager vor wenigen Wochen auf einer Bilanzpressekonferenz. Angesichts von weiteren rund 200000 im Juni 2004 auslaufenden Upgrade-Advantage-Verträgen erwartet Connors Einbußen in Höhe von rund 1,1 Milliarden Dollar für das darauf folgende Geschäftsjahr 2005. Er wäre überrascht, wenn mehr als 30 Prozent dieser Kunden ihre Verträge verlängerten.

Magische Grenze liegt bei vier Jahren

"Das wird ein großes Problem", prognostiziert Schmidt von PC-Ware. Viele Kunden hätten derzeit keine Veranlassung, irgendetwas in Sachen Microsoft zu unternehmen. Allerdings müsse man sowohl die Microsoft-Roadmap wie auch die eigene Softwarestrategie in die Überlegungen einbeziehen. Als Faustregel gelte: Dauern die Erneuerungszyklen weniger als vier bis viereinhalb Jahre, fahren die Kunden mit einem längerfristigen Vertrag wie beispielsweise einem Enterprise Agreement besser. Bei längeren Zyklen über fünf Jahre hinaus könne man den Kunden im Grunde nur eines raten: "Lizenz kaufen und Ende."

Microsoft wird Zugeständnisse machen müssen

Die Kunden wären verrückt, in dieser Situation blindlings langfristige Verträge zu unterzeichnen, warnt Julie Giera, Vice President von Forrester. Microsofts jährliche Wartungsgebühren seien mit 29 Prozent für Desktop-Software und 25 Prozent für Server-Software zu hoch. Der Durchschnitt liege bei 21 Prozent des Lizenzpreises. Angesichts der hohen Kosten und der zunehmend akzeptierten Alternativen aus dem Open-Source-Umfeld wachse der Druck. Microsoft werde Zugeständnisse machen müssen, glaubt Giera.

Experten rechnen damit, dass Microsoft sein Lizenzmodell ändern wird. Allerdings müsse dies schnell geschehen, um weitere Verunsicherung im Markt gar nicht erst aufkommen zu lassen. Auch Canisius von Jack Wolfskin glaubt nicht daran, dass Microsoft die derzeitige Lizenzpolitik durchhalten kann. Angesichts dieser Unsicherheit würde er jedoch mit jeder Investition in einen Wartungsvertrag ein Risiko eingehen. Möglicherweise gebe es in zwei Jahren dieses Modell nicht mehr.