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04.02.1994

Microsofts Macht ist beschraenkt Dieter Eckbauer

Microsofts Preispoker beim Service - da gibt es neben dem Standard-Dienstleistungspaket ein kompliziertes Priority- und Premier-Supportprogramm - laesst Parallelen zur langjaehrigen Lock- in-Politik der IBM erkennen, die letztlich gescheitert ist: Die Anwender kommt die Abhaengigkeit von einem Hersteller teuer zu stehen. Doch anders als frueher die IBM-Strategen, denen Bedrohung durch Wettbewerb fremd war, sind sich die Gatesianer darueber im klaren, dass sie im Corporate-Computing-Markt mit dem Feuer spielen. Selbstbewusst, wie sie nun einmal sind, lassen sie es auf einen Versuch ankommen: Erlaubt ist, was (Microsoft) gefaellt und die einschlaegigen Gesetze nicht ahnden - wenn der Kunde nur zahlt.

Damit ist das Gemeinsame der beiden Riesen aufgezaehlt. Die Uebereinstimmungen sind eh nur vordergruendig. Die Situation im Computermarkt hat sich grundlegend geaendert. Microsofts Macht ist beschraenkt. Zwar koennen die Anwender, so ernuechternd das sein mag, auf die Durchsetzungskraft von Kartellbehoerden nicht bauen, und es sind auch nicht so sehr die Konkurrenten wie Lotus oder Borland, die Gates fuerchten muss. Wenn es hart auf hart kommt, werden sie den Schwanz einziehen und auf den Microsoft-Kurs einschwenken, zumal sie dem PC-Softwaregiganten schwerlich vorwerfen koennen, was sie selbst anstreben: Marktbeherrschung, die in der Moeglichkeit besteht, anderen die Linie vorschreiben zu koennen. Gates' Sorgen moechten Lotus & Co. haben, auch wenn sie noch so lamentieren ueber die miesen Methoden des Marktfuehrers. Doch am Desktop sind die Wuerfel laengst zugunsten von Microsoft gefallen.

Nein, Gates muss aus anderen Gruenden besorgt sein: Die DV- Verantwortlichen bei mittleren und grossen Anwenderfirmen klagen zunehmend ueber die schlechte Unterstuetzung durch die DV- Hersteller. Den Marketing-Versprechungen wird nicht mehr geglaubt. Die Verweigerung geht bis zur Verhohnepipelung, wenn allzu offensichtlich versucht wird, die Kunden mit Wischiwaschi- Ankuendigungen hinzuhalten. Mehr noch: Die Anbieter sehen sich Kontroversen ausgesetzt, wenn sie die Forderungen der Anwender nicht ernst nehmen. Insbesondere trifft das auf den Bereich der Schnittstellen-Standards zu, wobei es den IS-Managern weniger um die Fiktion von der Offenheit der Systeme geht als vielmehr darum, bei ihren wettbewerbskritischen Anwendungen flexibel zu sein.

Einem Anbieter, der da nicht mitspielt, droht Isolation. Dies musste jetzt Bill Gates erfahren. Im X/Open-User-Council vertretene Grossanwender verlangen, dass sich Microsoft bei der Standardisierung offener Systeme mehr engagiert, nicht nur Lippenbekenntnisse leistet (vgl. CW Nr.4 vom 28.Januar 1994, Seite 1). Die Gates-Company sollte sich ihrer Verantwortung als Marktfuehrer bei Desktop-Software bewusst sein - die Forderung kommt ja nicht von ungefaehr. Die IBM-Erfahrung wirkt nach, der Schock sitzt tief. Noch einmal wollen sich die Entscheider bei den Anwenderfirmen nicht verladen lassen. Mit ihrer Buying-Power sitzen sie allemal am laengeren Hebel.