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11.10.2002 - 

Leistungsfähige Server-Engine, schwache Tools

Microsofts Olap-Technik im Test

MÜNCHEN (as) - Microsoft bietet mit dem "SQL Server 2000" auch Tools zum Aufbau multidimensionaler Datenbanken für Online Analytical Processing (Olap). Diese "Analysis Services" sind wenig bekannt, technisch aber ausgereift. Die CW hat das Beratungsunternehmen Trust Consult nach seinen Erfahrungen befragt.

Nach der Übernahme des israelischen Anbieters Panorama und dessen Olap-Engine "Plato" im Jahr 1997 brachte Microsoft im folgenden Jahr mit Version 7.0 des SQL Server erstmals elementare Olap-Technik zusammen mit seiner relationalen Datenbank auf den Markt. Doch erst mit dem Nachfolge-Release SQL Server 2000 und den Analysis Services kann Microsoft nach Ansicht von Wolfgang Lackner, Manager bei Trustconsult in Wien, einen ausgereiften und neuentwickelten Olap-Server, inklusive Data-Mining-Technik anbieten.

Trust Consult unterhält ein Testlabor für Business-Intelligence-Produkte und hat unter anderem die Analysis Services sowohl dort als auch in mehreren Projekten erprobt. Die bisher größten Installationen bedienen mehr als 2000 Benutzer und verwalten mehrere hundert Millionen befüllte Zellen. Lackner hat allgemein die Erfahrung gemacht, dass der Olap-Server insbesondere gegenüber Konkurrenzprodukten von Hyperion, Oracle oder Cognos durch sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis besticht und große Datenmengen performant verarbeiten und auswerten kann. Ebenso ließen sich diverse Analyse- und Reporting-Frontends oder Planungswerkzeuge problemlos mit dem Olap-Server kombinieren, sofern "die Datenmodelle am Server intelligent konzipiert und aufgebaut sind".

Grenzen der Komplexität

Doch das Produkt hat seine Grenzen. So sei der relationale Server in erster Linie für kleine bis mittlere Data-Warehouse-Anwendungen ausgelegt, wenn sich auch durchaus Datenmengen bis zu einigen 100 GB verwalten ließen. Eine annehmbare Leistung zeige sich bei mittelmäßig komplexen Modellen mit 15 bis 20 Dimensionen. Vorteilhaft sei der De-facto-Standard "OLE DB for Olap" (ODBO) als System-Schnittstelle, durch die der Olap-Server für viele Anwendungen zugänglich gemacht wurde, sowie die Modellierungssprache MDX, "die für jemanden, der SQL und multidimensionale Modelle kennt, keine Probleme bereitet". Ebenfalls vielversprechend sei laut Lackner der mitgelieferte Data-Mining-Server, der derzeit zwar nur gängige Verfahren wie "Entscheidungsbäume" biete, aber vermutlich in Zukunft erheblich aufgewertet werde. Ob er dann mit Angeboten von IBM, SPSS oder SAS konkurrieren kann, bleibt abzuwarten.

Die oft von Analysten gelobte Möglichkeit der Analysis Services, Daten sowohl rein multidimensional (Molap) oder relational als auch hybrid verwalten zu können, sei laut Lackner in der Praxis hingegen nicht immer relevant. So habe es bisher nur wenige Anforderungen gegeben, die nicht mit der schnelleren Molap-Technologie auskommen, wie zum Beispiel in TK-Anwendungen, wo hinter den Dimensionen oft Millionen Einträge stehen. In Projekten mit einer hybriden Lösung habe sich zudem gezeigt, dass die Leistung der Analyse-Engine abnahm.

Datenanbindung nicht problemlos

Ein kritischer Punkt sei ferner die Datenanbindung, die über den "Data Transformation Service" (DTS) erfolgt. Dieser bildet die integrierte Komponente für die Extraktion, Transformation und das Laden von Daten (ETL) und verfüge laut Lackner nur über Basisfunktionen. DTS sei ausreichend für die Planung von Abläufen und wenn sich die meisten Transformationen mit Hilfe von SQL-Stored-Procedures formulieren ließen. Eine ausgeprägte Transformationslogik, Metadaten-Unterstützung oder Code-Wiederverwendung werden nicht geboten. Hier wird man auf professionelle Tools etwa von Informatica zurückgreifen müssen. DTS unterstützt zudem nur die Datenextraktion über ODBC- und ODBO-Schnittstellen und sei für die Host-Anbindung gar nicht geeignet.

Vorsicht sei jedenfalls bei der Auswahl des BI-Frontends für den Olap-Server geboten. Microsoft selbst biete neben Excel und seinen Pivot-Tabellen noch das Tool "Data Analyzer", das seine Stärken vor allem in der grafischen Darstellung der Ergebnisse habe, bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche und der allgemeinen Leistung jedoch nicht überzeuge. Zum anderen machten BI-Frontends von Drittanbietern wie Cognos, Business Objects oder Chrystal Solutions technisch immer wieder Probleme: "Es ist noch lange nicht so, dass alle Clients den vollen Befehlsumfang der Analysis Services unterstützen und dass sie alle Attribute auslesen könnten." So kann zum Beispiel beim Auslösen des Tasks "Nullwerte unterdrücken" geschehen, dass der Client zunächst Hunderttausende Zeilen abfragt, um dann lokal 98 Prozent wegzufiltern. "Die Folgen sind Netzwerküberlastung und halbstündige Wartezeiten." Gelingt zudem die NT-Authentifizierung am Olap-Server nicht, könnte das BI-Frontend das ganze Projekt in Gefahr bringen. "Kunden dürfen sich deshalb bei der Produktpräsentation nie mit einer Standardkonfiguration abspeisen lassen."

Das nächste Release des SQL Server, Codename "Yukon", kommt vermutlich erst Anfang 2004 auf den Markt. Dann erwartet Lackner unter anderem ein Add-in für "Excel XP", über das sich zellbezogene Werte aus dem Olap-Server ansprechen lassen, "was ideal für Standard-Reporting ist". Ferner werde Yukon vermutlich mehr als zwei Prozessoren unterstützen, Clustering ermöglichen sowie eng mit .NET-Plattform integriert sein.

Stärken und Schwächen der Analysis Services

Stärken:

- Umfassende Olap-Funktionen wie "Write-back" oder unbalanced Hierarchies,

- Rolap, Molap und Hybrideinsatz sind möglich,

- Schnittstelle OLE DB for Olap als De-facto-Standard,

- mächtige Modellierungssprache MDX,

- kostenlos, wenn mit SQL Server gebündelt,

- einfache Bedienbarkeit,

- ETL-Tool enthalten,

- Anbindung an Excel,

- zahlreiche Partnerprodukte,

- gute Programmierbarkeit,

- gute Skalierbarkeit und Performance.

Schwächen:

- Nur auf Windows-Plattformen verfügbar,

- noch wenig Know-how bei Microsoft, geringe Lobby für das Produkt,

- NT-Authentifizierung kann für BI-Frontends von Drittanbietern Probleme bereiten,

- eigene BI-Frontends mit beschränkter Funktionalität.