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04.06.2004 - 

Verspätungen und Aufgabe von Produkten

Microsofts Server-Fahrplan ist aus dem Takt

MÜNCHEN (CW) - Immer neue Verspätungen bei Schlüsselprodukten wie Windows Longhorn oder dem SQL Server wirken sich negativ auf andere Produkte Microsofts aus. Jüngstes Opfer ist Exchange, dessen ehrgeiziges "Kodiak"-Release abgesagt wurde. Für den Windows-Server schiebt Microsoft eine Zwischenversion ein, die auf der Tech Ed erstmals vorgeführt wurde.

Microsoft bewirbt sein Softwareportfolio gerne mit dem Argument, dass es sich dabei um eine integrierte Plattform handle. Die enge Verflechtung von Anwendungen und Betriebssystemen erfordert, dass ihre Update-Zyklen aufeinander abgestimmt werden. Kommt die Entwicklung eines Produkts aus dem Tritt, dann wirkt sich das gleich auf davon abhängige Software aus. Zurzeit bremst besonders die nächste Version des SQL Server (Codename "Yukon") andere Projekte aus. Unter seiner Verspätung von rund zwei Jahren leiden besonders Windows Longhorn und Exchange. In der nächsten Windows-Version sollte Yukon die Technologie für ein neues Dateisystem namens "WinFS" liefern. Das geplante Freigabedatum des Betriebssystems verschiebt sich ebenfalls immer weiter nach hinten, gleichzeitig speckt Microsoft den geplanten Funktionsumfang ab.

Unabhängig von der Verspätung des SQL Server unterliegen die Pläne für Windows laufenden Änderungen (siehe Kasten "Windows-Kurswechsel"). Auf dem Server scheint nun die kürzlich angekündigte Longhorn-Variante das nächste große Update zu werden. Vorher schiebt der Softwareriese aus Redmond jedoch noch das Release 2 des Windows Server 2003 ein. Er bringt einige Verbesserungen bei den Dateidiensten und Sicherheitsfunktionen (siehe Kasten "Neu in Windows 2003, Release 2"). R2 befindet sich derzeit noch nicht im Betastadium, aber Microsoft möchte es im nächsten Jahr auf den Markt bringen.

Datenverschlüsselung für SQL Server

Etwas weiter ist mittlerweile der Nachzügler Yukon gediehen, dessen erste Betaversion auf der Tech Ed zu sehen war. Als wesentliche Verbesserung in Bezug auf Sicherheit kündigte Tom Rizzo, Produkt-Manager für den SQL Server, die Möglichkeit zur Datenverschlüsselung an. Selbst wenn ein Hacker in das System einbreche, bleibe ihm der Zugriff auf die Daten mangels Passwort verwehrt, so der Microsoft-Manager.

Des Weiteren bringt Microsoft in Kürze ein Tool heraus, das bestehende Installationen des SQL Server daraufhin überprüfen soll, ob sie die Empfehlungen des Herstellers ("Best Practices") beherzigen. Das Werkzeug kann bereits auf den aktuellen SQL Server 2000 angewandt werden und gibt dem Administrator unter anderem Tipps für Backup und Performance-Tuning. Vorsorglich enthält das Programm bereits einen "Upgrade Advisor", der drohende Kompatibilitätsprobleme mit Youkon orten soll, etwa bei T/SQL-Statements. Die Fertigstellung der neuen Datenbank ist unter der Bezeichnung "SQL Server 2005" für nächstes Jahr vorgesehen.

Aus für das 2001 angekündigte Exchange Kodiak

Zu diesem Zeitpunkt sollte nach den ursprünglichen Planungen das nächste große Exchange-Update (Codename "Kodiak") schon längst auf dem Markt sein. Microsoft hatte es bereits auf der Tech Ed 2001 angekündigt. Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz, die letzte Woche in San Diego stattfand, wurde Kodiak nun ad acta gelegt. Stattdessen sollen die dafür vorgesehenen Technologien nach und nach in Form von Service Packs und kleineren Upgrades ausgeliefert werden.

Die ehrgeizigen Pläne für das nächste große Exchange-Release sahen unter anderem vor, statt der bisherigen "Jet"-Datenbank den neuen SQL Server 2005 zu nutzen. Damit wollte Microsoft den Konkurrenten IBM und Oracle folgen, die ihre Mail-Server "Lotus Workplace Messaging" und "Collaboration Suite" auf der Grundlage einer relationalen Datenbank anbieten. Dieses Vorhaben scheint nun in weite Ferne zu rücken. Auf der Tech Ed konnte Vice President David Thompson für die Umstellung von Exchange auf eine relationale Datenbank keinen Zeitpunkt nennen.

Einige für Kodiak geplante Neuerungen werden indes schon früher fertig gestellt. Unter anderem handelt es sich dabei um die "Exchange Edge Services". Dazu gehören Anti-Spam-Funktionen unter der Bezeichnung "Intelligent Message Filter" (IMF) und ein verbessertes Viren-Scanner-API. Die Edge Services sollen ihren Wert aber besonders durch Software von Drittherstellern erhalten. Microsoft sieht sie insgesamt als eine Plattform für das Mail-Management vor, wo sich all jene Funktionen einhängen lassen, die ein- und ausgehende Dokumente prüfen müssen. Auf der Anwenderseite zeichnen sich damit Installationen ab, die aus Frontend-, Edge- und Mailbox-Servern bestehen.

Erste Edge-Dienste zum Thema Sicherheit

Ein paar der genannten Edge-Dienste sind bereits verfügbar. So enthält das eben erschienene Service Pack 1 (SP1) für Exchange 2003 die neue Programmier-Schnittstelle für Virenscanner sowie den "Baseline Security Analyzer for Exchange 2003". Dieses Tool soll Fehlkonfigurationen des Messaging-Systems erkennen und damit Sicherheitsprobleme vermeiden. Der IMF hingegen muss separat von Microsofts Website heruntergeladen (http://www.microsoft.com/exchange/downloads/2003/imfi) werden. Damit kommen alle Anwender von Exchange 2003 in den Genuss des neuen Spam-Filters, und nicht nur - wie ursprünglich von Microsoft geplant - jene Kunden, die eine Software Assurance abgeschlossen haben. Die gesamten Edge Services sollen dann voraussichtlich im nächsten Jahr über das SP2 ausgeliefert werden. Sie werden die Version 2 des IMF beinhalten.

Zu den Kodiak-Technologien, die den Kunden nun häppchenweise verabreicht werden, zählen zusätzlich die Unterstützung für 64-Bit-Systeme, bessere Anbindung von mobilen Geräten und erweiterter Support für Web-Services. Derzeit freilich ist noch unklar, wann und in welcher Form diese verfügbar sein werden.

Einige Update-Termine stehen noch in den Sternen

Denn trotz des Abschieds von Kodiak soll es laut Thompson (http://www.computerworld.com/printthis/2004/0,4814,93449,00.html) irgendwann doch ein großes Exchange-Release geben. Dieses werde vermutlich zeitgleich mit der nächsten Version von Office kommen, um es auf Outlook abzustimmen zu können. Dafür gab Microsoft allerdings noch keinen Termin bekannt. (ws)

Windows-Kurswechsel

Ursprünglich sollte Longhorn nur eine Client-Version hervorbringen, gefolgt von einem späteren Server-Release unter dem Codenamen "Blackcomb". Letzteres mutierte dann zu einer Machbarkeitsstudie und verschwand von der Bildfläche. Vor kurzem änderten die Microsoft-Verantwortlichen erneut ihre Meinung und kündigten eine Server-Version von Longhorn an. Sie soll ebenfalls das auf Yukon basierende WinFS enthalten und frühestens 2007 auf den Markt kommen. Die Wartezeit soll das Release 2 des Windows Server 2003 verkürzen.

Neu in Windows 2003, Release 2

Auf der Tech Ed in San Diego demonstrierte Microsoft einige der geplanten Neuerungen für das Release 2 des Windows Server 2003.

Dazu zählt die Version 2 der "File Replication Services" (FRS), die nun besonders auf den Datenabgleich zwischen Firmenzentralen und Niederlassungen abgestimmt sind. Zu diesem Zweck bringt das zukünftige Release eine Technologie namens "Remote Differential Compression" mit. Sie tauscht nur die Unterschiede zwischen Dateiversionen aus und produziert damit weniger Verkehr als bisher, wo geänderte Dateien in ihrer Gesamtheit übertragen werden.

Ebenfalls der Anbindung von Filialen oder Außendienstmitarbeitern kommt "Anywhere Access" entgegen. Damit erhalten Anwender Zugriff auf E-Mail und andere Dienste, ohne dass dafür ein Virtual Private Network (VPN) eingerichtet werden muss.

In puncto Sicherheit wird das Release 2 die Möglichkeit zur automatischen Inspektion und Isolierung von Clients bieten. Wenn ein PC definierbare Konfigurations- oder Sicherheitsrichtlinien nicht erfüllt - etwa keinen aktuellen Virenscanner installiert hat -, dann kann ihm der Zugang zum Netzwerk verweigert werden.

Schließlich plant Microsoft noch die Integration der "Active Directory Federation Services", die unter dem Codenamen "Trustbridge" bereits für 2003 angekündigt wurden. Es handelt sich dabei um einen Dienst zum Austausch von Identitäten über Firmengrenzen hinweg. Damit können Unternehmen den Mitarbeitern ihrer Partner den Zugriff auf bestimmte IT-Ressourcen einräumen.