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19.12.1997 - 

Jahresrückblick/Fortsetzung von Seite 13

Microsofts Triumphzug und Apples Kampf ums Dasein

Ausführlich widmen sich die internationalen Wirtschaftsgazetten auch Fujitsus Amdahl-Übernahme. Zuvor besaßen die Japaner den Hersteller IBM-kompatibler Mainframes bereits zu 42 Prozent. Nun werden auch die restlichen am Markt befindlichen Anteile für zwölf Dollar je Aktie aufgekauft. Der Wert des Deals liegt bei insgesamt etwa 850 Millionen Dollar.

Das Microsoft-Management scheint einen neuen Weg gefunden zu haben, mehr Geld zu verdienen: Großkunden werden künftig im Abonnement mit Software versorgt. Die Anwender sollen unternehmensweit gültige, auf mehrere Jahre terminierte Verträge unterzeichnen, die die Nutzung von Windows inklusive Updates, Patches und Dienstleistungen umfassen.

Objektorientierte Programmierung wurde noch vor wenigen Jahren mit "Smalltalk" und dem Softwarehaus Parcplace-Digitalk in Verbindung gebracht. Die Softwerker sind nun aufgrund einer katastrophalen Geschäftsentwicklung gezwungen, ihren Smalltalk-Pfad zu verlassen und sich auf den Java-Markt zu stürzen. Zu diesem Zweck firmiert das Unternehmen nun als Objectshare Inc.

Bereits im März veräußerte die Miro Computer Products AG ihr Monitorgeschäft an die Korean Data Systems. Wegen finanzieller Probleme müssen die Braunschweiger nun auch das letzte Kerngeschäftsfeld aufgeben, die Digital-Video-Sparte. Sie geht an die Pinnacle Systems Inc. Miro verkauft künftig sowohl die eigenen Digital-Video-Produkte als auch die von Pinnacle.

Rundfunkgebühren für PCs fordert der Süddeutsche Rundfunk und bringt damit die Branche in Aufruhr. Der Fachverband Informationstechnik im VDMA und ZVEI fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit der Anbieter, findet dabei aber eher unglaubwürdige Argumente: Per Internet sei nur ein zeitversetzter Rundfunkempfang möglich, will die Verbandsspitze glauben machen. Ungeachtet der irreführenden Argumentation gelingt es, die Forderungen der Medienschaffenden vorerst abzuschmettern.

Für die IBM zählt der Markt - sonst nichts. Anders ist es nicht zu erklären, daß Big Blue sich vor allem als Lösungsanbieter im NT-Umfeld positioniert, während das RS/6000- und das AS/400-Geschäft deutlich nachlassen. Das Vertrauen in Microsoft scheint groß - warum sonst liefert die IBM-Tochter Lotus Development ihre "Notes"-Clients und das Office-Paket "Smartsuite" nur noch mit dem Internet Explorer aus?

Lotus bereitet IBM ohnehin Sorgen, weil die Notes-Versionen 4.5 und 4.51 schwere Mängel aufweisen und die Nachfolgeprodukte erst mit Verspätung zur Auslieferung kommen. Nur wenn es gelingt, die Notes-Version 5 Anfang 1998 auszuliefern, kann der Schaden in Grenzen gehalten werden. Andernfalls dürfte Lotus viele Anwender an Microsoft ("Exchange") verlieren.

Auch Netscape muß sich Sorgen machen - jedenfalls zweifeln die Marktforscher der Aberdeen Group daran, daß der Senkrechtstarter mittelfristig eine entscheidende Rolle im IT-Geschäft spielen kann. Java werde frühere Internet-Techniken ablösen, argumentieren die Analysten. Erschwerend komme hinzu, daß sich Netscape insbesondere im Bereich der Groupware zu sehr mit seinem einstigen Verbündeten IBM anlege.

An der Wallstreet sorgt IBM mit dem großangelegten Rückkauf eigener Aktien für Aufsehen. Gleichzeitig haben sich IBM-Chef Louis Gerstner, dessen Vertrag um fünf Jahre verlängert wurde, und andere Topmanager von privat gehaltenen Stammaktien im Wert von rund 28 Millionen Dollar getrennt. Spekulationen um unlautere Geschäfte schießen ins Kraut.

Sun Microsystems öffnet sich mit der Übernahme der Diba Inc. die Tür zum Consumergeschäft. Diba entwickelt Techniken, mit denen Alltagsgeräte wie Fernseher oder Handies einen Internet-Zugang bekommen. Microsoft beteiligt sich derweil mit zehn Prozent an Progressive Networks ("Real Audio", "Real Video") sowie an der auf Internet-Telefonie spezialisierten Firma Navitel.

Mehr Schlagzeilen macht jedoch Microsofts Einstieg bei Apple, den sich Bill Gates 150 Millionen Dollar kosten läßt. Eine enge Zusammenarbeit ist ebenso geplant wie die gegenseitige Nutzung verschiedener Technologien. Obwohl Gates auch weiterhin keinen Einfluß auf die Firmenpolitik von Apple hat, ist die traditionell Microsoft-feindlich gestimmte Mac-Gemeinde tief gedemütigt.

Nachdem Karstadt sich für Mannesmann Arcor als Telecom-Dienstleister entschied, fallen bei der Lufthansa nun die Würfel zugunsten der Viag Interkom. Günstige Preise und die Partnerschaft mit British Telecom und dem US-Carrier MCI kommen der Viag-Tochter zugute.

Harsche Kritik muß sich die Business Software Alliance (BSA) gefallen lassen. Die Interessenvertretung der Softwarebranche hatte 30000 kleine und mittlere Unternehmen schriftlich davor gewarnt, unrechtmäßig erworbene Software zu nutzen, und dabei den Eindruck erweckt, daß es eine Melde- oder Dokumentationspflicht gebe. Hausdurchsuchungen wurden angekündigt, obwohl diese ohne gerichtlichen Beschluß gar nicht erlaubt sind.

Oracle gibt die Arbeiten an der als "Komponentenfabrik" bezeichneten Entwicklungsumgebung "Sedona" auf. Eigentlich sollte die Software zusammen mit der Datenbankversion 8 freigegeben werden. Mit dem Scheitern bricht ein Eckpfeiler der unternehmenseigenen Network Computer Architecture (NCA) zusammen.

Der Streit zwischen Digital und Intel spitzt sich zu: Jetzt soll DEC in angeblich 14 Fällen Patentrechte von Intel verletzt haben. Inzwischen ist jedermann klar, daß es hier nur noch um Muskelspiele geht und ein außergerichtlicher Vergleich angestrebt wird.

Schweren Schaden nimmt die Corel Corp., die ihre Idee, eine Java-basierte Office-Suite herauszubringen, wieder begraben muß. Die fertigen Bestandteile sollen nun in "Corel Central" einfließen, einem abgespeckten Paket für Thin-Clients, das mit der "E-Suite" von Lotus zu vergleichen ist.

Auf der SAP-Anwenderkonferenz Sapphire in Orlando ist viel von der beschleunigten SAP-Einführung (Accelerated-SAP) die Rede. Höhepunkt der Veranstaltung ist jedoch die Ankündigung eines Joint-ventures mit Intel. Pandesic heißt das Unternehmen, das eine hard- und softwarebasierte Electronic-Commerce-Lösung anbietet, mit der Kunden nach dem Vorbild von Buchhändler Amazon.com ihr Geschäft aufbauen können.

Viele deutsche SAP-Anwender setzen auf das Datenbanksystem "Adabas D" von der Software AG - ein Produkt, dessen langfristige Perspektiven als eher unsicher gelten. Die SAP entschließt sich deshalb, die Adabas-D-Entwicklung selbst zu übernehmen, soweit ihre Klientel betroffen ist. Nun ist die Software AG frei, das Datenbanksystem nach ihren eigenen Plänen weiterzuentwickeln. Es soll künftig als Workgroup-Server gegen Microsofts "SQL Server" und Centuras "SQL Base" antreten.

Ein einheitliches Java und eine einzige virtuelle Maschine streben Sun, IBM und Netscape an. Ingenieure der Troika sollen im "Java Porting and Testing Center" an einer gemeinsamen Ablaufumgebung für verschiedene Betriebssystem-Welten arbeiten.

Apple kauft den Macintosh-Cloner Power Computing für 100 Millionen Dollar. Alle anderen Hersteller von Macintosh-Clones haben das Nachsehen, da Apple die Lizenzrechte für die Mac-OS-Version 8 gar nicht oder nur zu extremen Bedingungen herausgeben will. Der inzwischen zum "Interims-Chef auf Zeit" ernannte Steve Jobs meint offenkundig, daß ein Schattenmarkt dem eigenen Unternehmen mehr schadet als nützt.

Mac-Clones: Motorola steigt aus

Motorola verkündet, wegen der rigiden Lizenzpolitik Apples und enttäuschender Verkaufszahlen das Geschäft mit Macintosh-Clones zu beenden. Das Unternehmen hatte zuletzt hohe Summen in die Entwicklung der Rechnerfamilie "Starmax Pro 6000" gesteckt, die nun nicht mehr auf den Markt kommt. Gespannt beobachtet die Branche, ob Motorola als "Racheakt" die Entwicklung der Power-PC-Plattform für den Mac einstellen wird.

Oracle und Alldata verwirren ihre Mitarbeiter. Das ganze Jahr über kursieren Gerüchte, nach denen Alldata an die IBM oder einen anderen Hersteller verkauft werden soll. Es kommt jedoch zu keinem Abschluß. Oracle ernennt mit Hans-Dieter Jarnik einen neuen Deutschland-Chef aus den eigenen Reihen, der jedoch wenige Wochen später in seine vormalige Position eines Managing-Director für Teile Europas und Afrikas zurückversetzt wird. Der neue Chef heißt nun Wolfgang Jaeger und war zuvor Deutschland-Chef der Silicon Graphics GmbH.

Schmunzeln ruft in der Branche auch der Handel hervor, den Siemens-Nixdorf mit der Softwareschmiede Baan abschließt: SNI gibt die einst von Nixdorf erworbene "Comet"-Anwendungssoftware für einen "zweistelligen Millionenbetrag" an Baan ab. Die Holländer verpflichten sich - zur Freude der Konkurrenz - die Comet-Software bis über die Jahrtausendwende hinaus zu pflegen. Ob der Deal Erfolg haben kann, gilt als äußerst fraglich, da die Software alt ist und Comet-Kunden sich in der Vergangenheit als unflexibel gezeigt haben.

Nicht weniger als 30 Millionen Mark läßt sich Baan das Privileg kosten, als "Weltpartner" der Expo 2000 in Hannover aufzutreten. Damit booten die Softwerker die SAP AG aus, der das Projekt zu teuer war.

Mit rund 50 Millionen Mark beteiligt sich die Deutsche Telekom an der israelischen Vocaltec Communications Ltd., einem Experten für Sprachübertragung im Web. Für weitere 30 Millionen Mark sollen Produkte und Services von den Israelis bezogen werden, an denen man nun zu 21 Prozent beteiligt ist.

Die lang herbeigeredete Elefantenhochzeit im Online-Dienste-Markt kommt zustande, allerdings ist die Zeremonie ungewöhnlich kompliziert: America Online (AOL) und Worldcom schlucken Compuserve - oder genauer: Worldcom übernimmt zunächst Compuserve für 1,2 Milliarden Dollar von H&R Block, um sich dessen gesamten Netzwerksektor (Compuserve Network Services) einzuverleiben. Den Online-Dienst (Compuserve Interactive) mit weltweit rund 2,6 Millionen Kunden gibt Worldcom sogleich an AOL weiter. Im Gegenzug bekommt Worldcom den AOL-Netzbereich Advanced Networks and Services (ANS). In Europa ist wie gehabt die Bertelsmann AG mit im AOL-Boot: Sie beteiligt sich am europäischen Teil von Compuserve.

Siemens-Nixdorf beschließt, zum 1. November 1997 das gesamte Lösungsgeschäft in die gemeinsam mit der Siemens AG betriebene Servicetochter Siemens Business Services (SBS) auszulagern. Die SBS übernimmt damit die wichtigsten Großprojekte von SNI und sieht sich künftig in der Lage, ganze Geschäftsprozesse ihrer Kunden im Rahmen von Outsourcing-Verträgen zu betreuen. Aus dem Anwendungssoftware-Business zieht sich SNI immer mehr zurück. Es wird in kleine selbständige Firmen ausgelagert, an denen die Münchner sich beteiligen.

Der Traum von einem schnellen Java bleibt zunächst ein solcher. Die Sun-Tochter Javasoft verschiebt die Version 1.2 des Java Development Kit (JDK) auf Dezember und verlegt die Freigabe des "Java-Beschleunigers" "Hotspot" auf das Frühjahr 1998. Ob aus einem "ISO-Standard" Java etwas wird, ist ebenfalls noch offen. Zum Ärger der Konkurrenz aus dem Wintel-Lager verlangt Sun im Falle der Standardisierung die Position eines Wächters, der allein die Weiterentwicklung der Sprache steuert.

Die Düsseldorfer Mannesmann AG beteiligt sich mit 1,1 Milliarden Mark oder 25 Prozent an einem Festnetz- und Mobilfunk-Joint-venture namens "Oliman", das gemeinsam mit dem Olivetti-Konzern gegründet wird. Der Anteil soll später um 1,3 Milliarden Mark auf eine Beteiligung von 49,9 Prozent aufgestockt werden. Olivetti füllt auf diese Weise seine leeren Kassen und bringt seine Anteile am Mobilfunkbetreiber Omnitel sowie an der Festnetzgesellschaft Infostrada ein.

Lange hatte die Deutsche Telekom als potentieller Olivetti-Partner zur Diskussion gestanden, doch dazu kommt es nicht. Eine weitere Niederlage müssen die Bonner im Kampf gegen die alternativen Carrier hinnehmen. Postminister Wolfgang Bötsch setzt dem Dauerstreit um die Höhe der sogenannten Interconnection-Gebühren - Gelder, die zu zahlen sind, um die Sprach- und Datennetze eines Wettbewer- bers zu nutzen - ein Ende. Die privaten Netzanbieter müssen künftig pro Minute lediglich 2,7 Pfennige an die Telekom für die Nutzung ihrer Leitungen entrichten. Der Aktienkurs der Deutschen Telekom fällt daraufhin deutlich ab.

45 Millionen Dollar ist Microsoft eine Beteiligung am belgischen Softwarehaus Lernout & Hauspie wert, einem Spezialisten für digitale Sprachverarbeitung. Auf Embedded Systems setzt dagegen Wettbewerber Sun, der nach dem Hardware-Designer Diba auch die französische Chorus Systems, Anbieter eines Echtzeit-Betriebssystems, übernimmt.

Polzers Comeback: BIW kauft "MAS/90"

Eine weitere Akquisition in diesem Monat betrifft ein bekanntes deutsches Softwareprodukt: Das Weinstädter Softwarehaus BIW übernimmt das betriebswirtschaftliche Softwarepaket "MAS/90" von der IBM. Künftig gehört BIW zu je einem Drittel dem Firmengründer Helmut Polzer, der IBM und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Letztere war zuletzt im mehrheitlichen Besitz der Softwareschmiede gewesen, zeigte sich aber bald weniger interessiert, da die für das eigene Geschäft relevanten Unternehmensbereiche (R/3-Beratungsgeschäft) ausgeschlachtet worden waren.

Bewegung in die "Big Six" der internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften kommt durch die Fusion von Coopers & Lybrand und Price Waterhouse. Mit 13 Milliarden Dollar Honorarumsatz entsteht kurzzeitig der größte Beratungskonzern der Welt - vor Arthur Andersen. Das ändert sich binnen Wochen, da KPMG und Ernst & Young ebenfalls vor den Altar treten (gemeinsamer Honorarumsatz: zirka 18 Milliarden Dollar).

Die Auseinandersetzung zwischen Microsoft und Sun Microsystems nähert sich ihrem vorläufigen Höhepunkt: Microsoft nimmt alle Java-Applets von seinen Web-Seiten und kündigt ein eigenes Entwicklungs-Framework sowie sogenannte Scriplets an. Java sei nur eine Programmiersprache unter vielen, erklärt Topmanager Paul Maritz. Die Idee, eine Java-Anwendung einmal zu schreiben und dann überall laufen zu lassen, sei "reine Fiktion". Microsoft lehnt die Unterstützung der Java Foundation Classes (JFC) kategorisch ab, da sie Betriebssystem-Funktionen wahrnähmen.

Wenig später verklagt Sun den Kontrahenten wegen Vertragsbruchs. Microsofts Internet Explorer 4.0 und das zugehörige Java Software Development Kit entsprächen nicht den Anforderungen, die in den Lizenzverträgen festgelegt worden seien. Microsoft weigert sich vor allem, Techniken wie die Remote Method Invocation (RMI) zu unterstützen, die Sun dazu dient, Java als plattformunabhängige Applikationsplattform zu etablieren.

Existenzängste bei Informix

Bei Informix platzt die Bombe: Die Aufsichtsbehörde der US-Börse Nasdaq erwägt den Ausschluß der Aktie, da bei der Angabe des Umsatzes von 1996 "Rechenfehler" gemacht worden waren. Wenig später muß der Datenbankhersteller die Erträge der vergangenen drei Jahre um 236 Millionen Dollar und die Umsätze um 278 Millionen Dollar nach unten korrigieren. Allerdings werden schon bald alle Bedingungen erfüllt, um wieder regulär an der Börse geführt zu werden. Angesichts der desolaten Geschäftslage des Wettbewerbers geht Oracle nun systematisch auf die Jagd nach wechselwilligen Informix-Anwendern.

Intel sieht sich nach 1991 zum zweiten Mal mit Recherchen der US-Kartellbehörden konfrontiert. Die Federal Trade Commission untersucht, ob sich der Prozessorgigant unfairer Wettbewerbsmethoden bedient oder seine Marktdominanz ausnutzt, um angrenzende Geschäftsfelder (Grafikchips, Chipsets) zu besetzen. Ein Vorwurf lautet etwa, Intel verweigere PC-Herstellern Informationen über neueste Chiptechnologien, wenn diese auch Prozessoren der Konkurrenten Cyrix oder AMD verwenden.

Intel fertigt Alpha-Prozessoren

Die Auseinandersetzungen mit Digital Equipment kann Intel beenden. In Zukunft will Intel ebenso wie Samsung und Mitsubishi DECs Alpha-Chips fertigen. Digital selbst konzentriert sich nur noch auf die Entwicklung. Intel kauft für rund 700 Millionen Dollar drei Fertigungsstätten von Digital. Die ehemaligen Streithähne vereinbaren, gegenseitig die Prozessortechnologie des Vertragspartners zu nutzen. Marktbeobachter sehen in dieser Übereinkunft das Ende der Alpha-Technologie, das Digital jedoch vehement bestreitet.

Kunden der holländischen Softwareschmiede Baan klagen über erhebliche Mängel beim Service. Die Antwortzeiten seien zu lang, die Implementierungshilfen ungenügend. Offenbar gibt der Arbeitsmarkt nicht genügend Baan-Spezialisten her, zumal das Softwarehaus ungewöhnlich schnell gewachsen ist.

Ähnlich wie SAP plant auch Baan, sein Enterprise-Resource-Planning-System in kleinere Komponenten zu zerlegen. Mitte nächsten Jahres sollen mit "Baan V" das Finanzwesen, die Warenwirtschaft sowie ein Konfigurator separat zur Verfügung stehen. Anscheinend können die Softwerker nur so ihren Gemischtwarenladen aus den Produkten von Aurum, Berclain und Hyperion zu einem kohärenten Angebot sortieren.

War die Übernahme der Netzinfrastruktur von AOL und Compuserve schon ein Husarenstück, so will Worldcom nun noch kräftiger ausholen: Das Unternehmen bietet 30 Milliarden Dollar für den weitaus größeren Wettbewerber MCI und überrascht damit das Management von British Telecom (BT), das sich mit MCI schon überwiegend geeinigt hatte. Mit einem Angebot von 28 Milliarden Dollar steigt außerdem GTE in den Ring. Vergeblich, am Ende siegt Worldcom und zahlt 37 Milliarden Dollar, das Doppelte des ersten BT-Angebots.

Im jungen Electronic-Commerce-Markt mischen deutsche Anbieter kräftig mit. Brokat, Intershop und Telecash beschließen eine strategische Partnerschaft, um eine komplette Online-Shopping-Infrastruktur zu schaffen und den zahlreichen US-Anbietern Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Bei der IBM Deutschland GmbH rumort es kräftig, nachdem das Management beschlossen hat, eine Reihe von Geschäftsstellen zu schließen und dafür "flexible Arbeitsplätze" einzurichten. Nach Meinung des Betriebsrats bedeutet diese Maßnahme einen "Abschied aus der Fläche", da IBM vor allem in den ostdeutschen Ländern an Sichtbarkeit verliere. Auf internationaler Ebene ist ebenfalls Unruhe entstanden, da IBM zwar insgesamt stabile, in den Segmenten AS/400 und RS/6000 jedoch nachlassende Umsätze verbucht. Hier soll Personal abgebaut werden.

Die amerikanischen Kartellbehörden sowie Generalstaatsanwälte aus diversen US-Staaten ermitteln gegen Microsoft wegen des angeblichen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht - und ausgerechnet der langjährige Weggefährte Compaq ist einer der wichtigsten Zeugen der Anklage. Microsoft soll PC-Hersteller, darunter Compaq, genötigt haben, neben Windows 95 auch den Internet Explorer vorzuinstallieren. Die Hardware-Anbieter sollen ferner gezwungen worden sein, gegenüber den Ermittlungsbehörden keine Angaben über bestehende Lizenzvereinbarungen zu machen.

Mit der Seitz GmbH verschwindet eines der erfolgreichsten SAP-Systemhäuser: Die Pforzheimer werden von der Wiener AI Informatics GmbH übernommen. Mit Seitz möchten die Österreicher "in die Liga der multinationalen europäischen Dienstleister aufsteigen".

Zu einem der größten Player im Markt für Netz-Management und -Sicherheit will McAfee avancieren. Für 1,3 Milliarden Mark kauft das Unternehmen die Network General Corp. Beide firmieren fortan als Network Associates Inc.

Peinlicher Zwischenfall für Siemens-Nixdorf: Städtische Kliniken in München laufen Sturm, weil das R/3-basierte Krankenhaus-Informationssystem von SNI nicht brauchbar läuft und oft ausfällt. Die Hospitäler drohen mit Konventionalstrafen, falls die Probleme nicht bis Jahresende ausgeräumt sind. Positive Schlagzeilen macht SNI dagegen mit dem "zeitlosen PC": Gegen eine feste Monatsgebühr sollen Unternehmenskunden laufend die jeweils aktuellste PC-Technik geliefert bekommen. Für Installation, Support und Upgrade sorgt der Anbieter.

Eben noch hatte Silicon Graphics die Öffentlichkeit mit der Ankündigung überrascht, man werde künftig auch Windows NT unterstützen. Damit war die letzte reine Unix-Bastion gefallen. Nun macht der Anbieter von Grafik-Workstations erneut auf sich aufmerksam - mit einem schweren Quartalsverlust, der Entlassung von Vorstandssprecher Edward McCracken und der Ankündigung, 1000 der insgesamt 11000 Mitarbeiter vor die Tür zu setzen.

Eine interessante Allianz ergibt sich auf dem Sektor Anwendungssoftware: SAP-Wettbewerber Peoplesoft will künftig eng mit Marcam, einem führenden Hersteller von Systemen für die Planung und Steuerung der Prozeßfertigung, zusammenarbeiten. Die Systeme sollen integriert werden.

Olivetti will seine System- und Servicetochter Olsy an Wang Laboratories verkaufen. Die Italiener sollen zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Dollar erhalten und angeblich mit 19 Prozent an Wang beteiligt werden. Käme der Deal zustande, würde ein Unternehmen mit 20000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 4,5 Milliarden Dollar entstehen.

Totgesagte leben länger - dies gilt auch für die Münchner Messe Systems, die gestiegene Besucherzahlen und zufriedene Aussteller meldet. Die "Qualität der Besucher" sei ausgezeichnet, berichten die Aussteller unisono. Von der Ausstellung im nächsten Jahr auf dem neuen Messegelände in München Riem erwarten alle Beteiligten eine Menge.

Mit einem einzigen Befehl kann jeder Pentium-Prozessor zum Absturz gebracht werden. Der Bug hört auf den Namen "Pentium FO" und wird im Internet ausgiebig diskutiert. Dort sind viele Surfer der Meinung, Intel habe von dem Fehler gewußt, ihn aber verschwiegen, weil die Profichips Pentium II und Pentium Pro nicht betroffen seien. Die Chiphersteller berufen sich darauf, daß der Fehler nicht durch normale Anwendungen hervorgerufen werden kann.

Für einen nicht genau bezifferten Betrag zwischen 400 und 600 Millionen Dollar übernimmt Cabletron die Netz-Divison von Digital Equipment. Cabeltron will sein Portfolio um Angebote für Internet-Service-Provider ausbauen und darüber hinaus Switches und Hubs für Kleinstnetze anbieten. DEC-Chef Robert Palmer erklärt den Ausverkauf des Unternehmens damit für endgültig beendet.

Novell-Chef Eric Schmidt erinnert sich alter Tugenden: Das für Mitte 1998 angekündigte Nachfolgeprodukt von "Intranetware", Codename "Moab", soll nun wieder "Netware" heißen. Die Netzwerker wollen demnächst im Monatsrhythmus neue Produkte und Updates liefern.

Die US-Messe Comdex in Las Vegas hat Microsoft fest im Griff - so fest, daß wichtige Anbieter wie Netscape, Sun, Apple oder Compaq nicht zugegen waren. Im nächsten Jahr wollen auch IBM und Lotus nicht mehr teilnehmen. Hauptthemen der Comdex waren Handheld-Computer, Speichermedien, Sprachverarbeitung sowie dumme Windows-Bildschirme.

Sun Microsystems wird nun doch Gralshüter des Java-Standards. Die Mehrheit der ISO-Länderkomitees will dem Workstation-Anbieter die gewünschte Rolle des "Publicly Available Specifications (PAS) Submitters" zugestehen. Damit darf nur Sun über Veränderungen und Weiterentwicklungen von Java befinden. Außer den USA votiert nur China gegen diese Entscheidung. Als nächstes will Sun nun die Java Virtual Machine und sämtliche APIs zur Spezifikation einreichen.

Deutsche Wirklichkeit: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) definiert den Beruf des "Informationselektronikers" und besteht auf der Einführung einer IT-Handwerksordnung, die vor allem kleine Systemhäuser und Händler betrifft. Sie sollen künftig den Meistertitel vorweisen und in ihrem Netzwerk- und Home-Office-Geschäft stark eingeschränkt werden. Der Vorstoß löst heftige Proteste bei den DV-Verbänden aus.

Pretty Good Privacy (PGP), Anbieter der gleichnamigen, im Internet vertriebenen Verschlüsselungssoftware, wird für 36 Millionen Dollar von Network Associates übernommen. Rund um die PGP-Tools soll eine Produktsuite inklusive Verschlüsselungstechnologien und Antiviren-Tools entstehen.

Die Telekom verspricht ab Januar 1998 großzügige Rabatte, um die Angriffe der Wettbewerber zu parieren. Je nach Gesprächsdauer und zu überwindender Distanz sollen die Telefonate billiger werden, und auch den Internet-Surfern verspricht die Telekom Preisnachlässe in nicht genannter Höhe. Diese Pläne scheinen angesichts der jüngst veröffentlichten, teilweise auch für Privatkunden günstigen Tarife von Mannesmann Arcor unausweichlich.

Schlagzeilen macht der Exmonopolist auch durch die Ausgliederung der sechs Computer-Service-Zentren, die ebenso wie das Informationstechnische Zentrum in Darmstadt in eine 100prozentige Tochter ausgelagert werden sollen. Die Telekom entdeckt das Servicegeschäft und sagt nun Wettbewerbern wie Debis oder EDS den Kampf an.

Mit "Lean Clients" wirft Intel einen weiteren Begriff in die Diskussion um Total Cost of Ownership (TCO). Es handelt sich um Intel-basierte Endgeräte für weniger als 500 Dollar, die nicht nur mit Microsoft-Betriebssystemen arbeiten können. Sie lassen sich ebenfalls unter IBMs Workspace on Demand, Citrix' Winframe, Novells Netware oder Unix- Clients einsetzen.

Die verzögerte Auslieferung wichtiger Produkte ist 1997 genauso üblich wie in den Jahren zuvor. Microsoft bringt weder Windows NT 5.0 in der ersten Hälfte 1998 nach Plan heraus, noch kommt Windows 98 vor Mitte 1998. Säumig ist auch der Rivale Netscape, der seine vollständig in Java implementierte "Communicator"-Version wider Erwarten nicht im nächsten Jahr fertigstellen wird.

Offen gesagt

Richard Roy, Chef der Microsoft Deutschland GmbH, über NTs Schwächen und Java:

"Richtig ist, daß wir die Skalierbarkeit bestimmter Unix-Systeme heute noch nicht erreichen. Das müssen wir dem Kunden ganz klar sagen. Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, heute schon jeden Mainframe ersetzen zu können."

"Die Java-NC-Hersteller sind bis auf Netscape Anbieter, die in den vergangenen zehn Jahren im PC-Sektor nicht sonderlich erfolgreich waren. Jetzt versuchen sie, durch den von ihnen propagierten Paradigmenwechsel ihr Kerngeschäft zu verteidigen beziehungsweise ein neues lukratives Business aufzubauen."

Unbegrenzte Möglichkeiten

Peter Cunningham, Gründer und President des Marktforschungsunternehmens Input, über einen möglichen neuen Dienstleister von Weltrang:

"Wenn sich Siemens entscheiden würde, die Computer Sciences Corp. (CSC) zu übernehmen, könnten die das tun, ohne mit der Wimper zu zucken. (...) Siemens könnte auch EDS kaufen, der Preis würde bei 25 Milliarden Mark liegen. Für Siemens läge das im Bereich des Möglichen."