Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

28.02.2003 - 

Die Zukunft von ERP/Trends und Tendenzen im Umfeld von Anwendungssoftware

Middleware bringt die Integrationskompetenz zurück

Totgesagte leben länger! Client-Server, Three-Tier-Architekturen, Internet, Java, Web-Services, SCM, CRM, PLM, E-Marketplaces - mit dem Aufkommen neuer Softwaretechniken und -strategien sind Analysten schnell bei der Hand, das Ende der ERP-Software zu prophezeien. Bislang konnten deren Hersteller ihre Stellung allerdings halten. Von Roland Noll*

Während führende ERP-Anbieter wie SAP, Peoplesoft oder J.D. Edwards im vergangenen Jahr ordentliche Umsätze und Gewinne einfuhren, kämpfen CRM-Größen wie Siebel oder SCM-Spezialisten wie i2 Technologies um Anschluss sowie einstige Börsenstars aus der E-Business- beziehungsweise Dotcom-Sparte wie Commerce One oder Intershop ums nackte Überleben.

Die ERP-Hersteller bewiesen ein hohes Maß an Geschick, nach Supply-Chain-Management (SCM) oder Customer-Relationship-Management (CRM) auch die E-Themen zu adaptieren und in die eigenen Produktstrategien zu integrieren. Im ersten Schritt verlassen sie sich dabei meist nicht auf die Entwicklungskompetenz im eigenen Haus, sondern beschaffen sich das hierzu notwendige Know-how kurzfristig mittels Akquisitionen und/oder Kooperationen am Markt und schließen so die Lücken in der eigenen Produktwelt.

Erweitertes ERP oder ERP II

Wenn die Einführung neuer Softwarekategorien mittelfristig die Position der ERP-Anbieter in Unternehmen bedroht, greifen sie besonders gern zu dieser Strategie. Dieses Vorgehen verhilft den Herstellern zu der notwendigen Atempause, um in der Zwischenzeit das eigene Portfolio entsprechend zu ergänzen und nicht tatenlos den Geschäften der neuen Konkurrenz zuschauen zu müssen.

Angesichts dieser sich abzeichnenden Entwicklung wird es für die Marktforscher immer schwieriger, das eigentliche Wesen von ERP zu erfassen. Denn mit dem klassischen, um die Aufgaben der Fertigungslogistik und Betriebswirtschaft gruppierten Angebot hat der aktuelle Leistungsumfang des Produktportfolios eines typischen ERP-Herstellers höchstens noch den Namen gemein.

Folglich lagen die Gartner-Analysten vor rund zwei Jahren mit ihrem Abgesang auf das traditionelle ERP-Modell durchaus richtig. Zur besseren Umschreibung des heutigen Angebots bemühen sie nun lieber den Begriff des erweiterten ERP oder ERP II. Die Umschreibung soll dokumentieren, dass Unternehmenssoftware künftig nicht mehr allein vertikale Funktionen unterstützt, sondern die Transformation eines Unternehmens in eine prozessorientierte, an Wertschöpfungsnetzen ausgerichtete Organisation beglei-tet. Das deckt sich in weiten Tei-len mit den Zielen so genannter C(ollaborative)-Software, aber auch neueren Softwarestrategien wie PLM (Product-Life-Cycle-Management) oder SRM (Supplier-Relationship-Management).

Den Definitionsbemühungen um die neuen ERP-Konzepte mutet deshalb auch etwas Akademisches an. Pragmatischer, vielleicht auch treffender ist die Konzentration auf das E (wie Enterprise); ERP-Anbieter müssen mit ihrer Software Unternehmen in ihren Aufgaben unterstützen. Ändern sich deren Strategien und Ziele, müssen sie mit ihren Produkten folgen. Ansonsten könnte ein Konkurrent in die Bresche springen. ERP-Anbieter sind deshalb in zweierlei Hinsicht gefordert. Einerseits müssen sie auf der Lösungsseite ihr Angebot kontinuierlich anpassen und ausbauen; andererseits aber muss parallel auch die eigene Softwareinfrastruktur für die neuen Anforderungen weiterentwickelt werden.

Die größten Fortschritte wurden im vergangenen Jahr sicher beim technischen Fundament gemacht. Nahezu jeder Hersteller hat seiner Software heute eine Internet-basierende Architektur verordnet, die sich im Groben aus den Komponenten Portalsoftware, Web-Application-Server und Middleware zusammensetzt.

Eigene Middleware-Initiativen

Der Abschied von den eher monolithisch ausgerichteten Client-Server-Anwendungen geht einher mit einer breiteren Öffnung hin zu Programmen Dritter. Die Kooperationen reichen weit über die bislang für die Kommunikation angebotenen APIs und Adaptoren hinaus. Während Oracle und SAP nach der Übernahme von Toptier und des Web-Application-Server-Geschäfts von Prosystin dieses Feld viel lieber selbst beackern, stützen sich andere Anbieter wie Peoplesoft beim Ausbau der Integrationsleistung der eigenen Softwareinfrastruktur auf die Produkte von Bea oder wie im Falle J.D. Edwards auf Active Software (jetzt Webmethods) oder Netfish Technologies (heute Iona).

Dem eingangs beschriebenen Ausbau des Lösungsangebots vergleichbar, reagieren die Hersteller mit eigenen Middleware-Initiativen auf die Erfordernisse des Marktes. Denn entgegen ihrem eigenen, mehr oder minder offen ausgedrücken Bestreben, der einzige Softwarelieferant eines Unternehmens zu sein, stehen sie oftmals vor der Herausforderung, bereits vorhandene Lösungen und Spezialsoftware integrieren zu müssen - eigene Produkte nicht ausgenommen! Zudem gewinnen die Anbieter durch die neuen Middleware-Architekturen wieder ein Stück verloren gegangene Integrationskompetenz zurück. Denn die Ausweitung des Produktangebots brachte einen deutlichen Zuwachs an Komplexität mit sich und infolgedessen eine Verwässerung der aus dem klassischen ERP-Geschäft gewohnten Integrationstiefe. In dieser Hinsicht ist auch das von SAP kürzlich vorgestellte Master Data Management (MDM) ein wirklicher Fortschritt, weil es als externes zentrales Repository der Datenintegration und -harmonisierung in heterogenen Umgebungen - auch zwischen Systemen unterschiedlicher Hersteller - dient.

Doch berühren die Fortschritte auf der technischen Seite den Anwender gegenwärtig nur peripher. Vielmehr beschäftigt ihn zurzeit das Problem, dass der überwiegende Teil der heutigen ERP-Implementierungen als Architektur der unternehmerischen Abläufe der bisherigen funktionalen Unternehmensorganisation folgt und damit überholt ist. Neue Releases werden nur technisch integriert, während die Prüfung der neuen Funktionen oder Lösungsalternativen entfällt. Die Komplexität einer ERP-Einführung hat das Beharren auf der Eins-zu-eins-Migration im Zuge der Jahr-2000- und Euro-Problematik sicher gefördert. Zusätzlich haben sich die hohen Investitionskosten noch nicht amortisiert.

Typisches Henne-Ei-Problem

Wie so häufig im Leben, hat man es an dieser Stelle mit einem typischen Henne-Ei-Problem zu tun. Auf der einen Seite erschließen neue Architekturen das Business-Potenzial, denn eine nahtlose Verkettung von Geschäftsprozessen eröffnet enorme Rationalisierungschancen. Andererseits ist das Etablieren neuer Geschäftsprozesse eine ungleich komplexere Aufgabe als die Einführung neuer Software-Releases unter Einhaltung der bisherigen (Unternehmens-)Strukturen.

Nach jüngeren Untersuchungen der Meta Group deutet sich hier ein Meinungsumschwung an, was sich auch mit Erfahrungen aus der Beratungspraxis deckt. Nach dem Aufbau der Infrastruktur und der ungleich wichtigeren Harmonisierung der Stammdaten wollen die Unternehmen nun die Potenziale ihrer ERP-Implementierung besser nutzen. Stellhebel hierbei sind sowohl unternehmensinterne als auch unternehmensübergreifende Prozessoptimierungen. Falls erforderlich, sind die Anwender sogar bereit, in neue Softwarekomponenten und -Upgrades zu investieren. Laut Meta planen rund 30 Prozent der Unternehmen mit einem ERP-System, dieses um Komponenten für CRM, SCM und BI (Business Intelligence) zu erweitern.

Von dieser Entwicklung profitieren natürlich in erster Linie die Anbieter umfangreicher Softwaresuites, die das Integrationsargument auf ihrer Seite wissen. Aus diesem Grund vermutet Aberdeen Group in nächster Zeit starke Konsolidierungsbewegungen im Markt, die zunächst einmal die kleineren Spezialanbieter ihre Unabhängigkeit kosten werden. Insbesondere Hersteller, die ihre Software um den J2EE-Standard oder .NET herum aufgebaut haben, stehen nach Ansicht des Marktforschungsunternehmens auf der Einkaufsliste der großen Anbieter. Aus technischer Perspektive lassen sich diese Programme vergleichsweise einfach in die eigenen neuen Softwarearchitekturen integrieren, da sie auf denselben Programmierstandards basieren.

Klassisches Geschäft am Ende?

Durch J2EE, .NET und den damit verknüpften Web-Services-Gedanken wird zudem eine Entwicklung angestoßen, nach deren Ablauf nicht wenige Analysten das Ende des klassischen Softwaregeschäftes vermuten. Sie erwarten die Etablierung neuer Formen der Arbeitsteilung in der Softwareherstellung, die den Beispielen des Hardwaresegments oder der Automobilindustrie folgen. Aus technischer Sicht erfahren die Module der Anwendungssoftware eine deutlich stärkere Zerlegung in separate Komponenten und Einzelfunktionen als bislang gewohnt. Ungeachtet der Vorteile, die dieser Ansatz für die Flexibilität mit sich bringt, beispielsweise beim Release-Wechsel, bleibt das Problem der späteren Montage beziehungsweise Integration. Ohne Frage besitzt der Lieferant dieser Integrationsplattform künftig eine machtvolle Position in der Softwarewelt der Unternehmen. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die zum Teil heftige Debatte um J2EE und .NET mit den Protagonisten IBM und Microsoft.

Der Anwender profitiert

Die (argumentative) Zurückhaltung der ERP-Anbieter ist dagegen eher taktischer Natur. Denn an sich sind sie die natürliche Anlaufstelle, um das Zusammenspiel zu garantieren. Die Anstrengungen, die sie in jüngster Zeit auf dem Feld der Prozessorientierung unternehmen, belegen aber, dass sie nicht gewillt sind, das Feld kampflos den Software-Infrastruktur-Lieferanten zu überlassen. Der Anwender profitiert von dieser Entwicklung, da Prozesse seinem Geschäft immer näher sind als technische Fragestellungen. (bi)

*Roland Noll ist Director Sales Industrie, Handel und Logistik bei der CSC Ploenzke AG in Wiesbaden.

Pioniere im Abseits

Während die klassischen ERP-Anbieter wie SAP, Peoplesoft oder J.D. Edwards Gewinne einfuhren, kämpfen CRM-Größen wie Siebel oder SCM-Spezialisten wie i2 Technologies um Anschluss sowie einstige Börsenstars wie Commerce One oder Intershop ums nackte Überleben.

Die Gewichte verschieben sich

Der europäische Markt für Unternehmensanwendungen soll, folgt man den Angaben von AMR Research, 2006 ein Volumen von 21,3 Milliarden Dollar umfassen. Allerdings werde das Kerngeschäft mit ERP in diesem Zeitraum von 6,1 Milliarden Dollar im Jahr 2002 auf 5,5 Milliarden Dollar im Jahr 2006 schrumpfen. Abgelöst werde es vom dann umsatzstärksten Softwaresegment CM/CRM mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 27 Prozent und einem Volumen von 8,7 Milliarden Dollar (2006). Mehr als verdoppeln sollen sich im Betrachtungszeitraum die Ausgaben für SCM, das bedeutet auf rund 3,3 Milliarden Dollar. Mit der gesondert ausgewiesenen Beschaffungssoftware (E-Procurement und -Sourcing) werden AMR zufolge zu diesem Zeitpunkt bei einem jährlichen Wachstum von 16 Prozent knapp eine Milliarde Dollar Umsätze erzielt.

Abb: Wo liegen die Prioritäten der Anwender?

"Welche Bedeutung messen Sie diesen Themen bei", wurden Anwender gefragt. ERP und E-Business zogen gleich, außer bei den Top Ten; offenbar haben die ihre Hausaufgaben bereits gemacht. Quelle: Lünendonk