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KOLUMNE

Middleware-Krieg - und keiner geht hin

10.09.1993

Die "New York Times" kam auf den Punkt, als sie in einem Bericht ueber die COSE-Initiative zur Unix-Vereinheitlichung (Seite x) eine griffige Analogie waehlte: Das API-Teilchen (Application Programming Interface) im Client-Server-Puzzle sei vergleichbar mit der Einschraubfassung fuer Gluehbirnen. Sehr gut, aber haben wir mit Unix, Windows, Windows NT, OS/2 und Macintosh OS nicht immer noch zu viele CS-Betriebssystem-Fassungen? Bingo - und das macht die Sache zum Politikum: Technisch ist beinahe alles moeglich, aber der DV-Entscheider will eben nicht mehr nur die Wahl haben zwischen ausschliesslich blauem (IBM), ausschliesslich gruenem (Microsoft) oder ausschliesslich diffusem Licht (Unix), wenn er sich den Kopf ueber Client-Server-Anwendungen zerbricht. Er will umschalten koennen, ohne jeweils die Lampe, die Gluehbirne oder beide Komponenten austauschen zu muessen.

Das Frei-von-frei-fuer-Paradox offener Systeme ist bekannt: Im Prinzip geht alles, aber ohne Standards laeuft nichts. Zugegeben: Eine Infrastruktur fuer Client-Server-Computing zu schaffen erfordert mehr Aufwand, als zur Durchsetzung von Normen in der Elektroindustrie noetig war. Das Fell des Baeren, das verteilt werden soll, heisst "Middleware", die Schicht - um diese vereinfachende Definition zu verwenden - zwischen Hardware und Anwendung. Das Merkmal einer Client-Server-Architektur besteht ja gerade darin, dass sie keinem einzelnen DV-Hersteller gehoert, was allerdings die Aufgabe fuer Planer, Entwickler und Implementierer nicht einfacher macht.

Der Auftrag von COSE (Common Open Software Environment), Spezifikationen fuer ein einheitliches API im Unix- Anwendungsbereich zu schaffen, ist sicher ein richtiger, ein wichtiger Ansatz. Schoenheitsfehler: Microsoft macht nicht mit. Man sollte sich von den Client-Server-Anbietern jedoch keinen Baeren aufbinden lassen. Das Anwendermotto lautet: Stell Dir vor, es ist Middleware-Krieg, und keiner geht hin!

Was diese Ueberzeugung erhaertet? Nun, trotz gelegentlicher gegenteiliger Bekundungen, die man sogar aus dem COSE-Lager hoert: Das Unix-Betriebssystem ist offen. Die Hersteller werden sich an die Spielregeln des Standardisierungsprozesses halten, weil jeder Alleingang gleichbedeutend mit unternehmerischem Selbstmord waere. Man kann diese These getrost auch auf Microsoft anwenden. Bill Gates hat keine Suizidgelueste; NT wird offen gegenueber Unix, Unix offen gegenueber NT sein. Und die Anwender kennen die Gefahr, dass Microsoft ueber die Middleware den Applikationsmarkt kontrollieren koennte. Als Betriebssystem-Produzent haette die Gates-Company die Moeglichkeit dazu. Soweit werden es die Kunden nicht kommen lassen. Und dann gibt es ja auch noch Kartellbehoerden.