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03.04.1978

Mieten, kaufen oder leasen?

Maximilian Wieland EDV-Leiter in München. Eine Frage, die - in dieser Form vorgebracht- sicher nicht zu beantworten ist. Zunächst ist einmal wichtig, von weichem Objekt die Rede ist, ob es sich um ein -für den Fragesteller - "langlebiges" Gerät handelt oder nicht. Welches Gerät ist aber "langlebig"? Es geht hier nicht vorwiegend um die Dauer der echten Funktionsfähigkeit, sondern um die voraussichtliche Nutzungsdauer, bei Betrachtung des technischen Fortschritts, der Wartbarkeit, der Flexibilität der Leistungsmerkmale und freilich auch der Betriebssicherheit. Die Beurteilung der voraussichtlichen Nutzungsdauer ist also einerseits zwar von der Art der Maschine abhängig, wird aber andererseits doch auch ganz wesentlich vom vorgesehenen Einsatz beeinflußt. Sie kann deshalb auch nur im Einzelfall für jedes Gerät getrennt unter Bewertung der genannten Faktoren festgelegt werden.

"Langlebig im wirtschaftlichen Sinne ist ein Objekt immer dann, wenn die aufzuwendenden Mietzahlungen plus Zinsen den Kaufpreis plus Wartungskosten und .Zinsen zu einem Zeitpunkt erreichen, der innerhalb der voraussichtlichen Nutzungsdauer liegt. Ist dies der Fall, dann muß gekauft werden.

Praktisch bedeutet dies, daß diese Entscheidung für jede anzuschaffende Maschine zu treffen ist. Der Zeitpunkt ist der Installationstermin. Das heißt aber nichts daß eine zu diesem Zeitpunkt gefallene Anti-Kauf-Entscheidung nicht bei einer späteren Änderung der Verhältnisse zu revidieren wäre. Diese Änderung kann etwa in Form einer Reduzierung des Kaufpreises oder , auch einer Verlängerung der voraussichtlichen Nutzungsdauer eintreten. Daraus folgt: Während der Mietdauer ist jedes Gerät laufend dahingehend zu überwachen, ob Umstände eintreten, die für eine nachträgliche Kaufentscheidung sprechen. Daß dabei der Umfang der Anrechnung der bis dahin gezahlten Mieten eine entscheidende Rolle spielen wird, versteht sich von selbst.

Dies sagt sich nun alles recht leicht. Wie aber ist es im konkreten Fall? Wenn es um eine Zentraleinheit, wenn es um Magnetplattenperipherie, um Magnetbandperipherie geht? Wenn gar Maschinen installiert werden, bei denen man weiß, daß sie nicht neu, sondern bereits Jahre in Gebrauch waren, der Listenkaufpreis darauf aber keine Rücksicht nimmt?

Es gibt dafür eine allgemein gültige Regel:

- Entweder günstig kaufen und - voraussichtlich - lang nutzen

- oder so günstig kaufen, daß der Kauf auch bei kurzer Nutzungsdauer wirtschaftlich ist

- oder zum Listenpreis kaufen und wenigstens- aber mit Sicherheit!- lang nutzen.

Trifft keine dieser Voraussetzungen zu, ist ein Kauf nicht zu verantworten.

Der "günstige" Kaufpreis ist entweder ein Options-Kaufpreis des Herstellers nach Ablauf einer gewissen Mietdauer oder ein Angebot auf dem Gebrauchtcomputermarkt.

Nicht selten wird gegen diese Grundsätze - so trivial sie auch sein mögen - verstoßen: Entweder so, daß nicht genügend fundierte Kaufentscheidungen getroffen werden oder so, daß für Geräte auf viele, manchmal sogar über 10 Jahre hinaus Listenmiete entrichtet, aber niemals ein Kauf erwogen wird.

Bis hierher wurde nur über Kauf und Miete gesprochen. Wie steht es nun mit dem Leasen? Ist der - meist langlaufende - Leasingvertrag eine Alternative zu Kauf oder Miete?

Im Gegensatz zum Mietvertrag liegt das Risiko einer Zerstörung oder Beschädigung der Maschine beim Leasingvertrag voll beim Anwender. Er muß sich - wie bei einer gekauften Maschine - dagegen versichern.

Beim Leasingvertrag trägt der Anwender auch das ganze Wartungsrisiko. Er muß mit dem Hersteller einen Wartungsvertrag schließen. Dabei wird schon dann eine erhebliche Komplikation eintreten, wenn dieser nicht bereit ist, eine die gesamte Laufzeit des Leasingvertrages umfassende Wartungsgarantie zu geben. Gerade darauf muß der Anwender aber bestehen, denn wenn der Hersteller, der ja nicht Leasingpartner ist, vorzeitig den Wartungsvertrag kündigt, können die Geräte nicht mehr benützt werden obwohl die Leasingraten weiter zu entrichten sind.

Führt ein Hersteller die Wartung unzureichend durch so hat der Mieter stets ein Druckmittel der Mietzahlungen zur Hand. Bei geleasten Maschinen kann er nur mit den relativ geringen Wartungsgebühren operieren ist also in einer viel ungünstigeren Position.

Stellt sich gar heraus ,daß eine Maschine besonders störanfällig ist und ausgetauscht werden müßte, so ist dies bei Leasingverträgen kaum möglich da die Leasinggesellschaft keinen Austausch vornehmen kann und dem Hersteller das Gerät nicht mehr gehört.

Wenn also diese mit der unmittelbaren langfristigen Gerätebindung zusammenhängenden Risiken beim Kaut und beim Leasingvertrag gleichermaßen gegeben sind beim Mietvertrag dagegen entfallen so deutet dies mehr auf eine Alternative zum Kauf hin. Die für den Kauf maßgeblichen wirtschaftlichen Kriterien sind dagegen nicht anwendbar. Für den Leasingvertrag gilt deshalb: Wenn die entsprechende Miete höher ist als Leasingraten + Wartungskosten + Versicherungsprämie + Bewertung der Risiken: Fortfallende oder mangelhafte Wartung, zu lange Gerätebindung und ein Kauf nicht in Frage kommt dann ist Leasing die richtige Entscheidung.