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03.03.1989 - 

Kooperation der Hersteller könnte Anwender-Irritationen vorbeugen:

Migration von TCP/IP zu ISO-Class-4 braucht langen Atem

Wenn es einen Erbhof im Reich der Standards gibt, dann scheint er für die ISO-Protokolle reserviert zu sein. Für Experten besteht kein Zweifel: Die zukünftige offene Kommunikation wird auf den ISO-Normen basieren. Ein wesentlicher Schritt in diese Zukunft soll mit dem Protokoll "ISO-Class-4" getan werden. Es definiert in Applikationen gewissermaßen die "Schnittstelle" zwischen den unteren physikalischen Ebenen und den oberen Anwendungsschichten gemäß dem OSI-Referenzmodell. Aber: Im designierten OSI-Refugium hat sich ein "Fremdling" eingenistet. Er heißt TCP/IP, erfreut sich großer Beliebtheit und hat sich vom "OSI-Lückenbüßer" zu einem De-facto-Standard in der Transportebene gemausert. Ein Ende von TCP/IP ist momentan nicht abzusehen. Grund: Es gibt viele Anwendungen und die Multi-Vendor-Vernetzung in lokalen Netzen wird meist über TCP/IP realisiert. Folge: Die Migration von TCP/IP zu ISO-Class-4 erfordert bei den Herstellern und Anwendern eine genaue Planung, muß schrittweise erfolgen und wird vermutlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Dieter Sundermann Gruppenleiter Angewandte Datentechnik, Abteilung

Versuchssysteme, Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt e.V., Oberpfaffenhofen

Aus der Sicht des TCP/IP-Anwenders ist die Implementierung der ,"ISO-Class-4"-Funktionen in LANs solange kein Thema, wie nicht sichergestellt ist, daß in heterogenen Netzen die Rechnerhersteller und Anbieter von LAN-Komponenten die Umstellung vorgenommen und den sicheren Kompatibilitätsnachweis erbracht haben.

Generell ist die Standardisierung der Übertragungsfunktionen auf den höheren Ebenen des ISO/OSI-Referenzmodells eine unumgängliche Entwicklung, die dem Anwender durch die Freiheitsgrade einer "Open Systems Architecture" bei seiner Systemauswahl hilfreich entgegenkommt.

Ein Druck auf die Hersteller der Netzwerkkomponenten seitens der Anwender ist jedoch gegenwärtig nur zu erwarten, wenn ein Anreiz über die Erweiterung der Funktionalität im Rahmen der "ISO-Class-4"-Implementierung geliefert wird. Insbesondere deshalb, weil sich der "De-facto-Standard" TCP/IP weltweit durchgesetzt hat und inzwischen von allen namhaften Computerherstellern angeboten wird.

Es ist also in erster Linie eine Herstellerentscheidung, die Weichen für eine zukunftsweisende Standardisierung der Übertragungsfunktionen gemäß dem ISO/OSI-Referenzmodell zu stellen. Dort, wo der Anwender keine Schnittstellenprobleme zu seiner aktuellen Netzwerktopologie befürchten muß, beispielsweise bei der Steuerung und Überwachung von LAN-Terminalservern, gibt es bereits herstellereigene Lösungen, die auf der Implementierung von "ISO-Class-4" basieren. Auch bei den einzelnen Rechnerherstellern sind vorsorglich Vorbereitungen getroffen worden, um mit wenig Aufwand die TCP/IP-Funktionen durch den "ISO-Class-4"-Standard ersetzen zu können. Einige Hersteller sind somit schon zum Aufsprung auf den ISO/OSI-Standardzug bereit, um aus Wettbewerbsgründen für Markttendenzen gewappnet zu sein. Es ist zu hoffen, daß bald eindeutige und zuverlässige Absprachen zwischen den potenten Verfechtern der LAN-Standardisierung über zukunftssichere und funktionelle Übertragungsstandards gemäß den ISO/OSI-Richtlinien getroffen werden - einerseits um den Spekulationen ein Ende zu machen, andererseits um den Anwender nicht zu verunsichern und ihn die Zeche für die notwendige Umstellung zahlen zu lassen.

Karl Reinhart Geschäftsführer Multinet Services Gesellschaft für Tele- und Datenkommunikation, Pulheim, Köln

Trotz des Aufkommens der ISO-Protocole beziehungsweise der allgemeinen Überenstimmung diese in Zukunft zu unterstützen, ist de offene Kommunikation immer noch sehr stark geprägt durch TCP/IP. Die Gründe hierfür liegen in der historisch bedingten weiten Verbreitung von TCP/IP-Netzen, der großen Implementierungsbreite (TCP/IP-Anschlüsse stehen für fast alle EDV-Systeme zur Verfügung) sowie der großen Attraktivität für den Anwender durch die Vielzahl der verfügbaren Anwendungen.

Das Problem des Anwenders besteht darin, einerseits seine heutige Wettbewerbsfähigkeit durch den Einsatz offener Kommunication mit möglichst großer Functionalität zu sichern, und andererzeits sich für die Zukunft zu wappnen, indem er den Einsatz von ISO-Normen vorausplant. Das bedeutet für ihn, unter Wahrung maximaler Funktionalität, einen kostengünstigen Übergang zu finden, mit anderen Worten: die Migration von TCP/IP nach ISO effizient zu gestalten.

Somit stellt sich die Frage, wie eine Migration zur zukünftigen IPO-Welt aussehen könnte. Eines steht wohl ohne Zweifel fest: Es gibt keinen Anwender, der von einem Tag auf den anderen alle bisherigen Kommunikationsanwendungen in seinem Rechnernetz entfernt und diese durch solche mit ISO-Protokollen ersetzt. Vielmehr wird der Anwender danach trachten, Anwendungen, für die es schon ISO-Produkte gibt, auszutauschen und die anderen Applikationen vorläufig zu behalten.

Eine Zwischenstufe können Gateways zwischen den bisherigen Anwendungen und den ISO-Produkten sein. Dadurch entsteht eine Landschaft mit Bereichen, in denen die herkömmlichen Applikationen weiterhin genutzt werden, und anderen Bereichen, deren Kommunikationsanwendungen bereits migriert wurden. Dadurch wird an der Schnittstelle Rechnerleistung benötigt, die nur dazu dient, ein Fomat in ein anderes Fomat umzusetzen.

Zu beachten ist, daß durch die Migration der Kommunikationsanwendung keinerlei Festlegung auf einzusetzende Transportprotokolle getroffen ist. So klar die Migration auf Awendungsebene ist, so vielfältig kann dies für die Transportebene sein. (Beispiel: Beide Protokoll-Familien werden über einen gemeinsamen Hardwareanschluß eingesetzt.)

Aufgrund seiner Anwenderorientierung sieht es Multinet nicht nur als Aufgabe an, die aktuelle Verfügbarkeit offener Kommunikationsprodukte insbesondere derer nach den allgemein akzeptierten zukünftigen ISO-Standards aufzuzeigen, sonden sich auch Intensiv dem Thema Migration zu widmen. Der Anwender kann also im Rahmen von Multinet den Leitfaden finden, der es ihm gestattet, hersteller-übergreifende Kommunikation zu wirklichen und dadurch an Wahlfreiheit für seine Investitionen gewinnen.

Wolfgang Schneider Projektleiter Network-Security, Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH, Darmstadt

Es ist zur Zeit noch nicht abzusehen, welche Richtung sich im LAN-Protokollbereich der unteren Ebenen durchsetzen wird. Es schmücken sich ja zwei Typen von Protokoll-Säulen mit der Feder der ISO-Konformität, die untereinander schwer verträglich sind: Die eine verbindet das (X.25-ähnliche) ISO-Ebene-3-Protokoll mit einem ISO-Transportprotokoll beliebiger Klasse, die andere besteht im wesentlichen aus dem mächtigen ISO-Transportprotokoll der Klasse 4 oberhalb eines datagrammorientierten Link-Protokolls und einer praktisch leeren Ebene 3. Die erste Säule kann man durch die Überschrift "LAN als OSI-Teilnetz" charakterisieren; die zweite unter der Überschrift "LAN als verteiltes Endsystem" ist Bestandteil der MAP/TOP-Linie.

Beide Lösungen verwenden nur ISO-Protokolle, sind aber innerhalb eines LAN untereinander nicht kompatibel. Von keiner der beiden Lösungen kann man derzeit sagen, daß sie sich durch Marktbeherrschung oder Anwenderakzeptanz als der LAN-Protokollstandard aufdrängt. Nach wie vor ist TCP/ IP die verbreitetste Protokoll-Welt im LAN-Bereich und in vielen Fällen die einzig verfügbare überhaupt.

Wir benötigen jedoch standardisierte Protokolle und Dienste für die Bewältigung zweier Probleme: Zum einen müssen unterschiedliche Systeme am selben LAN miteinander kommunizieren können, zum anderen sollen Applikationen über verschiedene Netztypen hinweg (zum Beispiel LANs und WANs) miteinander kommunizieren können. Divergierende Netze müssen also zu einer einheitlichen Netzdienstleistung integriert werden. Für das erste Problem braucht man standardisierte Protokolle und Dienste in den unteren Ebenen, während man beim zweiten nicht notwendigerweise voraussetzen kann, daß in den beteiligten Netzen in den Ebenen 1-3 dieselben Protokolle gefahren werden.

Wir haben deshalb bei der GMD einen Weg beschritten, der auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, aber eine Konsequenz der beschriebenen Situation ist. Zunächst haben wir die Pflöcke bei den standardisierten Diensten eingeschlagen, das heißt bei unseren Systemen (überwiegend Unix-Systeme) den ISO-Transportdienst und den ISO-Netzdienst als stabile Systemschnittstellen installiert. Beim Netzdienst sind die in Abhängigkeit des Netztyps (LAN oder VAN) verwendeten Protokollstacks austauschbar, ohne daß Applikationen, die diesen Dienst verwenden, davon etwas merken. Beim Netztyp LAN nehmen wir als Protokollstack die TCP/IP-Protokolle, um damit den ISO-Netzdienst für standardisierte Anwendungen bereitzustellen.

Man mag einwenden, daß wir mit Kanonen auf Spatzen schießen, da die TCP/IP-Funktionalität über einen reinen Netzdienst hinausgeht. Wir erreichen damit aber eine Entkoppelung der Applikationen von den darunterliegenden Netztypen mit deren Protokollen. Damit können wir ein nicht-standardisiertes, aber verfügbares Protokoll wie TCP/IP dazu verwenden, auch im LAN-Bereich den gleichen standardisierten Netzdienst zu nutzen, wie im WAN-Bereich mit Hilfe von X.25. Der Netzdienst wird im Endsystem über die gleiche Systemschnittstelle zur Verfügung gestellt, ohne daß wir darauf warten müßten, bis sich eine Protokollsäule im LAN-Bereich durchgesetzt hat.

Dies ist eine wesentliche Erleichterung bei der LAN/WAN-Integration. Langfristig werden wir aber den TCP/ IP-Protokollstack sicherlich durch einen ISO-konformen ersetzen.

Rainer Janssen Werner Rauh verantwortlich für Standards und Lokale Netze, Abteilung I + K/ Kommunikation, Hoechst AG, Frankfurt

Wie fast alle großen Unternehmen steht auch die Hoechst AG vor dem Problem, eine Kommunikationsinfrastruktur für eine heterogene Rechnerwelt entwickeln zu müssen, die zum einen den heutigen Anforderungen gerecht wird und zum anderen zukunftsorientiert ist.

Hoechst hat sich 1985 dazu entschieden, das vorhandene Netz in ein Kommunikationsnetz auf der Basis internationaler Standards (ISO, CCITT, IEEE etc.) zu überführen. Diese Entscheidung wird unter anderem durch folgende Gesichtspunkte gestützt:

- Steigende Anforderungen an Kommunikationsnetze (Denzentralisierung, CIM EDI etc.)

- Politische Einflüsse (EG-Ratsbeschluß, DoD/USA)

- Zusammenarbeit von Anwendern (MAP, TOP in den USA, EMUG, OSI TOP in Europa)

- Herstellerkooperationen zur Förderung von OSI-Produkten (COS, SPAG, EUROSINET etc.)

- Gemeinsame Projekte von Anwendern und Herstellern.

Mit der Definition der Zielsetzung ist natürlich noch kein Weg festgelegt, mit dem dieses Ziel erreicht werden kann. Da ein weltweiter Verbund auf Basis von Standards nur schrittweise realisiert werden kann, müssen sich Einzelentscheidungen an folgenden Prinzipien orientieren:

- Einsatz von OSI-Produkten, wenn möglich

- Realisierung von Zwischenlösungen, die einen Schritt in Richtung des Ziels darstellen

- Einsatz von Standardprodukten, selbst wenn sie nur einen Teil der gewünschten Funktionalität beinhalten

- Falls dies nicht möglich ist, Nutzung sogenannter "Quasi"-Standards wie zum Beispiel TCP/IP

- Nutzung herstellerspezifischer Gateways, falls keine andere Möglichkeit besteht.

Bei der Realisierung dieser Strategie verfolgt Hoechst einen transport- und einen anwendungsorientierten Ansatz. Der Transport-Ansatz besteht in der Vereinheitlichung der genutzten Netzwerkprotokolle (X.25 bei WANs und im lokalen Bereich, ISO 8802/x bei LANs); auf den oberen Schichten werden aber noch parallel herstellerspezifische Protokolle wie zum Beispiel SNA und Decnet genutzt.

Wo ein standardisierter Dienst auf der Anwendungsebene zur Verfügung steht, setzt Hoechst ihn ein. Der erste Schritt war X.400 im Bereich Message Handling, nächster Schritt wird FTAM für den Datentransfer sein. Für den echten Durchbruch von X.400 und FTAM bei Anwendern sind aber funktionale Verbesserungen der Produkte unbedingt notwendig.

Die OSI-Standards sind den TCP/IP-Diensten in der Leistungsfähigkeit deutlich überlegen. Auf dem Gebiet des virtuellen Terminals sind allerdings OSI-Produkte heute noch nicht verfügbar. TCP/IP beziehungsweise auf TCP/IP basierende Dienste wie Telnet (virtuelles Terminal), FTP (Filetransfer) und SMTP (Mail) haben bei Hoechst nur als Übergangslösungen Bedeutung.

Daß TCP/IP strategisch keine Zukunft hat und keine Weiterentwicklung der Funktionalität erfolgt, ist bekannt. Unbestritten ist aber auch, daß es heute eine breite Palette an TCP/IP-Produkten gibt und sich somit eine "Multi-Vendor-Kommunikation" relativ schnell realisieren läßt. Deshalb wird die Nutzung von TCP/IP in den nächsten Jahren noch deutlich steigen. In einer Umfrage der Infonetics, USA, haben aber 78 Prozent der 300 befragten Nutzer von TCP/IP erklärt, den Übergang nach OSI zu planen.

Für die erfolgreiche Realisierung einer Kommunikationsstrategie ist es daher notwendig, daß Anwender nicht in einer passiven Wartestellung verharren, sondern vielmehr Standardisierung und Entwicklung von Produkten aktiv in enger Zusammenarbeit mit anderen Anwendern und Herstellern beeinflussen.

Hubert Martens Produktplaner Sinex, Bereich Datentechnik, Siemens AG, München

Wir bieten für die Sinex-Rechner beide Protokolle als Standardprodukte für den sanften Übergang von TCP/IP zu ISO-Protokollen an. In der Regel genügt ein einfacher Softwaretausch .

Es ist unstrittig, daß zukünftig offene Kommunikation auf den ISO-Protokollen basieren wird. Andererseits sind Multi-Vendor-Vernetzungen in lokalen Netzen zumindest heute noch überwiegend mittels TCP/IP-Protokollen realisiert. Der Grund liegt in der großen Anzahl der verfügbaren Anwendungen.

Die Migration von den heutigen TCP/IP-Installationen zu den zukunftssicheren ISO-Protokollen wird sicher über die Anwendungen erfolgen. Das bedeutet, der Kunde wird sukzessive seine Applikationen umstellen, zum Beispiel von FTP auf FTAM für den Filetransfer oder Sendmail gegen Electronic Mail nach X.400. Um dies zu ermöglichen, müssen beim Kunden für eine gewisse Übergangszeit beide Kommunikationswelten nebeneinander existieren.

Sinex-Systeme bieten diese Voraussetzung. Zum einen stehen über TCP/ IP Anwendungen wie FTP, Telnet, R-Kommandos, Sendmail, NFS und X-Windows als Standardprodukte bereit. Anderseits sind auch die ISO-Protokolle für LANs und aufsetzende Produkte wie Mail.X verfügbar.

Für die sanfte Migration beim Kunden existiert mit CMX eine einheitliche Schnittstelle zwischen den Transportprotokollen (austauschbar TCP/IP oder ISO) und den darauf aufsetzenden Anwendungen. Sie erlaubt dem User, ISO-konforme Applikationen in TCP/ IP-Netzen einzusetzen.