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14.06.1991 - 

Anwender warten auf ein konkurrenzfähiges Upgrade

Migration zum LAN Manager liegt 3+Open-Usern im Magen

14.06.1991

MÜNCHEN (gh) - Die Unsicherheit bei Teilen der 3Com-Kunden wächst. Nachdem die Kalifornier zu Beginn des Jahres ihre LAN-Manager-Rechte an Microsoft abtraten, steigen immer mehr 3 + Open-Anwender trotz Migrationsstrategie zum LAN Manager auf Produkte der Konkurrenz um. Katzenjammer auch bei den User-Groups: Für sie stellt sich die Existenzfrage, zumindest aber ist eine Neuorientierung angesagt.

Der Entschluß des Herstellers aus Santa Clara, seine PC-orientierte Produktlinie mit der LAN-Manager-Version 3+Open aufzugeben und sich vornehmlich auf das Geschäft mit Netzwerkkomponenten zu konzentrieren, scheint - zumindest viele der US-amerikanischen 3Com-User-Groups auf dem falschen Fuß erwischt zu haben. Mindestens aber herrscht dort geteilte Meinung über die Folgen des 3Com-Deals mit Microsoft. Eine Reihe von Anwenderorganisationen sehen sich zwar in ihrer Funktion bestärkt, da insgeheim mit einer Vernachlässigung des 3 + Open-Supports durch 3Com gerechnet wird. Gleichzeitig erwarten einige Groups durch die 3Com-Ausrichtung auf das Internetworking eine geänderte, neue Mitgliederstruktur.

Die User-Verbände mit überwiegender 3 + Open-Clientel hingegen sehen schwere Zeiten auf sich zukommen. Trotz der Kenntnis darüber, daß der Umsatz der Kalifornier bei dem LAN-Betriebssystem stagnierte, zeigte man sich dort bestürzt und unvorbereitet über die Kehrtwendung des Managements in Santa Clara. Viele Anwender fühlen sich nach übereinstimmender Meinung zudem überrumpelt von Microsofts Absorptionsabsichten bezüglich 3 + Open und mißtrauen vor allem dem zwischen 3Com und Microsoft ausgehandelten Migrationsabkommen. Um kein Risiko einzugehen, wechseln die IS-Manager daher neuerdings immer häufiger zu Systemen der Konkurrenten Novell und Banyan. Die Folge: Bei vielen Organisationen, so die Bilanz von Willy Pan, dem Vorsitzenden der 3Com-User-Group in Houston, stünden die Chancen für einen weiteren Fortbestand maximal 50:50.

Die geringe Neigung der US-amerikanischen 3 + Open-Anwender, sich unter die Fittiche von Microsofts LAN Manager zu begeben, verdeutlicht auch Eric Castilio von der 3Com-User-Group in New Orleans. Trotz der angekündigten Upgrades mit den wesentlichen 3 + Open-Features sei nach Ansicht des Networking-Spezialisten nicht erwiesen, daß "die Migration zum LAN Manager 2.0 ohne große Umstellungsschwierigkeiten vonstatten geht". Die Attraktivität von 3 + Open bestand laut Castillo vornehmlich darin, daß die User den LAN Manager mit den 3 + Open-Tools zu einem annähernd gleichen Preis wie Microsofts LAN Manager erwerben konnten. Wenn 3 + Open nun ausläuft und für Neuanwendungen die Upgrades von Microsoft implementiert werden müssen, sei in vielen Fällen, so Castillos Fazit, Novells Netware die zweckmäßigere Lösung.

Offenbar keinen Anlaß zur Besorgnis sieht man derzeit seitens der 3Com Deutschland GmbH. Marketing Managerin Margit Pecher kann jedenfalls keine vergleichbare Stimmung bei den deutschen Anwendern feststellen. Zwar konstatiert sie rückblickend eine gewisse Verwirrung bei den Anwendern, daß die Kunden aber unglücklich über das Agreement mit Microsoft seien, ist ihrer Ansicht nach nicht der Fall. Allenfalls herrsche etwas Unsicherheit vor, weil es natürlich auch die deutsche User-Group in der ursprünglichen Form nicht mehr geben werde. Im übrigen bestehe kein Anlaß, an der Migrationsvereinbarung mit Microsoft zu zweifeln. Microsoft habe für eine Reihe der 3 + Open-Features die Lizenz erworben und könne diese nun weiterentwickeln beziehungsweise in Upgrades anbieten. Einige spezielle Tools wie das NBP-Protokoll allerdings, so Pecher, "kamen und kommen auch weiterhin von uns".

Zumindest was den Punkt der Unsicherheit angeht, hält Jean-Pierre Lucaire, Vorsitzender der deutschen 3Com-User-Group, dagegen. Die Vertriebsstrategien im Zusammenhang mit dem LAN Manager seien so undurchsichtig, daß der Kunde nicht mehr wisse, was Sache sei. Da gebe es, so Lucaire, einen LAN Manager von IBM, der nicht kompatibel zum LAN Manager von Microsoft ist, es existiere ferner OS/2 von IBM, das aber nicht mit dem OS/2 von Microsofts LAN Manager laufe etc. Solange nach Ansicht des User-Group-Vorsitzenden Microsoft und IBM hier die Unstimmigkeiten nicht ausräumen und ihre Produkte synchronisieren, wähle der Anwender in der Regel die sicherste Lösung, und "die heißt Netware".

Auch seine Organisation habe sich zunächst Gedanken über eine Auflösung gemacht. Allerdings war Microsoft sofort bereit, die Anwendervereinigung zu übernehmen und auch beim Sponsoring einzuspringen - unter der Voraussetzung allerdings, daß der Name 3Com nicht mehr erscheine. Laut Lucaire stehen die Verhandlungen mit Microsoft inzwischen kurz vor dem Abschluß, so daß in Kürze die User-Group unter der Bezeichnung "MS LAN Manager Forum" firmieren werde. Trotz des Microsoft-Emblems werde aber die 3Com-Clientel, vor allem die 3 + Open- und 3 + Share-User, weiter bedient, um so die Migration zum LAN Manager 2.0 Schritt für Schritt zu gewährleisten.

Zusatzdienste sind dringend notwendig

Erste Migrationsstufe ist, so Lucaire, die Implementierung von 3Coms NBP-Protokoll in den LAN Manager. Zusammen mit dem XNS-Protokoll seien dies die Zusatzfunktionen, die den LAN Manager eigentlich erst stark - auch gegenüber Netware - machten. Microsoft könne allerdings vermutlich erst gegen Ende des Jahres die neuen Features integrieren. Schwierigkeiten bei der Umstellung von 3 + Open 1.1. auf den LAN Manager 2.0 gebe es vor allen Dingen bei Kunden, die mit WANs fahren.

In Fällen, wo ein 3Com-Netz über XNS gekoppelt ist, läßt sich die Migration nach Auffassung des 3+Open-Experten derzeit so gut wie nicht realisieren. Hier zeige sich, so Lucaire fast wehmütig, daß die Zusatzdienste, die 3Com mit seiner Version des LAN Managers anbot, "jetzt dringender denn je benötigt werden". Nur dann habe der LAN Manager 2.0 Chancen, Novells Netware auf dem Markt aggressiv Paroli zu bieten.

Das derzeitige Upgrade mit dem Netbeui-Protokoll sei und hier läßt Lucaire keinen Zweifel aufkommen - "nur schwer abzusetzen".