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08.02.1991 - 

Skalierbar von einer bis zu 30 CPUs

Mikro-basiertes System auf Mainframe-Dimension ausbauen

MÜNCHEN (jm) - Die 1987 erstmals präsentierte Systemreihe "Symmetry" stellte die Sequent Computer Systems Inc. jetzt auf 486-CPUs von Intel um und zeigte mit "Symmetrie 2000" eine Rechnerfamilie, die vom Einprozessormodell "S2000/40" bis zum Top-Modell "S2000/700" mit maximal 30 CPUs reicht. Mit den Rechnern wollen die Amerikaner vor allem den kommerziellen Bereich und hier besonders denjenigen aktionsorientierter Anwendungen angehen.

Die Symmetry-2000-Familie besteht aus vier Modellgruppen,

die jeweils mit dem 486-Chip (25 Megahertz) von Intel bestückt sind: Am unteren Ende bewegt sich das Ein-Prozessor-Modell "S2000/40", welches bis zu 30 Benutzer unterstützen können soll. Vom Einstiegsmodell führt der Aufstiegspfad zur "S2000/200", in der zwei bis sechs CPUs arbeiten und die damit bis zu 64 Benutzer bedienen kann. Höchstens 100 Anwender lassen sich an das nächstgrößere Modell, die "S2000/400", andocken. Hier kommen maximal zehn CPUs zum Einsatz, während das Top-end-System "S2000/700" - Produktmarketing-Leiter Georg Pöhl sprach von Sequents "Open Mainframe" - in der größten Ausbaustufe mit 30 CPUs bis zu 1000 Benutzer mit Rechenpower versorgt.

Mit 16 Intelprozessoren soll dieser Rechner unter einer Oracle-Datenbank-Implementation bei einem TP1-Benchmarklauf einen Spitzenwert von 345 Transaktionen pro Sekunde erzielt haben. Die Preise der Symmetrie-Familie reichen von 50 000 bis zu über 5 Millionen Mark. Besonderen Wert legt der darauf, daß er mit seinen skalierbaren Multiprozessor-Systemen Universalrechner anbiete, die vor allem auf dem Feld kommerzieller Anwendungen einschließlich der Online-Transaktionsverarbeitung in Domänen einbrächen, die bislang Mainframes vorbehalten seien.

Claus Wortmann, Geschäftsführer der Sequent Computer Systems GmbH und bis 1987 auf der Gehaltsliste von Evans & Sutherland, strich heraus, daß Sequent eines der Unternehmen sei, das besonders vom Trend zum Downsizing - weg vom Mainframe und hin zu offenen Unix-Systemen - profitierte. Er verwies auf Kunden wie die Ackermann-Göggingen AG in Ausburg, die British Telecom, BP sowie Merrill Lynch, die zumindest in Teilbereichen Unix-Systemen den Vorzug vor Großrechnern gegeben hätten.

Die Nachfrage nach Computern, mit denen sich in kommerziellen Bereichen wirtschaftlich arbeiten lasse, werde stark ansteigen, so Wortmann. Hier böten Multiprozessor-Systeme, die an steigende Anforderungen nach Rechenleistung angepaßt werden könnten, neue Möglichkeiten.

Sequent dürfte im Rennen um eine Ausgangsposition für den Wettbewerb im kommerziellen Sektor gut gerüstet sein: Das 1983 gegründete Unternehmen aus Portland, Oregon, entwickelt für die Unix-Mutter AT&T die Multiprozessor-Erweiterungen zu deren Betriebssystem (vergleiche CW Nr. 50 vom 14. Dezember, S. 26/28 "Client-Server-Architekturen...").

Konkurrent für die Entwicklung einer Multiprozessor-fähigen Unix-Version ist vor allem die Corollary Inc. Sie erwarb sich bereits bei der Entwicklung der SMP-Technologie für eine Multi-CPU-Hardware, die Hersteller wie DEC, ALR oder Mitac in ihren Maschinen nutzen, einige Meriten. Corollary entwickelte auch die SCO-Unix-Erweiterung MPX, das wie Sequents Unix-Implementation ein symmetrisches, eng gekoppeltes Multiprocessing unterstützt.

Beide Systemerweiterungen zeichnen sich zum einen durch eine Software-gesteuerte dynamische Lastverteilung, hardwareseitig zum anderen durch den von allen CPUs gemeinsam genutzten Arbeitsspeicher aus.

Das erweiterte AT&T-Unix ist bislang verfügbar, in der zu System V, Version 3.2 kompatiblen Ausführung, die dem Release 3 der SVID (System V Interface Definition) entspricht. Vor vier Jahren trat Sequent mit einem damals 386-basierten Multiprozessor-System auf den Plan. Bereits davor bot man eine Mehrprozessor-Einheit an, die seinerzeit noch den "NS-32032"-Chip von National Semiconductor nutzte.

Auch für die erst vor einigen Wochen vorgestellte AT&T-Unix-Version 4.0 von System V soll Sequent die Multi-CPU-Erweiterung stricken. Verfügbar sei "SVR4 MP" im ersten Halbjahr 1991 mit der Sicherheitsstufe B1 nach dem Orange Bock. Keine neue Version, wie der Sequent-Geschäftsführer betonte, sondern eine Erweiterung wiederum von SVR4 MP wird mit "ES/MP" im ersten Halbjahr des kommenden Jahres verfügbar sein. Dieses Mehrprozessor-Unixsystem soll die Sicherheitsstufen B2/B3 erfüllen, und gegenüber SVR4 MP Multiprozessing-Fähigkeiten nicht nur auf Betriebssystem-, sondern auch auf Anwendungs- und Benutzerebene erfüllen.

Wortmann vertrat zudem die Meinung, für die OSF und deren mit dem Mach-Kernel bestückten und somit multiprozessorfähigen OSF/1-Unix-System sei der Zug mittlerweile abgefahren. Wortmann: "Wir sind sehr skeptisch, daß aus OSF/1 noch was wird. Wir glauben auch nicht, daß von denen etwas Adäquates zu unserem System kommt." Und wenn doch noch etwas käme, wer wolle das dann noch, fragte sich der deutsche

Sequent-Chef.

Nicht so optimistisch kann er allerdings auf das OEM-Geschäft von Sequent schauen: "Eigentlich ist Siemens unser einzigster OEM von Bedeutung." Mit 2400 Installationen weltweit gegenüber 3000 von Sequent stehen die Münchner selbst gut da, wohingegen die OEM-Verträge mit MAI und Prime nach Wortmann nicht fortgesetzt wurden. Bei Unisys, mit 600 Installationen mit von der Partie, schaut Wortmann eher skeptisch drein. Deren finanzielle Situation - nach weltweiten Verlusten 1989 von 639,3 Millionen Dollar verbuchte das Detroiter Unternehmen 1990 noch einmal 436,7 Millionen Dollar auf der Verlustseite - dürfte Anlaß zu einigen Überlegungen geben.

Die verfügbare Hauptspeicher-Kapazität der Symmetrie-Rechner reicht von 64 MB beim S2000/40-Modell bis zu 384 MB beim Top-System. Die Multiprozessor-Maschinen werden darüber hinaus mit 512 KB Cache. Speicher für jede CPU ausgestattet. Massenspeicher-Kapazitäten reichen von 2,6 GB beim Einstiegsmodell bis zu 86,8 GB für die höchste Ausbaustufe bei den Multiprozessor-Systemen.

Eine speziell für Multiuser-Anwendungen in den Bereichen Datenbankverwaltung und Online-Transaktionsverarbeitung in der Sequent-Mehrprozessor-Umgebung optimierte Unix-Version bietet man mit "Dynix/ptx", das wie SVR4 MP den B1-Level sowie den Posix- und Portability-Guide-Standard 3 (XPG 3) der X/Open erfüllt und den Vorteil hat, bereits jetzt verfügbar zu sein. AT&T hat Dynix/ptx nach Angaben von Sequent als Haupt-Entwicklungsplattform für ES/MP ausgewählt. Dynix/ptx und ES/MP sollen dem Anwender symmetrisches Multiprocessing sowie Parallel-Streams-Funktionen unter Unix bereitstellen.

Anwender der Symmetrie-Rechner können auf die Entwicklungssprachen C+ + und Ansi C zurückgreifen. Darüber hinaus gibt es diverse Kommunikations- und Verbindungsprodukte für die Sequent-Systeme: " System ptx/X.25" unterstützt als Weitbereichs-Kommunikationsprodukt Mehrfach-Hochgeschwindigkeits-Verbindungen nach X.25. Symmetrie-Rechner können weiterhin mittels "ptx/BSC" eine Verbindung zu bisynchronen Netzwerken mit /3270-, /2780/3780- sowie HASP-Knoten aufnehmen.

Für die Kommunikation mit der Decnet-Welt und lokalen Terminal-Server-Benutzern in Ethernet-LANs gibt es die "Kinet"-Software. Außerdem können die Sequent-Systeme über "LM-Server" mit Clients in einer LAN-Manager-Umgebung von Microsoft verkehren.

Auch dem wachsenden Bedarf nach grafischen Bedien-Oberflächen trägt man Rechnung: "Ptx/Windows" ist eine Entwicklungs-Plattform, die auf dem aktuellsten X-Window-System-Release basiert. Die Software umfaßt ein Programmier-Toolkit, einen sogenannten Style-Guide sowie einen Window. Manager, so daß Anwender Applikationen auf X-Basis entwickeln können, die kompatibel zum Presentation Manager sind.

Zu guter Letzt präsentiert Sequent noch den "ptx/T"-Transaktionsmonitor - eine Weiterentwicklung des "Tuxedo/T"-Produkts von AT&T, der sich derzeit noch in der Beta-Testphase befindet. Die Auslieferung beginnt laut Unternehmensangaben zusammen mit den Symmetry-2000-Releases im Spätsommer 1991.