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13.04.1984

Mikro-Computing so leicht oder so schwer wie Fahrradfahren

Denn sie wußten nicht, was sie tun, nämlich die Väter des ersten Apfels, die den Apple für sich bastelten und überrascht waren, daß andere bereit waren, dafür Geld auszugeben - und so wurde ein Markt entdeckt. Und wieder einmal wurde bewiesen, wie beschränkt doch alle Methoden und Tools sind, die Marketing-Strategen einsetzen auf der Suche nach den Märkten der Zukunft. Nicht die vielhundertköpfigen Stäbe der etablierten Adressen, die an und für sich hätten davon etwas verstehen müssen, haben diesen Markt gefunden: Diejenigen, die nicht suchten, wurden fündig.

Von "Geschichte" kann man nach bisher zwölf Jahren nicht sprechen, aber "Geschichten" kann man schon erzählen:

- Am Anfang machte sich die Welt über die Bastler in ihrer Garage lustig,

- dann mokierte man sich über die paar Exemplare und fragte, was man denn nach dem Frühstück produzieren solle;

- dann wollten aber für den Fall des Falles doch alle auf alle Fälle dabei sein: Könnte es nicht doch ein Trend sein?

- dann war auf einmal der Markt da und dann mußte man auch einen Mikro machen - und danach sahen sie ja auch meist aus,

- und weil man sie nicht mehr verhindern konnte, beschloß man, es selbst zu machen,

- und heute machen alle Mikros,

- jetzt bestimmt das Etablissement aus der DV- und Büroszene die Szene,

- und in absehbarer Zeit wird es eine Gruppe dann Etablierter sein, das werden die bekannten Namen der EDV- und Büroszene sein, am Rande ein paar Spezialisten und der eine oder andere Newcomer.

Ganze DV aus einer Hand

Es gibt viele kleine Wozniaks, die auch wissen, wie man aus Zutaten, die in jedem besseren Elektronik-Shop um die Ecke im SB-Regal liegen, einen Mikro bauen kann - und ehrlich, ich kann es auch. Jetzt gibt es schon mehr als vierhundert, die es nicht nur können, sondern sogar tun, Peanuts, Pineapples, Tulips und viele mehr. Alle wollen dabei sein, aber ihn bauen, ist das eine - damit ein Geschäft zu machen, das andere. Jetzt meinen viele, wer in Deutschland zum Beispiel 150 Bürohändler hat, ist

dabei. Oder gibt es etwas viel Wichtigeres? Es gibt nämlich nur einen - raten Sie mal, wer es sein könnte - der weiß, wie man optimal einkauft, kostenoptimal produziert und wie man in allen Vetriebskanälen weltweit die Finger drin hat. Und dann ist es zur Zeit schick und "in" genau von diesem einen auch die Maschine auf dem Schreibtisch zu haben und die "Reclam-Ausgabe" davon dann zu Hause im Wohnzimmer. Und dann wird das Image auch noch durch einen entsprechenden Aufschlag gut bezahlt.

Und die anderen 399? Sie sind auf die gleichen Bauteile angewiesen, auf die gleichen Mikroprozessoren, auf die gleichen Vertriebssysteme, kaufen sicher um einiges teurer ein, stehen aber auf der Lernkurve der optimalen Produktion und Logistik noch ziemlich am Anfang. Und um konkurrieren zu können, müssen die 399 dann auch noch technisch besser und um einiges billiger sein. Wie die dabei auf einen grünen Zweig kommen wollen, ist mir schleierhaft: vergleichsweise ist die Quadratur des Kreises ein Kinderspiel. Natürlich gibt es ein paar Nischen für Spezialisten, aber ich meine, daß der Krieg nicht nur auf dem Markt ausgetragen wird, Kriegsschauplatz sind auch Einkauf und Produktion.

Wer dabeibleiben will, muß Besondere bieten: zum Beispiel Teletex und Btx oder aber die komplette Software der Datenverarbeitung, die auch auf dem Mikro läuft, oder die Integration des Mikros in DV-Netze und nicht nur in die Mickymaus-Netze. Und für manche ist der Traum ja auch schon aus.

Schlag nach bei Shakespeare

Wer heute etwas sagen will, schlägt nicht mehr bei Shakespeare nach, sondern bei Naisbitt "Megatrends". Einen Hinweis auf die Mikro-Szene habe ich dabei nicht gefunden. Also doch bei Shakespeare nachschlagen?

Trennen sich die Wege, da die "Spiele" dort die "Professionals"? Pardon, auch Spiele können ja professionell gemacht werden. Gibt es den dritten Weg, die alles können - Spaß und Sachbearbeitung? Und das letzte Weihnachtsgeschäft hat alle Lügen gestraft! Spiele sind gelaufen, und wie, und ganz besonders einer, und die "Professionals" "kleben" in den Regalen. War dies der Start des Siegeszuges des "privaten Computers" und werden eines Tages in jedem Haushalt im Durchschnitt 1, 5 Computer stehen, wie heute Fotoapparate? Und wie wird es diesen Computern dann ergehend, ähnlich wie den Fotoapparaten, die irgendwo in der Ecke liegen?

Was ist am Mikro kreativ?

Der Mikro ist genauso kreativ wie ein Kochrezept, nicht mehr aber auch nicht weniger: Man nehme, so man hat, zum Beispiel einen Prozessor und garniere ihn mit weiteren Bauteilen, dann füge man die Tastatur hinzu und die Floppy oder eine Winchester und zum Schluß den Bildschirm. Das Ganze wird nun garniert mit "Schnittstellen", wird hübsch angerichtet - weil das Auge ja

* John Naisbitt: Megatrends, ten new directions transforming our lives, Warner Books Inc., NY 1982