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29.05.1981

Mikro für die Fachabteilung: Laus im Pelz?

Nachdem sich im Hobbybereich bereits eine Sättigung abzeichnet, versuchen die Mikrocomputer-Anbieter den Markt neu zu bestimmen. Sie konzentrieren sich auf "ernsthafte" Anwendungen bei kleinen und mittleren Betrieben. Mittlerweile haben die Mikros als vollwertige Systeme auch Einzug in die Fachbereiche großer Organisationen gehalten. Branchenkenner meinen, daß vor allem die Schwerfälligkeit der Zentral-DV zur "Abnabelung" vom Großrechner führte. Dieser Trend ist nach Ansicht von Nestle-DV-Chef Heinz Rau kaum noch aufzuhalten. DV-Leute, die bisher "meist verächtlich die Nase über Kleinrechner rümpften", müßten sich neu orientieren und diese Systeme in ihr DV-Gesamtkonzept integrieren. Erschreckend sei, so Wolfgang Koppmeyer, daß es immer noch DV-Verantwortliche gebe, die am Entscheidungsprozeß beim Kauf eines Mikrocomputers nicht mitgewirkt haben. Hier werde ein klares Managementversagen deutlich.

Wolfgang Koppmeyer

Hauptabteilungsleiter

Organisation, Schubert & Salzer AG, Ingolstadt

(IBM 370/145, IBM 370/158, DOS/VSE)

Die Aufgabenstellung ändert sich und damit die Anforderung an einen Organisations- und EDV-Leiter heutiger Prägung. Waren es früher "kaufmännische" Probleme, die im Vordergrund standen, so ist es heute das ganze Spektrum der Informationsverarbeitung. In den einzelnen Unternehmen kamen die Textverarbeitung auf Großdatenverarbeitungsanlagen, die graphische Datenverarbeitung, die Programmierung von CNC-gesteuerten Werkzeugmaschinen und Mehrmaschinen-Konzepte und nicht zuletzt .......autonomiebestrebungen einzelner Fachbereiche dazu.

Wer dieses Gebirge an Problemen in einem Unternehmen besteigen will, muß seine Aufgabe als Informatik-Manager betreiben, wenn er nicht von den täglichen Steinschlägen erschlagen werden will. Denn alle diese Probleme gehören auf eine Großdatenverarbeitung, weil man sie nicht als selbständig losgelöste Probleme, also als Inseln, ansehen darf,

Die Hersteller von Computeranlagen haben in der Vergangenheit sehr wenig getan, damit ein breites Fachwissen über Hardwarezusammenhänge bekannt wurde. Wem sind schon die technischen Probleme eines dynamischen Zweikanalschalters oder die verschiedenen Mikroprozessor-Produktionsmethoden bekannt? Der Hersteller von CPUs hat sich auf verkaufsfähige Betriebs- und Anwendersoftware-Schulungen spezialisiert. Jetzt entsteht eine babylonische Verwirrung, wenn es darum geht, eine Fachabteilung, die einen Mikrocomputer einsetzen möchte, richtig zu beraten. Hier muß der Informatik-Manager aber erst ein Vertrauensverhältnis in seinem Unternehmen als "Hardwarekenner" aufbauen. Alle wesentlichen Mikrocomputer-Anbieter hat er zu kennen, Gedanken auszutauschen und Ideen aufzufangen. Die wesentlichsten Details der einzelnen Hardware-Anbieter müssen unterschieden werden können. Dazu gehören das verwendete Betriebssystem und die eingesetzten Programmiersprachen für das spezielle System. Wichtig werden die Fragen der Ersatzteilversorgung und des Wartungsdienstes, ebenso die Anschlußverfahren (BSC, ASCII V24) .an andere Systeme. Die mittel- und langfristige Geschäfts- und Produktpolitik eines Mikrocomputerherstellers sollte dem Informatik-Manager bekannt sein. Es geht immer noch in unseren Unternehmen vorrangig darum, die bestmögliche Organisation einzuführen und nicht die teuerste zentrale Datenverarbeitung zu haben. Wobei in diesem Zusammenhang von zentraler und dezentraler Datenverarbeitung nicht mehr gesprochen werden kann. Das Distributed processing gibt jeder Fachabteilung die eigene Datenverarbeitung Der Informatik-Manager enthebt die Fachbereiche ihrer Probleme: die eigenen Lieferverträge auszuhandeln, die Umbau- und Aufstockungsprobleme zu lösen, die Wartung zu gewährleisten und nicht zuletzt die Pflege der komplizierten Betriebssysteme zu übernehmen.

Die Integration von DV-Problemen in die Fachbereiche macht es in Unternehmen notwendig, daß einer die Spielregeln abklärt und dann auch verantwortlich darüber wacht, daß sie eingehalten werden. Gibt es wirklich überschaubare Einzelprobleme, so wird sich kaum ein Informatik-Manager scheuen, die geeigneten Personal Computer für eine Fachabteilung mit auszusuchen und zu helfen, daß das System bestmöglich im Haus integriert wird.

Erschreckt kann man nur über solche Firmen sein, in denen der EDV-Leiter über die installierten Mikrocomputer nichts weiß und am Entscheidungsprozeß nicht mitgewirkt hat. Hier ist ein Versagen in der Funktion des EDV-Leiters erkennbar. Fehler, die vor zehn Jahren mit zentralen Systemen begangen wurden, sollten jetzt die Fachbereiche in Eigenverantwortung nicht nochmals machen müssen. Das kostet alle Unternehmen, die dies zulassen, sehr viel Geld.

Das Problem ist nicht, ob der Einsatz eines Mikrocomputers sinnvoll oder sinnlos ist, sondern daß der Informatik-Manager die Fachbereiche aufrichtig, ohne Selbstzweck und fundiert zur Lösung ihres Organisationsproblems informieren sollte.

Reinhard Desel

DV-Leiter EC Erdölchemie GmbH in Köln

(IBM 4341, OS/VS 1)

Nachdem sich die Packungsdichte von Prozessoren und Speichern immer noch steigern läßt, stehen uns bei den Möglichkeiten des wirtschaftlichen Einsatzes von Mikrocomputern noch Überraschungen bevor. Bereits heute haben die Mikros einen festen Platz neben den Rechnern gefunden, die heute von den DV-Abteilungen eingesetzt werden. Es zeichnet sich eine Entwicklung ab, die jeder DV-Leiter sorgfältig verfolgen sollte. Dies vor allem aus zwei Gründen: Mikros bilden den Kern von Geräten, die in den DDP-lnformationsnetzen eingesetzt werden. Die können Terminals sein, Einheiten zur Leitungssteuerung, Konzentratoren oder Umsetzer zwischen verschiedenen Vereinbarungen bei Datenkommunikationsverfahren. Hier ist es unbedingt notwendig, die Möglichkeiten, Grenzen und Besonderheiten zu kennen, die den Einsatz der Mikros bei der "verteilten Datenverarbeitung" bestimmen. Wichtigstes Ziel eines DV-Leiters sollte jedoch sein, eventuellen Dezentralisierungsbestrebungen von DV-Aktivitäten durch ein Konzept einer einheitlich gestalteten DV entgegenzutreten Das wird nur dann möglich sein, wenn er sowohl genauestens über Möglichkeiten der Mikros als auch über die Probleme der verteilten Datenverarbeitung informiert ist.

Andererseits gibt es Aufgaben die tatsächlich dezentral anfallen und dezentral gelöst werden können. Hier werden die Mikroprozessoren mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Ob sie in wenigen Jahren in jedem Telephon, in jeder Schreibmaschine, in jedem Kopiergerät sein werden, ist zu vermuten. Der Einsatz auf diesen Gebieten wird jedoch durch die Installation fertiger Systeme charakterisiert, wo neben der Hardware auch die Software geliefert wird. Für den DV-Leiter ist es wichtig, die Leistungsfähigkeit dieser "Zwerge" zu verfolgen, die im Sinne von dedizierten Anwendungen eingesetzt werden können. Er sollte den Fachbereichen, deren Mitarbeiter inzwischen auch die Hannover-Messe besuchen, zuvorkommen und Lösungen zur Verbesserung einer vielleicht schwerfälligen Zentral-DV vorschlagen. Vor allem sollte er bei der Systemauswahl beratend tätig sein; denn Fragen der Vertragsgestaltung sowie der Umgang mit Hardware- und Software-Lieferanten, mit Sicherungsverfahren, Wartung oder Datenträgerkompatibilität sind den DV-Leuten bereits geläufig. Daß die Datenverarbeiter mit dieser Dienstleistung unter Umständen auch regulierend eingreifen können, muß aber nicht ein Fehler sein .

Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit unserer Systeme hängen stark davon ab, inwieweit intelligente Moduln den Rechenbetrieb überwachen, autarke Operationen durchführen, Fehler korrigieren, Lastverteilungen vornehmen oder Informationen an entfernte Wartungszentralen weitergeben. Der DV-Leiter tut gut daran, das Wissen um diese Dinge nicht nur den Herstellern zu überlassen.

Heinz Rau

Ressortleiter DV, Nestle Gruppe Deutschland GmbH, Frankfurt

(2 x NAS AS/5)

Die meisten DV-Leiter sind heute in den Unternehmen primär damit beschäftigt, Antwortzeiten, Rechnerverfügbarkeit, Schichtbesetzung, Programmierstandards oder Datensicherungsprobleme in den Griff zu bekommen. Daraus ergibt sich, daß viele geradezu froh darüber sind, wenn ein Fachbereich ein Problem selbständig über einen eigenen Mikrocomputer abwickeln will. Erst dann, wenn Fachabteilungs-Aktivitäten in den DV-Bereich eingreifen, indem sie Kapazitäten beanspruchen oder eine Anwendung größenmäßig den Rahmen sprengt, sollten die Datenverarbeiter auf absolute Zuständigkeit pochen. Hier geht es dann nicht um sogenanntes Abteilungsprestige, sondern um die grundsätzliche Effizienz der DV im Gesamtunternehmen.

Die DV-Leute haben bisher stets versucht, das DV-Monopol in den eigenen Reihen zu halten. Inzwischen ist der Trend in Richtung "Mikrocomputer für die Fachabteilung" kaum noch aufzuhalten. Das bedeutet für uns, die wir bisher meist verächtlich die Nase über "Kleinrechner" gerümpft haben, daß wir uns neu orientieren und diese Systeme in unser Gesamtkonzept integrieren müssen.

Mikrocomputer führten bereits in vielen Fachabteilungen zu Insellösungen, die durchaus ihre Berechtigung fanden - und die Zahl der Installationen wird immer größer. Bisher gab es in den meisten Fällen für die DV-Leiter keinen Grund, richtungsändernd einzuschreiten. Entscheidend hierbei ist die Datenstruktur: Erst wenn der Mikro auf die zentralen Datenbestände, auf Kunden-, Artikel- oder Lieferstammdaten oder auf Buchhaltungs- und Verkaufsdaten zugreift, sollten die DV-Verantwortlichen gestaltend, wenn nicht gar bremsend einwirken. Generell ist durch den Einfluß der Mikrocomputer in die Informationsstruktur der Betriebe eine klar definierte Abgrenzung erforderlich geworden.

Das Monopol der Datenverarbeiter auf alle Vorgänge im Haus, bei denen elektronische Hilfsmittel eingesetzt werden, ist so wenig wünschenswert wie durchsetzbar. Dennoch sollten sie über sämtliche Entwicklungen auf dem DV-technischen Gebiet informiert sein und über die Einsatzmöglichkeiten einzelner Systeme wissen.

Hans-Peter Sachs

Org./DV-Leiter, Dr. Bruno Lange GmbH, Berlin

(IBM /38)

Grundsätzlich bin ich der Meinung, daß ein DV-Manager sich mit dem Einsatz von Mikrocomputern beschäftigen sollte. Heute ergibt sich jedoch für die meisten DV-Verantwortlichen vielleicht die Frage, wo sie die Zeit hernehmen sollen, um sich noch zusätzlich mit den verschiedenen Angeboten der Hard- und Software-Anbieter auseinanderzusetzen. Speziell in mittelgroßen Unternehmen stellt dies ein Problem dar. Auch hier werden Projekte für die Fachabteilungen kurzfristig und mittelfristig geplant. Aber selbst bei der Entwicklung von langfristigen Projekten entstehen für den Endbenutzer Realisierungszeiträume von mindestens einem Jahr. Generelle Unzufriedenheit und letztendlich Frustration bewirken, daß die Fachbereiche schon bald nach Möglichkeiten suchen, die Lösung ihrer Probleme schneller voranzutreiben. Hier bietet sich der Einsatz eines Mikrocomputers geradezu an.

Aber auch für Mikro-Anwendungen muß ein Design entwickelt werden. Da die Fachabteilungen nicht über dieses Know-how verfügen, müssen sich zwangsläufig DV/Org.-Mitarbeiter einschalten. Diese sind jedoch meist in ihren Projekten gebunden. Die Möglichkeit, einen externen Unternehmensberater einzuschalten, wird meist verworfen. Dieser verfügt nicht über Kenntnisse der internen Organisation, so daß es zwangsläufig zu Informationslücken kommen muß. Denn die Fachabteilung kennt nur ihre eigenen Anwendungen, und Schnittstellen werden nicht ausreichend erkannt und beschrieben. Derartige Abläufe müssen zwangsläufig zu Insellösungen führen, wenn nicht der Einsatz von Mikrocomputern von der DV-Abteilung zentral gesteuert wird. Außerdem können redundante Daten entstehen, wenn der Mikro für Funktionen eingesetzt wird, die zum Teil bereits auf dem zentralen EDV-Rechner realisiert wurden. Bei nicht ausreichend definierten Anwendungen kommt es zu Datenschnittstellen, die von der DV-Organisation gelöst werden müssen. Wird der Mikrocomputer allerdings für Funktionen eingesetzt, die erst langfristig von DV-Organisationen realisiert werden können, so stellt er ein Mittel dar, um für eine gute, DV-mäßige Datenbasis zu sorgen.

Ich sehe den Einsatz von Mikrocomputern in Fachbereichen nur für Anwendungen relevant, die eine echte Insellösung darstellen, zumal wir in unserem Hause integrierte Datenbank-Lösungen anstreben.