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21.10.1983

Mikro-Lotto: 6 aus 149

In der Computer-Society ist es nachgerade zu einem Lotteriespiel geworden, die Chancen der am Mikromarkt beteiligten Anbieterfirmen auszumachen und einzuordnen. Vorne-Sein, Dabei-Sein oder Out-Sein, das ist hier die Frage. Daß es bei dem bevorstehenden Gerangel um Marktanteile und Nischen nicht ohne Verluste abgehen wird, mag leugnen, wer das Spektakel durch die rosarote Brille betrachtet. Für kühle Analysten ist klar, daß etliche PC-Hersteller das kommende Jahr nicht überleben werden.

Der Chronist gerät darüber in einen Interessenkonflikt: "Bad news", schlechte Nachrichten, sind für den Zeitungsmann "good news", so heißt es jedenfalls im Branchenjargon - andererseits könnte jede Kritik an Produkten und Produzenten als Beihilfe zum Firmen-Harakiri ausgelegt werden.

Vorläufig sieht es jedoch nicht so aus, daß man als Berichterstatter aus Fairneßgründen ein schlechtes Gewissen haben müßte. Im Gegenteil: Allein in den USA, dem Stammland der PC-Games, wurden im vergangenen Jahr 678 (in Worten: sechshundertachtundsiebzig) Mikrocomputer-Unternehmen mit einem Venture-Kapital von rund 1,5 Milliarden Dollar gegründet - ein stattliches Spielgeld. Die meisten davon sind Softwarehäuser und Peripherie-Anbieter. Aber immerhin noch 150 Systemhersteller, überspitzt "149", buhlen als Kontrahenten um die Gunst der unbedarften Personal-Computer-Interessenten.

Wundert man sich schon jetzt, wer alles über die modernste Hardwaretechnologie, die "softeste" Software, das klügste Management, das dichteste Händlernetz, den besten Service verfügen will, so wird man künftig erleben, daß kaum noch einer mitbieten kann. Denn im Mikromarkt hat das große Pokern begonnen. Allerdings ist nur schwer zu erkennen, wie die Karten gemischt sind - und wer am Ende den ganzen Pott einstreicht.

Außen vor bei einer derartigen Betrachtung bleibt die IBM, die auf 100 Prozent Marktanteil aus ist. Im anderen Lager, bei den Nicht-IBM-Anbietern, mischt sich derweil offene Angst mit heimlicher Hoffnung. Nach Jahren guter Gewinne geraten selbst Mikro-Asse wie Apple oder Sirius/Victor immer mehr in die Flaute. Mit Unbehagen registrieren Marktbeobachter auch bei Fortune und Texas Instruments Vermarktungsprobleme und bedrohliche Zahlen.

In der andauernden Ankündigungshektik liegt für PC-Experten der Grund der Malaise: Wer nicht so viel in Forschung und Entwicklung investiert, innerhalb von neun Monaten, so die Faustformel, ein Wettbewerber-Announcement kontern zu können, der verliert (Beispiel: Osborne) schnell den Anschluß "Wie gewonnen, so zerronnen", könnte zum meist zitierten "Branchen-Motto" werden.

Doch zurück zum Mikro-Lotto "X aus 149": Gibt es denn nicht wenigstens ein paar klitzekleine Anhaltspunkte, wer auch dann noch auf seinem Holzpferdchen sitzt, wenn sich das Ankündigungskarussell schneller dreht? Mit einer Aufzählung von Mißerfolgen ist es sicher nicht getan. Man kann indes allenfalls Töpfe bilden, Anbietergruppen. Eine solche Anordnung führt zu einem Sechsklassensystem: Da gibt es die Mainframer (typischer Vertreter: IBM), die Mini-Maker (DEC), die Ur-Mikrobauer (Apple), die MDT-Produzenten (Nixdorf), die Japaner (NEC) und die anderen (Xerox). Für viele Experten kommen die Mikro-Gewinner aus dem Mainframe-Palast und dem MDT-Lager. Man unterschätze freilich die Söhne Nippons nicht. Das bringt aber noch keinen Hauptgewinn. Doch so ist das nun mal beim Lotto.