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01.03.1985 - 

1985 könnte das Jahr des integrierten PC werden:

Mikro-Mainframe-Kopplung erfordert Basis-Wissen auf Mikroebene

HAMBURG - Nach erster Euphorie erreichten Pilotanwender von Produkten für die Mikro-Mainframe-Kopplung schnell die Phase der Ernüchterung. Oskar Henn* deckte auf einem Seminar in Hamburg, veranstaltet von CW-CSE, München, auf, welche Ursachen dies hat. Neben der technischen Anbindung befaßte Henn sich mit den organisatorischen Auswirkungen und zeigte Trends auf.

Die DV-Branche gehörte auch vor 1984 nicht zu den langsamen, trägen Branchen. Doch was sich bei der Verbindung von Klein- mit Großrechnern (Micro-Mainframe-Link, MML) in diesem einen Jahr verändert hat, ist auch für diese Branche ungewöhnlich - ja schon besorgniserregend. Mancher DV-Mitarbeiter wird sich gewundert haben, wie schnell ihn dieses Thema im eigenen Hause eingeholt hat.

Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit ist es wesentlich, ob ein lokaler Anschluß oder ein Remote-Anschluß über Post-Modem vorliegt. Hohe Datenraten sind im zweiten Fall nicht erzielbar, auch nicht beim besten SW-Produkt. Es gibt eine Vielzahl von Anschlußmöglichkeiten des PC, doch bei nur 255 Anschlüssen an der TP-Steuereinheit (oder noch weniger lokalen Anschlüssen ohne eine solche Einheit) sind in der Praxis für die vielen PCs nur die Anschlüsse über die als Multiplexer nochmals vorgeschalteten Terminal-Steuereinheiten 3274 möglich.

Doch ist dieser sternförmige Anschluß von einzelnen PCs an den Host sicher nur eine Übergangsphase. Mit lokalen Netzwerken und dem Durchgriff von jedem PC übers Netz zum Host ist nur noch der "Kommunikations-PC" an den Host angeschlossen und unter ihm vernetzt die Benutzer-PCs.

Somit muß man zwei Anschlußmöglichkeiten für PCs näher betrachten:

- aktuell der Anschluß über die Terminalsteuereinheit, wobei der PC sich wie ein Dialogterminal verhält,

- in Zukunft als Kommunikations-Server im Netz, wobei der PC die Terminalsteuereinheit 3274 emuliert und die aus dem Netz zugreifenden PCs sich dem Host gegenüber wie Dialogterminals darstellen.

Weshalb sind RJE-(Remote Job Entry)Stationen nicht in diese näher zu betrachtende Kategorie aufgenommen? Der Grund liegt in der Dialog-Orientierung heutiger Host-Software. Über RJE-Verbindungen ist nur ein File-Transfer und ein Batch-Aufruf von Produktionsprogrammen möglich, aber nicht die direkte Kommunikation mit einem Dialog-Programm.

Die Anschlußmöglichkeit über Protokoll-Konverter ist für PCs interessant, die keine IRMA-kartenähnliche Anschlußmöglichkeit haben, aber nicht einzeln an die TP-Steuereinheit angeschlossen werden sollen. Doch auf Detailprobleme beim Anschluß und natürlich auf Effizienz-Verluste durch mehrfache Konvertierung muß geachtet werden.

Die Anbindung über die 3274-Terminalsteuereinheit ist im Großunternehmen heute der gängige Anschluß. Da der PC für die zentrale DV "hoffähig" wurde, bietet auch die IBM Produkte zum Anschluß an den Host an.

Dies sind insbesondere:

- der 3270-PC mit der Möglichkeit, über nur einen physikalischen Koax-Anschluß an die 3274-Terminalsteuereinheit bis zu vier logische Verbindungen (mit bis zu vier verschiedenen Programmen am Host) aufrechtzuerhalten. Mit einem sehr guten Farbbildschirm und benutzerfreundlich geführter Fenstertechnik ein leistungsstarkes Produkt. Der praktische Aspekt, daß die Tastatur voll-kompatibel in der Benutzung zur 3278-Bildschirm-Tastatur ist, ist sehr wichtig. Sinkt der Preis noch unter 10 000 Mark, so ist dies sicher eine Alternative zum Terminal bei Hostorientierten Arbeitsplätzen. Eine Einschränkung darf nicht übersehen werden: Die IBM hat (noch) keine Anschlußmöglichkeit dieses PCs in ihr IBM-PC-Netzwerk geschaffen.

- Der XT/370 war als "370 auf dem Schreibtisch" vermerktet worden. Doch in der Praxis existieren zu viele Hindernisse für einfachen effizienten Einsatz, wie die ungenügende Datentransferrate, der fehlende VSAM-Dateizugriff, die auch beim AT/370 im wesentlichen noch gelten.

Sehr bald wurden am Markt Zusatzkarten für die Aufrüstung des PC und PC/XT angeboten, die den Anschluß anstelle eines Dialogterminals erlaubten. Im Gegensatz zu obigen Komplett-Produkten war anfangs die Software-Unterstützung noch mangelhaft - doch heute sehen die Hersteller gerade da ihre Chance, daß sie mehr Software früher anbieten als IBM selbst.

Historisch bedingt sind in der IBM-Software-Welt eine Vielzahl von Produkten zu unterscheiden.

Bei der Betrachtung der Einsatzarten eines PC zeigt sich das Problem: Mit zunehmender Integration in die Host-(Programm-)Welt wird die Lösung komplexen. So hat es beispielsweise nur rund drei Monate gebraucht, bis die Produkte für Terminal-Emulation auch den File-Transfer über Dialog-Schnittstellen in Timesharing-Umgebung (CMS) unterstützen. Doch bis zum "CICS-File-Transfer" (menügeführt in Produktionsumgebung) waren es bereits mehr als weitere sechs Monate - für die schnellebige PC-Branche viel Zeit.

Im Fall des Anschlusses über die 3274-Steuereinheit bei der Produktauswahl ist zur Zeit eine gewisse Unsicherheit eingetreten. Das ausgewählte MML-Produkt sollte hier ausschlaggebend sein - und da wird fast immer nur die IRMA-Karte angeboten. Für "Programm-zu-Programm-Kommunikation" ist die PCOX-Karte interessanter, da schneller.

Der Weg über die 3274 ist der Standard - doch dieser Weg war nicht für PCs vorbereitet worden. In der Praxis kann alleine das Problem der starken Beeinflussung der anderen Terminals zu einem "Nein" führen, wenn die organisatorische Lösung häufigen Mengentransfer während des Tagesablaufes erfordert. Dies ist (ironischerweise) gerade für stark Host-orientierte Lösungen (zum Beispiel mit Datensicherung auf Host oder Datenpflege über Host) ein Problem.

Der "3270-PC" erfordert ein bestimmtes Modell der Steuereinheit für seine intelligente Betriebsart (mit geringerer 3274-Belastung). Vor allem aber läßt sich der 3270-PC nicht in ein lokales Netzwerk einbinden und ist als zukunftssichere Workstation heute nicht verwendbar.

Ein Teil der Probleme läßt sich auch mit vorhandenen Produkten durch besonders effiziente Nutzung lösen - doch diese Form des integrierten File-Transfers ist erst in den jüngsten Produkten enthalten oder angekündigt.

Weshalb verbinden sich nun mit dem PC heute so viele Hoffnungen und Befürchtungen, weshalb hat er zu einem Konflikt zwischen den Benutzern und der konventionellen DV-Mannschaft geführt?

Welche Chancen bietet der PC gerade durch die Mikro-Mainframe-Kopplung und die resultierenden organisatorischen Möglichkeiten?

Auch in einem DV-seitig "streng" geführten Unternehmen kann die Forderung der Anwender nach Einsatz des PC am Arbeitsplatz nicht mehr überhört werden. Die Werbung verschweigt überdies die noch vorhandenen technischen Limitierungen, die organisatorischen Probleme und Konsequenzen und die oft ungenügende Reife der angepriesenen Produkte. Und auch die DV-Abteilung wird von ihren Stamm-Lieferanten der Hard- und Software inzwischen voll auf den PC und die intelligente Verbindung zum Host eingeschworen. Es bleibt fast keine Zeit, über die vielen damit verbundenen organisatorischen Auswirkungen nachzudenken, die speziell durch die Anbindung der PCs an den Host entstehen.

Eine völlige Veränderung der Berufsbilder der DV-Berufe ist eine dieser Auswirkungen. Ohne Benutzer-Service seitens der DV ist der Anwender mit seinem leistungsfähigen MML-Produkt in Kürze überfordert. Doch die Mentalität der Mitarbeiter der DV-Bereiche war bisher nicht auf Endbenutzernähe ausgerichtet.

Sehr stark wird sich auswirken, daß über die vernetzten Mikros eine neue Form der Datenverarbeitung erforderlich ist:

- bereichsübergreifene Lösungen unter Einbeziehen der Endbenutzer verschiedener Fachabteilungen auch bei kleineren Projekten,

- dezentrale Datenverarbeitung mit allen zugehörigen (komplexen) Problemen der Programmierung für diese Anwendungen, der Datenspeicherung und des Operating,

- Netzwerke sind sowohl von der Planung als auch vom Betrieb weitaus komplexer als die bisher von dem zuständigen DV-Mitarbeiter betreuten Netze aus Terminals, Terminalsteuereinheiten und sternförmigen Koax-Kabeln,

- die Datenpflege für die PCs in den Netzen und die Bereitstellung von Extrakten für den Zugriff von PCs erfordern eine geänderte Ablauf-Organisation.

Diese Probleme sind nach kurzem Nachdenken offensichtlich und (bei etwas gutem Willen aller Beteiligten) auch lösbar. Doch es gibt eher verborgene Gefahren: PC-Projekte größeren Stils mit Host-Anbindung stellen höhere Anforderungen an die Konzeptphase und das Design als monolithische Host-Anwendungen. Es fehlen die Patentrezepte in diesem Neuland. Besonders gilt dies für

- die Kommunikation im Netz und zum Host aus den PC-Anwendungsprogrammen und unter Netzlast,

- praktikable, praxisgerechte Lösungen der Datenspeicherung im Gebilde aus Host und Netz.

Mehr als bisher braucht die DV Mitarbeiter mit umfassender Kenntnis der Hard- und Software, wenn die Multifunktionalität und die offene Systemarchitektur auch genutzt werden. Dies ist unter anderem durch die unvollständige Dokumentation und den ungenügenden Support begründet - hier fordert der günstige Preis seinen Tribut. Für komplexe und dennoch wartbare Lösungen ist ausreichender Betriebssystemsupport erforderlich - der beim PC/DOS noch fehlt.

Und all dies vor dem Hintergrund der sehr hohen Erwartungen der Fachabteilungen an den PC. Endlich sollen die Lösungen das bisher Unvereinbare vereinbaren: Sie sollen wirtschaftlich, ausbaufähig und benutzerfreundlich sein.

Ein Großteil der Verantwortung dafür, ob dies wenigstens annähernd auch erreicht wird, liegt beim Benutzer. Einige Regeln, die der Benutzer berücksichtigen muß, sind:

- Er muß die Verantwortung für seine persönliche Software und die erzeugten Daten mittragen.

- Er muß kooperativ an der Umsetzung von organisatorischen Konzepten in die benutzerfreundlichen Lösungen mitarbeiten.

- Er darf nicht Unmögliches fordern. Dies fällt manchmal sicher schwer, wenn die Werbemillionen gut (im Sinne der Werbefirma) eingesetzt wurden, oder wenn eine kleine Demo auf der Messe die heile PC-Welt verspricht. Doch vor einer guten dezentralen Lösung steht zuallererst ein gutes organisatorisches Konzept.

Zum zweiten muß frühzeitig klar sein, ob die Hard- und Software-Voraussetzungen auf dem eigenen Host gegeben sind - oder zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten geschaffen werden können. Und drittens muß die Sicherheit und Integrität der Daten unbedingt sichergestellt sein. Es bietet sich an, dafür beim Konzept hostseitige Dienste zu berücksichtigen; denn dort ist über Jahrzehnte das Sichern von Daten und die Kontrolle des gleichzeitigen Zugriffs auf Daten ausgefeilt worden.

Doch hat dies natürlich auch einen Preis (neben den intern verrechneten Kosten): Die Daten müssen transferiert werden, am PC muß dafür Unterstützung angeboten werden, die einfach zu handhaben ist.

Bei aller Euphorie über die sich bietenden Möglichkeiten mit dem PC und über die gewonnene Unabhängigkeit von der restriktiven DV: Der PC-Anwender der Fachabteilung sollte die gut gemeinten Einwände seiner DV-Kollegen nicht ignorieren.

Sonst werden die Fehler, die in der zentralen DV in der Vergangenheit durchgestanden wurden, alle nochmals gemacht - diesmal aber von vielen Leuten im Unternehmen und mit entsprechend viel Zeitaufwand, der für die eigentliche Fachaufgabe nicht zur Verfügung steht. Durch die Verbindung mit dem Host und die zukünftige Vernetzung sind neben den gängigen Problemen der Software-Erstellung noch spezifische dazugekommen:

- Die Daten sind bereits vielfältig genutzt und verknüpft. Der Zugriff auf sie muß kontrolliert erfolgen. Neue Daten müssen sich einpassen und sollten ebenfalls verknüpft und anderen zugänglich werden. Ein unternehmensweites "Informationsmodell", unterstützt durch Data-Dictionary und andere DV-technische Hilfen ist beim PC-Einsatz noch wichtiger als bisher.

- Netzwerk-Software ist komplex und schwierig im Design. Neue Produkte erlauben im Prinzip den einfachen Einschlug von Netzzugriffen in Anwenderprogramme - doch dies sollte erfahrenen (System-)Programmierern vorbehalten bleiben.

Die Benutzer-Service-Idee zeigt sich in der Praxis als geeignete Lösung, um die Auswirkungen der PC-Anbindung auf die DV-Abteilung und den Endbenutzer im Griff zu haben.

Neben den technischen Problemen sind eher als organisatorisch einzustufende Problembereiche vorhanden. Sie lassen sich in die Kategorie "kurzfristig lösbar", "mittelfristig lösbar" und "eventuell unlösbar" einteilen:

Kurzfristig lösbar sind die auffälligen, besonders lästigen Probleme, wie die zum Beispiel fehlende Produktreife der PC-(und MML-)Software. Es schien für manche SW-Häuser überlebensnotwendig, nur dem Produkt schnell am Markt zu sein. Nach der Phase der Konsolidierung kann wieder nur über gute Qualität verkauft werden.

Ein Hemmnis für den vom Hersteller erhofften Einsatz auf breiter Ebene ist die DV-lastige und noch nicht einheitliche Benutzer-Schnittstelle. Der Wechsel vom Host zum PC und zwischen den verschiedenen PC-Produkten ist mit ständigem Umdenken verbunden. Die Berührungsängste werden nicht abgebaut. Ansätze zur Lösung sind vorhanden: Die bildliche Darstellung der Möglichkeiten bei der Macintosh-Benutzeroberfläche, die identische Menüführung am Host und PC bei den neueren MML-Produkten.

Mittelfristig ist zu hoffen, daß die mit der dezentralen Datenhaltung, verbundenen Probleme wohl nicht gelöst, aber die Lösung praxisgerecht unterstützt wird. Neben Fragen der Datensicherheit im Netz ist ein neues Problem für die für den Datenschutz Verantwortlichen zu lösen: Große Datenmengen lassen sich einfach per Floppy außer Haus bringen.

Noch ungelöst und für den DV-Fachmann ein großes Problem ist der schreibende Zugriff vom PC-Programm auf Hostdaten. Es steht ein ähnliches Umdenken bevor, wie es beim Übergang von sequentieller Batch-Programmierung zu transaktionsorientierter Online-Programmierung erforderlich war.

Es ist schwierig abzuschätzen, ob dieses Update-Problem noch zur lösbaren oder bereits zur nächsten Kategorie der unlösbaren Probleme zählt. Nicht unterschätzen sollte man dabei den Punkt "Überforderung der Endbenutzer". Dies soll nicht als DV-Arroganz mißverstanden werden. Man sollte dabei nicht die vergleichsweise kleine Menge der jetzigen Pilot-Anwender sehen, die aus eigenem Antrieb Vorreiter spielen, sondern die große Menge der abwehrenden, skeptischen Benutzer.

Durch technische Hilfen werden viele Probleme handhabbar. So sorgen bessere Netze für sichere und schnelle Datenübertragung auch zum Host.

Die Leistungsfähigkeit der MML-Produkte wird erneut steigen und vor allem den Benutzer führend und vielleicht sogar sich seinen Fehlern anpassend unterstützen.

Im Umfeld wird es Konzepte und Hilfen geben, die das Problem der verteilten Datenspeicherung praktikabel lösen. Vor allem aber werden Standards eine einfache Kombination von Produkten und Diensten auch verschiedener Hersteller ermöglichen. Der Benutzer-Service wird dabei das erforderliche Umfeld schaffen - als anerkannte Institution des Mittel- und Großbetriebes.

Die unternehmensseitige Planung wird durch die Schnellebigkeit und die vielen neuen Möglichkeiten jetzt noch zwingender erforderlich. Die technologischen Möglichkeiten sind bald vorhanden, so daß die eher künstliche bisherige Trennung in Datenverarbeitung, Textverarbeitung und Kommunikationstechnik aufgehoben wird zugunsten der "Informationsverarbeitung". Es wurde bereits betont, daß ein unternehmensweites "Informationsmodell" erforderlich wird, um den Überblick über die Nutzung und Verknüpfung der vielen PC-Daten zu behalten.

Weshalb braucht es nun die MML-Produkte, welche Probleme lösen sie? Die besonders lästigen Probleme sind:

- das Operating an vielen PCs,

- die fehlende Datensicherheit

und -integrität,

- die ungenügende Benutzerschnittstelle,

- die ungenügende Unterstützung für Eigenentwicklung der Fachabteilung.

Diese Probleme müssen allerdings so gelöst werden, daß der "Personal Computer" noch seinen persönlichen Charakter behält. Zu große Kontrolle, zu starke Einbindung bringt die alten Probleme: eine erneute Abhängigkeit von der Host-Verfügbarkeit, eine zu starke Abhängigkeit von der DV-Abteilung.

Die DV sollte die sich bietende Chance nutzen, denn im Moment sind die Voraussetzungen für eine Kooperation besser denn je: Die Benutzer spüren die Probleme mit dem PC, die DV-Mitarbeiter erfahren die Möglichkeiten des PC. Die Auswahl eines MML-Produkts sollte deshalb nicht ohne gründliches Bewerten der Vor- und Nachteile zu enger Kontrolle geschehen.

Das von der PC-Software bekannte Auswahlproblem tritt allerdings auch hier auf: Zuviel Produkte, die alle alles bieten wollen. Die Entscheidung wird vordergründig erleichtert, wenn man die PC-Erweiterung eines bereits im Hause eingesetzten Host-Produkts wählt. Es ist jedoch unter Umständen damit dem PC viel von der offenen Lösung genommen.

Ein gutes Produkt muß beides bieten: eine offene Lösung für den versierten Benutzer und eine restriktive Sicherheit. Optimal wäre außerdem, wenn das Produkt nicht im Design bereits "Host-lastig" oder "PC-lastig" ist, sondern dem Benutzer die Wahl überläßt, ohne ihn mit verschiedenen Benutzeroberflächen und lästigem Handling zu belasten.

Eine Produktübersicht kann bei täglich neuen Ankündigungen nicht vollständig sein. Das Ziel der Übersicht (siehe Kasten) ist hier vielmehr eine Typisierung und Gruppierung. Der Typ bezeichnet die DV-orientierten Merkmale der Lösung, die Gruppe enthält die anwendungsorientierte Information.

Die Gruppierung ist nicht immer eindeutig möglich. So ist der Übergang von der Gruppe File-Transfer-Produkt zu Abfragesprache fließend. Reiner File-Transfer ist auch nur vom DV-Kundigen nutzbar und wird zwischenzeitlich mit der Hardware-Karte ausgeliefert. Eine Abfragesprache ermöglicht die Formulierung der Wünsche nach Daten vom Host in möglichst einfacher Form. Außerdem sollte es möglich sein, die verschiedenen Datei-Quellen am Host gleichzeitig anzuzapfen. Das Ergebnis wird zum PC übertragen, wobei auf Wunsch bereits eine Aufbereitung für die Ziel-Software am PC, beispielsweise Lotus 1-2-3, DIF (Data Interchange Format) oder Basic-Programm erfolgt. Doch sowohl am Host als auch am PC werden Zwischendateien erzeugt, die Übertragung nutzt meist nicht die effizienteste Form.

Doch für mittlere Datenmengen und bei verschiedenen Quellen der Daten am Host (IMS und ADABAS-Datenbankauszüge sowie gelegentlich noch VSAM-Datei-Inhalte) die beste Lösung.

Datenbankprodukte neuer Art (also mit MML-Orientierung) werden seit wenigen Monaten von allen bekannten Datenbankherstellern angeboten. Verschieden ist dabei der gewählte Lösungsansatz: Übertragen des Host-Produktes mit allen Funktionen und gleicher Benutzeroberfläche oder "nur" eine PC-gerechte Teilmenge beziehungsweise Ergänzung mit eventuell sogar unterschiedlicher Benutzerführung. Im zweiten Fall wird meist eines der bekannten PC-Pakete für Tabellenkalkulation, Datenbank, Grafik oder Text integriert. Im ersten Fall ist weiterhin eine Unterscheidung bezüglich der PC-Hardware möglich. So wurde etwa Focus/PC auf einen normalen XT portiert, während der Ramis-Hersteller als Ziel-Hardware für das Ramis/PC den XT/370 auswählte.

Bei der hostseitigen Software ist entweder CICS oder die Hersteller-Software Voraussetzung. Auf der DB-Seite wird meist IMS, DL/ 1 und VSAM sowie natürlich die eigene Datenbank unterstützt.

Während bei den Datenbanken bereits heute MML-Produkte am Markt sind, werden bei den Planungssprachen auf die portierten Insellösungen (gegebenenfalls mit File-Transfer) sicher auch die integrierten Produkte folgen.

Die Zukunft der PCs liegt im Einsatz für noch höher integrierte Systeme, so zum Beispiel für die Bürokommunikation (B.K.) oder das "Computer Integrated Manufacturing" (CIM), wo der vernetzte PC mit enger Anbindung an die Host-Software für die Fertigungssteuerung nur noch ein leistungsstarker Teil der Gesamtlösung darstellt. Hier sind bisher nur Konzepte der Hersteller, aber noch keine Produkte mit optimaler PC-Nutzung zu finden. Erste kundenspezifische Lösungen gehen in Betrieb.

In der Übersicht wurde bewußt auch noch der Typ "Diskettenaustausch" aufgenommen; denn für einen Datenaustausch zu einer Niederlassung einmal pro Woche ist der Aufwand der Verbindung zum Host wirtschaftlich nicht vertretbar. Inwieweit hier durch Bildschirmtext eine sinnvolle Kostenrelation zu erzielen ist, muß im Einzelfall geprüft werden. Der Zielkonflikt zwischen offen und flexibel, aber dennoch gut kontrollierbar und benutzerfreundlich ist deutlich. Aus der Sicht des PC-Benutzers ist die Menü-Führung wichtig. Während die einfachen File-Transfer-Produkte als ungeeignet für den Endbenutzer eingestuft werden müssen, ist der Ansatz bei den integrierten Systemen sicher richtig:

Der Benutzer bekommt zum Start ein fertiges Menü-Paket, kann aber einfach erweitern und eigene Menüs hinzufügen.

In der Praxis sehr wichtig ist die Unterstützung der Kontrolle des Zugriffs. Soviel wie nötig für ungestörten Betrieb und Datenintegrität, aber so wenig wie möglich für flexible Nutzung des PC. Bei heutiger Technik ist überdies eine strenge Begrenzung der Transfer-Datenmenge erforderlich sowie die Kontrolle des Zugriffs. Vor allem die Produkte der Host-Datenbankhersteller bieten hier Unterstützung. Die Qualität

muß sich in der Praxis erst beweisen. Ein weiterer DV-technischer Unterschied, der bei intensiver Nutzung relevant wird, ist die mehrfache Zwischenspeicherung oder Protokoll-Umwandlung und damit die Effizienz.

Für die Typen 2, 3 und 4 sind Produktbeispiele aufgezählt. Hier kann nicht jede Funktion im Detail besprochen werden. Nur einige Schlaglichter:

- Siros bietet deutsche Syntax und Support. Es ist am längsten am Markt verfügbar.

- Petra, ein Produkt eines weniger bekannten Hamburger Softwarehauses, bietet den Direktzugriff mit Monitormöglichkeit und auch den Zugriff auf den Spool-Bereich.

- Ramis wird, wie bereits erwähnt, auf den XT/370 portiert und bietet sehr gute Ansätze bei der Benutzerführung (English-Modul für englischähnliche Eingabe). Es wird die ...-IT-Software am PC genutzt.

- Focus/PC wurde vollständig auf den XT übertragen. Auch hier gute Ansätze für die Benutzerführung (Talk-Technologie) und einfacher Wechsel zwischen PC- und Host-Session.

- IDB Information Database bietet ein "logisches Netzwerk" und soll somit Austausch von Nachrichten, Dokumenten und Grafiken zwischen verschiedenen Host-Anwendungen, Host-zu-PC-Anwendungen und PC-zu-PC-Anwendung ermöglichen. Es wird eigene, nur am Host gepflegte PC-Software verwendet und per download dem Benutzer zur Verfügung gestellt.

Untersucht man die praktischen Einsatzmöglichkeiten, ist sofort einleuchtend, daß der Großteil der Benutzer zumindest zu Beginn überfordert ist. Mit Unterstützung des Benutzer-Service der DV sollten Standardabfragen vorformuliert bereitgestellt werden, die auf Tastendruck ablaufen. Zukunftsweisende Ansätze wurden für die neuesten Produkte schon erwähnt: Der Benutzer formuliert in seiner Umgangssprache, das System erfragt fehlende Information und "lernt" dabei die Abfrageweise des Benutzers.

Diese Möglichkeit wird sicher in Zukunft noch stark verbessert werden - als Praxisumsetzung der Forschung im Bereich Artificial Intelligence.

Von den hier angedeuteten enormen Möglichkeiten der zukünftigen MML-Produkte zurück zur Praxis Ende 1984:

- Produkte zu früh angekündigt, Einsatz schwer planbar,

- Detailprobleme sind weiterhin hemmend,

- die niedrigen Preise verbieten Testinstallation und guten Support.

Doch diese Anfangsschwierigkeiten sind für komplexe Lösungen normal. Die hohe Funktionalität und die Leistung auf Produkten wie dem PC/ AT werden dem Endbenutzer enorme Möglichkeiten verschaffen.

Dieses dynamische Thema kann nur mit der Betrachtung einiger Trends abgeschlossen werden.

Bei der Hardware steht eine weitere Revolution der technischen Leistungsfähigkeit kurz bevor: MIPS-Leistung mit 100 MB Speicher auf dem Schreibtisch, ergänzt durch dedizierte Prozessoren für die Netzwerkkommunikation und die Grafik-Ausgabe.

Die Leistung ist für bessere Benutzeroberfläche und andere Leistungen sicher wünschenswert, der Sinn von 100 MB Speicher auf dem Schreibtisch ist schon eher anzuzweifeln. Diese Leistung dann im multifunktionalen Endgerät für 5000 bis 10 000 Mark - erstaunliche Perspektiven.

Je leistungsfähiger die Endgeräte sind, desto intensiver wird die Kommunikation im Netz und auch zum Host. Es kann in der Praxis demonstriert werden, daß die reinen Transportprobleme bei lokalen Netzwerken zufriedenstellend gelöst sind. Dies gilt leider nicht für die Verbindung zum Host, wo der Weg über die Terminal-Steuereinheit 3274 sinnvoll, aber nicht leistungsfähig genug ist. IBM muß hier reagieren.

Ein anderes Thema beherrscht zur Zeit die Diskussion und beschäftigt die Kongresse: LAN oder PABX (Nebenstellenanlage) als Basis für die PC-Vernetzung.

In der Theorie ist alles möglich, doch wie sieht die Praxis aus: im gewachsenen Unternehmen gibt es beides, die DV mit Koax-Netzen und den ersten LAN-Ergänzungen und die Nebenstellenanlage mit 4-Draht-Netz. So wird es schließlich sinnvolle Erweiterungen in beiden Bereichen geben, aber keine Ablösung. Der zukünftige PC als multifunktionales Endgerät hat Anschluß an beide Netze.

Softwareseitig sind diese Trends deutlich:

Vollwertig integrierte MML-Produkte, die immer stärker auf Standards aufbauen, sei es für die Kommunikation, für Grafik oder beim Betriebssystem.

Wünschenswert wären Fortschritte bei der Lösung der Datenhaltungsprobleme in verteilten Systemen damit steht und fällt die einfache Entwicklung eigener Anwendungen.

* Oskar Henn, AHP Havermann & Partner GmbH, Planegg. Der Vortrag wurde auf der Fachtagung PC '85 "Personal Computer optimal genutzte" gehalten.

Informationen: CW-CSE, Kaiserstraße 31, 8000 München 40, Tel.: 089/3 81 72-169.