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08.06.1984

Mikro-Mainframe-Verbund: Präzise Planung ist oberstes Gebot

Mikro-Mainframe-Kommunikation heißt das DV-Schlagwort dieser Tage. Auf Messen, Konferenzen und Seminaren, in Arbeitskreisen und Benutzergruppen setzen sich Vertreter der informationsverarbeitenden Industrie und Anwender mit dieser Problematik auseinander. Zahlreiche Konzepte liegen bereits in den Schubladen der Verantwortlichen, doch wenn es um deren Realisierung geht, herrscht noch immer Unsicherheit und Zurückhaltung. Die COMPUTERWOCHE befragte deshalb Anwender, die mit einer solchen "Verbundlösung" bereits Erfahrung haben, nach den hard- und softwaretechnischen Voraussetzungen einer Mikro-Mainframe-Kopplung. Viel Ärger kann sich der Anwender nach Erfahrung von Hans Ringmaier, Osram GmbH, ersparen, wenn Mikros und Groß-DV vom selben Hersteller stammen. Von der vielzitierten "Quick-and-dirty-Lösung" rät Kurt Metzler, DV-Leiter bei der Migros-Genossenschaft in Zürich, ab. kuI

Walter Konvicka Abteilungsdirektor und Leiter der Sparten- und Büroorganisation, Die Erste Österreichische Spar-Casse-Bank, Wien

Ein großes Unternehmen wie Die Erste Österreichische Spar-Casse-Bank konnte an der Frage der dezentralen Verarbeitung nicht vorübergehen. Vor über 20 Jahren mit der DV als Automationsunterstützung beginnend, erfolgte der Einsatz eines Realtime-Systems in den frühen 70er Jahren. Bereits damals wurde der Hardwaregrundstein für die Kommunikation von Mikros und Mainframe gelegt. Drei Großanlagen (5 Mips, 15 MB Memory, 15 GB Datenspeicher) mit je einem Front-end-Prozessor, 800 Realtime-Endplätze in allen (über 100) Filialen in ganz Österreich, 100 Timesharing-Terminals und 50 Online-Textverarbeitungsgeräte auf Mikrobasis bilden die Hardwarebasis.

Ende 1981 wurde in der "Ersten" ein Projekt gegründet, das zum Ziel hatte, die vorhandenen Geräte (zentral und dezentral) auch für Aufgaben an Büroarbeitsplätzen nutzbar zu machen. Die konkreten Forderungen waren:

- Umgestaltung der vorhandenen Geräte zu multifunktionalen Terminals, das heißt, von allen Terminals muß es in verschiedenen Ausprägungsstufen möglich sein, sämtliche Funktionen auszuüben.

- Anschluß aller Sekretariate der ersten und zweiten Managementebene.

- Anschluß aller Terminals an die "Erste Tele Post (= Electronic Mail).

- Einsatz von Mikrosoftware auf CP/M-Basis (dort, wo gerätemäßig möglich).

Der Datenaustausch für Mikroanwendungen (Filetransfer) ist im Moment auf zwei Anwendungen beschränkt (ausgenommen von Einmalaktionen), nämlich auf das Transportieren von dezentral erfaßten Texten (auf den Filial- und den Büroarbeitsplätzen) zum zentralen Electronic-Mail-System und auf den Transport von zentral gespeicherten Daten zu den dezentralen Multiplan (= spread sheet)-Anwendungen.

Für den Mikroeinsatz auf Informatik-Arbeitsplätzen wird gerade eine Auswahl der 16-Bit-Rechner-Familie durchgeführt. Diese Geräte werden an Arbeitsplätzen eingesetzt werden, wo es durch den Anwender möglich ist, dezentrale Verarbeitung durchzuführen. Wichtige Funktionen dieses auszuwählenden Systems müssen sein:

- Umfassendes Angebot an Softwarefamilien (Bedienerführung, Textbearbeitung, Decision-Support-Systeme, Grafiksoftware),

- Verwendungsmöglichkeit von angebotener Mikro-Mainframe-Software (entweder vom Mainframe-Hersteller oder von Dritt-Produzenten),

- Btx-Fähigkeit,

- Fähigkeit, im Native-Mode an End-user-Entwicklungssystemen am Mainframe-System teilzunehmen.

Ich möchte schließlich noch darauf hinweisen, daß der Einsatz von Technik, also Hardware und Software, am Arbeitsplatz nicht die entscheidende Frage ist. Wesentlicher ist meiner Ansicht nach die Beachtung des gesamten organisatorischen Umfeldes, wie Ausbildung der Mikroanwender, aufbauorganisatorische Voraussetzungen (wer stellt Daten in welcher Qualität zur Verfügung?, wer unterstützt den Mikroanwender?, ...). Auswirkung des Mikroeinsatzes auf die Ablauforganisation beim Mikroanwender (Ablagen, Kopierwesen, ...), Integration der bereits vorhandenen elektronischen Geräte die Beschleunigung der innerbetrieblichen Informationsweiterleitung sowie die aktenarme Sachbearbeitung.

Da diese Einflußfaktoren in der "Ersten" erkannt wurden, sind wir über die hardware- und softwaremäßigen Grundlagen hinaus gut auf den Einsatz von Mikros vorbereitet- in den meisten Fällen früher und besser als die Hersteller. Deswegen meine unbedingte Forderung:

Informiert und wachsam zu sein.

Hans Ringmaier Leiter Bürosysteme und Kommunikationstechnik, Osram GmbH, München

Seit längerer Zeit werden bei Osram Mikrocomputer als reine Einplatzsysteme eingesetzt. In naher Zukunft planen wir, dort wo es sinnvoll ist, Mikros mit unserem zentralen Rechnersystem zu verbinden, da ohne eine Kommunikationsmöglichkeit mit Großrechnern der Funktionsumfang von Mikros immer beschränkt bleibt.

Voraussetzung für eine Großrechnerkopplung ist eine funktionsfähige Hard- und Softwareschnittstelle des "Kleinen". Die besten Anschlußmöglichkeiten bieten sich dann, wenn die Mikros und die Groß-DV-Anlagen vom selben Computerhersteller stammen. Dann kann man mit weniger Adaptionsschwierigkeiten rechnen als bei Fremdherstellersystemen.

Die Terminalemulation wird von den meisten führenden Mikroherstellern angeboten (zum Beispiel IBM, Siemens). Einschränkungen und Kompatibilitätsprobleme gibt es noch bei Übertragungsprozeduren, Steuerzeichenfolgen, Nachrichtenköpfen und Funktionstasten. Im Emulationsmodus müssen im formatierten Betrieb die Masken noch dezentral im Großrechner gespeichert werden. Die Bildschirmmaske (Formular} muß bei jedem Schritt neu übertragen werden.

Schwieriger als eine Emulation ist meist der Filetransfer, da hier speziell Anpassungen und Transferprogramme für des Zusammenspiel mit den Transferdiensten im Verarbeitungsrechner notwendig sind. Zur Zeit arbeiten wir hauptsächlich mit der Nachbildung von Stapelstationen, wobei 80spaltige Eingabenachrichten und 132spaltigen Druckausgaben erzeugt werden. In Zukunft wollen wir diese Einschränkungen aufheben, um beliebige Programmdateien übertragen zu können. Dazu müssen wir genormte Transferprotokolle implementieren, so daß die "Spielregeln" zwischen den Endgeräten nicht nur auf der untersten Ebene (V.24), sondern auch darüber eingehalten werden (beispielsweise EHKP 4,6).

Die größten Chancen und die wenigsten Anpassungsprobleme wird man dann bekommen, wenn Mikros und Groß-DV vom gleichen Hersteller sind.

Alle namhaften Hersteller von Großrechnersystemen bieten zum Mainframe kompatible Mikros an, so daß eine Integration gewährleistet ist.

Für den Anschluß von LANs sehen wir zur Zeit noch keine Notwendigkeit, solange hier noch Anpassungsschwierigkeiten zu überwinden sind. Nach unserer Meinung konkurrieren die über LANs angeschlossenen Mikrocomputer mit den multifunktionalen Bürokommunikationssystemen.

Die Zukunft wird zeigen, daß der Mikro mit fortschreitender Technologie in verstärktem Maße als Partner der Groß-DV fungiert.

Kurt Metzler DV-Leiter, Migros-Genossenschaft, Zürich

Setzen wir voraus, die Mikro-Host-Kommunikation ist technisch perfekt, sowohl im Nah- als auch im Fernbereich. Die Schnittstellen und ihre Übertragungsprozeduren sind genormt. Die PTT stellt uns ihre Datenleitungen mit Leistungen zur Verfügung, die auch für die Datenfernverarbeitung keine Restriktionen mehr darstellen.

Setzen wir weiter voraus, daß im Mikro eine Verarbeitungsleistung und ein Speicher vorhanden sind, die sich mit heutigen Mainframe-Systemen vergleichen lassen. Dem Benutzer wird nun ein Datenextrakt von der zentralen Datenbank auf sein System übermittelt.

Die hohe lokale Rechnerleistung im Mikro sollte dazu genutzt werden, um die äußerst zyklusintensive Datenaufbereitung zu Graphics und Tabellenkalkulation zu gewährleisten.

Der Enduser muß mit geeigneter Mikro-Software in die Lage gebracht werden, die ihm zugänglichen Rohdaten vom Host nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten und Statistiken zu produzieren, die für ihn keine Wünsche offenlassen.

Die zukünftige Rechnerleistung am Arbeitsplatz kann in Verbindung mit dem Host auch dazu benutzt werden, um lokale Datenerfassung zu betreiben, bei der keine hohen Anforderungen an Plausibilitätstests und Realtime-Verfügbarkeiten der Informationen gefordert werden. Selbstverständlich wird das persönliche Werkzeug Mikro auch dazu benutzt, unabhängig vom Host eigene Spreadsheets aufzubauen, persönliche Dateien anzulegen, Textverarbeitung zu betreiben und die Maschine als Taschenrechner, Tischtelefon Notizblock oder Mailingbox zu verwenden.

Die zentralen, langfristigen, unternehmensbezogenen Daten werden vom Mikro-Benutzer mit Software vom Host verwaltet. Per Knopfdruck ist es möglich, vom Mikro-Modus in den Dialog-Modus umzuschalten. Dabei wurde diese Dialogsoftware von den DV-Fachleuten so komfortabel programmiert, daß der Anwender in der Fachabteilung von der Umstellung kaum etwas bemerkt.

Dies sind Idealvorstellungen. Bis es soweit ist, werden wir allerdings noch etwas Geduld brauchen. Wir haben zur Zeit noch sehr viel Inkompatibilität zwischen Mikro und Host. Die Mikro-Mainframe -Kommunikation unterliegt noch starken Einschränkungen seitens der Post. Geeignete Software, beispielsweise zum Laden von Spreadsheets mit Daten vom Host fehlt bis heute weitgehend.

Deshalb wird es auf absehbare Zeit noch ein Nebeneinander von Mainframe-Terminal und Mikro geben. Das heißt, die Host-Kommunikation wird lange Zeit noch eine Aufgabe koventioneller Terminals sein, unter anderem, weil dies heute noch eine ins Gewicht fallende Kostenfrage ist.

Problematisch wird der Mikro-Einsatz in der Fachabteilung dann, wenn der kommerzielle Endbenutzer selbst programmiert. Dies aus zwei Gründen:

Der User benötigt sehr viel Programmierzeit, um auf dem Mikro selber Zahlen produzieren zu können, die sich aus verschiedenen Datenbeständen zusammensetzen. Er muß sich mit Recovery und Datensicherung herumschlagen. Die zusätzlichen Aufgaben halten den Endbenutzer von seiner eigentlichen Arbeit ab.

Zweitens ist die Gefahr sehr groß, daß unternehmensredundante Stammdaten auf dem Mikro aufgebaut werden, die bezüglich ihres Inhalts mit den Daten vom Host auseinanderlaufen. In diesem Umfeld müssen, wegen der Unterschiedlichkeit der daraus resultierenden Ergebnisse, Streitigkeiten entstehen.

Von der vielzitierten "Quick-and-dirty-Lösung" ist für diese Anwendungen nicht viel zu halten. Hier gilt das Sprichwort "Nichts ist geregelt, solange es nicht richtig geregelt ist", ganz besonders. Die Mikro-Mainframe-Kommunikation muß von einer zentralen Stelle durch Fachleute koordiniert werden. So wird der Mikro in der DV-Landschaft eines Unternehmens in Zukunft ein sehr nützliches zusätzliches Werkzeug für die Bewältigung der DV und Kommunikation sein.