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19.04.1984

Mikro-Mainframe: Wer übernimmt die Softwareverantwortung?

Mit Problemen im Softwarebereich ist das Vorrücken der Mikros in die Fachabteilungen verbunden. Vor allem die Gefahr einer unkontrollierten Programmentwicklung bereitet vielen DV-Leitern Kopfzerbrechen. Folge: Die Frage der Softwareverantwortung klärt werden. Systemanalytiker Herbert Dressler würde gern wissen, wie weit sich ein Mikroanwender über die Problematik von "Softwarequalität" im klaren ist. Dressler: "Vielfach ist er überfordert und entscheidet sich für Produkte, die dann sehr schnell die Frage der Softwareverantwortung aufwerfen". Dr. Bernd Leugers von IKO Software Services GmbH ist überzeugt, nur durch die Bereitstellung komfortabler Hilfsmittel durch die zentrale DV kann der Wildwuchs dezentraler Softwareentwicklung gebremst werden. ih

Dr. Bernd Leugers

IKO Software Service GmbH, Stuttgart

Der Einsatz von Mikrocomputern und insbesondere PCs in den Unternehmen erscheint unaufhaltsam zu wachsen, Damit verbunden wächst auch die Gefahr einer unkontrollierten, dezentralen Softwareentwicklung.

Die Gefahren einer solchen unkontrollierten Softwareentwicklung liegen zum einen in der unzureichenden Qualifikation der Entwickler, die unter Umständen weitgehend EDV-Laien sind. Diese mangelnde Qualifikation führt zwangsläufig zu einer kostenintensiven Produktion der Software und zu fehlender Wiederverwendbarkeit. Eine weitere Gefahr , in der zur Zeit noch fehlenden Qualität der Standardsoftware von Mikrocomputern und PCs.

Angesichts dieser Gefahren liegt die Frage nahe, unter welchen Umständen eine Softwareentwicklung in einer solchen dezentralen Lösung überhaupt sinnvoll erscheint. Eine wesentliche Voraussetzung ist, daß die Entwicklung von einem entsprechend geschulten EDV-Fachmann durchgeführt wird. Durch die dezentrale Organisation eines solchen Mitarbeiters ist dieser weitgehend mit den Aufgabenstellungen der Fachabteilung vertraut und kann so, relativ schnell und kostengünstig, Programme erstellen. Eine Softwareentwicklung im Sinne der Entwicklung von Softwaresystemen sollte nur zentral durchführt werden. Angesichts möglicher Folgekosten durch fehlerhafte Programme dürfen "EDV-Laien" nur für den Umgang mit Standardsoftware-Paketen geschult und eingesetzt werden. Es ist Aufgabe einer zentralen EDV-Abteilung, die geeigneten Softwarepakete für die Anwendung in den Fachabteilungen auszuwählen, die Anwender zu schulen und die Software zentral zu verwalten und zu pflegen.

Ein Wildwuchs dezentraler Softwareentwicklung kann nur durch die Bereitstellung komfortabel und qualitativ hochwertiger Hilfsmittel durch die zentrale EDV gebremst werden.

Im Zuge einer zunehmenden Vernetzung der Computersysteme erweitern sich die Möglichkeiten einer zentralen Bereitstellung der Hilfsmittel und auch der zentralen Überwachung und Steuerung dezentraler Entwicklungen. Vermutlich wird bei einem entsprechend ausgebauten Rechnersystem mit Mikrocomputern und PCs der Begriff "dezentral" nicht mehr anwendbar sein.

Herbert Dressler

Systemanalytiker, Bilfinger + Berger Bau AG, Mannheim

Im Bereich der Personal Computer ist die Frage der Softwareverantwortung neu zu klären. Hier treffen meist zentral ausgewählte Systemkomponenten mit benutzerindividuellen Programmen zusammen. Grundsätzlich sollte derjenige die Verantwortung übernehmen, der die Auswahl des entsprechenden Produktes getroffen hat. In Problemfällen ist eine neutrale Softwareberatung durch einen eigenen Mitarbeiter zu empfehlen.

Betriebssysteme sollten zentral ausgewählt und dann auch zentral unterstützt werden. Bei auftretenden Problemen ist dann auch eine zentrale Unterstützung möglich. Das gleiche gilt für Datenbanksysteme, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Durch die Beschränkung auf einige wenige Produkte kann hier innerhalb kurzer Zeit ein Know-how aufgebaut werden, welches auch zur Fehlerbehandlung ausreichend ist. Alle Fehler auf diesem Gebiet sollten zunächst im eigenen Haus geprüft und erst dann an die entsprechenden Softwarelieferanten weitergegeben werden. Die durchschnittlichen Endbenutzer haben zumeist auch kein direktes Interesse, im Bereich der systemnahen Software, Verantwortung zu übernehmen.

Problematischer wird es im Bereich der benutzerspezifischen Programme. Falls die Software im eigenen Haus erstellt worden ist, wird die Verantwortung auch im Regelfall hier zu suchen sein.

Bei einem selbstprogrammierenden Benutzer kann in der Regel nur eine begrenzte Verantwortung für dessen Lösung übernommen werden. Dies auch nur dann, wenn zumindest das Problem vor Beginn der Programmierung gemeinsam analysiert worden ist. Eine Hilfestellung bei vollkommen isolierten Lösungen kann normalerweise mit vertretbarem Kostenaufwand nicht gegeben werden. An Stelle der Softwareverantwortung tritt hier eine Betreuung und Beratung des Mitarbeiters, die gerade in der Anfangszeit recht umfangreich ausfallen kann. Hier ist besonders die Frage wichtig, welche Probleme mit welchen Mitteln gelöst werden können.

Bei fremd eingekaufter problemnaher Software kann nur dann eine zentrale Verantwortung übernommen werden, wenn die Zentralstelle an der Problemanalyse, der Auswahl des Softwarelieferanten und der Beurteilung der angebotenen Software beteiligt war.

Schwierig ist auch die Frage, wie weit ein PC-Benutzer sich über die Problematik von "Softwarequalität" im klaren ist. Vielfach ist er hier überfordert und entscheidet sich für Produkte, die dann sehr schnell die Frage der "Softwareverantwortung" aufwerfen.

Andererseits ist auch die Zentrale meist nicht in der Lage, ein Produkt nach wenigen Stunden schlüssig und kompetent zu beurteilen. Hier läge der dazu erforderliche Aufwand in keinem Verhältnis zu den Produktkosten. In diesem Fall kann dann nur der Prüfaufwand am möglichen Schadensverlauf orientiert sein. Durch ständige Marktbeobachtung und durch Erfahrungsaustausch lassen sich solche Beurteilungen besser und schneller erstellen.

Alles in allem zeigt es sich,. daß gerade bei den PCs nur eine vorbeugende Softwarekontrolle sinnvoll durchführbar ist. Eine im nachhinein definierte Softwareverantwortung setzt nicht an der Wurzel des Übels an. Nachteilig wirkt sich auch die recht lange Antwortzeit der Anbieter von Standardsoftware aus. Dazu kommt noch, daß gerade beim Einsatz von PCs softwaretechnische, personelle und organisatorische Gegebenheiten sehr stark miteinander verbunden sind und die wahre Fehlerursache nur zu leicht auf den Bereich "Software" abgeschoben wird.

Jürgen Fuchs

EDV-Studio Ploenzke GmbH & Co. KG, Wiesbaden

Die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der Mikrocomputer (Arbeitsplatzcomputer beziehungsweise "Personal Computer") bringt uns gegenwärtig an die Schwelle zur "Computer-Selbstfahrer-Gesellschaft", das heißt, der Anwender braucht den Programmierer nicht mehr als "Chauffeur", er will jetzt selbst fahren.

Die technischen Voraussetzungen sind durch die modernen Kleincomputer gegeben die organisatorischen Voraussetzungen müssen erst noch geschaffen werden: In den Unternehmen muß das Konfliktpotential Integration oder Isolation, Zusammenspiel oder Wildwuchs, Kooperation oder Konfrontation gelöst werden, um die personellen und technischen Ressourcen optimal zu nutzen.

Die Rechnerzwerge als "Selbstfahrer-Computer" eröffnen den Fachbereichen eine Vielzahl von Perspektiven und Gefahren. Als wichtigste Chancen sind zu nennen:

Nutzung von Unternehmensdaten und aufgabengerechte Aufbereitung der Daten inklusive Texten und Grafiken. Diese mit Mikros erstellten Auswertungen sollten wie ein Dokument vom Fachbereich abgezeichnet werden, da sie nicht den Stempel "DV-geprüft" tragen, das heißt, nicht von revisionsüberprüften Programmen erstellt sind und eventuell nicht aus abgesicherten Datenbeständen erzeugt wurden. Durch das Kenntlichmachen der Verantwortlichkeit lassen sich divergierende Informationen im Unternehmen minimieren.

Erschließung von externen Datenbeständen, beispielsweise aus Wirtschaftsdatenbanken oder über Btx an andere externe Rechner.

Der Mikro wird dabei als multifunktionaler netzfähiger Arbeitsplatz genutzt und nicht als Fachbereichs-Rechenzentrale, Solche Fachbereichs-Rechenzentren bergen die große Gefahr von "Investitions-Ruinen", da die Fehler der DV-Abteilungen in den 60er Jahren hundertfach wiederholt wurden:

- unstrukturierte Programmentwicklung,

- mangelnde Datensicherung,

- Dateninkonsistenz.

Deshalb die dringende Empfehlung: Möglichst wenig Eigenprogrammierung (nur "Wegwerfprogramme"), sondern Nutzung von Standardsoftwarepaketen, damit beim Wechsel der Hardware beziehungsweise bei Release-Wechsel des Betriebssystems möglichst wenig neu programmiert werden muß.

Durch die Mikros wächst dem DV/Org.-Bereich eine bedeutende Rolle zu, die er aktiv aufnehmen sollte, die des Informations- und DV-Ressourcen-Managements.

Mit dem Einrichten der zentralen Koordinierungsstelle ist ein Instrument gegeben, die Fachbereiche bei der optimalen Nutzung der Unternehmensdatenbestände und von externen Informationsquellen zu beraten und zu unterstützen. Damit wird eine bessere und schnellere Informationsversorgung im Unternehmen eine größere Produktivität der Fachbereiche und die aufgabengerechte Nutzung der internen und externen DV-Ressourcen ermöglicht. Das heißt, der DV/Org.-Bereich entwickelt sich vom Programmentwickler beziehungsweise "Chauffeur der Fachabteilungen"

- zur "Computerfahrschule",

- zur "Datentankstelle",

- zum "Computer-ADAC", der als "gelber Engel" die Fachbereiche, insbesondere bei Auswahl und Einführung von Softwarepaketen, berät und unterstützt,

- zum "Computer-TÜV", der prüft, ob die selbst geschriebene Software den Richtlinien des Unternehmens, "den Verkehrsregeln", genügt.

Wenn dieses Rollenspiel von allen Beteiligten akzeptiert wird, ist der wirtschaftliche Nutzen des Einsatzes von Mikrocomputern sichergestellt.