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11.10.1985 - 

Kernspaltung bei Apple Computer:

Mikro-Pionier Steven Jobs gründet neue Firma

FRAMINGHAM (CW) - Rund neun Monate nach Stephan Wozniaks Ausstieg kehrt der zweite Apple-Gründer Steven Jobs, dem kalifornischen Unternehmen den Rücken.

Firmenchef John Sculley gibt grünes Licht für neue Wege. Propagierte er bislang den Computer für den von anderen Herstellern "vergessenen Manager", so heißt seine jüngste Parole für den Feldzug in die Büroetagen: Öffnung der Mac-Architektur. "Der Markt soll selbst entscheiden, wozu er den Computer braucht, Apple richtet sich danach", kommentiert Sculley den Schwenk. Jobs habe immer versucht, zuviel zu steuern.

Die Entwicklung eines erweiterbaren Mac sei bereits angelaufen. Die neue Version diene als Ergänzung, nicht aber als Ersatz für die bestehende.

Im Mai leitete Sculley die Apple-Reorganisation ein. Zunächst "befreite" er Jobs von den Tagesgeschäften und verlieh ihm den zweideutigen Titel eines Firmen-Träumers.

Unzufrieden mit seiner neuen Position als Chairman - er hatte weder etwas zu sagen, noch etwas zu tun - trat Job seinen Urlaub an. Ein paar Tage später verkaufte der mehrfache Millionär einen Teil seiner Apple-Aktien und heizte damit die Spekulationen an .

Mitte September zog er dann den Schlußstrich. Sein Ziel: ein eigenes Unternehmen, namens Next Inc. In ersten Gesprächen teilte er seinen Kollegen die Idee von einem Computer, zugeschnitten auf den expandierenden Hochschulmarkt, unter den Vorzeichen der Zusammenarbeit mit. Um so mehr überraschte es die Apple-Crew tags darauf, als sich ein halbes Dutzend Hardwerker als Next-Gründermannschaft präsentierte: Jobs hatte kurzerhand fünf Apple-Mitglieder aus strategisch wichtigen Positionen für sein Vorhaben abgeworben.

Verhandlungsbestrebungen - so jedenfalls meinte Sculley - scheiterten bereits in den Ansätzen Jetzt drohen Prozesse, Vertrauens- und Vertragsbruch sowie unerlaubte Aneignung von vertraulichen firmeneignen Informationen lautet die Anklage gegen den Mann der ersten Stunde und seinen Gefolgsmann, den "Treuebrecher" Richard A. Page. Als Hardwareentwickler arbeitete er laut Apple "an dem Produkt der nächsten Generation" in der Macintosh-Linie. Branchenkenner glauben zu wissen, daß es sich bei seinem letzten Projekt um den auf Motorola 68020-CPU basierenden Nachfolger des Mac handelt.

Für den frischgebackenen NextBoß ist die jüngste Aktion des kalifornischen Mikro-Machers nichts anderes als eine rufschädigende Kampagne. Vor der Kündigung sei es nämlich zu einer Einigung über sein Ausscheiden und über seine Pläne gekommen.

Den Next-Computer - vorerst existiert er lediglich auf dem Zeichenbrett - will Jobs im Erziehungsmarkt plazieren. Wie Angestellte der Carnegie-Mellon-University bestätigen, hat Jobs angekündigt, eine High-Performance-Workstation zu entwickeln, die auf Forschungen der Hochschule basiert. Sie soll dem sogenannten 3M-Standard für Arbeitsplatzcomputer in der Erziehung genügen.

Insidereinschätzungen zufolge wird der "nächste Apple-Konkurrent" mit 2 MB Hauptspeicher aufwarten, mehr als eine Million Befehle pro Sekunde verarbeiten und eine Bildschirmauflösung von 750 000 bis 1 Million Pixel bieten. Forschung und Ingenieurwesen sind als mögliche Zielmärkte im Gespräch, da sich vor allem in diesem Bereich die derzeitigen High-Performance-Maschinen als zu kostspielig erweisen.

Das Inter-University-Consortium für Computer im Erziehungswesen, eine Universitäten-Gruppe, die sich stark für Entwicklung eines derartigen Computers interessiert, schätzt den Preis für Jobs Neuschöpfung auf rund 3000 Dollar.

Um Software für seinen Rechner braucht sich der Ex-Apple-Manager wohl nicht zu sorgen: Die Carnegie-Mellon-University stellte Ende September 70 Programme für Hardwarekonfigurationen vor, wie sie von Jobs erwartet werden .