Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.11.1984 - 

KostenNutzen-Dilemma erfordert Neubesinnung:

Mikro-Software als Tutor für die Großen

Die Diskussion über "Software als Produkt" leidet beträchtlich unter der allgemeinen Definitionsproblematik auf dem DV-Sektor, Die einst von oben verordnete babylonische Sprachverwirrung wird heute nämlich erfolgreich von den Menschen selbst übernommen, allen voran die Marketingabteilungen der Anbieter. Was unklar definiert Ist, kann aber kaum klar analysiert und verstanden werden. es schafft Verwirrung, Mißverständnisse und Mißerfolg. Die heutige Durchdringung des Marktes mit DV-Anwendungen erfordert dennoch eine Neuorientierung: Software sollte als generell einsetzbares Massenprodukt gestaltet und begriffen werden.

"Software als Produkt" kann sich auf zwei völlig unterschiedliche Aspekte beziehen, die gedanklich nicht immer genügend sauber getrennt werden:

- Als Prozeß; die Erstellung einer Softwarelösung nach festen, vorgegebenen Regeln, weg von der nichtreproduzierbar-genialen Einzelleistung, hin zur ingenieurmäßigen Softwareproduktion.

- Als Erzeugnis mit besonderen Eigenschaften; Softwarelösungen, die in einem definierten Anwendungsbereich als Standards, als Massenprodukt verwendet werden können.

Es gibt überaus erfolgreiche Standardanwendungen, die sich hervorragend als Beispiele für einen "genial-chaotischen" Programmstil eignen - so wie es exzellent und sauber entwickelte Programme gibt, denen jeder kommerzielle Erfolg versagt blieb.

Die Fortschritte auf dem Gebiet der ingenieurmäßigen Softwareerstellung sind eher mühsam und langwierig. Auf dem Gebiet von Softwaremassenprodukten für Endanwender dagegen ist in den letzten Jahren ein Durchbruch sondergleichen erzielt worden.

Ein SW-Produkt ist nicht nur ein Programm für eine bestimmte, generalisierte Problemlösung. Da ist zunächst die Anwenderdokumentation wie etwa Benutzerhandbücher, Einführungen, technische Dokumentation oder Referenzkarten. Der Aufwand dafür wird heute noch, nach vielen bösen Erfahrungen, von allen Seiten grundsätzlich unterschätzt.

Da sind aber auch die Vertriebsunterlagen: der Anwender möchte sich anhand eines Prospektes, einer Kurzbeschreibung oder einer Demo orientieren.

Und schließlich gibt es all die Aspekte, die eine beträchtliche Organisation hinter jedem Produkt erforderlich machen:

- Schulung:

- anwendungsbezogen, zur Schulung des Anwendungsgebietes,

- produktbezogen, zur Schulung des Produkteinsatzes

- Unterstützung:

- technisch, bezogen auf Probleme mit dem Produkt

- organisatorisch; bezogen auf die Abstimmung zwischen Produkt und Produktumfeld

- Wartung, Pflege und Anpassung: die Sicherstellung des langfristig erfolgreichen Einsatzes beim Anwender, zum Beispiel:

- Anpassung an neue Vorgaben (Lohnformel...)

- Anpassung an neue Betriebsysteme

- Garantie eines Wachstumspfades

- Anschluß neuer Peripherie.

Softwareprodukte sind in Deutschland reichlich vorhanden - für alle Anwendungsgebiete, alle Rechnergrößen. Ihre Zahl wächst von Monat zu Monat und die Entwicklung wird weiterhin explosionsartig weitergehen (Abb. 1).

Der Grund dafür ist einfach: Ein Softwareprodukt, richtig eingesetzt, garantiert ein Aufwand/Leistungsverhältnis, das auf keinem anderen Weg erreicht werden kann.

Führend ist hier der Mikromarkt: es sind oft die Angebote auf diesem Sektor, die den Standard setzen für Minis und Großrechner. Die Produkte befinden sich zum Teil auf einem hohen Funktionalitätsniveau.

Auch die bisher nur Großrechnern vorbehaltenen technisch-wissenschaftlichen Anwendungen (etwa auf dem CAD-Gebiet) sind mit gleichbleibender Funktionalität in einen Preisbereich gerutscht, wo sie für den einzelnen Ingenieur oder das kleine Architekturbüro interessant werden. Schließlich sind die traditionellen kommerziellen Basislösungen ebenfalls funktionell ebenfalls stetig weiter ausgebaut worden.

Genauso wichtig ist jedoch, daß mittlerweile ein hoher Qualitätsstandard erreicht wurde:

- die Benutzerführung, mit Menü-Hilfstexten und Mäusen verringert die Einstiegsschwelle beträchtlich

- die Integration unterschiedlicher Anwendungsgebiete in einem Produkt wird zunehmend zum Standard

- die Dokumentation vieler Produkte ist von hohen Niveau, benutzerspezifisch, und leicht zu verstehen.

Schließlich gilt, daß Softwareprodukte meistens preisgünstig sind. Für den Gegenwert eines Manntags bis eines Mannmonats, bei sehr komplexen Lösungen bis zu einem Mannjahr, bekommt der Anwender ausgereifte und von unterstützte Lösungen.

Wenn der Interessent seine Problemstellung genau definiert, daraus realistische Anforderungen an ein Softwareprodukt ableitet, ein Produkt auswählt, das diese Anforderungen von abdeckt, genau prüft, ob das ausgewählte Produkt den aufgestellten Aspekt entspricht und den Einsatz dieses Produkts sorgfältig plant, dann sollte dies eigentlich eine erfolgreiche Anwendungslösung garantieren. Er hätte somit das Softwareprodukt als das benutzt, was es im besten Falle ist: zwar kein hinreichendes, aber ein absolut notwendigeres Element einer effizienten und kostengünstigen Problemlösung.

*Dr. Thyge Weller ist Leiter Beratungszentren Deutschland der Digital Equipment GmbH, München.

- Komplexe Aufgaben werden durch Softwareprodukte nicht weniger komplex - nur weniger mühsam. Der Kauf eines Finanzbuchhaltungspakets ersetzt nicht die Kenntnis der doppelten Buchführung; der Kauf eines Textverarbeitungspakets löst nicht die Organisation einer Ablage.

- Ein Softwareprodukt ist im Einsatz so sinnvoll wie die Benutzer bereit sind, damit zu leben. Das perfekte, problemlos auf eine Organisation passende Produkt gibt es nicht. Reizt -der User die Funktionalität eines Produkts von aus, so hat er sicher mehr Probleme, als wenn er Im wesentlichen seine Basisfunktionalität benutzt.

- Jedes Produkt ist optimiert auf einen bestimmten Einsatzbereich und darf nur Innerhalb dieses Bereichs verwendet werden. Ein Einsatz einer Auftragsverwaltung als dediziertes Lagerverwaltungssystem führt mit großer Wahrscheinlichkeit zum Mißerfolg, ebenso der Einsatz eines reinen Zeichenpakets als CAD-Ersatz.

- Softwareprodukte sind vom Entwurf her unterschiedlich weit für den produktiven Einsatz vorbereitet. Ein Textverarbeitungspaket kann im Regelfall ohne Eigenaufwand des Anwenders benutzt werden; bei einem Finanzplanungspaket missen aber zunächst anwendungsspezifische Berechnungsmodelle erstellt werden. Bei komplexen Applikation schließlich verschwimmt die Grenze zwischen dem Endanwenderprodukt und dem Werkzeug, das Im Rahmen eines Individualprojekts benutzt wird. Wichtig ist, daß der Benutzer sich über diesen Zusatzaufwand Im klaren ist - er meint oft, ein Fertigungsprodukt gekauft zu haben und hat doch in Wirklichkeit einen komfortablen Werkzeugkasten.