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Französische Computermesse als Parkett für europäische PC-Announcements:


07.10.1983 - 

Mikroboom fegt SlCOB-Lethargie vom Tisch

PARIS - "Pragmatisch-positiv", so der erste Eindruck eines SICOB-Besuchs letzte Woche in Paris. Die leichte Lethargie, die wegen der desolaten Wirtschaftslage noch die letztjährige größte Computer- und Informatikschau Frankreichs durchdrang, schien wie weggeblasen. Unter den Scharen von Zuschauern und Profis, die sich um die Stände auf den über 80 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche drängelten, waren Produktpralinees allerdings erst auf den zweiten Blick zu entdecken. Wie auch auf anderen Computershows der letzten Jahre bestimmte der Mikro in all seinen Formen das Gesicht dieser Messe. Dennoch: Für den DV-Profi boten sich viele interessante Neuheiten auf allen Gebieten der Informations- und Kommunikationstechnologie.

Der Trend zum Kleinen zeigte sich auch bei Anbietern, die bislang nur die Großrechnerszene bestimmten. So stellte beispielsweise die IBM neben ihrem im Frühjahr angekündigten System /36 den Personal Computer in den Vordergrund ihrer Präsentation.

Bull präsentierte sich erstmals nach der Konzernumgruppierung dem internationalen Publikum mit neuem Gesicht. Das Unternehmen vereinigt nun die Divisionen Bull Systemes, Bull Periphériques, Bull Transac und Bull Sems unter einem Firmenlogo. Gezeigt wurden aber auch hier nur Systeme der unteren und mittleren Leistungsklasse.

Mathilde sorgt für Aufsehen

Neben Betriebssystem-Erweiterungen für die Rechnerserien DPS 4 und 7 zog vor allem ein neuer Drucker mit einer 90-Seitenleistung je Minute das Interesse auf sich. "Mathilde" wurde auf der SICOB erstmalig einer breiten Öffentlichkeit vorgeführt. Das Besondere an diesem Drucker ist seine neuentwickelte Magnettrommeltechnologie. Auf einer rotierenden Trommel wird das Bild punktweise magnetisch aufgebaut. Die magnetisierten Zonen ziehen Farbträger auf die Trommel und projizieren so das gespeicherte Bild auf das Papier. Neues auch für den "Questar": eine neue Serie monochromer und farbiger Terminals. Diese Bildschirme mit der Bezeichnung 7211 sind sowohl einfarbig, als auch vier- und siebenfarbig lieferbar und lassen sich nach Aussage der Bull-Verantwortlichen an alle Questar-Systeme anschließen.

Weltpremiere bei Burroughs: Das Unternehmen wählte den 34. Salon in Paris, um einen neuen Laserdrucker vorzustellen. Der B9290-30 gilt als das erste Mitglied einer zukünftigen Printer-Familie und ist für die Rechnerserien B5900, B6900 und B7900 vorgesehen. Seine Leistung liegt bei 30 Seiten pro Minute.

Neu für den französischen Markt die Terminals der Burroughs-Serie ET (ET1100 und ET2000) sowie der Mini B95 und der B1990. Der B95 mit einem Speicher von 512 KB ist sowohl für den Einsatz in lokalen als auch in Netzwerken gedacht.

Stand bei Burroughs die Ergonomie mit an vorderster Stelle des Produktmarketings, so ließ sich der Trend zum anwenderfreundlichen und integrationsfähigen Gerät auch bei anderen Herstellern verfolgen. DEC beispielsweise zeigte sich büroautomationsorientiert, ICL präsentierte von Sligos entwickelte Software für SNA-Kommunikation über das Transpac-Netz und NCR hatte seinen Personal Computer "Decision Mate" in das lokale Netzwerk "Decision Net" geschaltet.

Supershow für DV-Youngster

Sicob-Renner waren denn auch in jeder Hinsicht kommerzielle Mikros. Bermerkenswert die Ruhe und Gelassenheit, mit der das Standpersonal Kinder und Jugendliche an den Geräten üben ließ - die Käufer der Zukunft in ihrem Eldorado.

Wie schon auf der Hannover-Messe gab es rund um den Apple-Stand kein Durchkommen mehr: Lisa zog auch die Franzosen in ihren Bann.

Auf ihre Kosten kamen aber vor allem auch die IBM-PC-Besitzer. Die Sonderschau "SICOB-Boutique" bot Vielerlei für dieses Gerät - Software, Zusatzboards und Peripherie.

Obwohl die PC-Verkaufszahlen der IBM in Frankreich noch hinter denen von Commodore, Apple oder Tandy liegen, sehen Beobachter in diesem Angebot Hinweise auf den zukünftigen Erfolg des IBM-Kleinen.

Erstmals in Europa zeigte der französische Distributor Gepsi den Sord M68. Der 16-Bit-Rechner basiert auf einem Motorola 68 000-Chip und hat eine Speicherkapazität von 256 K RAM, die auf ein Megabyte ausgebaut werden kann.

Mit einer Europa-Premiere wartete ebenfalls Sanyo auf. Das Unternehmen stellte den 16-Bit-Micro MBC555 vor. Dieser Rechner basiert auf einem 8088-Chip und ist IBM-kompatibel. Er wird mit einem Farb-Display geliefert.

Auf zwei Chips läuft der "Orchidee", der auf dem Stand der Symag Informatique ausgestellt war. Durch die Architektur mit einem Intel- und einem Zilog-Prozessor ist dieser 16-Bit-Mikro kompatibel zu den meisten PCs seiner Klasse. Er läuft unter den Betriebssystemen CP/M+, CP/M86 und MS-DOS.

Begeistert allerdings zeigten sich die französischen und ausländischen Besucher von den Tragbaren. Die Aussteller boten Geräte vom "Taschen-Telex" (Jeumont-Schneider) bis hin zum klassischen Parable á la Osborne.

Jeumont-Schneiders "Jistal M" wiegt knapp eineinhalb Kilo. Das Gerät speichert rund 25 Seiten Text, die über Telefonleitung übertragen werden können. Die ersten Auslieferungen sollen Anfang 1984 erfolgen. Dieses System wird voraussichtlich auf der in Kürze stattfindenden Systems in München nicht gezeigt werden. Mit dem Rezept kleiner, aber nicht weniger leistungsfähiger Computer fanden die Aussteller dieser Systeme offene Ohren und Augen bei den Zuschauern.

Aufmerksamkeit erregte auch die bereits auf der NCC in Chicago angekündigten kleinen Rechner der Gavilan und der brandneue SKS 2500.

Der SKS-Mikro läuft unter CP/M und baut auf einem Z80A-Chip auf. Zwei 5 1/4-Zoll-Floppies mit 560 KB sorgen für den nötigen Speicherplatz. Tandy erschien mit einem neuen TRS80 Modell 100 in der CNIT.

DV en famille

Im Trend liegen die Tragbaren aber nicht nur wegen ihrer geringen Abmessungen und ihrem günstigen Gewicht. Herausgestellt wurde von fast allen Ausstellern der individuelle und "familiäre" Charakter der Geräte. So warb beispielsweise Texas Instruments mit dem Motto "Der familiäre Computer" um die Gunst der Messebesucher. Die Vielzahl der Computerspiele trug mit dazu bei, dem Besucher einen leichteren Zugang zu dem Gerät zu verschaffen. Dem entsprechen auch viele neu vorgestellte Programme für Groß- und Kleinrechner. Zwar bewegten sie sich in bekanntem Rahmen, festzustellen jedoch bleibt, daß sich in Frankreich allmählich ein starker Standard-Softwaremarkt entwickelt.

Insbesondere stieg nach Ansicht von Marktbeobachtern das Angebot an Standardprogrammen für Mikros. So stellt Xavier Daras Geschäftsfüher der CXP, eines Softwarekatalogverlages, auf diesem Sektor eine Verdoppelung der gemeldeten Produkte in einem Jahr fest. Wenig nachgefragt allerdings werden nach seiner Aussage Programme, die eine Kommunikation zwischen Mikros und Mainframes erlauben.

Eine Konsequenz haben die Verantwortlichen bereits aus der Mikroschwemme der diesjährigen Messe gezogen. Im Frühjahr 1984 findet eine "Frühjahrs-Sicob" statt. Vom 14. bis 19. Mai heißt es dann in der CMIT: Vorhang auf für Mikros und Mikrosoftware. Aber auch die Herbstveranstaltung soll nach dem Willen der Veranstalter umorganisiert werden.

Ein Etagenwechsel mit der Sektion "Büromöbel und Organisationsmittel" soll in Verbindung mit einer Optimierung der Besucherwege und Standplätze der DV mehr Luft verschaffen.