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20.04.1979 - 

Lehrer mahnen PET-Software an:

Mikrocomputer dringen in den Schulbereich ein

MÜNCHEN - Der Commodore 2001 erfreut sich besonders in der Lehrerschaft steigender Beliebtheit. Das ist nicht allein auf den niedrigen Preis, sondern auch auf die einfache Bedienung und die Programmiersprache Basic zurückzuführen. Probleme gibt es jedoch mit der Software. Am 30. und 31. März trafen sich Lehrer in München, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

Auf einem Seminar in Dillingen (die COMPUTERWOCHE berichtete am 1. Dezember 1978 darüber) wurde der Entschluß gefaßt, ein solches Treffen aller Lehrer zu organisieren, die einen Commodore 2001 besitzen oder damit arbeiten. Der Workshop fand nun Ende März im Bürozentrum Schulz in München statt.

Mit dem Erscheinen von Mikrocomputern ist es den Schulen erstmals möglich geworden, kleine Datenverarbeitungsanlagen in größerem Umfang einzusetzen. Bisher scheiterte der Wunsch der Lehrer mit der EDV zu arbeiten meist an den hohen Kosten. Hinzu

kamen noch zu große Klassenstärken. Der Einsatz einer Datenverarbeitungsanlage allein ist weder im berufsbildenden Schulbereich noch im gymnasialen oder im Realschulbereich sinnvoll, wenn je ein Schüler während einer Unterrichtsstunde nur fünf Minuten an dem Gerät arbeiten kann. Aus diesem Grunde wurde in der Bundesrepublik der Schritt zu größeren Datenverarbeitungsanlagen innerhalb einer Schule, wie er in Amerika praktiziert wurde, erst verhältnismäßig selten gemacht. In Deutschland konzentrierte man sich vielmehr auf Computer im Bereich zwischen 30 000 und 60 000 Mark, war jedoch allein mit einem Rechner eben - aus den erwähnten Gründen nicht zufrieden. Versuche, an diese Kleincomputer mehrere Bildschirme anzuschließen oder sogar mit einer Video-Kamera den Bildschirm aufzunehmen und über Fernsehgeräte wiederzugeben, waren nur bis zu einer gewissen Grenze erfolgreich. Erst Mikrocomputer machten es möglich, Schulklassen in größerem Umfang auszustatten. So gibt es bereits im Münchener Raum eine Schule, die zwölf Systeme zu einem Gesamtpreis von etwa 30 000 Mark bestellt hat.

Jetzt ist es möglich, Schüler an den Geräten wirklich arbeiten zu lassen und ihnen die Logik des Programmierens, die Benutzung von Dateien und eine Programmiersprache näherzubringen.

Das wurde bereits in den neuesten Lehrplänen, die ab Herbst 1979 für berufsbildende Schulen gültig werden, berücksichtigt. In diesen Lehrplänen wird die Programmiersprache Basic für bestimmte berufsbildende Schultypen als verbindlich vorgeschrieben. Außerdem wurde das Fach Datenverarbeitung als Unterrichtsfach stark ausgeweitet.

Das Treffen in München befaßte sich im wesentlichen mit folgenden Problemkreisen:

- Literatur: Für die Programmiersprache Basic ist Literatur meist nur in Englisch vorhanden; die deutschsprachige Literatur ist häufig für den Unterrichtsgebrauch zu schwierig.

- Transparente: Nur wenige Verlage (so der Erich Schmidt Verlag, Bielefeld) bieten Transparente zur Einführung in die Datenverarbeitung und für die Programmiersprache Basic an. Hier müßte mehr schulgeeignetes Material angeboten werden.

- Kostenprobleme: Mit Einführung der Mikrocomputer sind einige Kostenprobleme für die Schulen gelöst; manche Schulen konnten sich Rechner aus dem Schreibmaschinen-Etat kaufen.

- Wartung: Die Lehrer waren sich einig, daß ein Wartungsvertrag für ein Mikrocomputer-System nicht sinnvoll ist. Man möchte vielmehr den Rechner versichern lassen, da durch den Einsatz im Unterricht häufig solche Beschädigungen auftreten, die von den Schülern zu vertreten sind.

- Service: Der Service ist weitgehend geregelt, bestimmte Gebiete, zum Beispiel der Raum Regensburg, aber auch andere Bereiche außerhalb der Großstädte, sind jedoch noch nicht zur vollen Zufriedenheit einbezogen. Hier wurde ein dichteres Kundennetz begrüßt werden.

- Peripherie: Die Peripherie läßt noch zu wünschen übrig. Zwar sind von verschiedenen Herstellern anschließbare Geräte im Vertrieb, jedoch übersteigen zum Beispiel die Preise der angebotenen Drucker den Preis des Rechners um fast 1000 Mark. Man wird also die eigene Produktion der Firma Commodore abwarten.

- Schulverwaltung: Für viele Schulen kann ein Rechner nur dann angeschafft werden, wenn der Direktor davon überzeugt werden kann, daß die Schulverwaltung zum Teil oder vollständig vom Rechner übernommen wird. Hier war man sich im Kreise der Lehrer einig, daß mit der Schulverwaltung ein Mikrocomputer überfordert ist und so etwas erst gar nicht versucht werden soll.

Natürlich können einfache Programme zur Unterstützung der Schulverwaltung entwickelt werden, wie das Ausdrucken von Klassenlisten, das Berechnen von Schülernoten oder das Schreiben von Zeugnissen. Aber alle weitergehenden Programme, die sich mit

Datei-Verwaltung beschäftigen, sind mit der Grundausstattung des Commodore 2001 nicht durchführbar.

Außerdem war man sich einig darüber, daß ein System, das für die Schulverwaltung eingesetzt wird, dem Unterricht entzogen wird.

- Software: Für den Bereich der Mikrocomputer, diese Aussage gilt also nicht nur für den Commodore, sondern auch für andere Systeme, gibt es zwar Software, jedoch für den Schulbereich sind kaum brauchbare Programme vorhanden. Die mitgelieferte Kassette von Commodore, die eine Einführung in die Programmiersprache Basic beinhaltet, ist für den schulischen Unterricht nicht verwendbar. Die meisten auf dem Markt vorhandenen Programme sind außerdem so kompliziert, daß sie in dem normalen Unterricht (Kollegstufe des Gymnasiums wurde hier ausgeschlossen) nicht zu benutzen sind.

Gerade in bezug auf die Schul-Software zeigte es sich, daß ein Treffen dieser Art notwendig war. Es wurde eine Kontaktstelle geschaffen (D. Achleitner, Riesstraße 58, 8000 München 50, Telefon 089/1 49 18 20), die es übernommen hat, von Lehrern geschriebene Programme oder auf dem Markt angebotene Programme auf schulische Einsatzmöglichkeit zu testen und den Lehrern anzubieten. Auf diese Weise können Lehrer die von ihnen erstellten Programme an die Kontaktstelle schicken und dafür kostenlos Programme erhalten oder für einen bestimmten Betrag Programme von der Kontaktstelle kaufen.

Das Treffen zeigte, daß Eigeninitiative eines bestimmten Anwenderkreise zu guten Ergebnissen führen kann. Viele Hardware- und Software- sowie Programm-technische Probleme konnten an Ort und Stelle gelöst werden, und manch ein Lehrer kam mit neuen Anregungen und Ideen für seinen Unterricht in den Schulalltag zurück

Prof Klaus Jamin unterrichtet an der Fachhochschule München.