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27.09.1985

Mikrocomputer-Einsatz: Dezentrale Denkweise setzt sich durch

Der Einsatz von Mikrocomputern allein ist für die Abnabelung von der zentralen DV nicht ausreichend. "Der Endbenutzer muß", betont Peter Brentle, DV-Leiter bei der Panavia Aircraft, München, "mündig werden." Der Schweizer Org./DV-Leiter Rolf Dreier ist überzeugt, daß die bewußte Abkehr vom Zentralismus voraussetzt, den Mikro-Anwender auf ein höheres Wissensniveau zu bringen. Der Baseler DV-Profi hat bislang bei seinem Bestreben, die Datenverarbeitung vom zentralen "DV-Olymp" weg- zum Endbenutzer hinzubringen, gute Erfahrungen gemacht. Allerdings sollten nach Ansicht von Peter Brentle die Aktivitäten der Sachbearbeiter gezügelt werden, wenn sie zu Eigenentwicklungen führen. Für den Münchner gibt es nur eine Institution, die diese Probleme steuern kann: das Benutzer-Service-Zentrum.

Peter Brentle

DV-Leiter, Panavia Aircraft GmbH, München

In einer Zeit, in der in der Fachabteilungen eine große Anwendungspalette zunehmend mit Mikrocomputern ab gedeckt wird, muß der Enduser mündig werden. Beim Mikroeinsatz in Unternehmen sollten die Sachbearbeiter deshalb über mehr Hintergrundwissen als bisher verfügen. Zum einen fördert dies das Verständnis für die Groß-DV, zum anderen benötigen die Endbenutzer Verständnis für den Mikro, um beispielsweise auftretende Fehlerquellen selbst lösen zu können.

Der mündige Sachbearbeiter soll bei seiner Arbeit am Computer mitdenken und Ideen und Initiative entwickeln. Allerdings muß der DV-Leiter zeitweise die Aktivitäten des Sachbearbeiters oder der Fachabteilung zügeln, wenn das Know-how des Benutzers zu Eigenentwicklungen führt. Keinem Sachbearbeiter sollte es erlaubt sein, auf seinem Mikro eigenständig zu programmieren. Nicht nur, daß er damit den mühsamen Softwareentwicklungs- oder Projektabwicklungsmethoden der Programmierer ins Gehege kommt. Diese von ihm geschriebene spezielle Anwendung wäre nur für ihn brauchbar, also nicht allgemeingültig, und von der Kostenseite her uneffektiv. Darüber hinaus schreibt ein Programmierer wohl eine Anwendung auch schneller und besser als ein Benutzer, der sich im Programmieren versucht.

Eine sinnvolle Einrichtung ist meines Erachtens ein Benutzer-Service-Zentrum. Die Fachleute, die dort arbeiten, können die Belange der Sachbearbeiter steuern und lösen und somit den DV-Leiter entlasten. Allerdings dürfen diese Profis nicht den Fehler machen, sich wieder von der Fachabteilung wegzubewegen und den Mikro zum Selbstzweck werden zu lassen. Die Mitarbeiter dieses Service-Zentrums sollen sich mit den Problemen auseinandersetzen, die die Fachabteilung mit dem Mikro lösen will, aber nicht mit höchst komplexen Softwarepaketen herumspielen und versuchen, sie dem Sachbearbeiter schmackhaft zu machen. Der alte DV-Fehler, eine Spielwiese einzurichten, muß vermieden werden.

Wir haben vor etwa einem Vierteljahr ein Benuter-Zentrum eingerichtet, das momentan noch aus einem Fachmann besteht. Bei Problemen wendet sich der Sachbearbeiter jetzt nicht mehr an den DV-Leiter, sondern an diesen Mikro-Profi und versucht mit ihm die auftretenden Schwierigkeiten zu lösen. Darüber hinaus sollte das Benutzerservice-Zentrum denjenigen Sachbearbeitern helfen, die praktisch bei Null, also ohne Mikro-Know-how, anfangen.

Besteht eine solche Einrichtung, kann der DV-Leiter, losgelöst von der Betreuung der Fachabteilungen, sich um strategische Aufgaben kümmern. Die Fachabteilung tritt nur noch mit Problemen an ihn heran, die das Benutzerservice-Zentrum nicht lösen kann.

So ist beispielsweise das Problem des Mikro-/Mainframe-Links unter anderem das des Datentransfers bis heute noch nicht richtig gelöst. Ich erwarte aber, daß sich in diesem Bereich einiges tun wird. Deshalb sollte jedes Unternehmen schon jetzt strategische Überlegungen in Richtung Office Automation anstellen.

Rolf Dreier

Leiter Org./DV, Schmidt-Agence AG, Basel

Um meine Eindrücke zu diesem Thema in einen übergeordneten Zusammenhang zu bringen, ist es notwendig, den Aktionsrahmen meines Arbeitgebers, der Schmidt-Agence AG, näher zu kennen. Wir sind ein schweizerisches Kioskunternehmen und betreiben in der deutsch- und italienischsprechenden Schweiz rund 1100 eigene Verkaufsstellen, vom einfachen Quartierkiosk bis hin zum anspruchsvollen Ladengeschäft im Flughafen und beliefern über 2700 Wiederverkäufer.

Als Detaillist und Grossist zugleich versorgen wir diese Kioske und Läden mit über 2000 verschiedenen Presseartikeln.

Verlagsauslieferungen namhafter Bücher- und Taschenbuchverlage und das Beliefern von rund 25 Restaurantbetrieben runden unser Tätigkeitsfeld ab. 4200 Mitarbeiter sind für die Bewältigung dieser anspruchsvollen Aufgabe engagiert.

In der Entwicklung unserer Datenverarbeitung setzen wir, nach vielen Jahren der Batch-Verarbeitung, seit nunmehr acht Jahren Dialoganwendungen ein. Damit hat sich ein Wandel in verschiedener Hinsicht vollzogen. Nicht nur wurde der Sprung von der ursprünglichen Datenverarbeitung zur Informationsbearbeitung vollzogen, auch die

Vorstellungen und Ansprüche des Anwenders wurden konkreter formuliert und in engere zeitliche Realisierungsvorstellungen gelegt. Hier haben wir begonnen, eine Philosophie zu definieren, die sowohl für die Datenverarbeitung im engeren Sinne wie auch für den Endanwender gleichermaßen nachvollziehbar ist. Auf einen Nenner gebracht heißt das, daß wir uns auf die professionelle Verwaltung eines definierten zentralen Datenbestandes samt der Verarbeitung operativer Prozesse beschränken und die Datenauswertung zu dispositiven oder führungsunterstützenden Maßnahmen in die Abteilungen delegieren. Diese Definition beinhaltet auch das Bekenntnis, "mündige" Anwender als DV-Partner zu akzeptieren und sie in informationstechnischer Hinsicht weiterzubilden. Das heißt, sie sogar in einen Kreis einzubinden, der die mittel- und langfristigen EDV-Ziele diskutiert und die einzelnen Entwicklungsetappen festlegt.

Der Einsatz von Mikrocomputern ist eine logische Konsequenz auf dem Weg unseres dezentralen Informationskonzeptes. Diese Geräte sollen nicht nur punktuelle Abteilungsaufgaben lösen, sondern auch Mitarbeiter unterschiedlichster Hierarchien in ihrer Entscheidungsfindung unterstützen. Diese bewußte Abkehr vom zentralen Selbstverständnis, nur die DV-Abteilung sei in der Lage "DV" zu betreiben, setzt nebst einer "dezentralen" Denkweise unter anderem auch voraus, den PC-Anwender auf ein höheres Ausbildungs- und Wissensniveau zu bringen. Dieses Ziel ist innerhalb des normalen DV-Alltages fast nicht zu erreichen.

Deshalb haben wir uns entschlossen, einen eigens hierfür zuständigen Zweig zu schaffen, der alle Belange der IDV = Individuelle Datenverarbeitung - bearbeiten muß. Hier werden nicht nur Strategien diskutiert und formuliert, hier wird praxisbezogen der einzelne PC-Endanwender betreut, um seine Mini-Hardware als unterstützendes Arbeitsmittel für eine effizientere Erledigung seines Alltages einsetzen zu können.

Unbestritten ist dabei der Wunsch, ja sogar die Notwendigkeit nach einer breiteren Denkweise des Endanwenders. Wenn gestern noch unstrukturierte und allgemein gehaltene Anwenderforderungen an der Tagesordnung waren und das Risiko einer guten DV-Applikation fast ausschließlich beim Analytiker/Programmierer lag, ist heute ein neues Bild zu zeichnen. Der Endbenutzer ist angehalten, seinen Arbeitsbereich analytisch zu beurteilen, Zusammenhänge zu erkennen und Zielsetzungen zu formulieren. Diese dann DV-technisch umzusetzen und in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu bringen ist Aufgabe der DV. Das Engagement und somit auch die Erfolgsgarantie "Anwender: DV-Umsetzung" dürfte bei "50:50" liegen.

Unter dem Oberbegriff "office work station" ist definiert daß einerseits der flächendeckende Daten- und Informationsverkehr zwischen der zentralen EDV und dem Anwender funktioniert, daß aber andererseits der PC-Benutzer professionell unterstützt wird. Damit sollen letztlich mehr quantitative und qualitative Leistungen erreicht werden. Durch unsere IDV betreuen wir diese Mitarbeiter - derzeit sind es 25 - individuell nach Maßgabe ihrer Einsatzgebiete.

Zugegeben, alle unsere gesteckten Ziele haben wir noch nicht erreicht. Aber bemühen uns bewußt, dem Anwender diejenigen DV-Ressourcen zur Verfügung zu geben, dieses wünscht und benötigt und nicht wie früher diese ausschließlich ab zentralem Rechenzentrum zu von uns diktierten Bedingungen zur Verfügung zu stellen.

Nebst den gängigen PC-Softwareprodukten, die größtenteils dem Industriestandard entsprechen, setzen wir auch selbst entwickelte PC-Programme ein. So wollen wir das Einsatzgebiet abrunden, um den Mikro universell einsetzen zu können. Etwa die Hälfte unseres IDV-Potentials investieren wir zu Ausbildungszwecken beim Anwender. Auch wenn hier noch viel Arbeit vor uns liegt, bestätigen uns die in den letzten zwei Jahren gemachten Erfahrungen in unserem Bestreben, die Datenverarbeitung wegzubringen von zentralen "DV-Olymp" hin zum interessierten Anwender. Durch gezielte Schulung und Information ist er letztlich in der Lage, sein persönliches Arbeitsumfeld effektiver zu gestalten. Die Summe all dieser Leistungssteigerungen tragen zu einem gesunden und erfolgreichen Unternehmen bei. Mit dem Ingangsetzen der soeben aufgezeigten individuellen Informationsstrategie darf die "neue EDV" ein kleines Scheibchen des Unternehmenserfolges für sich beanspruchen.