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28.10.1983 - 

Verband Deutscher Rechenzentren (VDRZ) hofft auf Trendwende

Mikrocomputer-Markt: Kollaps vorprogrammiert?

Nachdem es einige Mikrocomputer-Anbieter böse getroffen hat, wittern die freien Rechenzentren Morgenluft. Der Personal-Computer-Boom hatte ihnen arg zu schaffen gemacht, wollten doch immer mehr Klein- und Mittelbetriebe, traditionell auf Außer-Haus-Lösungen eingestellt, nunmehr mit eigenen Kleincomputern arbeiten. In "RZ-mandant", dem "Wirtschaftsbrief für die Kunden der VDRZ-Rechenzentren", geht Herausgeber Peter Lange-Hellwig ausführlich auf die neue Situation am Mikromarkt ein.

Die Juli-Ausgabe des RZ-mandant hatten wir mit dem Thema eröffnet "Es kracht im Mikro-Gebälk". Wir hatten aufmerksam gemacht auf das Spannungsfeld, in das in einem gnadenlosen Wettbewerb auch seriöse Firmen wie Sirius, David, Victor, Texas Instruments etc. geraten waren. Und nun kracht es schon wieder. Diesmal ist Osborne dran.

Die Gesellschaft, die in Haward/Kalifornien ausschließlich tragbare Computer herstellt, hat Konkurs angemeldet. Der Artikel 11 des amerikanischen Konkursgesetzes soll ein Unternehmen mit Finanzproblemen vor den Gläubigern vorerst schützen und gibt ihm Zeit zur Neuordnung der Geschäfte unter Führung eines gerichtlich bestellten Verwalters. Das passiert nun mit Osborne. Dem schnellen Aufstieg des Computer-Newcomers folgte ebenso schnell der Kollaps. Die Gesellschaft wurde erste Mitte 1980 gegründet und hatte im gleichen Jahr bereits einen Umsatz von fast 100 Millionen Dollar mit 1000 Geschäften. Jetzt sollen noch 80 Mitarbeiter beschäftigt werden. Seit Monaten ließ sich der Osborne I nicht mehr absetzen, weil die Technologie vom Wettbewerb eingeholt worden war und vor allem der sogenannte Personal Computer von IBM in den USA das Rennen machte. Das Nachfolgermodell des tragbaren Osborne I ließ zudem auf sich warten, war aber angekündigt, was einen sofortigen Stop des Absatzes von Osborne I bedeutet hatte.

Die deutsche Osborne Computer Corp. GmbH in München läßt zwar verlauten, daß sie weitermachte, man fragt sich nur, welche Geräte sie verkaufen will. Im Gespräch ist ein tragbarer Computer, der IBM-PC-kompatibel sein soll. Ab Mitte Oktober soll er auf den deutschen Markt kommen. Osborne ist - wie gesagt - kein Einzelfall. Viele Unternehmen ware zu forsch mit ihren Umsatzerwartungen und erlitten schwere Verluste. Besonders Texas Instruments, Atari und Mattell haben mit ihren Heimcomputern Schiffbruch erlitten. In der Preisklasse zwischen 1000 und 5000 Dollar gibt es inzwischen (FAZ) etwa 300 Hersteller, von denen wahrscheinlich nicht mehr als 50 in den nächsten Jahren überleben werden.

Auch für Osborne wird ein Käufer gesucht. Verkaufsgespräche sind mit ITT und NCR geführt worden. In Wall Street wird bezweifelt, daß die überschuldete Gesellschaft für die beiden Großen der Kommunikationsindustrie als Einstieg in das Kleincomputergeschäft interessant ist. Solche Meldungen müssen naturgemäß breite Käuferschichten verunsichern. Wir wollen keine Miesmacher sein, aber es ist unsere Pflicht, vor Exoten zu warnen, besonders dann, wenn sie nicht mehr als eine Insellösung anbieten. Bei vielen Systemhäusern und Service-Rechenzentren werden die PCs als Bestandteil eines geschlossenen Systems eingesetzt und vermarktet. Mit seriösem Erfolg. Der Kunde eines Service-Rechenzentrums ist aber auch keine Eintagsfliege. Hier geht es nicht um das schnelle Geld, sondern um eine langfristige, beiden Seiten gerecht werdende Geschäftsverbindung, Betreuung und Service stehen im Mittelpunkt des Angebots der VDRZ-Unternehmen.