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14.06.1996 - 

Fokus vor allem auf Mittelständler

Mikroelektronik aus der Ex-DDR garantiert flexibles ASIC- Design

Chemnitz galt schon zu DDR-Zeiten als eine Hochburg des Maschinenbaus und der Mikroelektronik. Allein das Schaltkreisentwurfszentrum der Textima-Elektronik hatte 40 Prozent Anteil am gesamten ASIC-Markt der DDR. Doch mit der Wende kam das Aus. Die Hinterlassenschaften der Schaltkreisentwurfszentren Textima und des Forschungszentrums Werkzeugmaschinenbau (FZW) mutierten zu begehrten Immobilienobjekten.

Ihre Rettung verdankten die größten ASIC-Produzenten Ostdeutschlands zwei branchenfremden westdeutschen Unternehmen, die die Liegenschaften von FZW und Textima gekauft hatten. Im Mai 1992 gründeten das Immobilienunternehmen Gerfema, die Contibau Chemnitz sowie ein privater Chemnitzer Investor die Gemac mbH mit 30 Mitarbeitern.

Das Unternehmen setzt vor allem auf seine Stärken bei der kompletten elektronischen Entwicklung verschiedener Anwendungsgebiete. Eine Palette, die von der Schaltungsentwicklung und dem ASIC-Design für analoge, digitale und Mixed-Signal- Anwendungen über die Entwicklung und Fertigung von Leiterplatten, Hybridschaltkreisen, Sensoren bis zur Sensorik, Aktorik und Signal-

Informationsverarbeitung reicht.

Zur Zeit betreut die Gemac 26 Design-Projekte. In den Bereichen ASIC-Design, Analogstrukturen von ASICs und dem Entwurf von Sicherheitsmodulen auf ASIC-Basis kommen die Aufträge aus der Industrie, etwa von der Deutschen Forschungsgesellschaft zur Anwendung der Mikroelektronik (DFAM), dem Hahn-Schuckard-Institut (HSI) oder dem Institut für Mikrosystemtechnik (IMS). Im PC- Bereich entwirft man ASICs für Modem-Umschalter und PC-Boards.

In puncto Programmiersprache vertraut man bei der Gemac auf C und Assembler, ansonsten arbeitet man mit Tools wie Mentor Graphics, ELDO und MS Lab im Hardwarebereich mit Sun- und Sparc-Systemen oder mit Pentium-PCs (für SPGA-Designs). Inzwischen hat die Gemac auch eine eigene Lösung für den Mikrocontroller-Entwurf entwickelt.

Schnelle Erledigung der Kundenaufträge

Das Programm "Simode", das für rund 25000 Mark auch in Lizenz verkauft wird, ermöglicht die präzise und schnelle Simulation von Silizium-Ätzen zur Herstellung mikromechanischer Elemente, zum Beispiel als Grundlage für Beschleunigungsmesser in Fahrzeugen und Maschinen.

"Uns kommt die schwerpunktmäßige Forschung nach intelligenteren Produkten zugute", betont Marketing-Manager Uwe Riedel. Doch ebenso stark fällt seiner Schilderung nach der in den Unternehmen zunehmende Zeitdruck in Sachen Produktzyklus ins Gewicht. Dies erfordere flexible und schnelle Partner. So nehme ein ASIC-Design nur rund vier Monate der Entwurf einer Hybridschaltung lediglich zwei Wochen in Anspruch.

Dabei arbeitet das Unternehmen möglichst kostengünstig. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen bietet die Gemac ein schnelles Prototyping an, anhand dessen dann das eigentliche ASIC-Design durchgeführt wird. Zusätzlich existiert ein Multi-Project-Wafer-Service, bei dem sich mehrere Kunden einen Wafer teilen. Im Gegensatz zu einem normalen Maskensatz (70000 bis 80000 Mark) kostet das den Auftraggeber nur 15000 Mark unter zehn Quadratmillimeter sogar nur 4000 Mark.

Besonders stolz ist man bei der Gemac auf die europäische Anerkennung: Gleich zu Beginn war die Firma von der europäischen Jessi-Kommission zum Berater für kleine und mittelständische Betriebe berufen worden, und erhielt für diese erfolgreiche Tätigkeit eine Auszeichnung. 1995 wurden die Chemnitzer ASIC- Designer erneut unter elf Mitbewerbern als eines von drei deutschen TTN-Beratungszentren für das Folgeprojekt FUSE (First Use of Microelectronics) benannt.

Was sich oft genug bei Treuhand-Verkäufen in der ehemaligen DDR als Flop erwiesen hat, besonders bei Besitzwechsel an branchenfremde Unternehmen, ist für die Gemac bislang ein Glücksfall: Das Design-Zentrum mit seinen heute 50 Mitarbeitern kann frei von Gesellschaftereinflüssen agieren. Was sich auch in steigenden Umsatzzahlen niederschlägt: 1992 erzielte das Design- Haus 1,8 Millionen Mark, 1995 5,1 Millionen Mark und für 1996 rechnet man mit knapp sechs Millionen Mark.

Mit dem für 1997 geplanten Umzug ins Technologie Centrum Chemnitz wird auch das Stammkapital erhöht. Eine Expansion des Unternehmens, auch ins Ausland, streben die Chemnitzer derzeit aber nicht an. Lediglich mit einem russischen Partner in Moskau existiert ein Kooperationsabkommen.