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18.04.1980 - 

Leipziger Frühjahrsmesse bestätigt EDV-Trend:

Mikroelektronik im Comecon mit Mini-Schritten voran

LEIPZIG - Nachdem mit dem Eser in seiner zweiten Entwicklungsstufe die Produktion von EDV-Anlagen verschiedener leistungsklassen in den Comecon-Ländern zumindest bis 1985 festgelegt wurde, sind die Aktivitäten in den einzelnen Mitgliedsstaaten nunmehr verstärkt auf die Entwicklung und Produktion von Minirechnern auf Mikroprozessorbasis gerichtet. Sowohl die EDV als auch die Regelungs- und Steuerungstechnik werden zunehmend in diesen Ländern von der Mikroelektronik beherrscht. Der Entwicklungsverlauf zeichnete sich seit etwa Mitte der siebziger Jahre mit der Entwicklung und Produktion eigener integrierter Schaltkreise ab und wurde durch die Vorstellung erster Mikroprozessoren seit etwa 1976/1977 bestätigt. Als Vorbild dienten größtenteils die Mikroelektronik-Erzeugnisse amerikanischer Firmen wie Intel oder Texas Instruments. Im Zeichen dieses Trends standen seit rund drei Jahren die Frühjahrsmessen in Leipzig und auch dieses Jahr warteten die Elektronik-Hersteller aus dem Comecon mit Neuentwicklungen auf.

Robotron aus der DDR stellte neben den bereits bekannten Erzeugnissen aus seinem Produktions- und Lieferprogramm, wie den Eser II-EDVA EC 1055, Datenerfassungsgeräten und der elektronischen Schreibmaschine Robotron S 6001 (mit Mikroprozessorsteuerung und einer Speicherkapazität von 4 KB), folgende Entwicklungen vor:

- das Erzeugnisprogramm " Dezentrale Datentechnik", das nach Herstellerangaben durch eine arbeitsplatzbezogene Datenverarbeitung gekennzeichnet ist. Es handelt sich hierbei um ein "zukunftsorientiertes Organisationskonzept für die Erfassung, Speicherung, Übertragung, Verarbeitung und Bereitstellung von Daten mit einer abgestimmten Reihe von Einzelgeräten, Gerätekomplexen und Anwenderlösungen auf der Grundlage von Robotron-Mikrorechnern"

Zu den in Leipzig gezeigten Geräten zählen:

- der Buchungs- und Fakturierungsautomat Robotron K 5103 als Auftischgerät (Basis: Mikrorechnersystem Robotron K 1520 mit dem 8-Bit-Mikroprozessor U 880 in n-MOS-Technologie). Seine Datenspeicherkapazität beträgt bei der Grundversion 4 KB RAM und ist in Stufen bis 36 KB RAM ausbaufähig.

- das freiprogrammierbare Datenerfassungsterminal Robotron A 5201 (Basis: Mikrorechnersystem K 1520), ein Auftischgerät, welches über einen Monitor mit 1024 beziehungsweise 1920 Zeichen bei einer Zeichenzahl von 64 beziehungsweise 80 pro Zeile verfügt. Der Zeichenvorrat beträgt 128 Symbole. Die Datenspeicherung erfolgt auf einem Folienspeicher.

- das Platzreservierungsterminal Robotron K 8927 (Basis: Mikrorechnersystem K 1520)mit einer internen Speicherkapazität von 4 KB RAM und 16 KB PROM, die bis 54 KB aufrüstbar ist. Der Monitor kann wahlweise mit 1024 beziehungsweise mit 1920 Zeichen ausgestattet

werden.

Als weitere Messeneuheit wurde das modular aufgebaute Mikrorechnersystem Robotron K 1600 vorgestellt. Es besteht aus drei Modellen:

- K 1610, Baugruppenrechner für OEM-Einsatz,

- K 1620, Rechnersystem mit einer Speicherkapazität von 28 KWorten zu je 16 Bit und

- K 1630, Rechnersystem mit einem Arithmetikprozessor, Speicherkapazität 124 KWorte zu je 16 Bit.

Die zentrale Verarbeitungseinheit wurde jeweils auf der Grundlage von zwei zusammengeschalteten 8-Bit-Mikroprozessor-Schaltkreisen (Schaltkreisbezeichnung: U 830) in n-Kanal-MOS-Technologie mit einer Verarbeitungsbreite von insgesamt 16 Bit realisiert. Der Mikrorechner K 1630 gilt als das leistungsstärkste Modell. Er ist für einen Einsatz als größeres, intelligentes Minirechnersystem konzipiert und soll als Hauptbestandteil in Echtzeitsystemen und für Multinutzer- sowie Multiprogrammanwendungen einsetzbar sein. Wie seine Vorgänger, die Mikrorechnersysteme Robotron K 1510 und K 1520, so ist auch der K 1600 in die Reihe 2 des SKR der Comecon-Länder eingegliedert worden.

Robotron kombiniert mit Kombinaten

Neben den Robotron-Erzeugnissen wurden weiterhin, zum Beispiel von dem seit Anfang 1978 bestehenden Kombinat Mikroelektronik Erfurt, unter anderem die neuen Schaltkreise U 505 D (8-KBit-Festwertspeicher) und U 880 D (8-Bit-Mikroprozessor-Schaltkreis) sowie aus dem ebenfalls seit Anfang 1978 bestehenden Kombinat Automatisierungsanlagenbau Berlin (Ost), das bereits 1979 an gleicher Stelle erstmals gezeigte numerische Steuerungssystem auf Mikrorechnerbasis CNC 600 (Systembasis ist die Zentraleinheit des Robotron-Mikrorechners K 1520 mit dem Mikroprozessor U 880 D sowie 4-KB-Speicher: 3-KB-EPROM und statischer 1-KB-RAM), vorgestellt.

- Das Kombinat Carl Zeiss Jena schließlich stellte Ausrüstungen für die mikroelektronische Industrie vor.

Das sowjetische Außenhandelsunternehmen Elektronorgtechnika war in Leipzig mit folgenden Exponaten vetreten:

- dem Mikrorechnersystem Elektronika NZ-03 D (Einschubsystem, CMOS-Schaltkreise, Operativspeicher mit 16 KByte RAM), vorgesehen für Werkzeugmaschinensteuerungen und andere Anwendungsmöglichkeiten;

- dem graphischen Terminal Itekan-E (Systembasis: Minirechner Elektronika 100 I);

- verschiedene Geräte des Eser: Wechselplattenspeicher, ein Lochkarteneingabegerät und ein alphanumerisches Bildschirmsystem.

Bereits in den Vorjahren wurde deutlich, daß Moskau neben der Produktion von Eser-Anlagen und -Geräten ebenfalls auf dem Minisektor aktiv wurde: Weitgehend auf sowjetische Initiative wurde Mitte der siebziger Jahre beschlossen, das SKR zu entwickeln. Die Prozessoren der Kleinrechnersysteme CM 1, CM 2, CM 3 und CM 4 (Reihe 1 des "Systems für Kleinrechner" SKR) werden in der UdSSR produziert. Sowohl die Entwicklungsreihe 1 als auch die Reihe 2 des SKR wurde seit 1978/1979 durch Beiträge aus den anderen Comecon-Ländern ergänzt. Neben den speziell für das SKR bestimmten Minis werden in der UdSSR weitere Kleinrechner produziert. Hierzu zählen: die Kleinrechner Elektronika 60 und Elektronika 100 I sowie der Kleincomputer ISKRA-554. Grundlage der neueren Rechner bilden mikroelektronische Schaltkreise aus sowjetischer Produktion, zu denen verschiedene 8-Bit-Mikroprozessor-Schaltkreise zählen.

Letztes Jahr in Brünn

Zu den diesjährigen Messe-Exponaten der Tschechoslowakei zählten weitgehend Erzeugnisse, die bereits im letzten Jahr unter anderem auf der 21. Internationalen Maschinenmesse in Brünn oder auf der Moskauer Eser II/SKR-Ausstellung zu sehen waren:

- zwei Minirechner als Vertreter der Reihe 1 des SKR und zwar die Kleinrechner CM 3-20 und CM 4-20 aus dem Institut für Rechentechnik in Zilina. Die Wortlänge beider Rechner beträgt 16 Bit. Die Übertragungsgeschwindigkeit des CM 4-20 beträgt 150 KWorte/S.;

- Eser-Geräte von Aritma/Prag: ein Lochkartenleser, eine E/A-Einheit mit Elastik-Plattenspeicher und ein Seriendrucker;

- verschiedene Halbleiterbauelemente mit integrierten Schaltkreisen.

Bei den im letzten Jahr auf verschiedenen Messen ausgestellten Erzeugnissen handelte es sich um den Hybrid-Analog-Computer MEDA 43 HA, den Kleinrechner ADT 4 500 und ein Gerät für Programmtest und -erarbeitung für 8-Bit-Mikrorechner.

Im Vergleich zu den übrigen Comecon-Ländern hat die Leistungsfähigkeit der CSSR auf den Gebieten der Computertechnologie und der Automation stark nachgelassen. Dieser Tatbestand äußert sich sowohl in den Produktions- und Liefermöglichkeiten der eigenen Elektronik-Industrie als auch in der Verfügbarkeit über ausreichende und leistungsfähige Rechner in allen Bereichen der Wirtschaft. Um den sich offenbarenden Schwierigkeiten zu entgegnen, wurde aufgrund eines staatlichen Beschlusses mit Beginn des Jahres 1979 ein neues Kombinat für Automatisierung und Rechentechnik gegründet. Dadurch soll - wie es offiziell hieß - die Fertigung konzentriert und rationalisiert, die Basis für die Forschung und Entwicklung verbreitert und nicht zuletzt die Abhängigkeit von "kapitalistischen Staaten" verringert werden.

Polen konzentriert auf "Polen '80"

Äußerst zurückhaltend gab sich das polnische Außenhandelsunternehmen Metronex mit seinem Messeangebot. Hierbei handelt es sich im wesentlichen um das Kleinrechnersystem MERA SM 3A, einem 16-Bit-Rechner in modularer Bauweise, der Bestandteil des SKR ist. Polens EDV-Industrie will jedoch auf der vom 25. April bis 4. Mai in den Düsseldorfer Messehallen stattfindenden "Polen '80", der größten Industrieschau, welche von Polen jemals im Westen veranstaltet wurde, mit interessanten Neuentwicklungen aufwarten.

Videoton aus Ungarn war in Leipzig mit einem relativ umfangreichen Angebot vertreten. Unter den ausgestellten Erzeugnissen befanden sich zahlreiche Neu- und Weiterentwicklungen. Im einzelnen handelt es sich um

- den Minicomputer tpa-l vom Institut für Meß- und Rechentechnik, der in zwei Versionen hergestellt wird und zwar den tpa-/ 32 (32 KWorte Speicherkapazität) und den tpa-l/128 (128 KWorte Speicherkapazität), beide jeweils mit einem CMOS-Mikroprozessor ausgestattet;

- den Kleinrechner EMU-11 auf Basis von Mikroprozessorelementen der Serie Intel 3000;

- die Eser-Klein-EDVA EC 1010 (Eser-Reihe 1);

- das mikroprozessorgesteuerte graphische Display VT 55 und

- weitere Geräte des Eser und des SKR.

Zusammen mit den bereits in den Vorjahren vorgestellten Rechnersystemen (wie Eser-EDVA EC 1011, EC 1012 und EC 1015, SKR -Rechner CM 52, Mikrorechner SAM 80, Kleinrechner tpa 1140 und die Rechnersysteme VT 20, VT 60 und VT 600) sowie Geräten (speziell Terminals) verfügt gerade Ungarn über ein umfangreiches Sortiment leistungsfähiger rechentechnischer Erzeugnisse, mit denen Videoton aufgrund des günstigen Preis-/Leistungsverhältnisses und entsprechender "Softwatepower" gerade in Westeuropa Fuß zu fassen gedenkt und hier bereits Abnehmer gefunden hat.

Den Schwerpunkt der bulgarischen EDV-Produktion bilden verschiedene Magnetspeichermedien. Bulgarien hat sich im Rahmen des Eser und des SKR zum Hauptproduzenten auf diesem Erzeugnisfaktor innerhalb des Comecon spezialisiert. Entsprechend Gestaltet sich auf Messen das Ausstellungsprogramm des Außenhandelsbetriebes Isotimpex. In Leipzig wurden zum größten Teil Erzeugnisse des Eser offeriert: Plattenspeicher, Wechselplattenstapel, Datenerfassungsgeräte sowie eine Mini-Floppy-Disk-Anlage. Besondere Bedeutung gewinnt in der letzten Zeit die Produktion integrierter Schaltkreise. Zu den wichtigsten Erzeugnissen dieses Produktionsbereichs zählen unter anderem der 8-Bit-Mikroprozessor CM 601 (n-Kanal-MOS-Technologie) und der 4-Bit-Mikroprozessor CM 402.

Kennzeichnend für die rumänische EDV-Industrie war lange Zeit ihre Zurückhaltung gegenüber EDV-Gemeinschaftsprojekten der Comecon-Länder. Rumänien trat erst Ende 1973 der Gemeinsamen Regierungskommission für Rechentechnik bei. Aus diesem Grunde gibt es keine Eser-Anlagen und -geräte aus rumänischer Produktion. Auch die Aktivitäten im Rahmen des SKR nehmen sich im Vergleich zu denen der anderen Länder relativ bescheiden aus. Neben der Beteiligung am Eser und SKR sind für Rumänien vor allem die Kooperationsbeziehungen zu Frankreich für die Entwicklung der EDV von Bedeutung gewesen. Diese Tatbestände prägten bis in die Gegenwart sowohl die Forschung und Entwicklung als auch die Produktion von EDV-Anlagen und -Geräten. Nachdem bereits im Vorjahr zwei neue Kleinrechner und zwar der Kleinrechner Felix 18 (mit n-Kanal-MOS-LSI-Schaltkreisen) und der Minirechner I-100 (ebenfalls mit LSI-Schaltkreisen bestückt und SKR-kompatibel) präsentiert wurden, wurde auf der diesjährigen Leipziger Frühjahrsmesse das neue Minirechnersystem M 18 i 100 (mit LSI-Schaltkreisen) vorgestellt.

Trotz massiver staatlicher Förderung der Elektronik-Industrie und einem unverkennbaren Aufschwung in dem Bereich war die EDV-Entwicklung in den meisten Comecon-Ländern negativ geprägt, was in der Vergangenheit bereits mehrfach Gegenstand parteioffizieller Selbstkritik gewesen war. Kritisch wurden der Zwang zum Einsatz veralteter Rechnersysteme (2. Generation!), die zu langsame Überführung neuer Erzeugnisse in die Serienproduktion und nicht zuletzt der technologische Rückstand gegenüber den im Bereich der Elektronik führenden westlichen Industrieländer hervorgehoben. Die Folge war die permanente Orientierung der Forschung und Entwicklung am wissenschaftlichtechnischen Niveau, insbesondere amerikanischer Produzenten, sowie der Zwang zum Import leistungsfähiger Anlagen und Geräte aus dem Westen (Beispiele: Rechner für Moskauer Olympia, Honeywell Bull-Erzeugnisse für die DDR). Engpässen und Fehlleistungen vergangener Jahre gedenkt man in der DDR mit einer Konzentration der Produktionskapazitäten, der Forschung und Entwicklung begegnen zu können.

*Klaus Krakat ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für gesamtdeutsche wirtschaftliche und soziale Fragen, Berlin.