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03.06.1983

Mikromarkt: "Nixdorf und Siemens müssen endlich aufwachen"

Mit Bill Gates, Präsident und Mitbegründer von Microsoft Corp. Seattle, USA, sprach Ina Hönicke

- Herr Gates, Sie sind seit dem 1. März mit einer eigenen Niederlassung in Deutschland vertreten. Welche Ziele verfolgen Sie hierzulande in naher Zukunft?

Unser Hauptengagement liegt im Bereich der Anwendungssoftware. Für den erfolgreichen Verkauf ist entscheidend, sie dem jeweiligen Land und seiner Sprache anzupassen. Zudem muß sichergestellt sein, daß die Anwendungen wirklich den Bedürfnissen des lokalen Marktes entsprechen. Aus diesem Grund wollen wir auch mit deutschen Partnern zusammenarbeiten. "Multiplan" ist unser erstes Softwarepaket in deutscher Sprache.

- Wie beurteilen Sie den Markt für Mikrocomputersoftware und für generelle Softwarestandards bis Ende 1984?

Die neuen Entwicklungen, bei denen alle Betriebssysteme nunmehr auf 16-Bit-Mikrocomputern basieren, verlangen eine völlig neue Art von Betriebssystemen. Der erste Schritt in diese Richtung erfolgte vor eineinhalb Jahren mit dem Einsatz der MS-DOS Version I auf einem IBM-Computer. Im Anschluß daran wurde eine Version Il entwickelt, die IBM inzwischen vermarktet. Von großer Bedeutung ist die Möglichkeit, neue

Treiberroutinen hinzuzufügen und Directory-Standards einzuteilen. Die Directories müssen dabei hierarchisch strukturiert werden.

- Stimmen Sie mit der Expertenmeinung überein, daß die europäischen Mikroanwender im Vergleich zu den amerikanischen in der Forderung nach Softwareergonomie anspruchsvoller sind?

Nein. Die Anwender wollen überall leicht mit ihrem Computer arbeiten können. Unsere Bemühungen zielen darauf ab, die Benutzerfreundlichkeit der Programme immer weiter zu verbessern, damit sie auch leichter erlernbar und handhabbar sind. Da die Einsteiger immer

mehr Forderungen an ihr Gerät stellen, muß der nächste Schritt seitens der Hersteller in der Integration verschiedener Benutzerschnittstellen liegen. Dazu gehören auch grafische Lösungen, die unserer Meinung nach künftig zur Standardausstattung eines jeden Computers gehören werden. Kein Mikro über 1000 Dollar wird ohne "bit-map-display" auskommen.

- Gehört zur Softwareergonomie inzwischen auch die "Maus-Technologie"?

Ja, die führen wir jetzt auch in Deutschland ein. Die Maus kann für alle MS-DOS-Systeme und den IBM-PC verwendet werden. Gleichzeitig kommt unser neues Produkt "Multi-Tool Word" auf den Markt, ein Textverarbeitungsprogramm, das auf "Maus-Technologie" basiert und auf 16-Bit-Mikrocomputern mit MS-DOS Betriebssystem eingesetzt wird. Wir bieten die Maus für weniger als 200 Dollar an.

- Verfügt die heutige Generation von Mikrokäufern bereits über ein ausreichendes Know-how, oder besteht hier noch ein Ausbildungsgap?

Fast jeder PC-Interessent kennt heute die Schlüsselanwendungen Textverarbeitung, kleine Datenbanken, Grafik und Spreadsheets. Ich vertrete die Ansicht, daß der Anwender auch dann einen Nutzen von der Maschine hat, wenn er sich nur auf diese vier Schlüsselanwendungen beschränkt. Zu Hause entwickeln sich viele Käufer zu richtigen Computer-Freaks. Sie kaufen sich Bücher und knacken die ganz harten DV-Nüsse mit Freunden. Ein paar Wochen später erscheinen sie wieder bei ihrem Fachhändler, um Zusatzequipment zu kaufen. Die Mikro-Hobbyisten sind heute begeistert, für 200 oder 300 Dollar PC-Software kaufen zu können, um damit dann aus einer 4000-Dollar-Maschine plötzlich doppelt soviel Leistung herausholen zu können.

- Was aber passiert, wenn der potentielle Kunde ein totaler Computerlaie ist?

Dann empfiehlt es sich, zumindest in den USA, den Interessenten zuerst einmal zum Besuch eines Einführungskurses zu bewegen. Fast alle guten Computergeschäfte bieten sie bereits an. Die Kurse kosten zwischen 40 bis 50 Dollar.

- Welches sind die besonderen Stärken der amerikanischen Mikroanbieter?

Zum einen sind ihre Maschinen technologisch schon recht weit fortgeschritten, zum anderen relativ billig. Sie verkaufen sich in den USA teilweise ohne spezielles Marketing - fast schon von selbst. Ein anderer Grund ist ihre Kreativität. Sehen Sie sich beispielsweise die Lisa von Apple an. Das ist nur der Anfang einer neuen Mikrogeneration. Ich bin überzeugt, daß es jedes Jahr eine derartige Entwicklung auf dem Markt geben wird. Die Amerikaner lieben eben den Fortschritt.

- Spielt hier nicht auch die generelle Einstellung Ihrer Landsleute zur Technik eine Rolle?

Ganz sicher. Schon unsere Kinder lieben Computer und bedienen sie mit Begeisterung. Die jungen Leute bei uns sehen den Computer als Werkzeug und Weg zur Unabhängigkeit. In Amerika wird allerdings im Gegensatz zu Deutschland zwischen dem Großcomputer, der Raketen steuert, und dem Mikro unterschieden. Der Homecomputer wird deshalb als Herausforderung "der Großen" angesehen. Er vermittelt dem Bürger das Gefühl, auch Wissen und Macht zu besitzen. Steve Jobs, einer der Gründer von Apple, organisierte beispielsweise ein Rock-Festival - und Tausende von Jugendlichen kamen. Mit anderen Worten, auch Leute, die bei uns für den Frieden demonstrieren, haben zu Hause ihren Mikro. Computerfeindlichkeit gibt es bei uns nicht in dem Maße wie in der Bundesrepublik.

- Welche Rolle werden die deutschen Hersteller auf dem Mikromarkt spielen?

Derzeit sind 70 bis 80 Prozent der in der Bundesrepublik vertriebenen Mikros amerikanischer Herkunft. Auf längere Sicht gesehen, glaube ich, daß sich das Verhältnis auf "fifty-fifty" zwischen deutschen und amerikanischen Herstellern einpendeln wird. Ich bin sehr optimistisch, daß die einheimischen Unternehmen Marktanteile erobern werden. Nehmen wir beispielsweise Siemens mit seinen 300 000 Mitarbeitern: Es gibt absolut keinen Grund, daran zu zweifeln, daß sie irgendwann einmal sogar den Löwenanteil auf dem deutschen Markt innehaben werden. Sie und auch Nixdorf müssen nur endlich aufwachen und ihr Potential erkennen. Es gibt bei Siemens sehr viele kreative Mitarbeiter, die mit ihren Vorschlägen aber oft an ihren Vorgesetzten scheitern. Unternehmen wie Nixdorf und Siemens sollten den Mikromarkt nicht ignorieren. Mit Großrechnern kann ein Hersteller heute kaum noch ein Geschäft machen, wenn er nicht gleichzeitig Strategien für kleine Computer verfolgt: Den Mikros gehört die Zukunft.

- Worin sehen Sie den Grund, daß sich die Mikros in Deutschland noch nicht so durchsetzen konnten wie etwa in den USA?

Zunächst liegt es daran, daß die Handbücher oder Bedienungsanleitungen der Softwarepakete nach wie vor zum Großteil in englischer Sprache geschrieben sind. Ein weiteres Problem ist die Händlerstruktur. Es gibt leider nicht genügend Händler, die wirklich in der Lage sind, Computer zu verkaufen.

Schritt halten

Die deutschen DV-Hersteller müssen auf der Hut sein, im derzeitigen Mikro-Boom nicht den Anschluß zu verpassen Nahezu 80 Prozent aller in Deutschland vermarkteten Kleinrechner stammen nämlich bereits von amerikanischen Anbietern. Trotzdem haben vor allem Unternehmen wie Siemens oder Nixdorf große Chancen, im Wettstreit um europäische Marktanteile mit den amerikanischen Mikroproduzenten Schritt halten zu können. Diese Ansicht vertrat Bill Gates, Präsident und Mitbegründer der Microsoft Corporation mit Firmensitz in Seattle, USA. Gegründet Im Jahr 1975 von William Gates und Paul Allen, gehört das Unternehmen mit einem Umsatz von 35 Millionen Dollar und weltweit über 250 Mitarbeitern zu den führenden Softwareherstellern für Mikrocomputer in den USA.