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25.02.1983 - 

Vier Personal Computer an Regeln für Bildschirmarbeitsplätze gemessen:

Mikrorechner ergonomisch kein Flickwerk mehr

BERLIN - An vier ausgewählten Mikrocomputern überprüfte das Berliner Ergonomic-Institut, welche ergonomischen Forderungen bislang bei derartigen Rechnern verwirklicht sind. Maßstab für die Untersuchung waren dabei die Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze. weil viele Personal Computer sich auch in der Arbeitswelt und nicht nur im privaten Heim breitmachen. Im folgenden beschreiben die Berliner ihre Erkenntnisse.

Wir haben den ersten Homecomputer, der auf den Markt kam, für den eigenen Gebrauch gekauft. Positiv überrascht waren wir eigentlich nur vom relativ niedrigen Preis. Die Maschine war mehr oder weniger ein Flickwerk aus einer guten Zentraleinheit, einem Fernseher sowie einem Kassettenrecorder in billigster Kaufhausqualität und zusätzlich einer Kindertastatur, alles in einem Gehäuse vereinigt. Der Drucker, auf den wir lange warten mußten, war nicht preiswert, sondern nur billig.

Dieser Zustand änderte sich sehr schnell, als man merkte, daß der eigentliche Markt für diese Maschinen in der professionellen Anwendung besteht. Als erstes verschwand die "Kindertastatur", danach der Kassettenrecorder. Der Mikrocomputer entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem brauchbaren Arbeitsmittel, wenn man seine Hardware-Ausstattung berücksichtigt.

Angesichts des Preisunterschiedes - mancher Mikrocomputer kostet weniger als ein Terminal - mußte man die Qualität der Peripherie, insbesondere des Bildschirms und der Tastatur, im Hinblick darauf kritisch überprüfen, ob man realistischerweise annehmen kann, daß die ergonomischen Anforderungen, die an die Bildschirmgeräte gestellt werden auch von Mikrocomputern erfüllt werden können.

Um die Frage, was von den Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätzen bei Mikrocomputern bereits realisiert ist, beantworten zu können, haben wir als Vergleichsobjekte vier Modelle herangezogen:

1. Commodore CBM 8000

2. Apple III

3. Sirius I

4. IBM Personal Computer

Die Vergleichsstichprobe besteht aus einem relativ "alten" Gerät, Commodore, aus zwei marktüblichen neueren Geräten und einem Gerät das auf dem deutschen Markt erst kürzlich offiziell angekündigt worden ist.

Vor drei Jahren wäre ein Vergleich zwischen DV-Bildschirmen und dem Angebot der Mikrocomputerhersteller unsinnig gewesen, da die letzteren zum Beispiel nur 40 Zeichen je Zeile darstellen konnten. Im folgenden kann man sehen, daß dieses Bild sich gründlich gewandelt hat.

Norm erfüllt, doch kein gutes Zeichen

In den letzten Jahren hat sich als Quasi-Standard ein Bildschirm mit 24 Zeilen zu je 80 Zeichen mit einer zusätzlichen Zeile ergeben

Ausschlaggebend für diese Entwicklung war einerseits die Kapazität der Lochkarte zu je 80 Zeichen, andererseits die Zahl der Rasterzeilen des Fernsehsystems von 625 mit 25 Bildwiederholungen. Um eine flimmerfreie Anzeige zu erreichen werden 312 Zeilen 5mal in der Sekunde geschrieben.

Da auf einer üblichen Röhre zirka 400 Punkte auf einer Rasterzeile abgetastet werden können, kann man die 80 Zeichen meistens nur mit fünf Punkten in der Horizontalen schreiben. Damit hat man zwar die Anforderungen der DIN-Norm erfüllt, jedoch keineswegs eine gute Zeichengestalt erreicht.

Je nach Güte der verwendeten Röhre werden die Zeichen in einem bestimmten Helligkeitsbereich relativ scharf dargestellt. Will man den Kontrast in heller Umgebung erhöhen, muß man mit einer Unschärfe rechnen.

Man sieht auf diesem Bild ganz deutlich, daß es für jeden Bildschirm eine optimale Helligkeitseinstellung gibt. Der beste Bildschirm unterscheidet sich vom schlechtesten erheblich in der minimalen Lesezeit. Viel wichtiger ist jedoch der Verlauf der minimalen Lesezeit. Beim Bildschirm A hingegen ist die Veränderung der Lesbarkeit zwischen 30 cd pro Quadratmeter und 200 cd pro Quadratmeter kaum merklich.

Lesbarkeit sinkt ab

Der Benutzer des Bildschirmes A kann die Helligkeit seines Gerätes den Beleuchtungsbedingungen und seinen Bedürfnissen entsprechend einstellen. Er kann dies tun, ohne eine genaue Einstellung treffen zu müssen.

Den erforderlichen Mindestkontrast von 3 : 1 zwischen Zeichen und Untergrund erreichen unter üblichen Bürobedingungen alle Geräte, viele auch Werte bis 15 : 1. Leider befinden sich die meisten Geräte dann in dem Leuchtdichtebereich, in dem ihre Lesbarkeit wieder absinkt, was trotz des höheren Kontrastes geschieht.

Viele Bildschirmterminals sind mit 15-Zoll-Röhren (38-cm-Diagonale) ausgestattet. Das geschieht jedoch nicht immer in der Absicht, bestmögliche Bedingungen für den Benutzer zu erreichen, denn die Zahl der auf dem Bildschirm darstellbaren Punkte und somit der Zeichen ist unabhängig von der Bildschirmgröße. Man erreicht mit der größeren Röhre in den meisten Fällen eine brauchbare Darstellung trotz der relativ schlechten Auflösung.

Hersteller, die ihre Terminals mit üblichen 12-Zoll-Röhren bestücken können nicht überall auf der Röhre gleiche Zeichenqualität gewährleisten. Die bei den 15-Zoll-Röhren durch die gröbere Darstellung bedingte Zeichengröße von 4 Millimeter und mehr ist bei üblichen Sehentfernungen von 50 Zentimeter bis 70 Zentimeter nicht unbedingt ein Vorteil für den Benutzer. Denn zu große Zeichen können ebenso wie zu kleine zu einer schlechteren Lesbarkeit führen.

Am Rande des Auflösungsvermögens

In diesem Punkt hat die Untersuchung zu einem überraschenden Ergebnis geführt: Die von der Zeichenqualität her gesehen besten Bildschirme gehören zu den beiden Mikrocomputern Sirius und IBM. Beide arbeiten mit einer 12-Zoll-Röhre, die fast die doppelte Auflösung hat (800 bis 720 je Zeile anstelle von 400). Der Schriftgestalter hat bei hochauflösenden Röhren mehr Möglichkeiten, um einen guten Zeichensatz zu entwerfen.

Die anderen Geräte arbeiten am Rande ihres Auflösungsvermögens. Dadurch sind die Gestaltungsmöglichkeiten technisch stark eingeschränkt. Der für den Benutzer sichtbare Erfolg besteht darin, daß die Zeichengestalt nicht mehr von der eingestellten Helligkeit abhängt. Die waagerechten und senkrechten Striche haben die gleiche Helligkeit, die Punkte verschmelzen zu lassen.

Worin besteht der Vorteil für den Benutzer? Zum einen darin, daß die Schrift für ihn besser lesbar wird, zum anderen aber darin, daß man mit einem besser auflösenden Bildschirm nicht nur der Druckschrift ähnlichere Schriftbilder erzeugen kann, sondern auch kleine Symbole (Indices, Sonderzeichen) und größere (Überschriften) Zeichen. Weiterhin sind bessere grafische Darstellungen möglich. Sirius bietet sogar Proportionalschriften an.

Wir hatten früher bei unserer eigenen Arbeit festgestellt, daß am Bildschirm Korrektur gelesene Teste bis zu 50 Prozent mehr unentdeckte Fehler beinhalten als solche, die wir auf dem Papier korrigiert haben. Der höher auflösende Bildschirm bedeutet hier mit Sicherheit eine Verbesserung.

Mikro-Bildschirme überlegen

Zu bemerken ist die "Lichtstärke" der hochauflösenden Monitore. Der mit einem Filter gut entspiegelte Bildschirm von Sirius erreicht eine Leuchtdichte von 67 cd pro Quadratmeter ohne Verlust an Zeichenschärfe. Der Bildschirm vom IBM Personal Computer läßt sich auf zirka 180 cd pro Quadratmeter einstellen, bevor große, in "inverse video" dargestellte Felder anfangen zu flimmern.

Als Vergleich zu diesen Zahlen muß angeführt werden, daß ähnlich wie bei dem Sirius-Monitor entspiegelte Bildschirme mit normaler Auflösung im allgemeinen höchstens bis 30 cd pro Quadratmeter angesteuert werden können, ohne unlesbar zu werden.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die neueren Bildschirme der Mikrocomputer den üblichen DV-Bildschirmen technisch wie ergonomisch überlegen sind. Innerhalb von nur fünf Jahren nach dem Erscheinen des ersten "Home-Computer" auf dem deutschen Markt haben sie sich also zu guten Arbeitsmitteln entwickelt.

Abgesetzte Tastatur ist Standard

Mittlerweile ist auch die getrennte Tastatur zum Standard geworden Die Tastenabstände nach DIN 2139 werden bei allen eingehalten. Nur Apple und Commodore bieten noch eine mit der Zentraleinheit verbundene Tastatur an. Auch die Bauhöhen sind im Laufe der Entwicklung den ergonomischen Anforderungen angepaßt worden (IBM = 30 Millimeter, Sirius = 45 Millimeter, Apple = 70 Millimeter, Commodore = 100 Millimeter). Das ist um so beachtenswerter, wenn man bedenkt, daß DV-Kunden der IBM wahrscheinlich noch relativ lange auf flache Tastaturen warten müssen.

Ob ein getrennter Zehnerblock vorgesehen werden soll, ist heute kein Diskussionsgegenstand mehr; alle untersuchten Mikrocomputer haben ihn bereits serienmäßig. IBM und Sirius. sind mit frei programmierbaren Tasten ausgestattet.

Alle untersuchten Geräte können mit hochwertigen Druckern ausgestattet werden. Zusätzlich zu den üblichen Matrix- und Typenraddruckern bietet Apple einen leisen Thermodrucker an. Der Matrixdrucker von Sirius läßt sich sogar an die jeweiligen Anforderungen des Benutzers anpassen: Schnelles Drucken mit 7*9-Matrix (160 Zeilen pro Sekunde) und Schönschrift für Text und Grafik mit 18*40-Matrix (40 Zeichen pro Sekunde).

Auch eine Zukunftsoption der Bürokommunikation, die akustische Ein- und Ausgabe mit digitaler Speicherung, wird bei den neuen Maschinen berücksichtigt. Beim IBM Personal Computer ist bislang nur die Ausgabe realisiert, bei Sirius als Option die Ein- und Ausgabe.

Bildschirme getrennt

Die Bildschirme von Sirius und IBM sind getrennt aufstellbar. Beide können aber auch auf den Zentraleinheiten plaziert werden ahne die von der DIN-Norm geforderte maximale Höhe der obersten Bildzeile zu verletzen Sirius-Bildschirm kann außerdem auch gekippt werden. Der Bildschirm von Apple wird auf dem Rechner montiert aufgestellt, kann jedoch bei Bedarf auch anders aufgestellt werden.

Lediglich das Commodore-Gerät besteht aus einem einzigen Gehäuse, in dem alle Teile integriert sind. Das dürfte beim nächsten Modell anders werden, das bereits auf der letzten Hannover-Messe leider unter Ausschluß der Öffentlichkeit gezeigt wurde.

Die Microcomputer haben sich innerhalb kurzer Zeit nicht nur technisch fortentwickelt, sondern auch ergonomisch. Die Bildschirme der neueren Geräte sind den vergleichbaren DV-Bildschirmen nicht nur ebenbürtig geworden, sondern zum überlegen. Ihre Tastaturen sind professionellen Tastaturen angeglichen. Es ist durchaus möglich, daß in nächster Zukunft alle Mikrocomputer die ergonomischen Forderungen erfüllen, wenn nicht weit überbieten.