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13.05.1983 - 

Einsatz von Kleinrechnern in Großunternehmen verändert Aufgabenbereich des DV-Leiters:

Mikros auf der Schwelle in die Fachbereiche

FRANKFURT (CW) - Der fortschreitende Einsatz von Mikrocomputern in den Fachabteilungen bedroht zunehmend die Existenz traditionell denkender DV-Manager. Diese Auffassung vertraten amerikanische und britische Marktforscher der International Data Corporation (IDC), die jetzt In Frankfurt ihre dritte deutsche "Briefing Session" abhielten. Wollten die DV-Verantwortlichen in Ihrer Position überleben, dürften sie sich nicht mehr gegen die Kleinrechneranwendungen sperren, sondern müßten sich auf ihre neue Aufgabe besinnen, die Fachbereiche zu beraten.

"Die Mikros stehen heute in breiter Front auf der Schwelle in die Fachabteilungen", konstatierte Harry Henry, Vice President der IDC in Framingham/Massachusetts, DV-Leiter, die nicht bereit seien, sich den "veränderten Umweltbedingungen" der Datenverarbeitung anzupassen, indem sie die Rechnerzwerge akzeptierten, liefen Gefahr, mittelfristig ihren Hut nehmen zu müssen. Waren ihre Probleme bislang überwiegend auf die Zentral-DV ausgelegt, erläuterte der US-Marktforscher, so verlagere sich die Aufgabe der Verantwortlichen inzwischen immer mehr auf die Beratung der Endbenutzer. Die DV-Abteilung nehme dabei die Rolle eines "Einkaufszentrums" ein.

Die Datenverarbeiter, so Henry, müßten künftig ihren "Kunden" verstärkt Hilfestellung bei der Auswahl und Einführung von Kleinrechnern geben. Obendrein sei es sinnvoll, für ein permanentes Trainingsangebot zu sorgen. In den USA hätten aufgeschlossene DV-Manager in Großunternehmen bereits regelrechte Beratungszentren für Mikro-Anwender geschaffen. Hier könne sich der Sachbearbeiter über neue Anwendungsmöglichkeiten, Programmiersprachen oder PC-Equipment informieren. Im Aufgabenbereich dieser Zentralstelle liege gleichzeitig die Qualitätskontrolle für Hard- und Software-Novitäten.

Um dieser Problemstellung gerecht zu werden, sei es für die DV-Verantwortlichen wichtig, qualifizierte Mikrokenner zu verpflichten oder diese aus den eigenen Reihen zu rekrutieren und mit intensiven Schulungsmaßnahmen auf eine Beraterposition vorzubereiten. Diese Mitarbeiter sollten sich als Bindeglied zwischen DV-Abteilung und den Fachbereichen verstehen.

Die derzeitige Entwicklung in Großunternehmen widerspreche der bisherigen Auffassung der DV-Leiter, den Kauf von Kleinrechnern "von oben herab" bestimmen oder beeinflussen zu können, erläuterten die IDC-Berater. Diese Manager würden ebenso Schiffbruch erleiden, wie die generellen Gegner von PC-Lösungen. Mündige Anwender, bestätigt auch der britische IDC-Marktforscher Fons Kuypers, ließen sich heute kaum noch Hard- und Softwarelösungen "aufs Auge drücken". Sie bestünden immer mehr auf Mitbestimmung beim Kauf oder der Einführung von neuen Mikrocomputern. Dies stelle die traditionellen Datenverarbeiter nunmehr vor eine gänzlich neue Aufgabe. Sind sie nicht bereit "umzudenken", so Kuypers, böten sie mehr denn je einen Angriffspunkt für Fachbereiche.

Während IDC-Aussagen zufolge in den amerikanischen Großunternehmen bereits das "Mikrofieber" ausgebrochen sei, stünde eine vergleichbare Entwicklung in Europa noch bevor. Jenseits des großen Teiches gingen inzwischen fünfzig Prozent der in Computerläden verkauften Mikros an Sachbearbeiterplätze von Unternehmen, die in der alljährlich veröffentlichten "Fortune-Liste" zu den größten des Landes gehörten. Dies sei eine Entwicklung, die noch vor zwei bis drei Jahren von eingefleischten DV-Profis belächelt worden sei. Einen wesentlichen Einfluß auf den Mikroeinsatz in Großunternehmen sprechen die IDC-Consulter indes der IBM zu. So habe eine Umfrage aus dem letzten Jahr gezeigt, daß bereits neun Monate nach dem Announcement des Personal Computers rund ein Drittel aller in Großunternehmen installierten Kleinrechner beim Marktführer gekauft wurden. Diesen Trend führt IDC-Vice President Henry auf die starke Position von "Big Blue" in den zentralen Rechenzentren zurück. Dabei sei aber auch erkennbar, welchen Einfluß die DV-Manager heute noch auf den Mikro-Einsatz im Fachbereich ausübten.