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13.12.1985 - 

Komfortable Programme sollen beliebige Datenbestände übernehmen:

Mikros gewinnen auf Grafik-Terrain an Boden

ESCHBORN - Nicht nur auf dem Mainframe-Sektor, sondern auch im Mikrocomputerbereich ist die Geschäftsgrafik groß im Kommen. Allein von Januar bis September 1985 erhöhte sich der Bestand einschlägiger Programme um 14 000 auf insgesamt 29 000. Im Zuge der Euphorie in Sachen Business Graphic warnt IDC-Mitarbeiter Peter Steding jedoch vor dem Einkauf von Software, die Sachverhalte sinnentstellend umsetzt.

Man kann drei Seiten Text schreiben, um jemandem einen Eindruck über einen bestimmten Sachverhalt zu verschaffen. Genauso ist es denkbar fünfzehn Zahlenkolonnen unterschiedlicher Größenordnung zusammenzustellen, damit sich der Empfänger ein Bild machen kann. Ein Dokument läßt sich aber auch auf die Art und Weise erstellen, daß es dem Betrachter auf einen Blick zeigt, wohin der Trend führt, wo die Ausreißer sind und welche Abhängigkeiten bestehen. Vorausgesetzt, man verfügt über einen eigenen Grafiker - oder über einen Mikrocomputer mit einem Programm für Präsentationsgrafik.

Rund 4000 Programme für Präsentationsgrafik waren Anfang 1985 in Deutschland installiert. Zählt man die integrierten Programme mit Tabellenkalkulation und Grafik mit, so beläuft sich diese Zahl immerhin auf rund 15 000 - nicht gerade viel bei über 360 000 Mikros in deutschen Büros. Aber bis zum 30. September dieses Jahres sind über 14 000 Programme dieses Typs verkauft worden - fast eine Verdopplung des Bestands innerhalb von neun Monaten. Was ist das Faszinierende an dieser Form der Computergrafik?

Jede moderne Kunstausstellung sieht ihren Stolz darin, sogenannte Computergrafik im Programm zu haben. Hierfür ermittelt ein Computer anhand fester oder variabler Formeln die Position von Punkten oder den Verlauf von Linien. Das Ergebnis wird auf einem Plotter bunt ausgegeben und wirkt in der Regel verwirrend. Genau das Gegenteil hat sich die Präsentationsgrafik zum Ziel gesetzt: Abstrakte Zahlenwerte sollen in einleuchtende, übersichtliche Darstellungen umgesetzt werden. Aus Zahlen entstehen Linien, Kreise mit Tortenstücken, Balken, schraffierte Flächen oder eine Kombination der verschiedenen Gestaltungselemente. Als Ergebnis entsteht ein Bild, das dem Betrachter auf Anhieb die wesentlichen Merkmale einer Aussage vor Augen führt. Der kreative Akt dieser Aufgabe besteht in der Wahl der am besten geeigneten Darstellungsart, um die gewünschte Aussage augenfällig zu machen.

Alle Programme für Präsentationsgrafik verfügen über eine bestimmte Standardauswahl an Elementen. Linien verdeutlichen Trends, Entwicklungen und Abhängigkeiten: Absatz, Umsatz und Profit oder der Aktienindex im Verhältnis zum Dollarkurs. Balken und Säulen haben eine ähnliche Funktion, wobei unterteilte oder versetzte Säulen gleichzeitig Verschiebungen bei Anteilen darstellen können. Kreise präsentieren Anteile: Vom Markt über Kosten und Erlöse bis zur Zusammensetzung von Materialien. Mit der Herauslösung einzelner Segmente läßt sich der Blick des Betrachters gezielt auf Besonderheiten lenken. Flächen treten zwischen Linien oder in einer sternförmigen Anordnung zur Visualisierung von Feldern auf.

Eine Sonderform nehmen Organigramme ein: Sie verbinden die Übersichtlichkeit einer grafischen Darstellung mit der einfachen Pflege der Inhalte und Verbindungen über ein Textprogramm.

Parameter nehmen Schlüsselrolle ein

Die ersten Grafikprogramme auf Mikrocomputern erforderten noch die manuelle Werteingabe. Besondere Schwierigkeiten bereiteten dabei die Maßstäbe, die bei Werten unterschiedlicher Dimensionen per Hand errechnet werden mußten. Auch mußten Ober- und Untergrenze explizit eingegeben werden.

Heutige Programme für Präsentationsgrafik übernehmen ihre Werte aus zugehörigen Rechenprogrammen. Im einfachsten Fall wird eine Spalte oder Reihe eines Tabellenkalkulationssystems zur grafischen Ausgabe bestimmt. Auf Knopfdruck erscheinen dann die Werte in der gewünschten Darstellung. Anspruchsvoller ist die gleichzeitige Darstellung mehrerer Bereiche eines Kalkulationssystems mit unterschiedlichen Größenordnungen. Das Grafikprogramm muß in diesem Fall selbst Maßstäbe und Grenzwerte ermitteln. Den höchsten Komfort weisen Grafikprogramme auf, die über Parameter versorgt werden und die darzustellenden Werte aus einem beliebigen Datenbestand der Datenverarbeitung übernehmen - ob Datenbasis, Finanzbuchhaltung oder Lohnabrechnung.

Während ein Zahlenbestand immer absolute Werte enthält, kann eine Grafik durch geeignete Wahl von Maßstab und Grenzwerten irreführende Eindrücke vermitteln. Nehmen wir einen Fall an: Der Umsatz eines Unternehmens sei zwischen 1980 und 1984 von 1000 Mark auf 1005 Mark gestiegen - insgesamt also um 0,5 Prozent. Enthält die grafische Darstellung jedoch nur die Eckwerte (untere und obere Grenze), so präsentiert sie kräftigen Anstieg. Genau das geschieht jedoch bei den meisten integrierten Grafikprogrammen: Als Darstellungsmaßstab nehmen sie automatisch die Differenz zwischen höchstem und niedrigstem Wert, um Veränderungen detailliert zu zeigen. Sogar amtliche Stellen haben keine Hemmungen, veröffentlichte Grafiken mit dem erforderlichen Maßstab oder Bereich zu versehen, um den gewünschten Eindruck zu vermitteln.

Stetige Preissenkung bei Matrixdruckern

Präsentation bedeutet, jemandem etwas zu zeigen, mit dem Ziel, ihm eine Absicht, eine Idee oder eine Erkenntnis zu vermitteln - zu verkaufen. Das kann eine Runde, eine Versammlung, ein Kongreß sein, aber auch der einzelne Kollege, Mitarbeiter oder Vorgesetzte. Da jedoch Ende 1984 erst jeder 36. Mitarbeiter über einen eigenen Mikro verfügte, wird die Präsentation grafischer Darstellungen auf absehbare Zeit ohne Papier oder Folien nicht auskommen. Wenn man also weder Plotter noch Grafikdrucker besitzt, nutzt ein schönes buntes Grafikprogramm nur einem selbst.

Grafikdrucker sind in der Regel Matrixdrucker, die punktweise ausgeben können. Die Ausgabe auf Typenraddruckern kann nicht als befriedigend bezeichnet werden. Nadeldrucker erreichen bis zu 150 Punkte pro Zoll Auflösung und können auch mehrfarbig drucken. Ihr niedriger Preis macht sie für jeden Arbeitsplatz erschwinglich. Matrixdrucker für Grafikausgabe kosten heute bereits weniger als 3 000 Mark; ihr Preis wird in den nächsten fünf Jahren durchschnittlich um sechs Prozent pro Jahr sinken.

Besser ist natürlich ein Mehrfarb-Tischplotter. Er zieht nicht nur bessere Linien - er kann sogar auf Klarsichtfolien zeichnen und stellt damit direkt präsentationsfähige Unterlagen bereit. Relativ neu auf dem Markt sind Tisch-Laserdrucker, die Schrift und Grafik ausgeben können. Ihr Preis rutschte 1985 von über 35 000 Mark auf knapp über 14 000 Mark und wird 1989 bei 6000 Mark liegen. Damit lassen sich dann komplette Präsentationsunterlagen mit Kopf, Text, Grafik und Rahmen in einem Arbeitsgang erstellen. Ob das auch farbig möglich sein wird, muß die Zukunft erweisen.

Die Technik der Bildwiedergabe heutiger Personal Computer ist jedem herkömmlichen Datensichtgerät überlegen. Während Bildschirm-Terminals heute noch über Zeichenraster von 5 mal 7 Bildpunkten aufweisen, sind Auflösungen von 10 mal 16 Bildpunkten bei Mikros keine Seltenheit und gehören bei einigen Lieferanten sogar zum Standard. Grundsätzlich wäre mit einem solchen Bildschirm auch computergestützte Konstruktion möglich. Es gibt inzwischen ja auch zahlreiche CAD-Programme zum Einsatz auf Arbeitsplatzrechnern. Nicht übersehen werden darf dabei jedoch, daß der typische PC-Bildschirm mit einem 12-Zoll-Monitor ausgestattet ist - groß genug, um den Grundriß eines Einfamilienhauses oder die Form eines einfachen Gußteils darzustellen. Schon bei der Konstruktion von Schaltkreisen und Leiterplatten werden jedoch die Grenzen sichtbar. Ungeeignet ist der Mikrocomputer für alle Konstruktionsaufgaben, bei denen der Konstrukteur Gesamtansicht und Details im Blick haben muß. So sind Sichtgeräte für CAD-Systeme auch mit Monitoren mit 19-Zoll-Bilddiagonalen ausgestattet. Und ein 9-Zoll-Monitor stellt hohe Anforderungen an die Augen, wenn auf ihm 80 Stellen Text pro Zeile oder komplexe Grafiken dargestellt werden.

Heute schon ist es möglich, eine grafische Darstellung als Datei von einem PC zum anderen zu übertragen. Ob dieser sie dann auch auf seinem Bildschirm betrachten kann, hängt davon ab, wie weit der Industriestandard maßgeblicher Hersteller verbreitet ist.

1989 wird jeder vierte Büroangestellte Zugriff auf einen PC haben. Gleichzeitig werden lokale Netze und digitale Nebenstellenanlagen zahlreiche Mikros untereinander verbinden. So wäre es durchaus möglich, eine erstellte Grafik per Draht an den Empfänger zu übertragen, ohne sie auf Papier oder Folie auszudrucken. Sogar die Direktausgabe gespeicherter Grafiken auf ein Projektionsgerät zur Präsentation vor größeren Gruppen ist kein technisches Problem.

Ob auch zukünftig zur Präsentation computererstellter Grafiken der Weg über Papier oder Folie unvermeidlich ist, hängt davon ab, ob sich auf diesem Bereich ein weltweiter Standard etabliert. Speziell unter dem Aspekt zukünftiger öffentlicher und privater Netze für Text-, Daten-, Bild- und Tonkommunikation sind Verbände, Institutionen und internationale Organisationen gefordert.