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Mikros: Neuer Odem für die traditionelle Textverarbeitung

27.04.1984

Neue Türen stößt der Einsatz von Mikrocomputern auch für die traditionelle Textverarbeitung auf. Obwohl sich die Auswirkungen der Kleinrechner als dezentrales DV-Medium noch nicht exakt definieren lassen, ist das papierlose Büro keine Zukunftsvision mehr. Diese Meinung vertritt Christian von Block, Leiter Org./DV bei der Münchener Raab Karcher GmbH. Grundsätzlich, so Max Gegenfurtner, Geschäftsführer und Gesellschafter beim i. f. t. Institut für Textverarbeitung in Stuttgart, gilt die Forderung, daß sich nicht die Aufgaben der Textverarbeitung an die Hard- und Software anpassen sollen, sondern umgekehrt. Ob sich dieses Ziel eher mit einem Mikro oder einem konventionellen Textautomaten erfüllen lasse, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Als "unentbehrliche Helfer bei der Qualitätssteigerung des Produktes Text" bezeichnet schließlich Harald Klein-Hutchinson von der Fernuniversität Hagen die Kraftzwerge.

Christian von Block

Leiter Org./DV, Raab Karcher GmbH, München

Nach herkömmlicher Auffassung kann eine moderne Textverarbeitung zentral oder dezentral ausgerichtet sein (Kostenfrage). Die technischen Mittel, die zur Schriftgutbearbeitung eingesetzt werden, sind meiner Meinung nach nur von zweitrangiger Bedeutung. Moderne Textverarbeitungsgeräte (Einplatz-/Mehrplatzsysteme) bieten heute nämlich Anwendungsmöglichkeiten wie Textbearbeitung, programmierte Textverarbeitung, Rechenfunktionen, Dateiverarbeitung, mischen von Datei und Text, DV-Schnittstellen sowie Teletexfähigkeit. Die Problematik liegt in der Nutzung der angebotenen Anwendungsmöglichkeiten und der damit verbundenen betriebsinternen Organisation.

Voraussetzung für die Einführung einer Textverarbeitung sind zum einen qualifizierte Mitarbeiter, zum anderen entsprechende organisatorische Vorleistungen. Durch umfangreiche Schriftgutanalysen kann das Schriftgut normiert werden. Hier spielen folgende Kriterien wie Standardbriefe, Textbausteine, Dateiaufbau, einheitlicher Briefstil oder Diktatorganisation eine Rolle.

Um diese organisatorischen Vorarbeiten erbringen zu können, ist - wie schon angesprochen - qualifiziertes Personal notwendig, Textverarbeitungsmitarbeiter müssen technisches Verständnis, organisatorisches Geschick und die Fähigkeiten einer guten Sekretärin mitbringen.

Sind diese Kriterien erfüllt, kann traditionelle Textverarbeitung sinnvoll in einer Unternehmung eingeführt werden und bringt Entlastung von monotonen Schreibarbeiten.

Da die Mikros heute kostengünstig auch in Klein- und Mittelbetrieben eingesetzt werden, kann man mittelfristig nicht von Verdrängung der traditionellen Textverarbeitung sprechen. Hier werden im Gegenteil neue Türen aufgestoßen. Ich bin der Meinung, daß der Siegeszug der "traditionellen Textverarbeitung" durch die Mikros mittelfristig schneller vorangehen wird, wenn auch die Schnittstellen moderner Kommunikationstechniken fließend ineinander übergehen werden.

Obwohl wir die Auswirkungen neuer Medien noch nicht exakt definieren können, läßt sich feststellen, daß das papierlose Büro keine Zukunftsversion ist. Sicher ist, daß auch künftig Informationen erfaßt, gespeichert und vermittelt werden müssen.

Erst wenn es gelingt, mit Hilfe spezieller Speicher, Sprache nicht nur in hörbarer, sondern auch in visueller Form verfügbar zu machen, scheint mir das Ende der "traditionellen Textverarbeitung" gekommen zu sein.

Max Gegenfurtner,

Geschäftsführer und Gesellschafter beim i.f.t., Institut für Textverarbeitung, Stuttgart

Traditionelle Textautomaten sind tot - es leben die Mikros! So hört und liest sich die Werbung der Mikrocomputeranbieter. Wenn dies so stimmen sollte, gäbe es keine Chance für den Einsatz von konventionellen Textautomaten. Wie sieht es aber in der Praxis wirklich aus und wie wird es in den nächsten Jahren weitergehen?

In ganz kurzer Zeit haben Mikrocomputer Eingang in allen Branchen und für viele Anwendungen gefunden. Dabei waren und sind es die mehr "rechnenden" Aufgaben, die von den Mikros übernommen werden und diese Arbeiten können diese "Kleinen" ganz großartig erledigen. Hier erreicht oder übertrifft der Leistungsumfang der Mikros in vielen Fällen die Leistung teurer "Midis" (ehemals Mittlere Datentechnik) - und das bei phantastisch niedrigen Preisen.

Bei den meisten Mikros, die bisher eingesetzt sind, handelt es sich um Geräte, die mit ganz bestimmten Programmen von einem Sachbearbeiter persönlich genutzt werden. Hier werden Aufgaben nicht an eine andere Stelle delegiert, um sie zu erledigen, sondern sie werden an Ort und Stelle komplett vom Sachbearbeiter fertig gemacht.

Bei den konventionellen Textautomaten wird in der Vielzahl aller Einsätze von der Sachbearbeitung her vorgegeben (diktiert) und am Textautomaten geschrieben. Ob es sich dabei um Textbearbeitung (Sofort- und Autorenkorrektur) handelt oder um TV = programmierte Textverarbeitung (Ganzbriefe und Bausteintexte)die Vorgänge gehen nach dem Schreiben wieder zurück zur Sachbearbeitung zur Kontrolle.

Vergleicht man die Textverarbeitung bei Mikros und Textautomaten, so lassen sich zur Zeit doch noch erhebliche Unterschiede in bezug auf Bedienung feststellen. Textautomaten mit der Schwerpunktaufgabe "Schreiben" sind mit komfortablen Funktionen für die Texterstellung und Textüberarbeitung ausgestattet. Hier sind die Programme auf die Bedienerfreundlichkeit der "Schreibmaschine" abgestellt, also zu schreiben wie gewohnt. Bei den meisten Textprogrammen der Mikros ist die Erstellung eines individuellen Briefes fast eine Programmieraufgabe. Aber es ist festzustellen, daß die Programme der Mikros besser, bedienerfreundlicher werden und damit leichter zur Akzeptanz führen.

Sehr häufig werden heute die Funktionen der Textverarbeitung nur an den "sichtbaren" Ergebnissen verglichen, zum Beispiel Fettdruck, Blocksatz. Das führt zu fehlerhaften Bewertungen, weil diese Funktionen in der Praxis nicht die Problempunkte darstellen. Es sind die kleinen Feinheiten beim Texterstellen, die wichtig sind, beispielsweise die Randzonenbehandlung in jeder Zeile (überlange Worte, Silbentrennung, Bindestrich), der Seitenumbruch bei mehrseitigen Texten, das Ändern von Texten im eingerückten Zustand und so weiter.

Natürlich kann ein Mikrocomputer auch Werbebriefe schreiben, die mit Anschriften gemischt werden. Deshalb ist es wichtig, die Aufgaben zu klären, um die für sich richtige Entscheidung zu treffen, ob Mikro oder Textautomat eingesetzt werden kann. Diese Aufgaben sollte man sich dann auch zeigen lassen um objektiv testen und vergleichen zu können.

Grundsätzlich kann man sich an die Forderung halten, daß sich nicht die Aufgaben der Textverarbeitung an die Hard- und Software anpassen sollen, sondern bestimmte Aufgaben eine passende Hard- und Software erfordern. Dies gilt es herauszufinden! Ob es sich dabei dann um einen Mikrocomputer handelt oder ob es ein konventioneller Textautomat ist, die geforderte Leistung muß erbracht werden.

Wenn ein Mikro ein Textprogramm hat, so wird daraus noch nicht unbedingt ein Textautomat. Wenn ein Textautomat rechnen kann, kommt er damit noch lange nicht an den Leistungsumfang eines Mikros heran.

Wie wird es also in Zukunft aussehen? Die Mikros werden in großen Stückzahlen auf den Markt kommen. Viele davon werden auch mit Textprogrammen ausgestattet sein. Der Leistungsumfang der Textsoftware ist jedoch sehr unterschiedlich. Mit diesen Mikros werden künftig Arbeitsplätze ausgerüstet, die nie einen Textautomaten erhalten hätten. Selbstverständlich werden da und dort Mikros auch auf Schreibplätzen Einsatz finden. Die konventionellen Textautomaten aber werden überall dort nach wie vor ihren Einsatz finden, wo es um komfortables Schreiben geht und dabei auch die rechnenden Aufgaben elegant gelöst werden können. Das bedeutet aber auch, daß die Hersteller der konventionellen Textautomaten stets für die berühmte "Nase vorn" sorgen müssen.

Über Stückzahlen eine Prognose zu wagen, ist im Rahmen dieses Berichts nicht möglich. Geht man aber davon aus, daß bisher etwa 25 000 bis 30 000 Textautomaten jährlich in den Markt kommen, so werden diese Stückzahlen weiterhin möglich sein. Die Mikros drängen in den Textmarkt, werden aber die etablierten Textautomaten nicht verdrängen.

Harald Klein-Hutchinson

Leiter des Arbeitsbereichs Lexivisuelle Medien im Zentrum für Fernstudienentwicklung der Fernuniversität in Hagen

Die Mikros werden die traditionelle Textverarbeitung verdrängen - und nicht nur diese.

Meist nimmt die Textverarbeitung ihren Ausgang von der Massenkorrespondenz. Hier ist eine Standardisierung des Textgutes nach Textbausteinen relativ leicht zu bewerkstelligen; Kapitaleinsatz und Rationalisierungserfolg rechnen sich schnell.

Die Mikros mit ihrer Leistungsdichte eröffnen aber auch neue Felder der Textverarbeitung bis hin zum wissenschaftlichen Satz. In Wissenschaft und Technik ist das Textgut vor allem durch zwei Merkmale charakterisiert: hoher Zeichenbedarf und grafische Elemente (Flußdiagramme, Netzpläne, Schaltskizzen).

Beide Merkmale werden bislang in getrennten Arbeitsgängen realisiert; erst am Schluß erfolgt die Montage zur reproduktionsfähigen Vorlage. Jeder Arbeitsgang in sich verläuft wiederum hoch arbeitsteilig - mit entsprechender Fehlerquote und steigendem Koordinationsaufwand.

Moderne Textsysteme, vielfach auch Kommunikationssysteme genannt, verdichten hier die Produktion. Die Technik erlaubt die Darstellung und interaktive Veränderung aller Zeichen. Außerdem ist es möglich, eine Vielfalt von Grafiken am Bildschirm darzustellen sowie deren Ausgabe über Ink-Jet-Drucker zu Korrekturzwecken beziehungsweise über Laserdrucker für die Reproduktion zu veranlassen. Das heißt nichts anderes als Aufhebung der bisherigen Arbeitsteilung.

Daraus ergeben sich spezifische Vorteile: Die Technik bringt den Produktionsprozeß wieder in den Wirkkreis des Autors. Seine Zugriffszeit auf den Text wird wesentlich näher an den Drucktermin herangerückt; damit werden Informationen tendenziell aktueller. Fehlerquellen lassen sich minimieren, da das gesamte Werk immer zusammenbleibt. Und: Die Produktion auch anspruchsvoller Texte kann im Haus bleiben.

Es ist sogar möglich, verschiedene Textversionen parallel zu führen. Die Archivierung dieser Texte ist denkbar einfach und sicher. Wo früher umfangreiche Registraturen nötig waren, genügen heute Disketten.

Auch beim Personaleinsatz sind die Vorteile unverkennbar. Die Programme sind soweit bedienerorientiert, daß über die Schreibtechnik hinausgehende Spezialkenntnisse nur in beschränktem Umfang erforderlich sind und sich überdies leicht erlernen lassen. Hinzu kommt der nicht zu unterschätzende Motivationsanreiz, ein Werk von Anfang bis Ende mit eigener Hand erstellen zu können. Die vielbeklagte Entfremdung von der Arbeit wird hier aufgehoben.

Erfahrungen im Betrieb solcher Textsysteme zeigen, daß neue Technik nicht gleich Jobkiller ist. Wer die Leser im Auge hat und wem die Qualitätssteigerung des Produktes, "Text" Geld wert ist, der wird die Mikros als unentbehrliche Helfer zu integrieren wissen. Fazit Verdrängung traditioneller Textverarbeitung - ja; Verdrängung der Textverarbeiter - nein, sie werden wichtiger denn je.