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26.08.1983 - 

Für Mikrocomputer, Personal Computer und Arbeitsplatzcomputer:

Mikrosoftware als Alternative zum Decoder

In der Diskussion aber Btx-Terminalanwendungen und den neuen CEPT-Standard spielt der Decoder eine zentrale Rolle, da mittlerweile neben den Hardware-Decodern auch Softwarelösungen realisiert sind und auf dem Markt angeboten werden. Das Problem: Die Bundespost argumentiert mit Hinweis auf die Manipulationsmöglichkeiten gegen die software-geladenen Decoder. Peter Sass, Geschäftsführender Gesellschafter des Hamburger Tele-Dataservice, beschreibt den derzeitigen Stand in Sachen Btx-Decoder.

Der Bildschrimtext-Neuling muß den Eindruck gewinnen, daß der Decoder die Bedeutung eines Interface erlangt hat. Tatsächlich ist es derzeit so, daß der Decoder bei den Btx-Teilnehmergeräten vielfach einen Engpaß darstellt. Ohne Decoder für den neuen Standard gibt es nicht die Möglichkeit der Terminalanwendung. Das gilt sowohl für die als "dummes" Terminal von der Fernsehindustrie gelieferten Geräte als auch für Mikrocomputer, Personal Computer oder Arbeitsplatzcomputer, die mit Btx-Software ausgerüstet werden. Der Decoder hat hier eine technologische Schaltfunktion.

Decoder kannte man schon früher wie zum Beispiel bei Videotext. Intelligente Decoder wurden diskutiert und der berühmte Mupid aus Österreich brachte die Lösung. Es hat sich inzwischen gezeigt, daß Mupid ein Schritt nach vorne war, nicht aber die Lösung zum CEPT darstellt. Bewegte Bilder etwa werden von diesem Gerät nur verstümmelt wiedergegeben.

Nach Meinung von Btx-Experten läßt sich das, was ein Hardware-Decoder leisten kann, auch softwaremäßig über eine Mikrosoftware realisieren. Mittlerweile liegen derartige Lösungen nicht nur im Ansatz vor, sondern auch auf dem Tisch. So hat ein Hamburger Unternehmen einen Decoder entwickelt, der bei einer hochleistungsfähigen Responsezeit auf dem Arbeitsplatzcomputer zum Beispiel 256 Farben abdeckt.

Eine derartige Lösung wird in der Bundesrepublik aber nicht ohne weiteres akzeptiert, da die Post spezifiziert hat, was sie unter einem Decoder versteht und wie sie den Decoder haben will. Man weiß somit den Weg, auch wenn noch immer neue Spezifikationen zu erwarten sind.

Als Richtlinie für alle, die sich mit dem Thema Decoder beschäftigen, gilt daher: Das Gerät soll generell ein Hardware- beziehungsweise ein nichtladbarer Decoder sein. Dieses Kriterium in der letztgenannten Formulierung läßt offen, ob es ein Decoder sein muß, der aus der Phonoindustrie kommt, oder ob es ein Decoder sein kann, der die Software-Funktionen über geschickte PROMs erfüllt.

Auf der letzten Sitzung des Unterarbeitskreises 1, in dem das Fernmeldetechnische Zentralamt für die Bundespost sowie Btx-Hersteller vertreten sind, wurde dieses Thema kontrovers diskutiert. Die Post argumentierte, gegen software-geladene Decoder, da diese leicht manipuliert werden könnten und man daher keine Möglichkeit der Kontrolle habe. Mehrere Hersteller von Mikrocomputern waren dagegen anderer Ansicht.

Auf jeden Fall steht fest, daß für multifunktionale Arbeitsplatzcomputer mit Btx-Software ein großer Markt besteht, der durch ein Verbot der software-geladenen Decoder verloren gehen würde. Dies wiederum hätte zur Folge, daß eine rasche Verbreitung von Btx nur bedingt möglich wäre. Es bleibt daher zu hoffen, daß zwischen Post und Herstellern ein gangbarer Weg gefunden wird, der sowohl die Sicherheitsbedürfnisse der Post als auch die Wünsche der Mikrocomputerindustrie berücksichtigt.

Ein weiteres, vielleicht das wesentliche Kriterium ist, daß der Software-Decoder von CEPT-tauglich sein muß. Dies bedeutet, daß - mit Ausnahme von Inhouse-Versionen - zwei leistungsfähige, aber nur halb-CEPT-fähige Decoder von der Post auch für geschlossene Benutzergruppen nicht akzeptiert werden. Zumindest bei der Abnahme muß die CEPT-Tauglichkeit vorliegen.

Die Begründung der Post: Sie könne nicht sicherstellen, daß halb-CEPT-fähige Decoder wirklich immer und nur für geschlossene Benutzergruppen eingesetzt werden. Ihre Aufgabe, gleiche Qualität überall zu bieten und zu gewährleisten, werde unter Umständen dann unterbrochen, wenn ein solcher Decoder doch einmal für die allgemeine Btx-Kommunikation verwendet würde.

Die Funktion "Decoder" sollte bereits heute weitergefaßt werden als nur "Signalübertragung" zum Terminal. Der Decoder kann zumindest in der Bauweise und in der Bautechnik des Mikrochips hochintelligent gemacht werden und zum Beispiel als Ausgabe- und Speichermedium für Mikrosoftware Gültigkeit haben. Ist das erreicht, bekommen die sogenannten dummen Terminals plötzlich Intelligenz - die Grenze zwischen klassischem EDV-Terminal und Fernsehgerät verschwimmt damit wieder. Hier wird sich in den nächsten Monaten noch einiges abspielen.