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16.11.1984 - 

Berufsförderung für Facharbeiter:

Mikrotechnik im Baukastensystem erlernen

ESSEN (lo) - Das Experiment verläuft seit viereinhalb Jahren erfolgreich: "Mikrocomputertechnik in der Facharbeiter-Ausbildung" (MFA) bezeichnet nicht nur als Konzept ein Bildungsprogramm. MFA heißt zugleich ein Mikrorechner, sowohl Lehrmittel wie auch Ergebnis bei Diesem Verfahren. Didaktik. Hard- und Software dazu erarbeitete das Berufsförderungszentrum Essen e. V. (Bfz). Das MFA-Programm gilt bereits schon als Standard für die Ausbildung von Fachkräften auch über bundesrepublikanische Grenzen hinaus.

Im Rahmen eines Wirtschaftsmodellversuchs entwickelte die Projektgruppe MFA des Berufsförderungszentrums Essen in Zusammenarbeit mit 30 Betrieben und 120 Sachverständigen aus Industrie, Wirtschaft und Bildungsinstitutionen in einem Forschungsvorhaben Konzept, Methode, Didaktik und Technik für einen Lehr-Computer. In der elektrotechnischen Aus- und Weiterbildung findet dieses System zunehmend seinen Einsatz.

Diese Modelleinrichtung für die Schulung in neuer Technik des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft (BMBW) sowie Forschung und Technologie (BMFT) förderten ebenfalls die Bundesanstalt für Arbeit (BA) und das Bundesinstitut für Breufsbildung (BIBB). Als Unterstützungssumme wurden rund fünf Millionen Mark für die Laufzeit von fünf Jahren gewährt.

Abgestimmt ist das Lern- und Lehr-System auf den Einsatz in Aus- und Weiterbildung von Fachkräften aus dem Berufsfeld Elektrotechnik. "Wir wollen alle jene erreichen, die konkret mit der Computertechnik zu tun haben - etwa bei der Anwendung, beim Service, bei der Reparatur", verdeutlicht Projektleiter Norbert Meyer von der Projektgruppe MFA. Dieses Konzept umfaßt sowohl die Erstausbildung als auch Umschulung und Fortbildung - "bis hin zum Ingenieur".

Die MFA-Philosophie sei es, hardware- und prozeßbezogen auszubilden. Dies stehe gegen jene Tendenzen in der Bildungsszene, die beteuerten, mit einem Personal Computer und einer beliebigen Programmiersprache praktikable Qualifikationen für den gewerblichen Bereich, die Industrie und den Steuerungsbereich zu vermitteln und so die Probleme lösen zu können, bezieht Meyer Standpunkt.

Der MFA-Mikrocomputer wurde in modularer 19-Zoll-Einschubtechnik gestaltet. Diese Baugruppen sollen es dem Anwender ermöglichen, kleinere Funktionseinheiten zunächst gesondert zu betreiben und kennenzulernen. Es ist vorgesehen, mit wachsenden Kenntnissen von einfachen über komplexe bis hin zu schwierigsten Zusammenhängen zu gelangen.

Schon während der "Probezeit" mauserte sich des Hardwaresystem mit seinen technischen und didaktischen Begleitunterlagen zum Standard in Aus- und Weiterbildung sowie in der Umschulung von Elektrofachkräften. Derzeit wird es nicht nur bundesweit, sondern auch in den Nachbarländern in der Ausbildung von Facharbeitern, Technikern, Ingenieuren und Meistern eingesetzt.

Stichwort für die breite Wirkung sei die offene Projektarbeit, erläutert Franz Derriks, Entwicklungsleiter Medien des MFA-Teams. "Aber auch unser Bestreben, keinen wissenschaftlichen Abklatsch aus der Hochschule für die Ebene der Facharbeiter zu bieten."

Mit dynamischem Konzept technisch up to date

Die Kosten für die Grundausstattung des MFA-Gerätes betragen als Bausatz um die 1500 Mark. In der ausgefeilten Version eines Entwicklungssystems einschließlich der gesamten Peripherie verdreifacht sich der Preis.

Als Aufgabe des Projekts nennt das Bfz/MFA, eine systematische Grundlage auszuarbeiten, mit deren Hilfe Inhalte der Mikrocomputer-Technik an Fachkräfte vermittelt werden. Damit sollen Ausbilder über die Digitaltechnik an die Mikrocomputertechnik herangeführt werden, auch für Unterricht und Unterweisung. Die Vorstellung dabei ist ein dynamisches Konzept, "um technisch auf der Höhe zu bleiben", unterstreicht der stellvertretende Projektleiter Christian D. Handel.

Das Projektteam arbeitet mit Beratergruppen aus dem kommerziellen sowie dem Bildungsbereich zusammen. Dabei stehen Themen wie etwa berufliche Anforderungen und Qualifikationen, aber auch Fragen zur Hardware eines Mikrocomputer-Lehrsystems im Vordergrund sowie Integration der Inhalte und Medien in die Ausbildung.

Praxisgerechter Unterricht

Sowohl Medienmaterial als auch Teachware sind modular aufgebaut. Als Bausteine lassen sie sich den unterschiedlichen Bedürfnissen und Kenntnissen der jeweiligen Gruppe anpassen. "Von 'draußen' wird uns immer wieder bestätigt: Baugruppensystem und Medienmaterial ermöglichen haargenau, diesen Anforderungen gerecht zu werden", sagt Christian D. Handel über die Resonanz beim Anwender. Der Unterricht teilt sich in fachpraktische und -theoretische Übungen. Mit ihrer Hilfe kann das Mikro-System nachgebaut und in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig erfolgt ein stufenweiser Ausbau der Programmierkenntnisse. So kommen die Teilnehmer schrittweise zu differenzierten Software-Lösungen. Sie behandeln dabei Problemstellungen, die sich im Zusammenhang mit konkreten Übungen ergeben.

Teilnehmer aus allen Tätigkeitsfeldern

Als Adressaten nennt die Projektgruppe des Bfz drei Beschäftigungsgruppen. Der Tätigkeitsbereich von Gruppe Eins liegt im Umgang und der Bedienung von Geräten oder Anlagen mit Mikrocomputerkomponenten. Gruppe Zwei befindet sich im Umfeld des Mikros, und Gruppe Drei arbeitet unmittelbar an dem Computer oder dessen Funktionseinheiten.

Eine dreistufige Struktur soll dem Lernenden den Weg in die Mikrocomputertechnik erleichtern. Auf verschiedenen Ebenen kann dabei der Einstieg stattfinden.

Marktlücke entdeckt

"Wir sind 1980 mit dem Projekt offensichtlich in eine Marktlücke gestoßen - von der Nachfrage wurden wir förmlich überrollt", erinnert sich Handel.

Das Bfz Essen selbst führt seit Mitte 1982 im gesamten Bundesgebiet Seminare in der Digital- und Mikrocomputertechnik durch: 500 Ausbilder, Weiterbildungs-Referenten, Dozenten und Lehrer, sogenannte Multiplikatoren, wurden fachlich sowie methodisch-didaktisch mit der neuen Informationstechnik vertraut gemacht. 1600 MFA-Computer entstanden im Nachbau und rund 9500 Facharbeiter eigneten sich die neuen technischen Kenntnisse an.

Stichwort Technik der Zukunft

Im März nächsten Jahres endet das MFA-Projekt. Der Wunsch nach Verlängerung kommt von einer großen Zahl von Unternehmen. Auch die Nachfrage nach firmenspezifischen Seminaren zur Weiterbildung von Facharbeitern, Technikern und Ingenieuren ist enorm, erfährt die MFA-Gruppe immer wieder. Die betriebliche Weiterbildung will das MFA-Team deshalb auf zusätzliche Felder ausdehnen. Gedacht ist an den kaufmännischen Bereich, aber ebenfalls an Chemie-Berufe.

Auch für die Berufsschule will das Team des Bfz aktiv werden. Es übernimmt bei einem Modellversuch die wissenschaftliche Begleitung.

Das Programm der Lehrgänge, einschließlich Hardware- und Medientechnik, wird zudem aktualisiert: "Stichwort Robotertechnik", weist Projektleiter Meyer optimistisch die Richtung für die nächsten drei Jahre und benennt das erforderliche Volumen mit einer Million Mark pro Jahr.

Entsprechende Initiativen sind im Gange, Gespräche mit den Bildungs- und Forschungsministerien befinden sich bereits im Stadium der Endformulierung.