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Militär förderte die Mikroelektronik

30.05.1986

Zu den ganz wesentlichen Komponenten jedes Computers gehören Mikrochips - und auch das Gedeihen dieser Bauelemente hat das US-Militär, zumindest in den Anfangsphasen der Entwicklung, stark gefördert. Zwar waren Transistor wie auch IC zunächst zivile Erfindungen, aber deren Weiterentwicklung, so bemerkt die IABG, wäre ohne die Gelder des Pentagon wohl kaum so schnell vorangekommen. Zumal die Militärs in den 60er Jahren auch gleich noch die gut zahlenden Hauptabnehmer von Chips waren; sie brauchten sie für Ihre Minuteman-Raketen.

Noch Mitte der 60er Jahre sank die Bedeutung der militärischen Aufträge auf diesem Felde allerdings stark, und die modernen Mikroprozessoren, Speicher etc. gelten daher wohl zu Recht als zivile Entwicklungen. Aber auch das seit etwa 1980 laufende Pentagon-Programm zur Nutzung sehr schneller ICs, das "VHSIC"-Programm, dient weniger dazu, "grundlegende technologische Innovationen zu initiieren", sondern soll in erster Linie nur potentielle Anwendungen der Mikroelektronik im militärischen Bereich fördern, wie die Studie der IABG feststellt.

Militärische Programme auf dem Sektor Mikroelektronik gab es in den letzten Jahrzehnten auch in Großbritannien. Allerdings führte die stark militärische Orientierung der Förderung dort letztlich zu einem Fiasko, betrachtet man den zivilen Nutzen. Denn, so die IABG, die kommerzielle Umsetzung der Forschungsergebnisse "war und ist unzulänglich."

In Japan, wo es für Chips praktisch überhaupt keine Militärgelder gab, sondern nur zivile Mittel, ist der Stand der Mikroelektronik anerkannt hoch; selbst deutsche Großunternehmen zehren heute schon von japanischem Chip-Know-how. Dabei fällt aber auf, daß die Japaner die Chiptechnik nicht schon in der Frühphase mit Staatsgeldern förderten, sondern erst, als "die mikroelektronische Industrie schon fest etabliert" war - also etwa ab 1972. 1975 wurde dann das VLSI-Programm zur Entwicklung höchstintegrierter Chips gestartet.

Japan schaffte es, die fehlende militärische Nachfrage nach Chips durch "funktionelle Äquivalente" ziviler Art zu ersetzen, also beispielsweise durch den wohlkalkulierten Exportboom bei elektronischen Konsumgütern und dergleichen mehr. Und wenn der Aufbau dieser zivilen Nachfrage vielleicht auch mühevoller war als das simple Ausfüllen militärischer Bestellformulare - letztlich war diese Strategie für Japan doch vorteilhaft, bemerkt die IABG.

Vergleicht man, wie es hier geschieht, die USA mit Japan, so fällt auch auf, daß im erstgenannten Land eher kleine und mittlere Firmen Innovationen schaffen, im zweiten aber vor allem große Elektronikkonzerne. Doch während in letzteren die lebenslange Treue zum Arbeitsplatz die Regel ist, fluktuieren die Belegschaften amerikanischer Firmen sehr stark. Was nun wiederum zur Folge hat, daß das Wissen, das im Rahmen von Militärprojekten gewonnen wurde, dort sehr rasch dadurch Verbreitung findet, daß die Menschen von Firma zu Firma gehen. Während so eine Form der Wissensausbreitung in Japan selbst dann nicht vorstellbar wäre, gäbe es dort massive militärische Programme.

Schließlich ist noch ein letzter Punkt aufschlußreich: Während die militärischen Programme der USA vor allem neue mikroelektronische Produkte zum Ziel haben, fördern die Japaner mit ihren Staatsgeldern eher Produktionstechniken und Verfahrensinnovationen. Das scheint sich, siehe die Erfolge auf den Weltmärkten, besser auszuzahlen. es