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24.05.1991 - 

ISC arbeitet mit heterogenen Systemen

Militärs machen sich TCP/IP für die Kriegsführung zunutze

Der Golfkrieg hat uns vor Augen geführt, daß die DV nicht nur auf Büros und die Wirtschaft begrenzt ist. Hinter den hochentwickelten Waffensystemen stand eine DV-Infrastruktur, die der modernen Kriegsführung gerecht werden mußte. Die Rolle des Übertragungsprotokolls TCP/ IP in diesem "Kriegsnetz" beleuchtet Robert F. Weissert*.

Nach der irakischen Invasion in Kuwait im August letzten Jahres gelang es dem Information Systems Command (ISC) der U.S. Army, innerhalb von sechs Wochen unter Verwendung handelsüblicher Produkte in Saudi-Arabien eine DV-Kommunikationsstruktur zu entwickeln, zu installieren und in Betrieb zu nehmen.

Das ISC ist mit einer Stärke von rund 40 000 Soldaten und Zivilisten, die in den Vereinigten Staaten und in 14 weiteren Nationen stationiert sind, die größte militärische Kommunikations- und DV-Organisation der Welt. Das Aufgabenfeld des Kommandos, dessen Hauptquartier sich in Fort Huachuca. Arizona, befindet, umfaßt Planung, Beschaffung, Installation, Betrieb und Wartung aller zur DV-Unterstützung der Armee benötigten Systeme.

Kern des bei der Operation Wüstensturm eingesetzten Netzwerks war TCP/IP, das heute praktisch einen weltweiten Standard für offene Systeme darstellt. TCP/IP hat sich gegenwärtig als die ideale Lösung für die DV unter wechselnden Kampfbedingungen erwiesen, weil die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf von Arbeitssitzungen dabei keinen zwischengeschalteten Netzinstanzen, sondern den einzelner Host-Rechnern obliegt. Durch ferngesteuerte Netzwerkverwaltung, Fehleranalyse und Netzkoppler-Konfiguration kann die Netztopologie ständig den taktischen Erfordernissen angepaßt werden.

Unterstützt durch das U. S. Army Information Systems Engineering Command, konnte das ISC einen Netzwerkverbund installieren, der aus Teilnetzen besteht, die sich an 40 strategisch wichtigen Punkten in ganz Saudi-Arabien befinden. Obwohl der Krieg beendet ist, bleiben diese Systeme noch in Betrieb, solange sie im Rahmen der Rückverlegung von Truppen gebraucht werden.

Die Fähigkeit, weltweit in kurzer Zeit ein Netz aufbauen zu können, verdankt das ISC dem Einsatz netzübergreifender Protokolle. Grundlage dieser Architektur sind kompatible Leitwegsteuerungen, Netzkoppler und Terminal-Server der Cisco Corporation.

Das ISC erkannte bereits vor vier Jahren die Vorteile einer vollen Unterstützung von TCP/ IP. Diese Protokollstruktur für offene Systeme wurde darauf hin in größeren Rechenzentren der Armee installiert, die bislang die SNA-Architektur von IBM eingesetzt hatten. Dazu gehören die DV-Systeme der Personal-, Finanz- und Logistikzentralen der Armee sowie die regionalen Rechenzentren des ISC. Insgesamt wurde TCP/IP weltweit auf über 1500 Minicomputern und Mainframes der U.S. Army installiert.

Als die Vorbereitungsphase des Golfkriegs die Armee mit der unmittelbaren Notwendigkeit eines schnellen globalen Datenaustausches konfrontierte, realisierte das ISC die Kommunikation zwischen heterogenen Netzen durch TCP/IP, unabhängig von Computern und Betriebssystemen. Um den militärischen Anforderungen zu genügen, mußte es schnell den wechselnden Kampfbedingungen anpaßbar sein und in "Echtzeit" entsprechend der taktischen Situation konfiguriert werden. Auf dem Netz können sowohl das 3270-Protokoll von IBM als auch andere herstellerspezifische Protokolle über TCP/IP-Übertragungskanäle gefahren werden.

Über das Netz werden täglich rund 50 MB Daten übermittelt, mit Antwortzeiten von unter drei Sekunden im Dialogbetrieb mit den Vereinigten Staaten. Derzeit machen in Saudi-Arabien stationierten Einheiten der Armee, der Marine, der Luftwaffe und der Marineinfanterie von dem Netz Gebrauch.

Ein derart komplexes Gebilde aus Leitwegsteuerungen, Netzbrücken, Paketvermittlungen und Satelliten-Fernverbindungen verlangt eine ständige und genaue Netzwerkverwaltung, die von einem zentralen Punkt ausgeht. 1988 beauftragte der kommandierende General des ISC seinen Stab, die Einsatzmöglichkeiten des "Rapid Prototyping" (schnelle Entwicklung von Prototypen) mit Hilfe von 4GL, künstlicher Intelligenz) und CASE zu evaluieren.

Ein Ergebnis dieser Bemühungen war das "Global Internet Information System". Der Prototyp dieser Unix-Anwendung wurde am Cambridge Institute of Technology erstellt und vom Software Development Center des ISC in Fort Huachuca zu einem voll einsatzfähigen Netzwerk-Verwaltungswerkzeug weiterentwickelt.

Die U. S. Army verwendet dieses Programm inzwischen weltweit zur Überwachung von 1500 Computern in 56 heterogenen Netzwerken. Der saudiarabische Netzwerkverbund wird zentral durch den U. S. Army DDN Domain Manager gesteuert, der sich an der amerikanischen Ostküste befindet.

Das Global Internet Information System ist quasi das "Awacs" (Airborne Warning and Aircraft Control System - luftgestütztes Frühwarn- und Flugleitsystem) des Armee-Verbundnetzes, das ständig alle Vorgänge in seinem , Einsatzbereich überwacht.