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21.02.2007

Millennials - was der Nachwuchs will

ist freier Journalist in München
Sie sind nach 1980 geboren, legen großen Wert auf Unabhängigkeit und setzen modernste Technik völlig unbefangen ein. Die Wirtschaft stellt sich allerdings auf die neue Mitarbeitergeneration kaum ein.

Wie ignorant die Wirtschaft mit diesen so genannten Millennials verfährt, ist Siegfried Lautenbacher, Chef des IT-Dienstleisters Beck et al. Services GmbH in München, schon lange ein Dorn im Auge. "Junge Leute wollen freien Zugang zu Informationen, Inhalte schnell selbst erstellen und verteilen. Sie kommen aus einer völlig anderen Denktradition." Lautenbacher selbst sieht sich eher als "digitalen Immigranten" - in die Welt der Bits and Bytes eingewandert, nicht in ihr geboren. Sein Appell: "Wir müssen uns permanent öffnen, um für die Entscheider von morgen attraktiv zu sein und sie zu verstehen."

Hier lesen Sie ...

worauf es der nach 1980 geborenen Mitarbeitergeneration ankommt;

was Marktbeobachter Unternehmen nahe legen, um "Millennials" zu binden;

wie Personaler die Bedürfnisse des Nachwuchses einschätzen.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

584591: Eine neue Mitarbeitergeneration;

573872: Wie Chefs Mitarbeiter fördern;

584341: Personalentwicklung im Mittelstand.

Mit seiner Meinung, dass sich Manager leichtfertig über die Bedürfnisse der nachrückenden Mitarbeitergeneration hinwegsetzten, ist Lautenbacher nicht allein. "Viele Firmen geben zwar vor, gut auf die mit digitaler Technik vertrauten jungen Leute, die so genannten Millennials, vorbereitet zu sein", sagt Pascal Matzke, Analyst von Forrester Consulting. Bei genauerem Hinsehen zeige sich ein anderes Bild. Intern wie auch gegenüber Kunden und Lieferanten werde nicht im "Millennial-Stil" kommuniziert. Oft fehle jegliches Verständnis, um Blogs, Online-Diskussionsforen und Peer-to-Peer-Netzwerke einzurichten, die neben SMS und Skype die bevorzugten Kommunikationskanäle der umworbenen Altersgruppe darstellen. Matzke: "So wird den Entscheidungsträgern von morgen die Freuede am Job genommen."

Generation Praktikum, Generation iPod, Generation Nesthocker, nun auch die Millennials die nach 1980 Geborenen finden sich in zahlreichen Schubladen wieder. Schon geistern Scherze über den vor allem in den USA kursierenden Begriff im Netz herum: Wer mindestens fünf gratis beschaffte MP3s auf dem Rechner hat oder mehr digitale Fotos besitzt als Papierbilder, dürfe sich als Millennial bezeichnen. Ebenso wie derjenige, der es vorzieht, mit einem 8000 Kilometer entfernten Freund zu skypen anstatt mit der Oma aus dem zweiten Stock zu reden.

Politisch wenig engagiert

Tieferen Einblick ins Innenleben dieser Altersgruppe gewährt die Ende 2006 vorgestellte Ausgabe der "Shell-Studie", für die alle vier Jahre rund 2500 Jugendliche im Alter von zwölf bis 25 Jahren ausführlich befragt werden. Der Nachwuchs, so das Fazit, ist beruflich zielstrebig, politisch aber kaum engagiert. Sein vorläufiger Lebensentwurf ist konservativ, der vorzeitigen Abnabelung vom Elternhaus zieht er starke familiäre Bindungen vor. Pille, Protest, Politik das Lebensgefühl seiner Eltern und Großeltern ist ihm fremd.

Der Berufstauglichkeit tut das keinen Abbruch. Diesen Eindruck haben die Analysten von Forrester gewonnen, die den Nachwuchs im Auftrag von Xerox befragten. Gute Arbeitskräfte, die skypen, googeln und simsen zu gewinnen und langfristig ans Unternehmen zu binden, ist laut Jo van Onsem, Chef der Xerox Global Services in Deutschland, im Wettbewerb die halbe Miete. Vorausgesetzt, als Arbeitgeber befriedige man die "grundlegenden Bedürfnisse" von Millennials und eigne sich die "Arbeitsweise der neuen Arbeitnehmer-Generation" an.

In van Onsems Welt informieren sich Millennials schneller als ihre älteren Kollegen, recherchieren in anderen Kanälen und kommunizieren in Echtzeit in Communities und Blogs. Millennials pfeifen aufs Festnetztelefon und kennen den Begriff Aktennotiz nur vom Hörensagen. Statt in tief gestaffelten Hierarchien, dem Erkennungszeichen der Konzerne, arbeiten sie lieber in virtuellen Teams. Jegliche Einbindung in starre Raster lehnen sie ab. Nur wenn Arbeit so flexibel wie möglich organisiert ist, rufen Millennials ihr volles Leistungspotenzial ab.

Solchen Autonomen, die selbständig und eigenorganisiert entscheiden, wie sie ihre Zielvereinbarungen erfüllen, stehen bei Xerox alle Türen offen: 80 Prozent der Mitarbeiter verfügen van Onsem zufolge über einen Laptop, immerhin 30 Prozent über Blackberry und andere kleine Mobilgeräte. "70 Prozent unserer Mitarbeiter können im Homeoffice arbeiten."

Einige Firmenbosse und Personaler in der IT-Branche halten die neue Generation nicht nur für flexibel, sondern auch für empfindlich. Für Young Professionals in der IT zählen demnach spannende Aufgaben weit mehr als ein paar hundert Euro extra auf dem Gehaltskonto. Fühlen sie sich aber von ihrem Arbeitgeber getäuscht, sind sie schneller bei der Konkurrenz, als manchem Chef lieb ist.

Firmen dürfen nicht knausrig sein

Paul Lütke Wissing, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Sepago in Köln, hält die jungen Leute dagegen für ganz normale Mitarbeiter, die, wie frühere Generationen auch, eben die zeitgemäßen Arbeitsmittel einsetzen. Für ihn führt der starke Technikfokus in die Irre. Warum, beschreibt er so: "Unsere junge Truppe besteht ausschließlich aus so genannten Millennials. Wären sie nicht technikbegeistert und hochmotiviert, könnten sie unsere Kunden auch nicht von der Qualität unserer Lösungen überzeugen." Als Arbeitgeber könne man es sich heute nicht mehr erlauben, "knausrig oder gar innovationshemmend" zu sein, sagt Wissing. "Dann wären wir schnell weg vom Fenster." Aber Technik sei nicht der springende Punkt: "Technik ist austauschbar, die Unternehmenskultur nicht."

Mit Verwunderung nimmt auch Uwe Kloos, Personalleiter des Münchner Beratungshauses Softlab, die Spekulationen über Millennials zur Kenntnis. Von den rund 400 im Jahr 2006 eingestellten IT-Spezialisten der BMW-Tochter ist jeder fünfte Hochschulabsolvent. Für Kloos ist es selbstverständlich, dass neueste Technik zum Einsatz kommt und Mitarbeiter viel Freiraum erhalten. Das werde "allerdings mit normalen Maßstäben" gesehen. Millennials, die Softlab einstelle, seien soziale Wesen, die am persönlichen Austausch interessiert seien, aber "keine virtuellen Blogger".

Das von Forrester und Xerox entwickelte Szenario, demzufolge Firmen Unheil drohe, die dem technikbegeisterten Nachwuchs keine weitgehende Autonomie einräumten, ruft entschiedenen Widerspruch hervor. Ein Arbeitsumfeld, das Forrester zufolge von neuesten interaktiven Technologien sowie einer flexiblen Arbeitsorganisation geprägt sein müsste, ist laut Unternehmensberaterin Monika Rösler aus Idstein längst selbstverständlich. Es reiche aber nicht aus, um junge, leistungsorientierte Mitarbeiter zu halten.

Noch weiter geht Erich Latniak, Arbeitswissenschaftler am Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen: "Die Annahme, man könne mit Gadgets quasi Leute einfangen, ist verfehlt." Latniak unterstellt auch jungen Leuten, die mit digitalem Schnickschnack aufgewachsen sind, herkömmliche Wünsche an die berufliche Karriere: "Aufgaben, Entlohnung, Entwicklungsmöglichkeiten und das ganze Umfeld müssen stimmen." Das bestätigt Beck-et-al.-Boss Lautenbacher: "In Bewerbungsgesprächen mit jungen Nachwuchskräften stellen wir fest, dass nicht mehr die Technik als solche fasziniert, sondern deren Nutzungsmöglichkeiten." Als Selbstzweck ist Technik ohnehin nicht gefragt, wie der Münchner Unternehmensberater Bernhard Schmid beobachtet. Die Chefetage interessiere einzig der handfeste Nutzen. "Es geht nicht mehr darum, ob man PDAs in die IT einbindet oder nicht, sondern nur noch darum, wie schnell und wie sicher."

Haben sich Xerox und Forrester mit ihrem Millennium-Hype also kräftig verkalkuliert? Ohne Zweifel, meint zumindest Professor Gunther Olesch, Geschäftsführer und Personalchef der Phoenix Contact GmbH in Blomberg. Seit das Unternehmen im Rahmen eines Mittelstandswettbewerbs zum "Arbeitgeber des Jahres" gekürt wurde, türmen sich beim Hersteller für Kontaktschalter die Bewerbungen von Nachwuchskräften. Olesch fragt die Kandidaten regelmäßig, was einen idealen Arbeitgeber auszeichne. Ergebnis: Moderne Firma, guter Ruf, ausgezeichnete Entwicklungsperspektive. "Technik rangiert meist unter ferner liefen."

Wichtiger ist für Olesch die Ernsthaftigkeit, die sich bei jungen Leuten mit der Ausbildung oder dem Studium auspräge: "In einem Unternehmen spielen sie nicht mehr mit Freunden, sondern müssen mit anderen Kollegen zusammenarbeiten." Ein moder-nes IT-Umfeld könne diesen Prozess sehr unterstützen. Als "Götze", so Olesch, eigne IT sich aber nicht. "Mitarbeiter und Kunden wünschen den persönlichen Kontakt, sie wollen emotionalisiert werden. Das kann kein PC."