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23.11.1984 - 

BRD hinkt im öffentlichen DB-Angebot hinterher:

Milliarden Infos ungenutzt auf Halde

GUTERSLOH (pi) - Die schnelle und effiziente Informationsbeschaffung ist das Angebot im ständig wachsenden Markt der internationalen Online-Informationsbanken. An dem Weltmarktabsatz dieser neuen Informationsbranche von etwa 8 Milliarden Mark hat die Bundesrepublik Deutschland einen Anteil von weit unter 1 Prozent. Auch in der Datenbanken-Produktion liegt die Bundesrepublik mit nur knapp drei Prozent der Datenbanken im internationalen Bereich noch weit zurück. Deutsche Informationsproduzenten haben sich auf diese zukunftsorientierte Publikationsform bislang noch nicht eingestellt.

Ergebnisse einer jetzt veröffentlichten Marktanalyse der Bertelsmann Datenbankdienste GmbH, München, lassen die Relationen auf der Angebotsseite deutlich werden: Übergewichtig stark vertreten ist Nordamerika (USA und Kanada) mit einem Anteil von 76 Prozent. Europa stellt 21 Prozent, während es die Bundesrepublik nur auf einen dreiprozentigen Anteil an diesem Zukunftsmarkt bringt. Immerhin gleich viel wie Afrika, Asien und Australien zusammen. Trotzdem ein schwacher Trost für eine exportorientierte Industrienation, die grundsätzlich auf einen aktuellen und schnellen Informationsfluß in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Politik angewiesen ist. Das internationale Datenbankangebot hat sich heute seinen Schwerpunkt im Bereich "wirtschaftliche und ökonomische Informationen", die 52 Prozent der öffentlich verfügbaren Datenbanken umfassen. Der Bereich "Technik" bringt es auf einen Anteil von 15 Prozent, während "Biomedizin und Naturwissenschaften" 11 Prozent ausmachen. Alle übrigen Fachbereiche zusammen kommen auf 22 Prozent. Amerikanische Unternehmen und Institutionen greifen auf diese Informations-Schätze bereits kräftig zu.

Die Verlagsgruppe Bertelsmann bietet seit Januar 1984 datenbankgestützte Informationsdienste an. Die neuen Dienste werden "online", und als Printprodukt zugänglich gemacht. Bertelsmann bietet damit einen neuen Typ von Fachinformationen an und hat daher die mit der Datenbankentwicklung und dem Vertrieb beauftragte Firma Bertelsmann Datenbankdienste GmbH (Gründung: im Herbst 1983) dem Bereich der Fachverlage zugeordnet.

In einem ersten Schritt hatte das Unternehmen exklusiv für den deutschen und österreichischen Markt den Vertrieb des Data-Star-Dienstes der Radio Schweiz AG, Bern, übernommen. Mit Data Star stehen den Benutzern zur Zeit etwa 50 verschiedene Datenbanken mit insgesamt etwa 25 Millionen abgespeicherten Dokumenten für Wirtschaftsinformationen und naturwissenschaftlich/technische Fachrichtungen zur Verfügung.

Unter Online-Datenbanken versteht man den Bestand aus tausenden von nationalen und internationalen Fachzeitschriften, Büchern, Zeitreihen, Patenten, Konferenz- und Symposiaberichten in maschinenlesbarer Form.

Online-Datenbanken werden heute in drei Kategorien unterteilt. Das sind zum ersten die bibliographischen oder Hinweisdatenbanken. Hier werden nicht die vollständigen Bücher, Aufsätze oder Patente gespeichert, sondern in den meisten Fällen die Titel der Publikationen, die bibliographischen Angaben, den Inhalt des Dokumentes beschreibende Schlagworte (Deskriptoren), die Zusammenfassung des Textes (Abstract) und in bestimmten Fällen Tabellen, Kodierungen und Klassifikationen. Als Abfragekriterien dienen freie Schlagworte und die eben genannten Klassifikationen und Kodierungen.

Die Faktendatenbanken dagegen liefern direkt die gewünschte Zielinformation. Hier sind statistische Informationen - also Materialkonstanten, physikalische Daten - so gespeichert, daß direkt darauf zugegriffen werden kann. Und last not least stehen dem Frager die Volltextdatenbanken für Recherchen zur Verfügung. Hier sind, wie der Name schon aussagt, die kompletten Texte der Publikationen gespeichert.

Für den Dialog mit dem Rechner benötigt der Nutzer als technische Voraussetzung ein Telefon und zur Übertragung der gesendeten und zu empfangenden Daten (hier die Informationen) ein Terminal.

Weiterhin muß der Anfrager berechtigt sein, die von der Bundespost bereitgestellten Datenübertragungsnetze (Datex-P, Euronet, Zugang zu Telenet und Tymnet) und die Datenbanken des (der) gewünschten Hosts nutzen zu dürfen. Dazu muß man Paßworte bei der Deutschen Bundespost und den Datenbankdiensten beantragen.

Nach Auswahl der geeigneten Datenbank kann er mit seiner Recherche beginnen, indem er die für ihn relevanten Suchworte eingibt. Innerhalb von Sekunden erscheint per Drucker oder auf dem Bildschirm (je nach Terminalart) die Anzahl der Veröffentlichungen zu den jeweiligen Suchbegriffen. Erscheinen zu viele Treffer, kann durch logische Verknüpfungen (UND, ODER, NICHT) dieses Ergebnis eingegrenzt werden.

Durch Eingabe entsprechender Kommandos an das System erhält man direkt je nach Wunsch die Titel, Schlagworte, bibliographischen Angaben und/oder eine Zusammenfassung (Abstract) des Originalartikels (Ausnahme bilden die Volltextdatenbanken). Reicht die Zusammenfassung nicht aus, so ermöglichen einige Anbieter (Host) die Originalliteraturbestellung vom Terminal aus (electronic mailing). Bei den Faktendatenbanken erhält der Kunde nicht "nur" Zahlen. Die Hosts bieten komfortable Berechnungspakete, die viele Arten der Weiterverarbeitung wie zum Beispiel Analysen, Prognosen oder das Mischen mit kundeneigenen Daten sowie die verschiedenen Formen der grafischen Darstellung (Bubble-, Pie-, Bar-, Linechart) ermöglichen, an. Weiterhin kann man bei allen Hosts eigene Frageprofile speichern, so daß neue Publikationen automatisch dem Nutzer zugesandt werden.

Grundsätzlich kann man sagen daß inhaltlich die Fachgebiete Naturwissenschaften, Technik und Biomedizin von Datenbanken sehr gut abgedeckt werden; wobei auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformationen noch Lücken für den deutschen Sprachraum vorhanden sind.

Die Kosten der Informationsbeschaffung resultieren aus den Datenbank- und Telekommunikationsgebühren. Die Kosten für die online-abrufbaren Datenbanken liegen in der Größenordnung von rund 200 Mark pro Stunde; die Abrechnung erfolgt auf Sekundenbasis (bei den Faktendatenbanken oft nach Rechnerzeit).

Die Postgebühren für die Nutzung der Datennetze setzen sich aus einem Zeit- und einem Volumenteil (Anzahl übertragener Daten) zusammen. Bei der Recherche in europäischen Datenzentralen übersteigen die Postgebühren selten den Betrag von 20 Mark je Stunde. Für die Übertragung von Informationen nach und aus den Vereinigten Staaten oder anderen außereuropäischen Ländern erhöht sich dieser Wert auf 40 bis 80 Mark je Stunde.

Die Entwicklung der Datenbanksysteme (über 2400 Datenbanken gibt es weltweit) zeigt, daß für die schnelle, gezielte Informationsbeschaffung die Befragung des Computers - damit verbunden die enorme Fähigkeit verschiedene Sachverhalte unterschiedlich zu kombinieren - gegenüber traditionellen Informationsbeschaffungswegen wie Bibliothek und Archiven immer mehr an Bedeutung gewinnt.