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System- und Anwendungsexperten gesucht


06.09.1996 - 

Milliardenmarkt Multimedia noch in den Kinderschuhen

In diesen Branchen erhöhten sich die Stellenangebote im ersten Halbjahr 1996 gegenüber dem Vorjahr durchschnittlich um 41 Prozent. Über alle Industriezweige gesehen, lag das Wachstum lediglich bei zwölf Prozent. Betrachtet man die Nachfrage nach DV- Spezialisten in der Medienbranche etwas differenzierter, so wird deutlich, daß die Spezialisten für Anwendung und Systementwicklung eindeutig die Gewinner sind. Während sich die Angebote für DV- Spezialisten im klassischen DV/Org.-Bereich immerhin um 63 Prozent erhöhten, haben sich im gleichen Zeitraum die Offerten für die Softwareproduktion mehr als vervierfacht.

Aus diesen Zahlen wird deutlich, daß sich die Medienbranche derzeit noch in der Vorbereitungsphase beziehungsweise Anfangsphase für den Angriff auf den Milliardenmarkt Multimedia befindet.

Diese Industrie ist dabei

- die technischen Grundlagen für die Integration der verschiedenen Medien und deren DV-technische Vernetzung zu schaffen. Hierzu werden Telekommunikations-, Netzwerk- und Systemspezialisten gesucht, die in Qualifikation und Menge derzeit am Markt nicht zu finden sind.

- Anwendungen zu entwickeln, die aus den technischen Möglichkeiten wirtschaftlich vermarktbare Produkte werden lassen. Hierzu bedarf es seitens der gesuchten Kandidaten spezieller Qualifikationen zwischen DV- und Kommunikationstechnik sowie Analysefähigkeit und Designkompetenz.

Der relativ geringe Anteil der Vertriebspositionen an den Angeboten verdeutlicht, daß die Phase der Vermarktung von Multimedia noch am Anfang steht. Dennoch hat sich die Nachfrage nach Vertriebsleuten im ersten Halbjahr 1996 gegenüber 1995 bereits wesentlich verstärkt, und das macht deutlich, daß hier eine Verschiebung zu erwarten ist.

Die Erfahrungen bei der Suche und Auswahl von Mitarbeitern lassen erkennen, daß wir es hier mit Feldern zu tun haben, die in ihrer Kombination völlig neue Qualifikationsprofile erfordern, die das bisherige Ausbildungssystem so nicht abbildet:

- Software-Ingenieure sind gefordert, nicht mehr nur Wissen einzusetzen, sondern über systemübergreifendes, integratives Know- how zu verfügen.

- Vertriebsleute kommen bei der Komplexität der Systeme ohne technisches Wissen nicht mehr aus.

- Die Verlagerung vom Produkt- zum Projektgeschäft macht analytische und gestalterische Fähigkeiten zur Voraussetzung.

- Die Komplexität und Größe der Anwendungen erfordern Erfahrungen im Projekt-Management hinsichtlich der zeitlichen Steuerung und des betriebswirtschaftlichen Erfolges.

- Die zahlreichen Schnittstellen machen auf allen Ebenen Kommunikationsvermögen notwendig.

Das Ausbildungssystem in Deutschland ist viel zu träge, um den sich wandelnden Anforderungen des Multimedia-Marktes gerecht zu werden. Entsprechende Aktivitäten an Fachhochschulen und Hochschulen sind Einzelinitiativen und müssen mangels eines integrierten Ansatzes Stückwerk bleiben. Ein lobenswertes Beispiel für die Umsetzung in ein Ausbildungskonzept findet sich derzeit am Bodensee in Friedrichshafen, wo eine Multimedia-Akademie gegründet wurde, die die entstandene Ausbildungslücke schließen soll. Dieses Konzept ist ein Ansatz zur Lösung des Qualifikationsproblems. Zu hoffen ist, daß die Konzeptionisten auch an die Anforderungen auf der Methodenseite wie zum Beispiel Projekt-Management oder die Fähigkeit zur Kommunikation gedacht haben.

*Waldemar Timm ist Kienbaum-Niederlassungsleiter in Karlsruhe.