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15.06.1990 - 

In Paderborn wird auch in diesem Jahr mit roten Zahlen gerechnet

Milliardenverlust : Nixdorf ist noch immer auf Talfahrt

MÜNCHEN (CW) - Die Nixdorf Computer AG hat im abgelaufenen Geschäftsjahr die schlimmen Erwartungen erfüllt: Ein Minus von 849 Millionen Mark als Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit addierte sich durch die Kosten für 2500 Entlassungen und Rückstellungen für weitere Umstrukturierungen auf einen Jahresfehlbetrag von 1,069 Milliarden Mark.

Mit dem katastrophalen Ergebnis ging erstmals auch der Nixdorf-Umsatz zurück: Zwei Prozent weniger als 1988 ergeben 5,26 Milliarden Mark; einem Anstieg des Auslandsgeschäftes um vier Prozent stand ein Minus von sieben Prozent auf dem deutschen Markt gegenüber. Anlaß zu noch mehr Pessimismus gibt der Auftragsbestand: Am Ende des Geschäftsjahres 1989 lag er mit 4,3 Milliarden Mark um 16 Prozent unter dem Vorjahreswert; allein neun Prozent gehen allerdings laut Nixdorf auf veränderte Berechnungsgrundlagen beim Kundendienst und bei der Konsolidierung der Tochtergesellschaften zurück.

Bis zur Jahresmitte 1989 war nach Angaben aus Paderborn der Umsatz noch gestiegen. Dann verstärkten sich die Spekulationen um eine Nixdorf-Übernahme, in deren Folge statt der branchenüblichen Geschäftsbelebung im zweiten Halbjahr der Einbruch kam. "Vor allem die deutschen Kunden fühlten sich in der zweiten Jahreshälfte 1989 verunsichert",

heißt es dazu lapidar in einer Nixorf-Pressemitteilung.

Darüber hinaus geben die Paderborner jedoch auch krasse Management-Fehler aus der Ära Klaus Luft zu: So habe sich die "unternehmensspezifische Einschätzung des Marktes, die in den Jahren 1987 und 1988 zur Schaffung von rund 5500 zusätzlichen Arbeitsplätzen führte, als zu optimistisch" erwiesen. Luft war auf CW-Anfrage nicht bereit, hierzu Stellung zu nehmen.

Die 1989 unausweichlich gewordenen Reparaturarbeiten umfaßten neben umfangreichen Stellenstreichungen eine Senkung der Investitionssumme um 23 Prozent auf 578 Millionen Mark.

Der erhoffte Effekt in Form einer Produktivitätssteigerung stellte sich dennoch nicht ein: Personalkosten und sonstige betriebliche Aufwendungen nahmen gegenüber 1988 noch einmal um vier Prozent zu.

Auch für das laufende Rumpf-Geschäftsjahr bis zum vorgesehenen Zusammenschluß mit der Siemens AG am 1. Oktober wird in Paderborn "noch mit hohen Verlusten gerechnet", wie es in der Pressemitteilung weiter heißt. Diese werden zum Teil auf die Kosten für 3500 Stellenstreichungen zurückzuführen sein, von denen per 1. April bereits 1800 wirksam wurden.

Ihren Tribut wird aber auch die Angleichung der Nixdorf-Produktlinien an diejenigen des künftigen Seniorpartners Siemens fordern: Überlappungen gibt es beispielsweise im Unix-Bereich, wo Siemens die Ausrüstung seiner MX-Systeme mit neuen Intel-486-Prozessoren und neuen Betriebssystem-Versionen plant. Nixdorf bietet hier die Targon-Reihe, die laut wiederholten Unternehmensangaben gleichwohl auch nach der Fusion weiter existieren soll.