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05.04.1991

Milliardenverluste haben sich bestätigt, aber Lorentz: 1993 macht Bull wieder Gewinn\

PARIS (bk) - Amtlich sind nun die Milliardenverluste der französischen Groupe Bull für das Geschäftsjahr 1990. Bei einem Gesamtumsatz von 34,6 (Vorjahr: 32,7, allerdings noch ohne Zenith Data Systems) Milliarden Franc (gut zehn Milliarden Mark) belief sich der Gesamtverlust auf knapp 6,8 Milliarden Franc (zirka 1,9 Milliarden Mark).

Mit diesem Ergebnis bewegt der französische Computerriese am oberen Ende der Analystenprognosen, die einen Fehlbetrag von fünf bis sieben Milliarden Franc erwartet hatten. Bull-Chef Francis Lorentz gab sich dennoch einmal mehr optimistisch für die Zukunft. "Ich bin absolut davon überzeugt, daß Bull diese Krise überleben wird." Man dürfe nicht vergessen, welchen Weg das Unternehmen in den letzten acht Jahren hinter sich gebracht habe. Schließlich habe sich Bull von einer Niederlassung einer amerikanischen Gesellschaft hinentwickelt zu einer eigenständigen internationalen Gruppe, die allerdings noch eine komplizierte Struktur aufweise.

Mit Hilfe des mittlerweile gestarteten "Transformationsprogrammes", das eine weltweite Umstrukturierung der Gruppe vorsieht, werde Bull bis Ende dieses Jahres die gesamte Organisation gestrafft haben.

Insgesamt allerdings fallen diesem Programm doch mehr Arbeitsplätze zum Opfer, als Lorentz dies im November letzten Jahres angekündigt hatte. Nachdem damals von 7000 abzubauenden Stellen die Rede war, ließ der Bull-Chef nunmehr durchblicken, daß die Reduzierung insgesamt 8500 Arbeitsplätze kosten werde. Betroffen sind vor allem das Fertigungspersonal - Bull schließt bekanntlich sieben Werke - und die Mitarbeiter im administrativen Bereich. Hier soll es bis Ende 1991 zu einer Verringerung um 30 Prozent kommen.

Staat such neue Kapitalgeber

Einmal mehr wies der Bull-Chef alle Spekulationen zurück, die französische Regierung sei mit dem drastischen Umstrukturierungsprozeß nicht einverstanden. "Unser Hauptaktionär unterstützt unser Transformationsprogramm in jeder Hinsicht." Dennoch scheint der französische Staat mehr denn je neue Kapitalgeber für den finanziell schwer angeschlagenen DV-Konzern zu suchen. So laufen derzeit Gespräche mit der France Telecom - ebenfalls ein staatliches Unternehmen, das zu 17 Prozent an Bull beteiligt ist - über ein Joint-venture, über das France Telecom künftig die internationalen Telecom-Aktivitäten des DV-Multis übernehmen soll. Als Gegenleistung aber scheint die Regierung zu erwarten, daß der Telekommunikationsanbieter einen Teil der rund zwei Milliarden Franc frischen Kapitals übernimmt, die man Bull in diesem Jahr zukommen lassen will. Eine Entscheidung steht noch aus.

Wie schon vor einigen Monaten, bekräftigte Lorentz erneut, mit Bull 1993 wieder in der Profitzone zu sein. Mit der Restrukturierung sei man auf dem richtigen Weg und auch produktmäßig habe man mit dem auf der CeBIT unlängst angekündigten "Distributed Computing Model", mit dem Bull eine verteilte Informationsverarbeitung auf Basis offener Systeme realisieren will, den Grundstein gelegt, für Softwarepartner und multinationale Kunden künftig noch attraktiver zu sein.

Ende 1992 ein Turnover von sieben Milliarden Dollar

All diese Anstrengungen des Unternehmens zuzüglich weiterer strategischer Allianzen in Form des geplanten Vertriebs-Joint-ventures zwischen Nokia Data Systems und Bull für den skandinavischen Markt, werde man bis Ende 1992 eine internationale Gruppe mit einem Turnover von sieben Milliarden Dollar sein. Eine Antwort schuldig blieb Lorentz jedoch auf die Frage, was passieren würde, könne er diese Ziele nicht realisieren.